Familienportrait –„Einschiffung nach Kythera“ / Die Legende von Xanadu Kapitel Fünf / 1973

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Etwa eine Woche nach unserem merkwürdigen Rencontre im Café Bleibtreu rief Beaky mich an. Ja, merkwürdig fand ich jene Begegnung und auch denkwürdig. Jedenfalls dachte ich mehrfach daran, wie an jenem Vormittag meine morgendliche Schwere und Langsamkeit mit Beakys hektischem, drogeninduziertem Auftreten zusammenstieß. Als der mittelbar Aufgeputschte mir die gesamte Jugendkultur und den Protest der 60er Jahre als reaktionäre Verschwörung vorstellen wollte und der dann noch sein Lieblingsthema Xanadu völlig herzlos abschrieb, oder vielmehr abredete. Auch das da offensichtlich etwas hin und herflog zwischen meiner Bekannten, der Kellnerin Hanna und dem ehemaligen Schulfreund kam mir mehr als einmal in den Sinn. Nun war Frieder am Telefon. Frieder, der lieber Beaky genannt werden wollte und es war mein Eindruck, dass er nicht aufgeputscht war. Er hörte sich eher kleinlaut an. Er wolle etwas mit mir besprechen, er hätte sich meine Worte zu Herzen genommen und das Speed abgesetzt. Er sei dabei sein Leben zu ändern, privat und bei der Arbeit. Er durfte nun sogar allein die Galerie hüten, was sein Chef Puvogel bisher für „indiscutable“ gehalten hatte. Also verabredeten wir, das ich ihn von der Arbeit abholen sollte.

Der Antiquitätenhändler und Galerist Ingomar von Puvogel ist was man eine schillernde Persönlichkeit nennt. Der etwa 1,70 Meter große, grauhaarige Herr trägt gern zweireihige Klubjacken, die sein Bäuchlein eher betonen als verbergen. Er selbst nennt es fast zärtlich, sein „Embonpoint“, was selbstverständlich sehr viel schicker klingt, als das in Berlin sonst gern verwendete Wort „Wampe“. Er war nicht immer Geschäftsmann, seine Kollegen erzählen gern genüsslich, dass er in den 50er Jahren für mehrere Nachrichtendienste gearbeitet haben soll, den BND sowohl als auch die Stasi und zusätzlich die üblichen Verdächtigen wie CIA, MI5 und Mossad. Unter mysteriösen Umständen hat er Anfang der 60er Jahre den aktiven Dienst verlassen. Man munkelt von Stasi-Material über die Nazi-Vergangenheit eines hochrangigen CDU-Politikers, mit dem er einen goldenen Handschlag vom BND erpresst haben soll. Andere sprachen von Kinderpornographie, die Puvogel einem Staatssekretär untergeschoben haben sollte. Aber es liegt in der Natur der Sache, das Niemand etwas Genaues wusste. Puvogel ließ sich anschließend an sein Ausscheiden ein Clark Gable-Bärtchen wachsen und eröffnete seine „Galerie“ in der Schlüterstraße. Zusätzlich schmückt seitdem das Wörtchen „von“ seinen Namen. Von nun an gab er die Vorstellung eines bildungsbeflissenen Schöngeists, der gern seine Sprache mit französischen Vokabeln würzte und seine Vergangenheit in wenig glaubwürdigen Anekdoten schönfärbte. „C’etait incroyable“, so nannte er es selber.
Auf den ersten Blick hob sich sein Geschäft von den benachbarten Trödlern ab, doch wenn man genau hinsah, bestand sein Angebot hauptsächlich aus drittklassigen Gemälden, Jugendstil und Art Deco-Tand, sowie asiatischem Kunsthandwerk, preiswerter Dutzendware zumeist. Beaky arbeitete dennoch gern bei ihm, Puvogel war freundlich, jovial, hatte Humor und konnte tolle Geschichten erzählen. Außerdem bescheinigte ihm sein Chef, er würde 40 Stunden in der Woche bei ihm wirken, was stark übertrieben war. Sein Bewährungshelfer war einmal im Laden gewesen und Puvogel hatte ihn mühelos um den Finger gewickelt und ihm sogar ein hübsches Lackkästchen zu einem überhöhten Preis verkauft. Wie die meisten Besucher bestaunte der Sozialarbeiter die Kopie von „Einschiffung nach Kythera“, dem berühmten Gemälde von Jean-Antoine Watteau. Und wie bei allen kunsthistorisch Ungebildeten behauptete Puvogel, es würde sich um ein unbekanntes viertes Bild von diesem Sujet handeln, ein echter Watteau. Was natürlich blanker Unsinn war. Denn wenn es ein Orginal gewesen wäre, hätte es nicht im Schaufenster auf einer Staffelei gestanden. Stattdessen hätte man es, mit einer Alarmanlage verbunden, an die Wand gehängt, denn es wäre mindestens eine sechsstellige Summe wert gewesen. Ach was, wenn es ein echter Watteau gewesen wäre, hätte es niemals in der Antik-Klitsche von Ingomar von Puvogel gehangen.

