Familienportrait – Gedanken an Lola

 

Zwei Tage nach ihrem Tod, zufällig ist Volkstrauertag

Es ist auffällig ruhig in der Wohnung, nur die Heizungsrohre knacken. Lola hat ja viel gesprochen, selbst im Schlaf hatte sie eine breite Palette von Wesensäußerungen. Diverse Vorsichtsmassnahmen sind plötzlich überflüssig geworden. Essen muss nicht sofort wieder in Kühlschrank geräumt werden, Plastik aller Art kann ich offen liegenlassen, ohne Gefahr, dass sie es auffrisst. So erinnere ich mich und sie fehlt mir.

Gestern früh stand pünktlich Herr Hanf mit einem Spaten vor der Tür. Während er das Grab aushob, drückte ich Lolas nun schon kalten, steifen Leib, den ich in ein schönes altes Hemd von mir gewickelt hatte, an meine Brust und sprach letzte Worte zu ihr. Als wir vom Grab weggingen, hatte mein Hauswart feuchte Augen. Als ich in die leere Wohnung zurückgekommen bin, konnte ich endlich auch selbst weinen. So heftig habe ich wohl noch nie in meinem Erwachsenenleben geweint, weder als John Lennon ermordet wurde, noch beim Begräbnis meiner Mutter. Ich glaube im Alter kommt man/frau besser in Kontakt mit den eigenen Gefühlen, zumindest mir geht das so.

Danach ging ich auf den Markt und kaufte mir zum ersten Mal seit Jahren Blumen. Auch darauf hatte ich verzichtet, weil Lola alles Grüne anfrass und Blumenvasen in Rekordzeit zum umkippen brachte. Schöne, weiße Rosen. Eben habe ich eine auf ihr Grab gelegt und ein Grablicht aufgestellt.

Einige Fotos habe ich noch gefunden. Lola nach der Geburt ihrer Kinder. Sie war noch so jung, ca. 10 Monate erst, als sie warf. Ein Bild zeigt sie mit dem autistischen Sohn einer Freundin, den ich hier ein einziges Mal lächeln sah. Das letzte Bild zeigt alle vier Kitten im Wurfkorb.

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