Archive | December 2013

Familienportrait – Die Liebe in Zeiten des Krieges / In vier Kapiteln erzählt von Marcus Kluge / 1941-48

 

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  Teil 1

 

IMG_20131012_0008  Helmut vor dem Krieg

 

 

Trauma

 

17einhalb Stunden Dienst im Schützengraben. Als endlich die Ablösung kommt, kann Helmut kaum laufen. Ihm wird ein Schlafplatz zugewiesen, ein letzter Handgriff, wie immer an der Front, schiebt er die drei Goethe-Bände unter den Kopf, als Kopfkissen. Trotz des Gefechtslärms schläft er sofort ein, das lernt man an der Front.

 

Als die Granate einschlägt träumt er von einem blonden Mädchen mit leuchtenden, blauen Augen. Er erkennt sie nicht. Wach wird er nicht wirklich, er nimmt nur einen heißen, grellen Schmerz an der rechten Schulter wahr. Ein großes Tier muss ihn gebissen haben…

 

 

IMG_20131012_0005  Käte

 

 

Auf dem Verbandsplatz bekommt er Morphium, der Sanitäter wundert sich über soviel Dusel bei dem verwundeten Obergefreiten. Wenn der Goethe unter seinem Kopf nicht gewesen wäre, hätte es seinen Hinterkopf zerfetzt, so war es nur der rechte Oberarm. Das Schrapnel hat eine klaffende Wunde bis auf den Knochen verursacht. Man versorgt die Wunde soweit es möglich ist, der Weg zum Lazarett ist noch weit.

 

Traum

 

Die Wunde entzündet sich, Penicillin haben die Deutschen noch nicht. So kämpft Helmuts Körper drei Tage. Bei 40°Fieber zieht sein Leben an meinem Vater vorbei. Die kurze Ehe mit einer kapriziösen Schauspielerin, Saltos machen für René Deltgen in den UFA-Studios, Boxen, 16 Kämpfe, nur zwei verloren, im Schach remis gegen den deutschen Meister.

 

 

IMG_20130627_0005  Mit Vera von Langen in den UFA-Studios Babelsberg 1938

 

 

Das kommt ihm alles so überflüssig vor, eitel, vertane Zeit. Wenn er hier raus kommt und der Krieg vorbei ist, muss er ein ganz neues Leben beginnen. Alles auf Null und dann durchstarten, promovieren, inszenieren und spielen auch, die großen tragischen Rollen, Faust, Hamlet, Don Carlos.

 

Sein 23 Jahre alter Körper gewinnt Das Spiel. Doch er erholt sich nur langsam, was einen Vorteil hat, er kann auf Heimaturlaub gehen.

 

Treffen

 

Über zwei Jahre dauert dieser Krieg schon. Käte sitzt in einer kleinen Konditorei in der Nähe der Friedrichstraße. Der Schankraum ist fast leer. Draußen wird es schon dunkel. Der Soldat in der feldgrauen Uniform sieht nett aus. Er könnte slawischer Herkunft sein, ein russischer Graf vielleicht. Sie ärgert sich über ihre ausschweifende Phantasie. Sie hält sich zur Sachlichkeit an. Immerhin hat sie es in drei Jahren bis zur Buchhalterin geschafft, und sie ist stolz darauf.

 

 

IMG_20131012_0003  Ein Stapel Bücher neben sich

 

 

Später werden beide nicht mehr wissen, wer als erster gesprochen hat. Vor Helmut steht ein Stapel Bücher auf dem Tisch, daneben Papier, er schreibt etwas. Ein Gedicht, wie sich herausstellt. Käte ist entzückt, ein Mann, der Gedichte schreibt, so jemanden trifft ein junges Mädchen mitten im Krieg nicht oft.

 

Sie reden über Gedichte, über Romane, Dramen, Schauspieler, kommen auf immer neue Themen, ohne das sie merken, wie die Zeit vergeht. Helmut erklärt, er möchte nicht das einfache, kleine Glück mit Familie und Büroarbeit, er will aufs ganze gehen und großen Erfolg haben oder eben grandios scheitern. Er warnt das junge Mädchen vor sich, mit ihm würde sie es schwer haben. Sie scherzt und tut als ob sie ihn nicht ernst nimmt. In Wirklichkeit hat seine Warnung etwas sehr Ansprechendes für sie. Bei aller Sachlichkeit, schlummert auch Romantik in ihr. Und alles was mit Dramen, mit Schauspielern und Theater zu tun hat, zieht sie magisch an. Sie steht oft die halbe Nacht an, um Karten für die begehrten, billigen Stehplätze im Schauspielhaus zu erwerben.

 

 

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Nach Stunden stellen sie fest, es ist bereits viertel vor sieben, sie haben sich total verplaudert. Er hat eine Karte fürs Schauspielhaus, Gründgens, Kätes Lieblingsschauspieler, gibt den Mephisto. Er muss los, Faust läßt man nicht warten. Auf der Weidendammer Brücke trennen sie sich. Bevor sie sich von einander losreißen, drückt sie ihm zu seiner Überraschung einen Kuss auf die Wange.

 

Sie läuft zur elterlichen Wohnung in die Perleberger Straße, sie ist bester Stimmung. Am Abendbrottisch verkündet sie Elisabeth und Werner: ” Heute habe ich den Mann getroffen, den ich heiraten werde.”

 

 

  Teil 2 / 1942-44

 

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Fieber

 

 

 

 

 

Kriege enden nicht wenn eine Partei gewinnt und die andere kapituliert. Kriege wirken nachhaltig.

 

 

 

 

 

Noch heute leiden, laut der Uni Leipzig, ca. 3.4% der 60- bis 90-jährigen Deutschen an einer posttraumatischen Belastungstörung infolge des 2. Weltkriegs. Ein Drittel der GIs, die aus dem Irak zurückkommen, haben psychische Probleme. Alkoholismus beobachtet man häufig, die Morphiumsucht wurde früher “Soldatenkrankheit” genannt, so häufig war die Abhängigkeit unter Veteranen. Kurz gesagt: Mit Ende des Krieges fangen viele Probleme erst an.

 

 

 

 

 

Die Teilnehmer eines Krieges, egal ob Kombattanten oder Nichtkombattanten, dürfen daran nicht denken. Für sie ist es nötig sich vorzustellen, dass im Frieden alles wieder gut wird und die Träume, die ihnen den täglichen Wahnsinn überstehen helfen, wahr werden. Käte stellt sich vor mit Helmut eine Familie zu gründen und ein eigenes Geschäft zu führen, am liebsten was mit Büchern. Helmut möchte Karriere machen, als Schauspieler und Regisseur und er stellt sich Käte als die Frau an seiner Seite vor.

 

IMG_20131012_0016 Käte träumt

 

 

 

 

In Berlin wird das Leben durch die fast allnächtlichen Bombenangriffe bestimmt. Die Nächte bringt frau häufig, ohne Schlaf im Luftschutzkeller zu. Tagsdrauf sieht sie dann, wo Bomben häßliche Löcher im Straßenbild verursacht haben und das drückt die Stimmung zusätzlich. Die Briefe, die ihr drei oder viermal in der Woche der Briefträger bringt, zeigen Käte aber doch, es geht schlimmer.

 

 

 

 

 

Gerade nachdem Helmut seine Verwundung am rechten Oberarm halbwegs weggesteckt hat, wird er wieder in die verlausten Schützengräben geschickt. Das hat Folgen, er erkrankt an Wolhynischem Fieber. Es wird auch Trench Fever genannt, weil es in den Schützengräben des 1. Weltkriegs erstmals beobachtet wurde. Tolkien, A.A. Milne und C.S. Lewis waren damals daran erkrankt. Auch im 2. Weltkrieg hat man noch keine wirksame Therapie dagegen. Schlecht verheilte Läusebisse verursachen das Leiden, doch an den hygienischen Verhältnissen an der Front ändert sich nichts, wie auch.

 

IMG_20131012_0006 Helmut schreibt

 

 

 

 

 

 

 

Helmut hat tageweise hohes Fieber, über 41°, dazu starke Kopf- und Gliederschmerzen, der Appetit verläßt ihn, er magert ab. Trotzdem schreibt er täglich an Käte, wenn das Fieber hoch ist, bringt er nur riesige, krakelige Buchstaben zustande, der Inhalt ist kaum zu entziffern. Dann ist er wieder klar, verfasst wunderbare Gedichte, die sie auf der Maschine sauber abtippt. Er baut für sein Kätchen und sich ein literarisches Luftschloss, in das sie vor dem Krieg flüchten können. Käte ist beeindruckt, hat Mitleid, ist wohl auch verliebt, doch es ist schwierig. Sie weiß nicht wirklich wer dieser Mann ist.

 

 

 

Ein paar Mal schafft es Helmut für ein paar Stunden oder Tage nach Berlin oder Muskau zu kommen, wohin Kätes Arbeitsstelle wegen der Luftangriffe verlegt wird. Seltsamerweise fühlen sich diese Treffen unwirklich an, sie sind einander fremd. Wenn es romantisch wird oder Helmut ihr zu nahe rückt, wird Käte kratzbürstig. In den Briefen sind sie sich viel näher.

 

IMG_20131012_0017 Sachlich, manchmal kratzbürstig

 

 

 

 

Hoffnung

 

 

 

 

 

Monatelang hat Helmut um ein Studiensemester gekämpft, er kann es kaum glauben, 1944 darf er nach Berlin und ein paar Monate studieren. Käte gibt die Anstellung bei der Wirtschaftsgruppe Glasindustrie auf, um auch wieder in Berlin zu leben, die Angriffe sind ihr egal. Sie und Helmut sind sich einig, in solchen Zeiten ist Fatalismus erlaubt, weder man noch frau kann das Schicksal beeinflussen und was passieren soll, wird passieren.

 

 

 

 

 

Am 20. Juli hören sie im Radio, es hätte ein Attentat auf Hitler gegeben, es ist nicht klar, ob er tot oder nur schwer verletzt ist. Am Abend sind sie im Schauspielhaus, Don Carlos steht auf dem Spielplan. Als Marquis Posa vom Despoten, “Sire, geben sie Gedankenfreiheit!” verlangt, gibt es Szenenapplaus. Es ist bekannt, dass dafür schon mindestens ein Deutscher, der da geklatscht hat erschossen wurde, aber in diesem Moment ist die Furcht weg. In der Pause machen fast alle Zuschauer Pläne, man hofft der Krieg würde bald zuende sein, nun da “der Verrückte” tot ist. Mit England und den USA könne man sich einigen, dann würde man gemeinsam die Sowjetunion niederringen… Auch Käte und Helmut machen Pläne. Plötzlich ist die Erfüllung der Träume ganz nah.

 

 

 

 

 

Als sie in der Perleberger Straße die Treppe hochkommen, steht Oma Elisabeth schon in der Tür und macht eine wegwerfende Geste. Hitler lebt, der Umsturzversuch ist gescheitert, Helmut muss schon bald wieder zurück an die Front.

 

IMG_20131016_0003 Es bleiben Briefe

 

 

 Teil 3 / 1945

 

 

 

Am 10. November 1942 verlässt Zarah Leander Deutschland. Sie wird nicht wieder ins deutsche Reich zurückkehren. Kurz vorher hat Goebbels noch versucht sie mit Schmeichelei und Geschenken umzustimmen. Doch Zarah hat begriffen, dass Deutschland den Krieg nicht mehr gewinnen kann . “Davon geht die Welt nicht unter” singt sie vor Wehrmachtsoldaten und SS-Männern im UFA-Film “Die große Liebe”. Dieser Film ist mit 27 Mio. Zuschauern der erfolgreichste überhaupt im Dritten Reich und hat am 12. Juni 1942 im UFA-Palast am Zoo Premiere. “Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehen” ist ein weiterer Schlager aus “Die große Liebe”, der auch Teil der Durchhaltepropaganda wird. Aber es geschieht kein Wunder und für die Deutschen geht im Frühjahr 1945 tatsächlich die Welt unter.