(„Einschiffung nach Kythera ist der Titel dreier spätbarocker Gemälde des französischen Meisters Jean-Antoine Watteau. Eines davon hing damals in Dahlem, wo ich es gesehen hatte. Das Gemälde zeigt ein paar junge Leute, die am Ufer auf ihr Boot warten, um zur Insel Kythera übergesetzt zu werden. Rechts steht eine Statue der Liebesgöttin Venus. Im Hintergrund sieht man die Insel Kythera, den Ort an dem Venus der Sage nach aus dem Schaum des Meeres an Land gestiegen sein soll. Die Insel Kythera galt im 18. Jahrhundert als ein Reich der Liebe, fern aller Konflikte. Mit diesen sogenannten „Fêtes galantes“-Gemälden schuf Watteau eine neue Bildtradition, bei denen Rubens und dabei insbesondere dessen Gemälde Liebesgarten das Vorbild waren.“)

Es war an einem Freitag nachmittag, als ich Beaky in der Galerie Puvogel aufsuchte. Ich bewunderte die recht ordentliche Watteau-Kopie im Fenster, wobei ich Beaky im Ladeninneren erspähte. Er trug zu seinen dunkelblauen Levis ein besticktes Seidenhemd, wahrscheinlich auch ein Asienimport des Galeristen. Seine langen, rotblonden Haare waren frisch gewaschen und ich war froh keine Anzeichen des Konsums harter Drogen zu erkennen.
„Na, Beaky, wie läuft dein Geschäft?“
Er erwiderte mit leicht gedämpfter Stimme, „Ich wollte, es wäre meins, Marcus. Und nenn mich bitte Frieder, der Chef mag meinen anderen Namen nicht.“
„Wo ist er denn, der Graf von und zu Piepvogel?“
Beaky wurde rot, jetzt flüsterte er fast: „Er ist hinten in seinem geheimen Blaubart-Kabinett und macht Siesta. Ich glaube er raucht was von seinen Thai-Sticks und was er noch treibt, da gibt es verschiedene Vermutungen.“
Puvogel importierte versteckt im Kunsthandwerk Marihuana, sogenannte Thai-Sticks, die besonders bei Künstlern und Intellektuellen sehr beliebt waren. Man sagte, sie gingen nicht in die Beine, sondern direkt in den Kopf, machten wach und gesprächig. Viele Antiquitätenhändler in den Kudamm-Nebenstraßen verkauften das teure Zeug als willkommene zusätzliche Einnahmequelle. Die Kunden gehörten entweder zur Schickeria oder sie hätten gern dazu gehört. Auf jeden Fall rekrutierte sich die Clientel aus den „besseren Kreisen“, die bereit waren etwas mehr für den illegalen Drogen-Kick zu zahlen.
Was das „nochtreiben“ angeht, wucherten in der Tat die unterschiedlichsten Vermutungen. Der falsche Adlige selbst behauptete, erotisch ein Neutrum zu sein seitdem der sowjetische NKWD ihn im Zweiten Weltkrieg mehrere Tage gefoltert hatte. Da er diese wilde Geschichte mit sehr viel Humor und Gusto zelebrierte, war er selbst schuld, dass sie als nicht sehr glaubwürdig aufgenommen wurde. Also sprach man von kleinen Mädchen, kleinen Jungen, kleinen oder eher mittelgroßen Haustieren, sowie von allen denkbaren materiellen Fetischen, die angeblich sein erotisches Interesse ausmachen sollten.

