Familienportrait – “Die Autos meiner Kindheit” / 1954-66

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Als ich 1954 geboren wurde hatten meine Eltern einen Fiat. Sie hatten ihn als Neuwagen bei Karl A. Klein am Kudamm gekauft. Weil er teuer war als sogenanntes Wechselgeschäft, d.h. jeden Monat musste eine recht hohe Summe eingezahlt werden, sonst wäre der Wagen zurück zum Händlern gegangen. Mehrfach haben sich meine Eltern Geld borgen müssen, um die Wechsel zu bedienen.

Bild Fiat, Bruder

Der Fiat war schick, klein, schnell und machte immer wieder Ärger. Einmal blieben wir auf der Transitstrecke nach Hannover liegen, was besonders unerfreulich war. Der Thermostat war hinüber und die “Zonen-Werkstatt” hatte natürlich keine Fiatteile. Die Mechaniker waren gewohnt zu improvisieren, sie besorgten sich eine Leberwurst und der Thermostat wurde mit dem Naturdarm geflickt. Uns fiel allen ein Stein vom Herzen, als wir endlich in Braunschweig ankamen und eine Fiatwerkstatt ansteuerten. Es gehört zu meinen allerersten Erinnerungen, dort auf einem Spielplatz herumgeturnt zu sein, während wir warteten.

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Mutter, Accessoires

Ende der 50er Jahre hatten meine Eltern endgültig genug von der pferdestärkenreichen Diva und kauften einen alten Daimler. Der gemütliche und zuverlässige D 170 war mein Lieblingsauto und häufig wollte ich es garnicht verlassen. Ich war halt ein Stubenhocker und der Mercedes war meine gute Stube.

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Gute Stube

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Anfang der 60er Jahre starb der Benz an Altersschwäche, die Modelle sieht man heute noch in Kriegsfilmen, wie sie SS-Sturmbannführer oder Stabschefs zu ihren tödlichen Geschäften kutschieren. Als Ersatz erstand Vater einen Opel-Caravan. Dieser hatte eine undefinierbare helle Farbe und sah, selbst wenn er frisch gewaschen war dreckig aus. Wir fuhren oft am Wochenende zur Havelchaussee, um wie viele Berliner, dort den Wagen mit Havelwasser zu reinigen. Das Wort Umweltschutz war noch unbekannt. 1966 wurden meine Eltern geschieden und ich bin nie wieder mit meinem Vater Auto gefahren. Meine Mutter hat nie den Führerschein gemacht, sie posierte zwar gern mal mit den Schlüsseln vor der Kamera, aber fahren lies sie sich stets von “ihren Männern”. Meist war das dann mein älterer Bruder, der 1966 nach zwei Fahrstunden den Führerschein bekam und eine lange Reihe von Käfern fuhr.

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Opel Caravan

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