 

Bild Helmut, Rilke im Remter

 

 

 

 

Käte bekommt Anfang 1945 den letzten von über 100 Feldpostbriefen von Helmut. Er ist zuletzt in Marienburg, dem heutigen Malbork stationiert. Die im 13.Jh. erbaute Zentralburg des Deutschritterordens hat für die Nazis besondere Bedeutung. Helmut berichtet von einer Feierstunde in einem der Remter, so heißen die Speisesäle der Ordensburg. Dabei trägt er den “Cornet” von Rilke vor. Die klassische Soldatenballade “schwankt zwischen Glorifizierung des Heldentodes und der Sinnlosigkeit (jungen) Sterbens, Gefühlen von überzogener Ehre, Verlust und Traurigkeit.” Was er dabei fühlt, kann er wegen der Zensur nicht schreiben.

 

Bild Helmut links

 

 

 

 

Helmut deutet an, er würde Käte bald näher kommen, hofft wohl auf einen Rückzug. Dazu kommt es nicht. Ende Januar besetzen sowjetische Truppen die Stadt Marienburg. Die “Festung” wird sechs Wochen gegen die Rote Armee gehalten und am 8. März 1945 geräumt. Viele hundert Soldaten kommen ums Leben, deren “Hundemarken” keiner sammelt.

 

BildKäte

 

 

 

 

Auch in Berlin beginnt der von der Propaganda beschworene “Endkampf”. Alte und Halbwüchsige werden zum “Volkssturm” eingezogen. Verweigerer werden sofort hingerichtet. Oma Elisabeth und meine Mutter überlegen den Straßenkampf in der U-Bahn abzuwarten. Glücklicherweise kommt Onkel Paul, der wieder bei der Polizei arbeitet, kurz in der Perleberger Straße vorbei. Er warnt die beiden vor der U-Bahn und besorgt ihnen Plätze im Bunker an der Schumannstraße neben dem Deutschen Theater. 40 Jahre später wird meine Tochter dort tanzen gehen.

 

 

 

 

 

 

 

Dass sie die U-Bahn meiden, ist ein großes Glück. Am 2. Mai sprengt die SS den Tunnel unter dem Landwehrkanal. Das gesamte unterirdische Verkehrsnetz wird dadurch geflutet. Ob nur wenige oder etwa 100 Zivilisten ertrinken weiß man nicht genau, auch das Motiv für die Tat bleibt im Dunkeln.

 

 

 

Zwei Wochen bleiben sie im Bunker. Unter unvorstellbaren hygienischen Bedingungen passieren hier kleine und große Tragödien. Der Schauspieler Aribert Wäscher, der in Hunderten Filmen mitgewirkt hat, unter anderem in Riefenstahls Mammutproduktion von Tiefland (1940-44), klagt und zetert laut vor sich hin. Eine daneben sitzende Mutter hat es schwer ihre Kinder bei Laune zu halten. Nach einem Tag und einer Nacht geht sie zu Wäscher, ohrfeigt ihn, danach verstummt der große Mime.

 

Bild Oma, Anfang der 40er Jahre

 

 

 

 

Nach etwa zehn Tagen hören Oma und Käte, es würde zwei Ecken weiter Milch aus sowjetischen Beständen ausgegeben. Sie besorgen sich Kannen und verlassen den Bunker. Der Theatervorplatz ist Niemandsland zwischen den Stellungen des Volkssturms und der Russen. Oma holt ein Taschentuch hervor, schwenkt es und betritt den Platz. Tatsächlich läßt das Feuer nach und die Frauen überqueren den Platz. Es sind die längsten 200 Meter ihres Lebens.

 

 

 

Für den Rückweg zeigt ihnen ein Soldat einen Umweg, sie kommen heil zurück in den Bunker. Nach weiteren drei Tagen sind die Kampfhandlungen zuende. Sie können den Bunker verlassen. Was sie draußen erwartet hat apokalyptisches Ausmaß. Überall lodern noch Brände, der Rauch beißt in den Augen. Es riecht nach verbranntem Fleisch, nicht nur Leichen liegen auf den Straßen, auch viele Pferdekadaver sind der Verwesung preisgegeben. An Laternenmasten hängen Tote, die Schilder um den Hals haben. Darauf stehen Sätze wie, ” Ich war zu feige mein Vaterland zu verteidigen”, oder ähnliches. Auf dem Weg in die Perleberger Straße sehen sie mehr Ruinen als bewohnbare Häuser.

 

Bild Käte mit Freundin Inge im Tiergarten

 

 

 

Zuhaus verbrennen sie Fotos und Dokumente, auf denen Hakenkreuze zu sehen sind. Russische Soldaten erschießen Männer und Frauen, bei denen so etwas gefunden wird. Für Vergewaltigungen reicht es, dass Frauen anwesend sind. In der Nacht weckt sie Krach im Vorderhaus. Es scheinen plündernde Soldaten zu sein. Oma malt Käte rote Punkte ins Gesicht und steckt sie ins Bett, als ob sie eine ansteckende Krankheit hätte, ein Kopftuch verbirgt die verlockend blonden Haare. Sie haben Glück, noch bevor der Mob ins Hinterhaus eindringt, unterbindet Militärpolizei das Geschehen.

 

 

 

Am nächsten Morgen beschließt Oma Moabit zu verlassen. Tiergasten soll russisch werden, wogegen Wilmersdorf und Steglitz von Amerikanern kontrolliert werden soll. Sie packen ihr wichtigstes Hab und Gut auf einen Handwagen und durchqueren den Tiergarten. Am Zoo passieren sie das ausgebombte Aschingers, sie ziehen die Kaiserallee hoch, die heutige Bundesallee. Oma kennt die Straße gut. Vor dem Ersten Weltkrieg ist sie hier sonntags zum Zoo gelaufen. Nun hat sie zwei Weltkriege hinter sich.

 

 

 

Die kühle Mainacht verbringen sie im Volkspark. Am nächsten Morgen hören sie von einer leeren Wohnung in der Kaiserallee 181, gleich hinter der Berliner Straße. Sie besetzen die Wohnung, später werden sie behaupten, der Mietvertrag wäre verbrannt. Meine Oma wohnte in dem Haus bis sie, Anfang der 60er Jahre, eine Neubauwohnung in der Prinzregentenstraße bezieht.

 

 

 

Von Helmut hört Käte jahrelang nichts, sein Schicksal bleibt zunächst ein Rätsel für sie.

 

 

 

Bild Helmut, 3. v.re.

Familienportrait – Rückkehr nach Ithaka / Die Liebe in Zeiten des Krieges Teil 4 / 1947-49

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Genauso wie Penelope Odysseus, so hat auch Käte Helmut nicht vergessen. Fast drei Jahre hat sie nichts von ihm gehört. Vielleicht ist er bei den Kämpfen um die Marienburg gefallen, er könnte aber auch in russischer Gefangenschaft sein. Sie weiß, als deutscher Kriegsgefangener in der Sowjetunion könnte er dennoch tot sein. Es ist kompliziert, aber ein Gefühl hindert sie, Helmut ganz abzuschreiben.

 

Bild Käte arbeitet täglich 10 Stunden bei der Polizei

 

 

 

Das Leben geht weiter. Im Herbst 1947 lernt sie einen Mann kennen, er umwirbt sie, eine Liebschaft beginnt. Anfang 1948 ist sie schwanger, genau weiß sie nur, sie will dieses Kind. Bei dem Mann ist sie sich nicht so sicher. Sie bleibt bei Oma wohnen, inzwischen arbeitet sie im Polizeirevier 12 in Mitte, täglich zehn Stunden. Onkel Paul hat ihr im Dezember 1945 die Arbeit besorgt. Am 1. Mai 1946 hat er sich dann vor die Heidekrautbahn gelegt.

 

Bild Kriegsgefangene

 

 

 

 

Der Sommer 1948 ist heiß. An einem Sonntagmittag klingelt es, vor der Tür steht ein deutscher Soldat. Er ist nicht mehr jung, sehr dünn und bleich, trotz der Sonne draußen. Der zerschlissene Soldatenmantel schlottert ihm um die Hüften. Erst nachdem er angefangen zu sprechen, und auch dann erst nach einer Weile, erkennt ihn Käte. Helmut ist aus dem Krieg zurückgekehrt, sie umarmen sich, beide schluchzen, weinen. Es dauert bis sie ihre Fassung wiederfinden.

 

Die Wochen die folgen werden schwierig. Schwierig für Käte, die hochschwanger eine Entscheidung treffen muss. Schwierig für Helmut, der es übelnimmt, dass sie das Kind eines Anderen unterm Herzen trägt. Bei allen Entbehrungen der Gefangenschaft in Sibirien, der Kälte, dem Hunger, dem Verlust jeglicher Menschenwürde, hat er nie die Hoffnung verloren, dass Käte auf ihn warten wird.

 

 

 

Obwohl sie nicht weit auseinander wohnen, sie in der Kaiser-(heute Bundes-)Allee, nahe der Berliner Straße, er in der Brandenburger, schreiben sie sich wieder Briefe. Nun freiwillig, nachdem es so lange vom Krieg erzwungen war, hilft es ihnen ihre Situation zu klären.

 

Seit 24. Juni ist West-Berlin von den Sowjets blockiert. Seitdem wird die Stadt von US-amerikanischen Flugzeugen versorgt, die Luftbrücke ist geboren. Britische Maschinen landen in Gatow, die Franzosen richten extra für die Luftversorgung den Flughafen Tegel ein. Die Westberliner leben hauptsächlich von Trockenkartoffeln und Brot. Ein “kartenfreies” Stück Kuchen kostet acht Mark, ein Tageslohn. Der “Otto-Normalverbraucher” wird geboren, ein spindeldürrer Gert Fröbe spielt ihn in dem Film “Berliner Ballade”.

 

Bild Helmut mit Thomas in der Bundesallee

 

 

 

Käte und Helmut einigen sich, Käte gibt dem “Anderen” den Laufpass, sie wird ihn nicht wiedersehen. Das Ungeborene werden sie aufziehen, als ob Helmut sein Vater wäre. Am 2. September 1948 wird mein Bruder Thomas geboren. Käte hat Glück, es gibt gerade Strom im Kreissaal, das ist nicht die Regel. Am 16. März 1949 feiert die kleine Familie Verlobung, Abendgarderobe wird erbeten.

 

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Bild Die Einladung schreiben sie auf Ausweisformulare

 

 

 

 

Helmut hat ein Programm vorbereitet, er rezitiert Hauptmann, Goethe, Tucholsky und Shakespeare. Die Einladung schreiben sie auf Ausweisformulare, weil es kein Papier zu kaufen gibt. Das kalte Buffet wird schlicht ausgefallen sein. Die Blockade endet erst am 12. Mai 1949.

 

Bild Helmut mit Heli Finkenzeller in “Die kleine Hütte”

 

 

 

 

Am 8. September hat Helmut in der Tribüne Premiere. Er spielt mit Heli Finkenzeller in “Die kleine Hütte” von André Roussin. Es wird ein großer Erfolg. 1957 wird das Stück mit David Niven und Ava Gardner verfilmt. Am Tag nach der Theaterpremiere heiraten meine Eltern.

