Archive | May 2015

Editorial – “Blitz, Buch, WeBeMaKis und Lesung”

Rotes Herz Makis

Vor zwei Wochen hat ein Blitz meinen alten PC gekillt. Ein paar neue Texte waren weg, selbst die externen Back-Ups waren unvollständig. Das Xanadu-Buchprojekt dümpelte bei 46%, ohne dass etwas dazukam. Dann haben Rainer und ich uns, zusammen mit der geschätzten Prinzipalin der WeBeMaKis, Jeanette, T-Shirts für Mauerkinder ausgedacht. Rainer hat schöne Entwürfe gemacht und Gruppenmitglieder haben zwei Entwürfe ausgesucht. Eine Woche später waren ca. 50 Hemden bestellt und wir haben unser Funding-Ziel erreicht. Wir sind begeistert und sagen allen Unterstützern und Jeanette vielen, lieben Dank! Mein Traum wird wahr, im Juni wird mein erster Roman gedruckt.

https://www.startnext.com/xanadu-west-berlin-buch

Wer möchte kann sich am 28. Mai im Pinguin-Club von mir vorlesen lassen. Als Gast beim Stammtisch “Plastics, Punks & Pussys” lese ich, um 21 Uhr, kurze Texte über Liebe, Punk und Rock’n’Roll in der Mauerstadt. Die Lesung wird ca. 35-40 Minuten dauern. Mein Freund und Illustrator Rainer Jacob zeigt Zeichnungen und Originalfotos dazu. Der Eintritt ist frei!

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“Rainer und ich waren in der T-Shörterei und haben Neuigkeiten. Girlie-Shirts, also tailliert und mit Rund- oder V-Kragen sind machbar in den Motiven, die wir als T-Shirts anbieten. (Siehe 1a und 6a) Auch Hoodies wären machbar (siehe 4c mit einem neuen Motiv). Ich persönlich könnte mich auch noch für die Variante Grill- und Koch-Schürze erwärmen. Der Haken ist i.M. der Listenpreis der Textilien, wir werden nächste Woche mit dem Chef dort reden und versuchen günstigere Preise aushandeln. Immerhin bestellen wir insgesamt eine größere Menge. 4a ist ein schönes, neues Design, da wäre die Frage, ob wir 10 Besteller finden?

Grundsätzlich denken wir, die Hemden sollten etwas besonderes bleiben, das es nicht immer gibt. Wir werden ein paar Shirts mehr bestellen, z.B. für Mauerkinder, die sich mit der Größe unsicher sind. Eine Kommerzialisierung streben wir nicht an, es soll ja auch nicht “Jedermann” damit rumlaufen. Wenn wir ein neues Projekt starten, würden wir gern in diesem Rahmen neue Shirts vorstellen. Im Herbst möchten wir aus den “Familienportraits” ein Buch machen, so dass zu Weihnachten das Buch und vielleicht ein T-Shirt unterm Weihnachtsbaum liegen.

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Familienportrait – “My Fair Lady und ein anderer Kerl” / 1954-57

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Eigentlich sollte ich ein Mädchen werden. Mein Vater hatte, im Schützengraben und Kriegsgefangenschaft, so lange in männlicher Gesellschaft verbracht, dass er sich ein Mädchen wünschte. Außerdem waren in seiner Familie seit längerem nur Jungen geboren worden. Schon Willy, der ältere Bruder von Papa wünschte sich 1930 ein Mädchen, doch es wurde ein Wolfgang daraus. Auch hegte Papa die Befürchtung, einen Sohn irgendwann in den Krieg schicken zu müssen, aus diesen Gründen sollte ich eine Tochter werden. Diesen Gefallen konnte ich ihm nicht tun!

Ich wurde am 18. November 1954 als Junge geboren. Ich hatte dünne weiße Härchen, die kräftig durchblutete Kopfhaut schimmerte durch, so dass die Haare rot wirkten. Mein Vater soll mich lange angeschaut haben, die roten Haare irritierten ihn wohl, weder er noch meine Mutter war rothaarig. Er hatte schon meinen sechs Jahre älteren Bruder als eigenes Kind angenommen, obwohl Thomas einen anderen Vater hatte, so lag ein wenig Skepsis nahe. Doch schließlich sagte er zwei Sätze. Erstens: “Rotkopp, die Ecke brennt.” Und zweitens: “Wir behalten ihn trotzdem.”