„Gott zum Gruße, junges Volk“, tönte es leicht effeminiert aus dem rückwärtigen Geschäft. Der Besitzer hatte seine Siesta beendet und gab uns eine Exklusiv-Vorstellung seiner Darstellung eines intellektuellen Scheingeistes . Mir war die Puvogels sexuelle Orientierung überhaupt nicht unklar, ich hielt ihn für schwul. Und als ob er meinen Gedanken bestätigen wollte, turnte der Galerist um mich herum und bewunderte mich von allen Seiten. Beaky hatte meinen Besuch wohl angekündigt, denn unverzüglich schmeichelte Puvogel mich an: „Das kann doch nur der kluge Herr Kluge sein und dabei ist er auch noch ein so schöner Mensch. Wie hält man das aus?“ Nach kurzer Sammlung parierte ich den Ästhetik-Liebhaber: „Normalerweise ganz gut, Herr Puvogel“. Ich drängelte ein bißchen, um möglichst schnell Puvogels Dunstkreis zu entgehen. Es war nicht so, dass ich wie viele Männer grundsätzlich Probleme mit Schwulen hatte. Ich hatte sogar selbst eine kurze Beziehung zu einem Mann gehabt und die Schwulenszene kennengelernt. Deshalb kannte ich auch das Gefühl von älteren Schwulen angemacht zu werden und sowas machte mich normalerweise nicht verlegen. Aber dieser Vogel war mir unangenehm, seine aufdringliche, süßliche Art. Ich verstand nicht, wie Beaky für ihn arbeiten konnte und dessen Nähe ertragen konnte. Nach meinen Eindruck hatte dieser Galerist hatte nur einen Gedanken in seinem Kopf und der war schmutzig. Glücklicherweise schien es Beaky selbst peinlich zu sein, wie sein Chef mich anbaggerte und er unterstützte meinen geordneten Rückzug aus der Galerie.
Anschließend liefen Frieder und ich die Schlüterstraße in Richtung Kudamm Wir überquerten erst die Kant- und dann die Niebuhrstraße, und endlich drückte mich mein Begleiter in eine ziemlich normale Berliner Kneipe, sie hieß „Zum Schotten“. Auf den ersten Blick schottisch war, dass man bei Licht und Einrichtung offensichtlich gespart hatte. Die finstere Kaschemme war nur mit wenigen Gartenmöbeln und einem heruntergekommenen Billardtisch möbliert. Ganz und garnicht meine Tasse Tee. Der einzige Lichtblick war ein schönes altes Canada Dry-Schild, das über der Theke hing.
Bei dem Kellner mit Schmalzlocke bestellte ich also ein Canada Dry, ungeöffnet in der Flasche, was mit verhaltenem Unmut quittiert wurde. Kaffee oder Tee würde ich in diesem Laden nicht anrühren. Beaky war da nicht so heikel, er trank schwarzen Kaffee, den der Kellner aus einer Thermoskanne eingoss.
Mir fiel ein, dass ich schonmal in diesem Laden war. Schon Ende der 60er Jahre traf sich hier eine Mischung von linken Studenten und denen, die sie gern als Genossen gehabt hätten, nämlich die Angehörigen der ansässigen Arbeiterklasse. Kiffen war dort verpönt, doch handelte man mit Tabletten, Catagon, An1 und anderen Helfern fürs Examen oder die Frühschicht im E-Werk oder in der Gipsformerei. Ich war dort 1969, in einer Ecke stand ein Fernseher und die Gäste verfolgten mit skeptischer, berlinischer Abgeklärtheit die Live-Übertragung der ersten Mondlandung. Vielleich war hier der Ort gewesen, wo zum erstem Mal behauptet wurde, dass es sich bei diesen Bildern von der Mondlandung um eine Fälschung handelte, stellte ich mir vor.

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Ich öffnete die Flasche, genoss einen ersten Schluck Ginger Ale und eröffnete das Gespräch: „Du scheinst meine Gardinenpredigt ernst genommen zu haben, oder hattest du andere Gründe deine Performance aufzupolieren?“ Seit ich den Nicolas Roeg Film mit Mick Jagger gesehen hatte, war „Performance“ eines meines Lieblingswörter. Ich beobachtete wie Beaky mit Worten rang und einen Einstieg suchte. „Na ja, weißt du, letzte Woche im Café Bleibtreu. Du hast mir erzählt, wie glücklich du mit deiner Freundin Ilona bist und mir ist klar geworden, dass ich auch so eine Beziehung suche.“ Ich nickte verständnisvoll und ließ ihm Zeit zu formulieren. „Da habe ich mich entschlossen mit dem Scheiß-Pulver aufzuhören. Also, mit dem Speed habe ich das schon geschafft, ein bißchen H sniefe ich aber noch.“ Das H sprach er englisch aus, wie es in der Berliner Drogenszene üblich war, es hörte sich wie „Ähtsch“ an. „Sniefen“ war wohl auch ein Wort das es nur in dieser Subkultur gab. „Damit ist aber auch bald Schluss“, fuhr er fort, „Sag mal, im Bleibtreu war doch diese Hanna, die Kellnerin. Kennst du die gut?“ „Nö, ist eigentlich mehr Ilonas Freundin. Aber ich hatte mir schon gedacht, dass du mich nach ihr fragst. Die hat dir gefallen, ne?“ Beaky nickte, aber zog die Stirn kraus. Er war sich unsicher und er wusste nicht, wie er sie ansprechen sollte und bat mich um Hilfe.