 

Helmut wird mit der Inszenierung von den Amerikanern auf ein Festival eingeladen. Helmut schreibt auf Briefpapier von American Airways: ” Nach jedem Bild Applaus. Zm Schluss doller Beifall. Gustaf (Gründgens) lehnte sich zurück und klatschte bis alles raus war. Nach der Vorstellung kam Gründgens zu uns und lobte meine Darstellung und Regie.” Leider kann mein Vater später nicht an diesen Erfolg anknüpfen.

 

Bild Maijachen nannte er Käte in Briefen

 

 

 

 

In den Jahren danach bauen meine Eltern ein Geschäft auf. Mein Vater wirbt Mitglieder, meine Mutter verkauft ihnen Bücher und Platten. Es ist ein Buchklub, doch meilenweit entfernt vom “Bertelsmann Käsering”, wie sie die Konkurrenz taufen. Die Deutschen sind hungrig auf Schriftsteller, die in der Nazidiktatur nicht den Weg nach Deutschland fanden. Sartre, Camus, Hemingway und die vielen Deutschen, die nur im Exil oder heimlich schreiben konnten. In der Musik gilt ähnliches, Swing, Hot und Cool Jazz, aber auch moderne Klassik findet viel Interesse.

 

Bild Jazz und moderne Klassik findet viel Interesse

 

Bild Viele gute Jahre, ein Ball in den 50ern

 

 

 

 

Ein befreundeter Leser schrieb kürzlich, ich würde meinen Eltern ein Denkmal setzen. Dieses Kompliment muss ich leider zurückweisen. Denkmäler werden aus edlen Stoffen, wie Bronze oder Marmor modelliert. Sie sind stilisiert und fast immer idealisiert. Mein Werkstoff ist jedoch das Leben und dieses ist eben fast nie ideal. Und so wird diese Geschichte nicht wie ein Märchen mit den Worten “Sie lebten glücklich und zufrieden bis ans Ende ihrer Tage.”, enden. Viele gute Jahre haben meine Eltern. 1954 werde ich, als Wunschkind, nur mit dem falschen Geschlecht geboren. 1960 promoviert Helmut in Philosophie, im gleichen Jahr eröffnet meine Mutter einen großen, schicken Laden in der Rankestraße. Doch Mitte der 60er Jahre holen das Paar die Schatten der Vergangenheit ein. Neun Jahre Krieg und Gefangenschaft haben meinen Vater nicht nur körperlich gezeichnet, auch seelisch hat er tiefe Narben zurückbehalten. Die Details sollen privat bleiben, jedenfalls hat meine Mutter viele Gründe 1967 die Reißleine zu ziehen und die Scheidung einzureichen.

 

Mein Vater findet erneut eine Ehefrau, als er krank wird pflegt sie ihn bis er kurz nach seinem 63. Geburtstag stirbt. Meine Mutter findet noch eine Liebe, die in den 70er unglücklich endet. Trotzdem blickt sie auf ein erfülltes, zufriedenes Leben zurück, als sie 2005 in ihrem 83. Lebensjahr stirbt.

 

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Die Geschichte von Onkel Paul: https://marcuskluge.wordpress.com/2013/10/10/familienportrait-tante-lotte-und-onkel-paul-ein-preuse-polizist-fotograf-und-sein-tragisches-ende-1933-46-2/

 

Familienportrait –Pankoff, Passierscheine, venezolanische Pässe und Käfer 1961-85 / Das letzte Kapitel im Leben der drei Schnelle-Schwestern

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Das Haus in Pankow

 

 

In den 50er und frühen 60er Jahren gilt das Wort Pankow, nicht nur in Westdeutschland, als Synonym für das verhasste DDR-Regime. Walter Ulbricht und seine Spitzengenossen wohnen dort, bevor sie ab 1961 in die berühmte Waldsiedlung Wandlitz ziehen, die von 1958-61 nach russischem Vorbild, als zweifach eingemauertes Ghetto für die Bonzen gebaut wird. Bundesdeutsche Kommentatoren sprechen den Berliner Bezirk mit dem stimmlosen w gern wie Pankoff aus, weil sich das so schön russisch und martialisch anhört. Für mich als kleinen Jungen bedeutet Pankow Besuche bei Tante Lotte, Tomaten im Garten ernten, Wiener Schnitzel,Schokoschrippen und Spaß haben.

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Weihnachten 1937 mit Leistikow-Gemälde und Perser

 

Nachdem sich ihr Mann, der Polizist und Fotograf Paul, am 1. Mai vor die Heidekrautbahn legte und sich umbrachte, zog die Schwester meiner Oma mütterlicherseits in die Tschaikowski-Straße in Pankow. Als ich klein war, besuchten wir meine Großtante Lotte regelmäßig. Wir fuhren mit dem Auto nach Wedding, überquerten am Checkpoint Wollankstraße die Sektorengrenze, fuhren mit der Straßenbahn und bogen dann von der Grabbeallee links in die Tschaikowskistraße. Im Westen der Stadt kannten wir niemand mit Garten und so freute ich mich auf die Besuche, Tomaten und Erdbeeren zu ernten war für mich Stadtjungen toll. Oft kam Tante Lotte auch zu uns nach Wilmersdorf, stets schmuggelte sie Schnitzelfleisch unter ihrem Hut, um ihre Spezialität, herrlich dünne in guter West-Butter ausgebratene Schnitzelchen zu bereiten. Am 13. August enden diese wechselseitigen Besuche, eine nahezu unüberwindliche Mauer teilt plötzlich meine Heimatstadt.

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Die “große” Notburga

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Wolfgang Kluge

 

1961 kommt Wolfgang, ein Neffe meines Vaters mit seiner Frau, von uns die “große” Notburga genannt, mit ihren Töchtern nach Deutschland. Anscheinend hat die Ausländerfeindschaft nach den Fall von Diktator Marcos Pérez Jiménez 1958 dazu gedrängt, Venezuela zu verlassen. .Zuerst wohnen sie bei uns, mein Bruder Thomas und ich freuen uns über zwei “Schwestern”. Wir Kinder hausen im großen Wintergartenzimmer in der Wohnung am Volkspark, in die wir 1960 zogen. Wir unterhalten uns in einem Mischmasch von drei Sprachen, deutsch, spanisch und englisch. 1962 bin ich acht, Ingrid ist zehn, die “kleine” Notburga ist zwölf und Thomas ist 14, eine tolle Zeit.

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Marcus, Ingrid, Notburga, Thomas

 

Wolfgang und die große Notburga bringen einen Hauch von weiter Welt ins provinzielle West-Berlin. Notburga ist stets modisch gekleidet, sie wirkt etwas wie die große Schwester von Audrey Hepburn. Wolfgang wird zu meinem ersten männlichen Modevorbild. Er sieht aus wie der amerikanische Bruder von O.W.Fischer, ist immer leicht gebräunt, die kurzen Haare mit Pomade zurückgekämmt. Er trägt sorgsam gebügelte amerikanische Oberhemden in Pastellfarben, in den Brusttaschen Zigaretten und Feuerzeug. Seine ruhige, coole Art hebt sich angenehm von der Berliner Ruppigkeit ab, er betreibt Yoga, jedesmal wenn er anruft und mich am Apparat hat, erkundigt er sich freundlich nach meiner Befindlichkeit und hat keinerlei Eile. Bald arbeitet er für eine US-amerikanische Charterfluggesellschaft, “Saturn Airways”, die fliegt die Berliner nach Mallorca und an die Adria, die Ära der Pauschalreisen beginnt.

 

 

Da wir Tante Lotte nicht mehr besuchen können, beginnen die große Notburga und Wolfgang regelmäßig in die Tschaikowskistraße zu fahren. Sie halten den Informationsaustausch zwischen den Familienteilen aufrecht. Neben Lotte lebt ja auch die andere Schwester meiner Oma, Martha mit ihrem Mann Adolf im Osten, in Bad Liebenwerda, dem Geburtsort der drei Töchter des Schuhmachermeisters Schnelle.

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Notburga versteckt Tante Lottes Schmuggelgut

 

Das erste Passierscheinabkommen ermöglicht uns Westberlinern nach über zwei Mauerjahren den Grenzübertritt. Zwischen dem 19. Dezember 1963 und dem 5. Januar 1964 dürfen wir Tante Lotte besuchen. Wir fahren ein paar Tage nach Weihnachten und treffen bei Tante Lotte auch deren Schwester Martha mit Ehemann Adolf aus Bad Liebenwerda. Mein Bruder Thomas fotografiert uns in der Grabbeallee, auf den Gesichtern sieht man die Freude und Genugtuung über die Familienzusammenführung. Thomas drückt auch auf den Auslöser, als wir hastig, fast wie Geheimagenten das Haus betreten. Auf dem Rückweg steigen wir in der Yorckstraße aus der S-Bahn und nehmen uns ein Taxi. Der Taxifahrer begrüßt uns mit den Worten: “Na kommen se aus dem jelobten Land?”

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Wiedersehen in der Grabbeallee

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Zügig betreten wir Tante Lottes Haus

 

50 Jahre später, am 4. Dezember 2013 besuchen mich Journalisten vom Daily Telegraph, um mich zu meinen Erinnerungen an das erste Passierscheinabkommen zu befragen. Tom Rowley, der Magazinartikel für das Blatt schreibt, der ausgezeichnete Fotograf Geoff Pugh und der sympathische junge Dolmetscher William Pimlott, der mein Blog im Internet fand und den Kontakt hergestellt hatte. Aus dem 90 Minuten langen Gespräch kondensiert Tom Rowley neun Zeilen:

Another Berliner who was a boy at the time, Marcus Kluge, likewise recalls the impact of that Christmas, when, as a nine-year-old, he went to visit his great aunt, Lotte, with his parents. “I can remember feeling that it was fantastic that somewhere in this great wall there was now a hole,” he says. “There were cakes, schnitzel, coffee, and lemonade for me.” Still, he was saddened not to reprise his pre-wall gardening job. “I was disappointed because I thought there would be some tomatoes ready to pick in the garden. It hadn’t occurred to me they wouldn’t be there in winter; we did go out briefly, but it was just too cold to stay.”

All three recall how quickly their hours together passed, and their distress at leaving their relatives behind in time to cross back to the West before the deadline.”

Nach 1963 beschließt Tante Lotte in den Westen überzusiedeln. Die DDR läßt Rentner gehen, die kosten ja nur. Die große Notburga und Wolfgang schmuggeln Schmuck, Domumente und anderes für Tante Lotte in den Westen. Unter anderem den Siegelring von Onkel Paul mit dem Blutjaspis, den ich heute trage. Die märkische Kieferlandschaft, gemalt von Walter Leistikow, die Perserteppiche und die schönen Möbel können sie nicht über die Grenze bringen, sie werden die Wohnung eines SED-Bonzen schmücken.

1964 kommt Johannes Kluge zur Welt. Er wird in Österreich geboren, nie soll er eine deutsche Uniform tragen. Zurück in Berlin wird das Baby beim Schmuggel helfen. In seinem Kinderwagen kann man besonders gut Konterbande verstecken.