Image  Bundesallee 181 mit Mutter

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Mit Etika

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Als die Wehen einsetzten war meine Mutter bei Oma in der Bundesallee 181. Oma rief meinen Vater an, sie schleppte den vorbereiteten Koffer die Treppen herunter und wartete auf Papa im Hauseingang. Damals war neben dem Haus eine Kneipe, als Papa eintraf beschloss er die anstehende Geburt müsse gefeiert werden und Oma und er marschierten in die Kneipe und tranken mit den Anwesenden eine Lokalrunde.

Als sie endlich meine Mutter abholten, kamen die Wehen bereits in beunruhigend kurzen Abständen. Als sie das Gertrauden-Krankenhaus erreichten, war die Fruchtblase geplatzt und meine Mutter brüllte aus Schmerz und aus Ärger. Kaum dass sie im Kreissaal ankam, erblickte ich das Licht der Welt und brüllte ebenfalls, auch ich hatte mich über die Verzögerung geärgert. Möglicherweise ist das der Grund, wieso ich Kneipen bis heute hasse. Cafés, Clubs oder Restaurants mag ich, doch Kneipen habe ich immer nur im Notfall betreten.

Damals wohnten wir in einer 7-Zimmer-Altbauwohnung am Hohenzollerndamm. Meine Mutter verkaufte Bücher und Schallplatten an die Mitglieder ihres Klubs, mein Vater machte Außendienst und warb neue Kunden. Als das Geschäft etabliert war, überließ er meiner Mutter den Buch- und Phonoklub und kümmerte sich mehr um seine eigenen Ambitionen. Er gab Schauspielunterricht und arbeitete an seiner Dissertation über Metaphern auf Rednertribüne und Schauspielbühne.

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Also beschloss man, eine Nanny für mich anzustellen. Sie hieß Erika und wir hatten bald ein inniges Verhältnis. Erika trug mich den ganzen Tag auf ihrem Arm herum, sogar wenn sie morgens die Öfen in allen Zimmern anheizte. Nachts schlief sie mit mir in einem Bett, unser Verhältnis konnte kaum enger sein.

Da sie meistens arbeitete spielte meine Mutternur nur abends und am Wochenende mit mir, ich mochte sie gern, aber Erika stand mir näher. So war mein erstes gesprochenes Wort auch nicht Mama oder Papa, sondern Etika, das R gelang mir noch nicht. In meinem dritten Lebensjahr wurde es meiner Mutter zuviel mit dem engen Verhältnis zwischen Erika und mir und sie beschloss Maßnahmen, um meine uneingeschränkte Liebe zurückzuerobern.

Image   Zwei Damen

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Sie führte lange Gespräche mit Erika und weckte in dieser das Interesse, über einen Ehemann und eigene Kinder nachzudenken. Außerdem kaufte sie ihr neue damenhafte Kleider und begann Erikas Umgangsformen zu verbessern.

Einen potentiellen Gatten für Erika zu finden, war allerdings ein großes Problem. In Deutschland gab es ja, durch den ein Jahrzehnt zurückliegenden Krieg, einen Frauenüberschuss.

Meine Mutter durchforstete Zeitungen und Zeitschriften, alle Druckerzeugnisse, in denen man Anzeigen von heiratswilligen Herren finden konnte. Schließlich stieß sie auf ein seriöses Inserat eines deutschen Auswanderers in Kanada. Der studierte Volkswirt hatte sich ein kleines Unternehmen aufgebaut und suchte nun eine kultivierte Gattin, die ihm die langen Abende in der kanadischen Wildnis verkürzen sollte.

Erika war eine herzensgute junge Frau, aber Bildung hatte sie kaum, sie sprach Dialekt und hatte nur acht Jahre Schule genossen. Tatsächlich ähnelte sie Eliza Doolittle, der Blumenverkäuferin in “My Fair Lady”. Das Musical gab es zwar noch nicht, aber meine Eltern kannten die Vorlage, “Pygmalion” von George Bernard Shaw und ich bin überzeugt, meine Mutter hat sich in der Rolle des Professor Higgins gut gefallen. So wie Henry Higgins im Schauspiel, formte meine Mutter aus dem einfachen Mädchen vom Lande eine feine Dame, die einen standesgemäßen Gatten sucht.