„Well, early in the mornin’
’Til late at night
I got a poison headache
But I feel all right
I’m pledging my time to you
Hopin’ you’ll come through, too“

Wahrscheinlich war ich der einzige Mensch der wusste, dass Beaky noch Jungfrau war. Außer einer Knutscherei im Anne-Frank-Haus hatte er keine sexuellen Erfahrungen mit irgendeinem weiblichen Wesen. Die Tatsache war ihm peinlich, aber weil er mich für so etwas wie seinen Beichtvater hielt, hatte er es mir erzählt, unter dem Siegel der Verschwiegenheit. Nun legte er mir nahe für ihn Amor zu spielen. Im Grunde hatte ich sowas erwartet. Beim Verkuppeln hatte ich zwar keinerlei Routine, doch wie so häufig im Leben bemühte ich mich die Aufgabe als Schauspielpraxis zu betrachten.
Ich lud also Hanna zu einem Picknick ein. Am Samstagmittag liefen wir, Ilona und ich, zum Zooeingang gegenüber vom Bahnhof, das war der vereinbarte Treffpunkt. Meine Freundin und ich hatten eine Kleinigkeit zu essen vorbereitet und bei Ullrich kauften wir noch ein Fläschchen Rotwein, kurz bevor um 13 Uhr der Laden zumachte. Hanna kam zuerst, überpünktlich und Beaky verspätete sich etwas, er wirkte aber frisch und clean. Wir liefen los, ließen rechts von uns den Zoo, wir überquerten die Schleuse und waren bald im Tiergarten. Dort an einem See kannte ich eine seichte Stelle. Wenn man Füße und Waden freimachte, konnte man dort durchs Wasser waten. Belohnt wurde man durch eine kleine, menschenleere Insel. Die Idee kam mir, als ich in Puvogels Schaufenster „Einschiffung nach Kythera“ gesehen hatte. Auch ohne Schiff hatte der Nachmittag etwas Romantisches, Hanna lachte über Beakys Scherze, auch über die unbeholfenen. Als wir uns am frühen Abend verabschiedeten, beschloss Beaky Hanna noch nach Hause zu begleiten. Dann hörte und sah ich von den Beiden für längere Zeit nichts, was ich als gutes Zeichen wertete.

Hanna wohnte in einer winzigen Mansarden-Wohnung in der Düsseldorfer Straße. Wie in vielen Nebenstraßen des Kudamms hatte man dort kleine Dachgeschosswohnungen mit Atelierfenstern geschaffen. Es war billig damals und romantisch, nur im Winter zog es ziemlich. Beaky hatte ja nun Hannas Adresse und er beschloss um sie zu werben. Das tat er zunächst mit mehreren Postkarten, auf die er Zeilen aus Popsongs schrieb. Nichts Kitschiges, eher coole Zitate. Er hatte keine Erfahrung in solchen Dingen, er tat es auf seine Art. Folglich hatte es mit Musik zu tun. Auf diesem Gebiet kannte er sich aus und er war sich auch ziemlich sicher, dass Hanna einen Nerv für Texte von Bob Dylan, Janis Joplin und Jimi Hendrix hatte, die er für sie aussuchte. Nach einer Woche beschloss er aufs Ganze zu gehen. Er steckte ihr ein Mixtape in ihren Briefkasten, zusammen mit dem Vorschlag sich zu treffen und seiner Telefonnummer. 1973 war ein Mix-Tape ganz weit vorne, die Avantgarde der zeitgenössischen Liebeswerbung sozusagen.