Johannes W. Kluge (Sohn von Notburga und Wolfgang Kluge) erinnert sich: “Da wir Venezolaner waren wurden wir nicht so sehr gefilzt. Aber beim letzten mal ist ihnen doch das Herz in die Hose gesunken als ein Vopo “Halt, stehenbleiben” schrie und hinterher lief. Als er sie erreicht hat, sagte er “Dem Kleinen ist der Schuh runtergefallen, das wäre doch schade wenn’s verlorengeht”…

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Johannes. Tante Martha und Tante Lotte

 

1965 zieht Tante Lotte schließlich zu ihrer Schwester Elisabeth, meiner Oma, in die Prinzregentenstr. 21A in Wilmersdorf. Als Witwe eines Polizeioffiziers bekommt sie eine stattliche Rente. Sie hilft die ersten Käfer meines Bruders zu finanzieren. Zum Dank unternimmt er mit seinem VW Reisen mit den beiden alten Damen. Die beiden Schwestern haben eine gute Zeit zusammen. Sie streiten sich zwar, aber versöhnen sich immer wieder, wie ein altes Ehepaar. Tante Lotte stirbt 1980 im Schlaf. Meine Oma hat es nicht so gut, bevor sie 1985 stirbt, lebt sie einige Jahre dement im Altersheim. Tante Martha, die dritte der Schnelle-Schwestern stirbt in Bad Liebenwerda, nachdem sie uns in den 70ern nochmal in West-Berlin besucht hat.

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Notburga, Tante Lotte, Johannes und Oma in der Prinzregentenstraße in Wilmersdorf

 

 

Der Artikel zum Passierscheinabkommen:

http://www.telegraph.co.uk/news/worldnews/europe/germany/10520726/The-time-the-Berlin-Wall-came-down-for-Christmas.html

 

Hier beginnt die Geschichte vom Schuster Schnelle und seinen drei Töchtern:

https://marcuskluge.wordpress.com/tag/liebenwerda/

 

 

 

 

 

Familienportrait – Regular Folks / People from early 80s Berlin / 9 photographs shot for Assasin Magazine

 

In november 1982 I published the first issue of my fanzine Assasin. Until 1984 we printed seven magazines and released four audio tapes. Assasin featured Punk, industrial and avantgarde-Music, underground art and literature specialising on topics which was neglected by mainstream media in those days, for example: anorexia, suicide, endorphines or horror movies. Imitating I.-D.-Magazine we photographed normal guys and girls we met on the streets of Berlin or in places like MusicHall, Dschungel, Café Mitropa or Anderes Ufer. I chose nine of those photographs some of them previously not published.

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Photographer: Rainer Jacob, Marcus Kluge

More:

http://www.assasin.in-berlin.de/

 

Familienportrait Teil 6 – “In Germany Before the War” / Black and white photographs from the 1930s – Part 1

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Folklore at the Lustgarten

My great-aunt Lotte was married to the police-officer Paul Springer. Uncle Paul was a conservative but not a nazi. He was deeply convinced that police should provide shelter for people and therefore he despised the prosecution of the jews. When on 9th november 1938 the nazis raided jewish shops he commanded his policemen to protect jewish property on Friedrichstrasse. This was the end of his career in the Third Reich.

He was an amateur fotographer who focused on his fellow policemen, his family, Berlin and the countyside, namely Bad Liebenwerda, a small town on the prussian border to saxony where Tante Lotte was born. I inherited an album of his pictures, the quality and the freshness of the prints is amazing. Many of the small 5 by 10 cm photographs were destroyed by uncle Paul in the last days of the war. The russian troops were notorious for shooting people on which they found pictures of swastikas or the “Führer”.

After the war he was chosen to build a new Berlin police-force because he was no outspoken nazi and no member of the NSDAP. On may 1st 1946 he committed suicide by laying himself on the tracks of the Heidekrautbahn near Berlin. It remained unclear whether he did it because of dishonourable conduct during the Third Reich or because he had a severe head injury after a bomb explosion a few weeks before.

All fotographs have been taken between 1935 and 1938.

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Neue Wache Unter den Linden

 

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 On top of the mountain

 

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At the station

 

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Recreation home

 

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 On the bridge

 

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 A man and his goat

 

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Everybody loves a marching tune

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Die Geschichte von Onkel Paul und Tante Lotte:

https://marcuskluge.wordpress.com/2013/11/29/familienportrait-tante-lotte-und-onkel-paul-ein-preuse-polizist-fotograf-und-sein-tragisches-ende-1933-46-3/

Familienportrait-Marathon Tag 20 / A Visit To Zensor / Photographs from the famous record store taken in 1983

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39874_1412566270603_4870059_n Early Zensor concert poster 1979 (with courtesy from the Thomas Pargmann Collection)
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I met Burkhardt Seiler in school, in 1968, we became friends and had our share in the late 60ties student revolt. Subsequently we were thrown out of school and I lost sight of Burkhardt.

I didn’t meet him again till June 1981, when I spotted him at the Venus Weltklang Festival in the Tempodrom. His formerly long hair was cropped short, it looked like he had done it himself. He was sporting a dark-blue trenchcoat that gave him the looks of a young mormon missionary on a european tour.

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The store in backroom of the Blue Moon boutique

IMG_20130829_0005 The Zensor

visited him at his already famous record store in Belziger Straße, from where he also ran the Zensor Label. In 1982 I became his “student apprentice”, not really beeing a student and neither much of an apprentice to him.

I told him about the fanzine I was planning to issue. He gave me advise and proposed to edit “Assasin” together with me. I realised a collaboration with Burkhardt would mean doing a Zensor fanzine and that wasn’t what I had in mind.

IMG_20130509_0001   Assasin “zero number”

I quit working for him, concentrated on the pilot issue of Assasin and with the helps of Rainer Jacob, Cordula Lippke, Herbert P. and Andreas Balze realised a zero number in late 1982.

When I heard the Zensor was about to close his shop in autumn 1983 I went there with a photographer to make some last shots.

IMG_20130624_0002  Last shot

IMG_20130829_0002 Last words

On September 19. 1983 there was a bye-bye-concert for the beloved store at the LOFT organised by Monika Döring. But the legend lived on…

P.S. Some weeks ago, I was playing cards with Cordula. She met Burkhardt recently, told me he’s happy in a relationship and quit drinking.

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Text: Marcus Kluge

Familienportrait – West-Berlin in Black & White 1960 / Part 1

Enjoy the ride.

Bild  Weinhandlung Bundesallee Ecke Am Volkspark

Bild  Verkehrskanzel Kranzlereck

Bild  Fehrbelliner Platz

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Bild   Stadtautobahnbauschild

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Bild  Volkspark Wilmersdorf

Bild  Blisse Ecke Brandenburgische

Bild   Marcus

Familienportrait–Marathon Tag 17 / Robert T. Odeman / Ein Humorist mit ernsten Augen 1904-85

 

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Als ich zehn oder elf war wollte ich unbedingt Klavier spielen lernen. Nachdem ich öfters auf dem Klavier einer Nachbarin herumgestümpert hatte, stellte mir meine Mutter ihren guten Freund Robert T. Odeman vor. Vorher erklärte sie mir was Homosexualität ist, dass diese ganz normal wäre, der § 175 eine Schande sei und das Odeman wegen seiner Homosexualität im KZ gewesen wäre. Meine Ma drückte sich um das Thema Aufklärung nicht herum. So kam es das Tommi, so nannten wir ihn, mein Klavierlehrer wurde.

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“Humor ist eine ganz ernste Angelegenheit! Herzlichst ihr Robert T. Odeman”

Er war ein eindrucksvoller Mann, mit viel Würde, aber bei aller Herzlichkeit blieb immer eine Distanz zwischen ihm und mir. Als erstes fielen mir seine seltsam verkrüppelten Hände auf, ich wagte aber nie, ihn danach zu fragen. Er konnte damit Klavier spielen, doch man merkte, es fiel ihm schwer.

Tommi gab mir Unterricht und bald stellten wir fest, meine Musikalität war nicht ausgeprägt genug, um ein komplexes Instrument wie das Piano zu beherrschen. Also verlegten wir uns auf Gespräche, wir sprachen über Literatur, Kunst, Musik und er erzählte mir aus seinem Leben.

Ich ging ausgesprochen gern zu ihm, Tommi wohnte in einer riesigen Villa in der Fontanestraße im Grunewald. Sein jüngerer Lebensgefährte Kai trug zu meinem Vergnügen eine Art Livree. Er spielte den Butler und servierte uns Tee mit herrlichen, selbstgebackenen Keksen.

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Tucholski legte er mir nahe

Im Lauf der Jahre schenkte mir Tommi wunderschöne Bücher, er sammelte und wenn er eine noch schönere Ausgabe von etwas fand, bekam ich die alte. Tucholski, Musil, Kästner, aber auch Rabelais oder Casanova. Da ich wenig über klassische Musik wusste, bekam ich von ihm viele Platten, die er als Doubletten hatte.

Odeman schrieb humoristische, satirische Gedichte und Lieder, trug diese auf Tourneen und im Radio vor und veröffentlichte Platten davon. Heute ist er fast vergessen, seine Kunst war Kleinkunst, heiter und fragil, sie trug nicht bis in unsere harte neue Welt. Außerdem lebte sie von seinem Vortrag und seiner schlichten Klavierbegleitung.

Sein Leben und wie er davon erzählte, fand ich spannend. Es ist schade, dass er nie autobiographisch geschrieben hat. Meine Mutter verriet mir später, er spräche eigentlich garnicht gern über seine Vita, aus irgendeinem Grund machte er bei mir ein Ausnahme.

Er wurde 1904 in Blankenese geboren, seine ersten Berufsjahre begleitete er Stummfilme in vielen Hamburger Kinos. Dann arbeitete er als Musiker in Cabarets und Theatern.

wie-kan-ik-nog-vertrouwen-2 Muli und Tommi

1922 lernte er seine erste große Liebe Martin Ulrich Eppendorf, genannt Muli, kennen. Sie lebten zehn Jahre zusammen, bis 1932 als Muli starb. Odeman hat auch damals keinen Hehl aus seiner Homosexualität gemacht, das hat er nie getan, mit Ausnahme einiger Zeit im Nazireich.

Er ging nach Berlin gründete 1935 ein Kabarett, das die Gestapo bald wieder schloss. Im November 1937 wurde er wegen Homosexualität verhaftet und nach dem § 175 zu 27 Monaten Haft verurteilt.

Danach wurde er mit Berufsverbot belegt. Er täuschte eine Beziehung zu seiner Freundin und Kollegin, der Sängerin Olga Rinnebach vor. Trotzdem kam er 1942 ins KZ Buchenwald und konnte erst 1945, kurz vor Ende des Krieges, von einem sogenannten Todesmarsch fliehen.

Nach dem Krieg erlernte er den Schauspielerberuf noch einmal ganz von der Pieke auf, trat dann selbst auf und begann zu schreiben. Er schrieb Chansons und Couplets für verschiedene Sängerinnen, unter anderem Pamela Wedekind und Ursula Herking. 1959 lernte er Kai kennen, den er adoptierte, weil es damals.keine andere Art der offiziellen Verbindung gab. Mit Kai lebte Tommi dann bis zu seinem Tod 1985 zusammen.

IMG_20131018_0004 Widmung

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Jahre nach seinem Tode, fragte ich meine Mutter nach seinen verkrüppelten Händen. Sie verriet das Geheimnis, welches Odeman ihr eines Nachts nach dem Genuss einer halben Flasche Weinbrand mitgeteilt hatte. Obwohl er Opfer war, war es ihm peinlich. Im KZ hatten sadistische SS-Männer mehrfach seine Hände gebrochen, damit er sich “nicht mehr an deutschen Genies wie Beethoven oder Wagner vergreifen konnte”. Als Nazi-Opfer ist Odeman nie entschädigt worden. Selbst die beiden Urteile wegen Homosexualität sind bis zu seinem Tod nie aufgehoben worden. Der § 175 wurde in der Bundesrepublik am 11. Juni 1994 aufgehoben.

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2004 erinnerte eine Ausstellung im Schwulen Museum an ihn.

Familienportrait-Marathon Tag 16 / Tusitala

 

 

Tusitala oder wieso ich das Portrait meiner Familie schreibe

 

Kürzlich fragten Freunde mich, ob denn alles OK mit mir sei? Klagen kann man ja immer, aber ne, was sie meinten war, ob ich unheilbar krank bin? Sie hatten sich Gedanken gemacht, wieso ich gerade jetzt die Geschichte meiner Familie und die meines Lebens aufschreibe. Also, ich bin zwar nicht pudelgesund, aber es ist nix das in nächster Zeit letal ausgehen könnte, da kann ich euch beruhigen.

 

Ich schreibe das allerdings schon, weil die Lebenszeit mit fast 60 begrenzt ist und 90 oder 100 werde ich nicht und will ich auch nicht werden. Hauptsächlich bringe ich das nun zu Papier, weil ich es kann und weil es mir und Anderen Spass macht.

 

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Zu Ostern dieses Jahres habe ich angefangen alte Fotos und Papiere aus dem Keller zu holen und mich darein zu versenken. Teilweise ist die Erinnerung auch schmerzhaft, doch immer ist sie faszinierend. Meine Mutter hat viel erzählt, andere Verwandte und die “Aktenlage” gibt vieles her, über das nie gesprochen wurde. Die Fotos, die einen Zeitraum von 1920 bis heute abdecken helfen auch oft meiner Erinnerung auf die Sprünge. Irgendwann fing ich an, im Kopf Stories zu formulieren, aufschreiben war die logische Folge.

 

Ich schreibe das nicht als Journalist oder als Familienchronist. Ich bin der Wahrheit verpflichtet, doch manchmal lege ich die Betonung auf ein bestimmtes Thema, weil es für mein eigenes Leben von Bedeutung war. Ein weiters Motiv ist psychotherapeutischer Natur, indem ich mich erinnere, verarbeite ich auch manches, was schon lange im Unterbewusstsein für Unruhe sorgt. Ich zupfe ein wenig an Details und manchmal macht ein kleine Übertreibung anschaulich, dennoch sind alle diese Texte autentisch und un-erfunden.

 

Aber hauptsächlich und in erster Linie schreibe ich als Geschichtenerzähler, als Tusitala. Nicht das ich mich mit Robert Louis Stevenson vergleichen will, der diesen Ehrennamen in Samoa erhielt. Nein, ich schätze Stevenson einfach nur ungemein und bin ihm dankbar, weil er mir schon früh gezeigt hat, wie man spannend und athmosphärisch dicht erzählt. Was er über die schottischen Clans schrieb sind genauso Familiengeschichten, wie das Gespinst das in Samoa von den Tusitalas gesponnen wird.

 

Stevenson ist ja leider den meisten Lesern nur durch Treasure Island bekannt. Dabei hat er ein ungeheuer reiches literarisches Werk erschaffen. “Catriona” oder “Kidnapped” sind empfehlenswerter epischer Stoff. Wer es lieber kompakt und unheimlich mag, dem sei neben Jekill and Hyde, “The Bottle Imp” und “The Suicide Club” ans Herz gelegt. “The Wrong Box”, eine groteske Komödie über einen toten Lotteriegewinner, ist so glaube ich, das komischste Buch das ich kenne.

 

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Tusitala is a spider genus of the Salticidae family (jumping spiders). It is also a word in the Samoan language which means ‘writer of stories’. Tusitala was the name used by the Samoan people for Robert Louis Stevenson, who lived the last four years of his life in Samoa and is buried on Mount Vaea .

Familienportrait – Traum: Mit Herbert in Paris 9.12.2013

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Letzte Nacht habe ich von Herbert, meinem alten Freund geträumt. Weil die Familienportraits in den Pathé-Studios am Montmartre verfilmt werden, hat uns die Produktionsfirma für den Sommer eine Wohnung in der Rue Beautreillis gemietet. Es ist die Wohnung im Haus Nr.17, in dem Jim Morrison zusammen mit Pamela Courson gewohnt hat und in der er gestorben ist.

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Es ist Sonntag Nachmittag, in der Nacht vorher waren wir in einem Club tanzen. Dort haben wir eine Frau namens Susanne von Hacht aus Erlangen kennengelernt, die uns erzählte, sie hätte keinen Platz zum übernachten. Wir boten ihr an bei uns, in einem der vielen Gästezimmer zu wohnen. Sie schläft wohl noch.

 

Mir fällt ein, dass mein Vater uns besuchen wollte. Das ist mir garnicht Recht, er hat sich sein ganzes Leben nicht um mich gekümmert und jetzt plötzlich, 30 Jahre nach seinem Tod, will er mich besuchen kommen. Ich erinnere mich, wenn ich ihn mal besuchte, hat er sich nur über sein Leben beschwert, nie hat er sich für mich oder mein Leben interessiert.

 

Ich suche seine Telefonnummer. Ich hatte sie auf einem Zettel notiert, wie üblich und der Zettel ist nicht aufzufinden. Da klingelt es an der Tür und er steht vor der Tür, in seinem Schlepptau stürmt ein Anti-Terror-Kommando die Wohnung. Mein Vater hat ihnen den Weg zu Herbert und mir gezeigt.

 

Die martialisch aussehenden Herren durchsuchen die Wohnung, finden Susanne und bringen sie ins Wohnzimmer. Ein Polizist kontrolliert Herberts und meine Papiere. Herbert hat einen norwegischen Pass, das wusste ich noch nicht. Es stellt sich heraus, dass alles nur ein Missverständnis ist. Suzannes Vater, ein einflussreicher Politiker, dachte wir hätten Suzanne entführt. Ich wache auf.

 

 

 

Rue Beautreillis 17 in Paris:

 

http://www.youtube.com/watch?v=aHZ5cGqkNoU

 

 

 

Pamela Courson war mit Morrison seit 1965 zusammen. Sie war heroinsüchtig, Neil Young soll über sie den Song “The Needle and the Damage Done” geschrieben. Sie starb 25. April 1974 an einer Überdosis in Los Angeles:

 

 

 

http://en.wikipedia.org/wiki/Pamela_Courson

 

Familienportrait-Marathon Tag 15 – Paris zum ersten 1971

 

 

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Meine Mutter hatte für den Juli ein Haus in Bretignolles-sur-mer am Atlantik gemietet und alle eingeladen. Am Morgen des 2. Juli fuhren wir in Berlin los. Zu fünft im Käfer meines Bruders wars ziemlich eng. Da in den Kofferraum kaum ein Koffer passte, hatten wir einen Gepäckträger auf dem Dach, der aerodynamisch eher ungünstig wirkte. Die Höchstgeschwindigkeit des Volkswagens von 125km/h war jedenfalls nicht erreichbar. Kurz gesagt, es war keine bequeme Art des Reisens, aber es hat uns nichts ausgemacht.

In den berüchtigten Kasseler Bergen rauchte der Heckmotor etwas, wir waren kaum schneller, als die Brummis neben uns. Als wir die französische Grenze passiert hatten, hielten wir um Café zu trinken und Gauloises zu kaufen. Danach bekamen wir Radio Caroline im Radio rein, der Piratensender erhöhte unsere Stimmung mächtig.

Als es dunkel wurde erreichten wir die Périphérique. Kurz vor zehn parkten wir am Pantheon. Wir wollten die Nacht in Paris durchmachen und morgens weiterfahren. Ein guter Plan, wie sich herausstellte.

Wir erkundeten Paris zu Fuß und landeten auf der Champs-Élysées, die wir in Richtung Arc de Triomphe liefen. Zsa Zsa Gabor kam uns mit drei rosa gefärbten Pudeln entgegen, am Arm einen sehr aristokratisch aussehenden älteren Herrn. Die meisten Passanten waren schick gekleidet, ein deutlicher Unterschied zum provinziellen Berlin. Die Luft roch leicht nach Champagner, die Gauloises und der viele Kaffee erzeugten ein gewisses High.

Am Arc de Triomphe bogen wir in die Avenue Georges V. ein. Wir blieben stehen und bewunderten das berühmte Hotel auf der anderen Strassenseite. Hinter uns ging eine Tür auf und wir drehten uns um. Aus dem Restaurant “Au Vieux Berlin” trat Romy Schneider auf den Gehsteig, an ihrem Arm ihr Freund Daniel Biasini. Romy schenkte uns ein Mikro-Lächeln bis Biasini sie wegzog.

Am Boulevard St, Michel taten uns die Füße weh, wir setzten uns vor eins der gut besuchten Cafés. Es war Mitternacht, trotzdem war es voll, wie auf dem Kudamm am Sonntag nachmittag. Zwischen den eleganten Passanten spielten kleine Kinder, hatten die keine Eltern?

Es war einer der seltenen Momente, wo man denkt, besser geht es nicht mehr. Ich war jung und lebenshungrig, wollte mich verlieben. An diesem Punkt meines Lebens hätten noch alle meine Träume wahr werden können. Nichts trübte meine Unschuld, wie gut das man nicht weiß, was später einmal passieren wird.

Ich ahnte auch nicht, was nur zwei Kilometer entfernt, am anderen Seine-Ufer ein paar Stunden später passieren würde. Am Morgen würde, in der Rue Beautreillis Nr.17, eine der prägensten Stimmen des 20. Jahrhunderts für immer verstummen.

Um drei Uhr waren wir wieder beim Auto und versuchten ein paar Stunden zu schlafen, was zu fünft im Käfer definitiv nicht empfehlenswert ist. Als es richtig hell war, fuhren wir weiter in Richtung Meer. Hinter Paris aßen wir eine fantastische Käseplatte mit Baguette. So gestärkt gingen wir in die letzte Etappe und am Nachmittag erreichten wir, völlig erledigt die Vendée.

Dort verlebten wir einen herrlichen Urlaub, später würde ich noch zweimal den Juli am Atlantik verbringen, einmal mit Andi, meinem verstorbenen Freund und ein weiteres Mal mit Rainer Jacob, den ihr ja als meinen FB-Freund kennt.

Auf der Rückfahrt kaufte ich irgendwo einen New Musical Express. Jim Morrison war tot, in der Badewanne gestorben, an einer Überdosis Heroin, gegen neun Uhr morgens, am 3. Juli 1971.

My wild love went ridin’
She rode to the sea
She gathered together
Some shells for her hair
She rode and she rode on
She rode for a while
Then stopped for an evenin’
And lay her head down

 

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Familienportrait–Marathon Tag 14 / Phonoklub im Agrippina-Haus in der Rankestrasse 5-6 / 1960-70

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Europäischer Phonoklub in der Rankestrasse

Meine Mutter hat hier von 1960-70 Bücher und Schallplatten verkauft. Der Laden befand sich im 1955 fertig gestellten “Agrippina-Haus” in der Rankestraße 5-6, dass einer Versicherung gehörte.
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Die Inneneinrichtung im Stil der späten 50er Jahre wurde zum großen Teil extra angefertigt. Z.B. die Regale und Thresen aus Teakholz mit Holz-Intarsien. Besonders schön war der 7m lange Phonotresen mit Bakelithörern. Als wir den Laden aufgeben mussten, weil Bertelsmann den Franchisegeber aufgekauft hatte, haben wir leider die Tresen und andere Möbel wegwerfen müssen. Niemand interessierte sich für die Nifty-Fifties. Zwei Lampen habe ich noch.