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„Won’t you come with me baby?
I’ll take you where you wanna go.
And if it don’t work out,
You’ll be the first to know.
I’m pledging my time to you,
Hopin’ you’ll come through, too.“

(„Pledging my Time“, Bob Dylan aus dem Album „Blonde on Blonde“, 1966)

Und wirklich ruft Hanna Beaky an, seine Liebeswerbung hat sie amüsiert und sie mag den langhaarigen, etwas unbeholfenen Jungen gern. Also treffen sie sich am Olivaer Platz, an der Einser-Haltestelle. Er besteht darauf, sie zum Essen einzuladen. Sie laufen den Kudamm in Richtung Halensee und Hanna fragt, halb besorgt, halb scherzhaft:“Du willst mich aber nicht in den Athenergrill ausführen?“ Er schüttelt den Kopf, tatsächlich ist ihm die Frage peinlich, er wird sogar ein wenig rot. Wenige Meter hinter dem Athenergrill, hält er ihr eine Tür auf. Ins Ciao lädt er sie ein. Einen schicken Italiener, wo man manchmal sogar Schauspieler oder andere Prominente sieht. Schon ist der Kellner da, wieselt um die Beiden, radebrecht, „Einen Tisch, a due?“ Beaky nickt und der Kellner will sie ganz hinten im Lokal platzieren, Hanna stoppt ihn souverän. Sie will am Fenster sitzen, was auch kein Problem ist, der Laden ist fast leer.
Hanna hat nur eine rosafarbene Weste und nichts zum Ablegen an, Beakys Fransenlederjacke will ihm der Kellner abnehmen, es gibt etwas Gezerre und Beaky gewinnt das Match. Einen Freund haben sie in ihrem Kellner nicht gewonnen mit diesem Entrée.
Jetzt bringt der Kellner Beaky die Weinkarte, davon lässt er sich nicht irritieren, man hat ihn vorgewarnt. Weltmännisch sucht er einen bezahlbaren Wein aus, auch das Probieren und freundlich Nicken bekommt er hin. Aber er fühlt sich überhaupt nicht wohl und schließlich gesteht er sein Missempfinden Hanna, die sieht es ähnlich. Als sie Beaky darauf hinweist, dass der Kellner einen ganz anderen, teureren Wein gebracht hat, kommt Beaky eine spontane Eingebung, Er bedeutet Hanna ihr Glas auf Ex zu trinken, dann zerrt er sie hoch, greift seine Jacke, schleust sie durch den Eingang auf den Gehsteig. Sie rennen los, er hat sich vorher versichert, das sie keine Absätze trägt. So jagen sie den Kudamm hoch zurück in Richtung Leibnizstraße und kichern. Als sie an der Ecke Seesener Straße sind, blicken sie zurück und sehen den gestikulierenden Kellner, worauf sie einen erneuten Lachanfall bekommen. Sie halten sich die Bäuche und lachen bis es wehtut.
Sie haben einen großartigen Abend, Beaky hat nicht nur Hoffnung, er ist sich fast sicher, dass Hanna ihn auch gern mag. Doch als sie spät in Richtung Düsseldorfer Straße spazieren, wird Hanna auf einmal ernst. Sie will keinen Freund, für den Drogen wichtiger sind als sie. Er wäre ja wohl auf Speed gewesen, beim ersten Sehen im Bleibtreu, und Speed ginge nun garnicht. Genauso wenig wie Heroin. Abends oder am Wochenende mal kiffen sei aber kein Problem. Beaky beichtet seine Drogenkarriere, nun ja, vielleicht beschönigt er ein wenig, aber im Großen und Ganzen ist er ehrlich, bis auf eine Ausnahme und wegen dieser wird es Ärger geben. Die Frage ist nur wann.
Zunächts endet der Abend mit einem Küsschen, das Hanna Beaky auf die Wange gibt. Was Beaky nicht unrecht ist, er fürchtet sich vor dem „ersten Mal“. Seinem ersten Mal, seiner Unerfahrenheit, die Hanna merken könnte. Auch bei diesem Thema hat er nicht ganz die Wahrheit gesagt. Aber was ihn die halbe Nacht wachhält und immer wieder durch sein Hirn kreist ist der Gedanke, dass nur das Heroin ihn so cool und schlagfertig gemacht hätte, an diesem Tag mit Hanna. Das er ohne das Sniefen unsicher gewesen wäre, gestottert hätte und rot geworden wäre. Und das sie ihn nicht mehr wollen würde, wenn sie das mit dem Heroin wüsste. Er ist in einem Dilemma. Immer wieder dreht sich die Kausalkette in seinem müden Hirn und erst gegen Morgen schläft er ein. Es ist ein tiefer, traumloser Schlaf.

Fortsetzung folgt

Einschiffung nach Kythera:
http://de.wikipedia.org/wiki/Einschiffung_nach_Kythera

Pledging my Time:
http://www.bobdylan.com/de/node/25804

 

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