Mitte der 60er kam ich oft am Nachmittag, nach der Schule, mit einem Freund in die Rankestraße. Auf dem Parkplatz, heute ist dort der Los-Angeles-Platz, zeigten wir den Autofahrern Parkplätze und bekamen Trinkgeld dafür. Das gaben wir dann im Europa-Center für Softeis aus. Gern fuhren wir mit dem Fahrstuhl bis zum Dach des Hochhauses. Dort kuckten wir durch die Ferngläser, manchmal drehten wir uns solange bis wir schwindlig wurden. Am frühen Abend holten wir Mädchen vom Eislaufen ab, es gab ja noch eine Eisbahn inmitten des Europa-Centers.
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Neben den Klubauflagen von Büchern und Platten, gab es noch die sogenannten Industrie-Schallplatten, damit wurden die normalen Lps und Singles gemeint, wie es sie auch in jedem Plattenladen gab. Das bedeutete für mich, wenn ein neues Beatles- oder Rolling Stones-Album erschien, konnte ich es am Erscheinungstag hören und manchmal auch nachhaus mitnehmen. Ich erinnere mich an “Their Satanic Majesties Request” von den Stones, “Ogdens’ Nut Gone Flake” von den Small Faces mit dem runden Cover und besonders “Sgt. Pepper’s”, die ich behalten durfte. Es war ein Ausschneidebogen aus Pappe dabei. Zum Karneval schnitt ich dann die Epauletten, einen Orden etc, aus und bastelte mir eine Sgt. Pepper’s Uniform.
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Im Geschäft wurden auch Lesungen und kleine Konzerte veranstaltet. Der Staatsschauspieler (Ja, so hieß das damals) Wilhelm Borchert war ein Freund meiner Mutter. Im ersten deutschen Nachkriegsfilm, Die Mörder sind unter uns, spielte er 1946 die Hauptrolle als desillusionierter Kriegsheimkehrer unter der Regie von Wolfgang Staudte. Die weibliche Hauptrolle spielte Hildegard Knef. Hier liest er aus Kafkas Schriften.

http://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Wilhelm_Borchert

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Details mit Noten-Linien, -Schlüsseln und pfeifenden Spatzen
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Familienportrait: „Die Aktentaschen meines Vaters“ / 1954-1982

Eine Marotte, die mein Vater nach seiner Rückkehr aus Kriegsgefangenschaft in Sibirien entwickelte, betraf seine Aktentaschen. Er schleppte stets mindestens zwei oder drei lederne Aktentaschen mit sich. Er hatte wohl das Bedürfnis, gegen alle Unwägbarkeiten des Schicksals gerüstet zu sein. Viele Bücher, dann auch Akten, Hefte, Urkunden, eine Thermoskanne mit Kaffee, Stullen, Medikamente, Werkzeug und ein oder mehrere Fotoapparate sowie Zubehör. Es war erstaunlich, was er da manchmal zutage förderte. Als Kind war ich natürlich höchst neugierig auf den Inhalt und schaute gern selbst nach. Sein Drang alles mögliche, besonders seine Frau und Kinder zu fotografieren, wurde wir manchmal lästig. Heute freue ich mich über die vielen Fotos. Auch im Urlaub und auf Ausflügen durfte sein “Gepäck” nicht fehlen. Solange er ein Auto hatte, befand sich im Kofferraum ein kleiner “Handapparat” von ein oder zwei Dutzend Büchern. Dass ihm der Lesestoff ausgehen könnte, war eine ganz reale Sorge für ihn. Diese Angst scheine ich von ihm geerbt zu haben, wenn ich das Haus verlasse, ist im Rucksack mindestens ein Buch für alle Fälle. Anfang der 80er Jahre, kurz vor seinem Tod, besuchte ich ihn das letzte Mal. Er hatte kein Auto mehr und kam zu Fuß von der Arbeit im Ibero-Amerikanischen Institut. Schon von weitem erkannte ich seine Silhouette, ein kräftiger Mann in Eile, in seinen Händen zwei dicke Aktentaschen.

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Auch auf Reisen durften seine Taschen und Bücherstapel nicht fehlen.

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Vater mit seiner geliebten Fototechnik.

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M.K.

Familienportrait – In Germany Before the War / Black and white fotographs from the 1930s – Part One

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Folklore at the Lustgarten

 

My great-aunt Lotte was married to the police-officer Paul Springer. Uncle Paul was a conservative but not a nazi. He had a strong opinion that police should provide shelter for people and therefore he despised the prosecution of the jews. When on november 9th 1938 the nazis raided jewish shops he commanded his policemen to protect jewish property on Friedrichstrasse. This was the end of his career in the Third Reich.

 

He was an amateur fotographer who focused on his fellow policemen, his family, Berlin and the countyside, namely Bad Liebenwerda, a small town on the prussian border to saxony where Tante Lotte was born. I inherited one album of his pictures, the quality and the freshness of the prints is amazing. Many of the SMALL 5 to 10 cm fotographs were destroyed by uncle Paul in last days of the war. The russian troops were notorious to shoot people on which they found pictures of swastikas or the “Führer”.

 

After the war he was chosen to build a new Berlin police-force because he was no outspoken nazi and no member of the NSDAP. On may 1. 1946 he committed suicide by laying himself on the tracks of the Heidekrautbahn near Berlin. It remained unclear whether he did it because of dishonourable conduct during the Third Reich or because he had a severe head injury after a bomb explosion a few weeks later.

 

All fotographs have been taken between 1935 and 1938.

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Neue Wache Unter den Linden

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On top of the mountain

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Germany is on the move

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At the station

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Recreation home

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On the bridge

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A man and his goat

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Everybody loves a marching tune

 

Die Geschichte von Onkel Paul und Tante Lotte:

https://marcuskluge.wordpress.com/2013/11/29/familienportrait-tante-lotte-und-onkel-paul-ein-preuse-polizist-fotograf-und-sein-tragisches-ende-1933-46-3/

 

Familienportrait – Marcus / Rotkopp, Etika, My Fair Lady und ein anderer Kerl 1954-57

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Eigentlich sollte ich ein Mädchen werden. Mein Vater hatte, im Schützengraben und Kriegsgefangenschaft, so lange in männlicher Gesellschaft verbracht, dass er eine gewisse Abneigung gegen das eigene Geschlecht entwickelte. Schon Willy, der ältere Bruder  von Papa wünschte sich 1930 ein Mädchen, doch es wurde ein Wolfgang daraus. Außerdem hegte Pa die Befürchtung, einen Sohn irgendwann in den Krieg schicken zu müssen, aus diesen Gründen wünschte er sich eine Tochter als erstes eigenes Kind.

Image  Rotkopp in weiß

Diesen Gefallen konnte ich ihm nicht tun. Ich wurde am 18. November 1954 als Junge geboren. Ich hatte dünne weiße Härchen, die kräftig durchblutete Kopfhaut schimmerte durch, so dass die Haare rot wirkten. Mein Vater soll mich lange angeschaut haben, die roten Haare irritierten ihn wohl. Er hatte ja schon meinen sechs Jahre älteren Bruder als eigenes Kind angenommen, obwohl Thomas einen anderen Vater hatte. Aber das ist eine eigene Geschichte. Schließlich sagte er zwei Sätze. Erstens: “Rotkopp, die Ecke brennt.” Und zweitens: “Wir behalten ihn trotzdem.”

Image  Bundesallee 181 mit Mutter

Als die Wehen einsetzten war meine Mutter bei Oma in der Bundesallee 181. Oma rief meinen Vater an, sie schleppte den Koffer die Treppen herunter und wartete auf Papa im Hauseingang. Damals war neben dem Haus eine Kneipe, als Papa eintraf beschloss er die anstehende Geburt müsse gefeiert werden und Oma und er marschierten in die Kneipe und tranken mit den Anwesenden eine Lokalrunde.

Als sie endlich meine Mutter abholten kamen die Wehen bereits in beunruhigend kurzen Abständen. Als sie das Gertrauden-Krankenhaus erreichten, war die Fruchtblase geplatzt und meine Mutter brüllte aus Schmerz und aus Ärger. Kaum dass sie im Kreissaal ankam, erblickte ich das Licht der Welt und brüllte ebenfalls, auch ich hatte mich über die Verzögerung geärgert. Möglicherweise ist das der Grund, wieso ich Kneipen bis heute hasse. Cafés, Clubs oder Restaurants mag ich, doch Kneipen habe ich stets nur im Notfall betreten.

Damals wohnten wir in einer 7-Zimmer-Altbauwohnung am Hohenzollerndamm. Meine Mutter verkaufte Bücher und Schallplatten an die Mitglieder ihres Klubs, mein Vater machte Außendienst und warb neue Kunden. Er gab Schauspielunterricht und arbeitete an seiner Dissertation über Metaphern auf Rednertribüne und Schauspielbühne.

Image   Mit Etika

Also beschloss man, eine Nanny für mich anzustellen. Sie hieß Erika und wir hatten bald ein inniges Verhältnis. Erika trug mich den ganzen Tag auf ihrem Arm herum, sogar wenn sie morgens die Öfen in allen Zimmern anheizte. Nachts schlief sie mit mir in einem Bett, unser Verhältnis konnte kaum enger sein.

Meine Mutter spielte abends und am Wochende mit mir, ich mochte sie gern, aber Erika stand mir näher. So war mein erstes gesprochenes Wort auch nicht Mama oder Papa, sondern Etika, das R gelang mir noch nicht. In meinem dritten Lebensjahr wurde es meiner Mutter zuviel mit dem engen Verhältnis zwischen Erika und mir und sie beschloss Maßnahmen, um meine uneingeschränkte Liebe zurückzuerobern.

Image   Two Ladies

Sie führte lange Gespräche mit Erika und weckte in dieser das Interesse, über einen Ehemann und eigene Kinder nachzudenken. Außerdem kaufte sie ihr neue damenhafte Kleider und begann Erikas Umgangsformen zu verbessern.

Einen potentiellen Gatten für Erika zu finden, war allerdings ein großes Problem. Woher nehmen und nicht stehlen. In Deutschland gab es ja, durch den ein Jahrzehnt zurückliegenden Krieg, einen Frauenüberschuss. Also war guter Rat teuer.

Meine Mutter durchforstete Zeitungen und Zeitschriften, alle Druckerzeugnisse, in denen frau Anzeigen von heiratswilligen Herren finden konnte. Schließlich stieß sie auf ein seriöses Inserat eines deutschen Auswanderers in Kanada. Der studierte Volkswirt hatte sich ein kleines Unternehmen aufgebaut und suchte nun eine kultivierte Gattin, die ihm die langen Abende in der kanadischen Wildnis verkürzen sollte.

Erika war eine herzensgute junge Frau, aber Bildung hatte sie kaum, sie sprach Dialekt und hatte nur acht Jahre Schule genossen. Tatsächlich ähnelte sie Eliza Doolittle, der Blumenverkäuferin in “My Fair Lady”. Das Musical gab es zwar noch nicht, aber meine Eltern kannten die Vorlage, “Pygmalion” von George Bernard Shaw und ich bin überzeugt, meine Mutter hat sich in der Rolle des Professor Higgins gut gefallen. So wie Henry Higgins im Schauspiel, formte meine Mutter aus dem einfachen Mädchen vom Lande eine feine Dame, die einen standesgemäßen Gatten sucht.

Mein Vater tat ein übriges und übernahm den Sprachunterricht, um ihr makelloses Hochdeutsch beizubringen. Dazu wurde das geheimnisvolle Magnetophon-Gerät benutzt, das mein Papa eigens für seine Schauspielschüler angeschafft hatte. Eines Tages muss mein Vater dann: “Ich glaub jetzt hat sie’s!” gerufen haben und Erika konnte akzentfrei, “es grünt so grün, wenn Spaniens Blüten blühen”, sprechen.

Image  My Fair Lady

Aber mündliches Deutsch war nicht die einzige zu bewältigende Disziplin, auch Briefe mussten geschrieben werden. Gefühlvolle, charmante Liebesbriefe, die das Feuer der Zuneigung beim fernen Galan entfachen sollten. Was soll ich sagen: Meine Mutter hat sie auf der Schreibmaschine entworfen und Erika schrieb sie mit ihrer etwas wackligen Jungmädchen-Handschrift ab. Dazu schickte Erika Bilder von sich in eleganten Kleidern und langen Perlenketten. Der Gatte in spe war begeistert und nach wenigen Monaten kündigte er seinen Besuch in Berlin an.

Die jungen Brieffreunde verstanden sich auch persönlich ausgezeichnet und es kam die erste Nacht, in der Erika nicht das Bett mit mir teilte. Instinktiv wusste ich, dass Erika dabei war mich, für einen anderen Kerl zu verlassen. Ich schrie die halbe Nacht und war nicht bereit, mich in mein Schicksal zu fügen. Aber es half nichts, schließlich wurde Verlobung gefeiert. Ich würdigte meinen Nebenbuhler mit keinem einzigen Blick und auch zu Erika war ich nur noch kratzbürstig. Am nächsten Tag brachten wir die beiden zum Flughafen Tempelhof. Meine Eltern kauften mir haufenweise Spielzeug, meine Lieblingsgerichte wurden gekocht und ich durfte bei ihnen schlafen. Trotzdem dauerte es Monate bis ich über den Verlust hinaus war uns manchmal glaube, dass ich ihn bis heute nicht ganz verwunden habe.

Marcus Kluge Image

Familienportrait-Marathon Tag 9 – Rückkehr nach Ithaka / Die Liebe in Zeiten des Krieges Teil 4 / 1947-49


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Genauso wie Penelope Odysseus, so hat auch Käte Helmut nicht vergessen. Fast drei Jahre hat sie nichts von ihm gehört. Vielleicht ist er bei den Kämpfen um die Marienburg gefallen, er könnte aber auch in russischer Gefangenschaft sein. Sie weiß, als deutscher Kriegsgefangener in der Sowjetunion könnte er dennoch tot sein. Es ist kompliziert, aber ein Gefühl hindert sie, Helmut ganz abzuschreiben.

 

Bild Käte arbeitet täglich 10 Stunden bei der Polizei

 

 

 

Das Leben geht weiter. Im Herbst 1947 lernt sie einen Mann kennen, er umwirbt sie, eine Liebschaft beginnt. Anfang 1948 ist sie schwanger, genau weiß sie nur, sie will dieses Kind. Bei dem Mann ist sie sich nicht so sicher. Sie bleibt bei Oma wohnen, inzwischen arbeitet sie im Polizeirevier 12 in Mitte, täglich zehn Stunden. Onkel Paul hat ihr im Dezember 1945 die Arbeit besorgt. Am 1. Mai 1946 hat er sich dann vor die Heidekrautbahn gelegt.

 

Bild Kriegsgefangene

 

 

 

 

Der Sommer 1948 ist heiß. An einem Sonntagmittag klingelt es, vor der Tür steht ein deutscher Soldat. Er ist nicht mehr jung, sehr dünn und bleich, trotz der Sonne draußen. Der zerschlissene Soldatenmantel schlottert ihm um die Hüften. Erst nachdem er angefangen zu sprechen, und auch dann erst nach einer Weile, erkennt ihn Käte. Helmut ist aus dem Krieg zurückgekehrt, sie umarmen sich, beide schluchzen, weinen. Es dauert bis sie ihre Fassung wiederfinden.

 

Die Wochen die folgen werden schwierig. Schwierig für Käte, die hochschwanger eine Entscheidung treffen muss. Schwierig für Helmut, der es übelnimmt, dass sie das Kind eines Anderen unterm Herzen trägt. Bei allen Entbehrungen der Gefangenschaft in Sibirien, der Kälte, dem Hunger, dem Verlust jeglicher Menschenwürde, hat er nie die Hoffnung verloren, dass Käte auf ihn warten wird.

 

 

 

Obwohl sie nicht weit auseinander wohnen, sie in der Kaiser-(heute Bundes-)Allee, nahe der Berliner Straße, er in der Brandenburger, schreiben sie sich wieder Briefe. Nun freiwillig, nachdem es so lange vom Krieg erzwungen war, hilft es ihnen ihre Situation zu klären.

 

Seit 24. Juni ist West-Berlin von den Sowjets blockiert. Seitdem wird die Stadt von US-amerikanischen Flugzeugen versorgt, die Luftbrücke ist geboren. Britische Maschinen landen in Gatow, die Franzosen richten extra für die Luftversorgung den Flughafen Tegel ein. Die Westberliner leben hauptsächlich von Trockenkartoffeln und Brot. Ein “kartenfreies” Stück Kuchen kostet acht Mark, ein Tageslohn. Der “Otto-Normalverbraucher” wird geboren, ein spindeldürrer Gert Fröbe spielt ihn in dem Film “Berliner Ballade”.

 

Bild Helmut mit Thomas in der Bundesallee

 

 

 

Käte und Helmut einigen sich, Käte gibt dem “Anderen” den Laufpass, sie wird ihn nicht wiedersehen. Das Ungeborene werden sie aufziehen, als ob Helmut sein Vater wäre. Am 2. September 1948 wird mein Bruder Thomas geboren. Käte hat Glück, es gibt gerade Strom im Kreissaal, das ist nicht die Regel. Am 16. März 1949 feiert die kleine Familie Verlobung, Abendgarderobe wird erbeten.

 

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Bild Die Einladung schreiben sie auf Ausweisformulare

 

 

 

 

Helmut hat ein Programm vorbereitet, er rezitiert Hauptmann, Goethe, Tucholsky und Shakespeare. Die Einladung schreiben sie auf Ausweisformulare, weil es kein Papier zu kaufen gibt. Das kalte Buffet wird schlicht ausgefallen sein. Die Blockade endet erst am 12. Mai 1949.

 

 

 

 

 

Am 8. September hat Helmut in der Tribüne Premiere. Er spielt mit Heli Finkenzeller in “Die kleine Hütte” von André Roussin. Es wird ein großer Erfolg. 1957 wird das Stück mit David Niven und Ava Gardner verfilmt. Am Tag nach der Theaterpremiere heiraten meine Eltern.

 

Helmut wird mit der Inszenierung von den Amerikanern auf ein Festival eingeladen. Helmut schreibt auf Briefpapier von American Airways: ” Nach jedem Bild Applaus. Zm Schluss doller Beifall. Gustaf (Gründgens) lehnte sich zurück und klatschte bis alles raus war. Nach der Vorstellung kam Gründgens zu uns und lobte meine Darstellung und Regie.” Leider kann mein Vater später nicht an diesen Erfolg anknüpfen.

 

Bild Maijachen nannte er Käte in Briefen

 

 

 

 

In den Jahren danach bauen meine Eltern ein Geschäft auf. Mein Vater wirbt Mitglieder, meine Mutter verkauft ihnen Bücher und Platten. Es ist ein Buchklub, doch meilenweit entfernt vom “Bertelsmann Käsering”, wie sie die Konkurrenz taufen. Die Deutschen sind hungrig auf Schriftsteller, die in der Nazidiktatur nicht den Weg nach Deutschland fanden. Sartre, Camus, Hemingway und die vielen Deutschen, die nur im Exil oder heimlich schreiben konnten. In der Musik gilt ähnliches, Swing, Hot und Cool Jazz, aber auch moderne Klassik findet viel Interesse.

 

Bild Jazz und moderne Klassik findet viel Interesse

 

Bild Viele gute Jahre, ein Ball in den 50ern

 

 

 

 

Ein befreundeter Leser schrieb kürzlich, ich würde meinen Eltern ein Denkmal setzen. Dieses Kompliment muss ich leider zurückweisen. Denkmäler werden aus edlen Stoffen, wie Bronze oder Marmor modelliert. Sie sind stilisiert und fast immer idealisiert. Mein Werkstoff ist jedoch das Leben und dieses ist eben fast nie ideal. Und so wird diese Geschichte nicht wie ein Märchen mit den Worten “Sie lebten glücklich und zufrieden bis ans Ende ihrer Tage.”, enden. Viele gute Jahre haben meine Eltern. 1954 werde ich, als Wunschkind, nur mit dem falschen Geschlecht geboren. 1960 promoviert Helmut in Philosophie, im gleichen Jahr eröffnet meine Mutter einen großen, schicken Laden in der Rankestraße. Doch Mitte der 60er Jahre holen das Paar die Schatten der Vergangenheit ein. Neun Jahre Krieg und Gefangenschaft haben meinen Vater nicht nur körperlich gezeichnet, auch seelisch hat er tiefe Narben zurückbehalten. Die Details sollen privat bleiben, jedenfalls hat meine Mutter viele Gründe 1967 die Reißleine zu ziehen und die Scheidung einzureichen.

 

Mein Vater findet erneut eine Ehefrau, als er krank wird pflegt sie ihn bis er kurz nach seinem 63. Geburtstag stirbt. Meine Mutter findet noch eine Liebe, die in den 70er unglücklich endet. Trotzdem blickt sie auf ein erfülltes, zufriedenes Leben zurück, als sie 2005 in ihrem 83. Lebensjahr stirbt.

 

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Die Geschichte von Onkel Paul: https://marcuskluge.wordpress.com/2013/10/10/familienportrait-tante-lotte-und-onkel-paul-ein-preuse-polizist-fotograf-und-sein-tragisches-ende-1933-46-2/

 

Meine Geburt und die ersten Lebensjahre: https://marcuskluge.wordpress.com/2013/09/24/familienportrait-marcus-rotkopp-etika-my-fair-lady-und-ein-anderer-kerl/

 

 

Familienportrait-Marathon Tag 8 – Die Welt geht unter / Die Liebe in Zeiten des Krieges / Teil 3 / 1945

 

 

Am 10. November 1942 verlässt Zarah Leander Deutschland. Sie wird nicht wieder ins deutsche Reich zurückkehren. Kurz vorher hat Goebbels noch versucht sie mit Schmeichelei und Geschenken umzustimmen. Doch Zarah hat begriffen, dass Deutschland den Krieg nicht mehr gewinnen kann . “Davon geht die Welt nicht unter” singt sie vor Wehrmachtsoldaten und SS-Männern im UFA-Film “Die große Liebe”. Dieser Film ist mit 27 Mio. Zuschauern der erfolgreichste überhaupt im Dritten Reich und hat am 12. Juni 1942 im UFA-Palast am Zoo Premiere. “Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehen” ist ein weiterer Schlager aus “Die große Liebe”, der auch Teil der Durchhaltepropaganda wird. Aber es geschieht kein Wunder und für die Deutschen geht im Frühjahr 1945 tatsächlich die Welt unter.

Bild Helmut, Rilke im Remter

 

Käte bekommt Anfang 1945 den letzten von über 100 Feldpostbriefen von Helmut. Er ist zuletzt in Marienburg, dem heutigen Malbork stationiert. Die im 13.Jh. erbaute Zentralburg des Deutschritterordens hat für die Nazis besondere Bedeutung. Helmut berichtet von einer Feierstunde in einem der Remter, so heißen die Speisesäle der Ordensburg. Dabei trägt er den “Cornet” von Rilke vor. Die klassische Soldatenballade “schwankt zwischen Glorifizierung des Heldentodes und der Sinnlosigkeit (jungen) Sterbens, Gefühlen von überzogener Ehre, Verlust und Traurigkeit.” Was er dabei fühlt, kann er wegen der Zensur nicht schreiben.

Bild Helmut links

 

Helmut deutet an, er würde Käte bald näher kommen, hofft wohl auf einen Rückzug. Dazu kommt es nicht. Ende Januar besetzen sowjetische Truppen die Stadt Marienburg. Die “Festung” wird sechs Wochen gegen die Rote Armee gehalten und am 8. März 1945 geräumt. Viele hundert Soldaten kommen ums Leben, deren “Hundemarken” keiner sammelt.

Bild Käte

 

Auch in Berlin beginnt der von der Propaganda beschworene “Endkampf”. Alte und Halbwüchsige werden zum “Volkssturm” eingezogen. Verweigerer werden sofort hingerichtet. Oma Elisabeth und meine Mutter überlegen den Straßenkampf in der U-Bahn abzuwarten. Glücklicherweise kommt Onkel Paul, der wieder bei der Polizei arbeitet, kurz in der Perleberger Straße vorbei. Er warnt die beiden vor der U-Bahn und besorgt ihnen Plätze im Bunker an der Schumannstraße neben dem Deutschen Theater. 40 Jahre später wird meine Tochter dort tanzen gehen.

 

 

 

Dass sie die U-Bahn meiden, ist ein großes Glück. Am 2. Mai sprengt die SS den Tunnel unter dem Landwehrkanal. Das gesamte unterirdische Verkehrsnetz wird dadurch geflutet. Ob nur wenige oder etwa 100 Zivilisten ertrinken weiß man nicht genau, auch das Motiv für die Tat bleibt im Dunkeln.

 

Zwei Wochen bleiben sie im Bunker. Unter unvorstellbaren hygienischen Bedingungen passieren hier kleine und große Tragödien. Der Schauspieler Aribert Wäscher, der in Hunderten Filmen mitgewirkt hat, unter anderem in Riefenstahls Mammutproduktion von Tiefland (1940-44), klagt und zetert laut vor sich hin. Eine daneben sitzende Mutter hat es schwer ihre Kinder bei Laune zu halten. Nach einem Tag und einer Nacht geht sie zu Wäscher, ohrfeigt ihn, danach verstummt der große Mime.

Bild Oma, Anfang der 40er Jahre

 

Nach etwa zehn Tagen hören Oma und Käte, es würde zwei Ecken weiter Milch aus sowjetischen Beständen ausgegeben. Sie besorgen sich Kannen und verlassen den Bunker. Der Theatervorplatz ist Niemandsland zwischen den Stellungen des Volkssturms und der Russen. Oma holt ein Taschentuch hervor, schwenkt es und betritt den Platz. Tatsächlich läßt das Feuer nach und die Frauen überqueren den Platz. Es sind die längsten 200 Meter ihres Lebens.

 

Für den Rückweg zeigt ihnen ein Soldat einen Umweg, sie kommen heil zurück in den Bunker. Nach weiteren drei Tagen sind die Kampfhandlungen zuende. Sie können den Bunker verlassen. Was sie draußen erwartet hat apokalyptisches Ausmaß. Überall lodern noch Brände, der Rauch beißt in den Augen. Es riecht nach verbranntem Fleisch, nicht nur Leichen liegen auf den Straßen, auch viele Pferdekadaver sind der Verwesung preisgegeben. An Laternenmasten hängen Tote, die Schilder um den Hals haben. Darauf stehen Sätze wie, ” Ich war zu feige mein Vaterland zu verteidigen”, oder ähnliches. Auf dem Weg in die Perleberger Straße sehen sie mehr Ruinen als bewohnbare Häuser.

Bild Käte mit Freundin Inge im Tiergarten

 

Zuhaus verbrennen sie Fotos und Dokumente, auf denen Hakenkreuze zu sehen sind. Russische Soldaten erschießen Männer und Frauen, bei denen so etwas gefunden wird. Für Vergewaltigungen reicht es, dass Frauen anwesend sind. In der Nacht weckt sie Krach im Vorderhaus. Es scheinen plündernde Soldaten zu sein. Oma malt Käte rote Punkte ins Gesicht und steckt sie ins Bett, als ob sie eine ansteckende Krankheit hätte, ein Kopftuch verbirgt die verlockend blonden Haare. Sie haben Glück, noch bevor der Mob ins Hinterhaus eindringt, unterbindet Militärpolizei das Geschehen.

 

Am nächsten Morgen beschließt Oma Moabit zu verlassen. Tiergasten soll russisch werden, wogegen Wilmersdorf und Steglitz von Amerikanern kontrolliert werden soll. Sie packen ihr wichtigstes Hab und Gut auf einen Handwagen und durchqueren den Tiergarten. Am Zoo passieren sie das ausgebombte Aschingers, sie ziehen die Kaiserallee hoch, die heutige Bundesallee. Oma kennt die Straße gut. Vor dem Ersten Weltkrieg ist sie hier sonntags zum Zoo gelaufen. Nun hat sie zwei Weltkriege hinter sich.

 

Die kühle Mainacht verbringen sie im Volkspark. Am nächsten Morgen hören sie von einer leeren Wohnung in der Kaiserallee 181, gleich hinter der Berliner Straße. Sie besetzen die Wohnung, später werden sie behaupten, der Mietvertrag wäre verbrannt. Meine Oma wohnte in dem Haus bis sie, Anfang der 60er Jahre, eine Neubauwohnung in der Prinzregentenstraße bezieht.

 

Von Helmut hört Käte jahrelang nichts, sein Schicksal bleibt zunächst ein Rätsel für sie.

 

Bild Helmut, 3. v.re.

Familienportrait-Marathon Tag 7 – Fieber / Die Liebe in Zeiten des Krieges / Teil 2 / 1942-44

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Fieber

 

 

Kriege enden nicht wenn eine Partei gewinnt und die andere kapituliert. Kriege wirken nachhaltig.

 

 

Noch heute leiden, laut der Uni Leipzig, ca. 3.4% der 60- bis 90-jährigen Deutschen an einer posttraumatischen Belastungstörung infolge des 2. Weltkriegs. Ein Drittel der GIs, die aus dem Irak zurückkommen, haben psychische Probleme. Alkoholismus beobachtet man häufig, die Morphiumsucht wurde früher “Soldatenkrankheit” genannt, so häufig war die Abhängigkeit unter Veteranen. Kurz gesagt: Mit Ende des Krieges fangen viele Probleme erst an.

 

 

Die Teilnehmer eines Krieges, egal ob Kombattanten oder Nichtkombattanten, dürfen daran nicht denken. Für sie ist es nötig sich vorzustellen, dass im Frieden alles wieder gut wird und die Träume, die ihnen den täglichen Wahnsinn überstehen helfen, wahr werden. Käte stellt sich vor mit Helmut eine Familie zu gründen und ein eigenes Geschäft zu führen, am liebsten was mit Büchern. Helmut möchte Karriere machen, als Schauspieler und Regisseur und er stellt sich Käte als die Frau an seiner Seite vor.

IMG_20131012_0016 Käte träumt

 

In Berlin wird das Leben durch die fast allnächtlichen Bombenangriffe bestimmt. Die Nächte bringt frau häufig, ohne Schlaf im Luftschutzkeller zu. Tagsdrauf sieht sie dann, wo Bomben häßliche Löcher im Straßenbild verursacht haben und das drückt die Stimmung zusätzlich. Die Briefe, die ihr drei oder viermal in der Woche der Briefträger bringt, zeigen Käte aber doch, es geht schlimmer.

 

 

Gerade nachdem Helmut seine Verwundung am rechten Oberarm halbwegs weggesteckt hat, wird er wieder in die verlausten Schützengräben geschickt. Das hat Folgen, er erkrankt an Wolhynischem Fieber. Es wird auch Trench Fever genannt, weil es in den Schützengräben des 1. Weltkriegs erstmals beobachtet wurde. Tolkien, A.A. Milne und C.S. Lewis waren damals daran erkrankt. Auch im 2. Weltkrieg hat man noch keine wirksame Therapie dagegen. Schlecht verheilte Läusebisse verursachen das Leiden, doch an den hygienischen Verhältnissen an der Front ändert sich nichts, wie auch.

IMG_20131012_0006 Helmut schreibt

 

 

 

Helmut hat tageweise hohes Fieber, über 41°, dazu starke Kopf- und Gliederschmerzen, der Appetit verläßt ihn, er magert ab. Trotzdem schreibt er täglich an Käte, wenn das Fieber hoch ist, bringt er nur riesige, krakelige Buchstaben zustande, der Inhalt ist kaum zu entziffern. Dann ist er wieder klar, verfasst wunderbare Gedichte, die sie auf der Maschine sauber abtippt. Er baut für sein Kätchen und sich ein literarisches Luftschloss, in das sie vor dem Krieg flüchten können. Käte ist beeindruckt, hat Mitleid, ist wohl auch verliebt, doch es ist schwierig. Sie weiß nicht wirklich wer dieser Mann ist.

 

Ein paar Mal schafft es Helmut für ein paar Stunden oder Tage nach Berlin oder Muskau zu kommen, wohin Kätes Arbeitsstelle wegen der Luftangriffe verlegt wird. Seltsamerweise fühlen sich diese Treffen unwirklich an, sie sind einander fremd. Wenn es romantisch wird oder Helmut ihr zu nahe rückt, wird Käte kratzbürstig. In den Briefen sind sie sich viel näher.

IMG_20131012_0017 Sachlich, manchmal kratzbürstig

 

Hoffnung

 

 

Monatelang hat Helmut um ein Studiensemester gekämpft, er kann es kaum glauben, 1944 darf er nach Berlin und ein paar Monate studieren. Käte gibt die Anstellung bei der Wirtschaftsgruppe Glasindustrie auf, um auch wieder in Berlin zu leben, die Angriffe sind ihr egal. Sie und Helmut sind sich einig, in solchen Zeiten ist Fatalismus erlaubt, weder man noch frau kann das Schicksal beeinflussen und was passieren soll, wird passieren.

 

 

Am 20. Juli hören sie im Radio, es hätte ein Attentat auf Hitler gegeben, es ist nicht klar, ob er tot oder nur schwer verletzt ist. Am Abend sind sie im Schauspielhaus, Don Carlos steht auf dem Spielplan. Als Marquis Posa vom Despoten, “Sire, geben sie Gedankenfreiheit!” verlangt, gibt es Szenenapplaus. Es ist bekannt, dass dafür schon mindestens ein Deutscher, der da geklatscht hat erschossen wurde, aber in diesem Moment ist die Furcht weg. In der Pause machen fast alle Zuschauer Pläne, man hofft der Krieg würde bald zuende sein, nun da “der Verrückte” tot ist. Mit England und den USA könne man sich einigen, dann würde man gemeinsam die Sowjetunion niederringen… Auch Käte und Helmut machen Pläne. Plötzlich ist die Erfüllung der Träume ganz nah.

 

 

Als sie in der Perleberger Straße die Treppe hochkommen, steht Oma Elisabeth schon in der Tür und macht eine wegwerfende Geste. Hitler lebt, der Umsturzversuch ist gescheitert, Helmut muss schon bald wieder zurück an die Front.

IMG_20131016_0003 Es bleiben Briefe

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