Mein Vater tat ein übriges und übernahm den Sprachunterricht, um ihr makelloses Hochdeutsch beizubringen. Dazu wurde das geheimnisvolle Magnetophon-Gerät benutzt, das mein Papa eigens für seine Schauspielschüler angeschafft hatte. Eines Tages muss mein Vater dann: “Ich glaub jetzt hat sie’s!” gerufen haben und Erika konnte akzentfrei, “es grünt so grün, wenn Spaniens Blüten blühen”, sprechen.

Image  My Fair Lady

Aber mündliches Deutsch war nicht die einzige zu bewältigende Disziplin, auch Briefe mussten geschrieben werden. Gefühlvolle, charmante Liebesbriefe, die das Feuer der Zuneigung beim fernen Galan entfachen sollten. Was soll ich sagen: Meine Mutter hat sie auf der Schreibmaschine entworfen und Erika schrieb sie mit ihrer etwas wackligen Jungmädchen-Handschrift ab. Dazu schickte Erika Bilder von sich in eleganten Kleidern und langen Perlenketten. Der Gatte in spe war begeistert und nach wenigen Monaten kündigte er seinen Besuch in Berlin an.

Die jungen Brieffreunde verstanden sich auch persönlich ausgezeichnet und es kam die erste Nacht, in der Erika nicht das Bett mit mir teilte. Instinktiv wusste ich, dass Erika dabei war, mich für einen anderen Kerl zu verlassen. Ich schrie die halbe Nacht und war nicht bereit, mich in mein Schicksal zu fügen. Aber es half nichts, schließlich wurde Verlobung gefeiert. Ich würdigte meinen Nebenbuhler mit keines Blickes und auch zu Erika war ich nur noch kratzbürstig. Am nächsten Tag brachten wir die beiden zum Flughafen Tempelhof. Meine Eltern kauften mir haufenweise Spielzeug, meine Lieblingsgerichte wurden gekocht und ich durfte bei ihnen schlafen. Trotzdem dauerte es Monate bis ich über den Verlust hinaus war uns manchmal glaube, dass ich ihn bis heute nicht ganz verwunden habe. Der Kontakt zwischen uns und “Etika” brach ab, man hatte wohl Angst, Erikas Ehemann könnte doch noch herausbekommen, dass Erika nicht ganz ehrlich zu ihm war.

Im Jahre 2013 begann ich die Geschichte meiner Familie aufzuschreiben, dabei fielen mir zwei Briefe meiner in Kanada verschollenen Nanny in die Hände. Ich überlegte schon länger, ob sie noch lebt und wie es ihr ergangen war? Ich erfuhr, Erika lebte in Calgary und hatte eine Tochter namens Marion. Tatsächlich habe ich eine Marion S. aus Calgary bei Facebook gefunden und an sie geschrieben. Marion hat 1975 ihre Schule abgeschlossen, das käme hin. Sogar die Adresse war nicht weit von der entfernt, die Erika 1958 angeben hatte. Trotzdem ich mehrfach an sie und ihren ebenfalls bei Facebook eingetragenen Sohn schrieb, bekam ich nie eine Antwort, wieso auch immer. Das einzige, was ich noch in Erfahrung bringen konnte war, dass eine Erika S. 2007 in Calgary gestorben ist.

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Marcus Kluge

Familienportrait – “Käte und der verlorene Mann” / 1946-49

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Heute vor zehn Jahren starb Käte Kluge, meine Mutter. 1922 geboren, wurde sie Zeugin fast des ganzen 20. Jahrhunderts. Das Kriegsende vor 70 Jahren empfand sie als Befreiung. Sie war 22, nun konnte ihr Leben erst wirklich beginnen. Nur war der Mann, den sie liebte, verschwunden. Erst 1948 erfuhr sie, was aus ihm geworden war. Davon erzählt diese Geschichte.

“Nur die Toten haben das Ende des Krieges gesehen” soll der Grieche Platon schon vor 2400 Jahren geschrieben haben. Alle anderen tragen den Krieg mit sich, so lange sie leben und sie geben ihr Trauma an ihre Kinder weiter. Wäre es also besser, wenn die überlebenden Männer nicht aus dem Krieg zurückkommen würden? Wäre es nicht besser für ihre Frauen und Kinder? Ich bin froh, dass ich diese hypothetische Frage nicht beantworten muss. Denn die Überlebenden kommen zurück, meistens jedenfalls und so war es auch mit meinem Vater.

Genauso wie Penelope ihren geliebten Odysseus, so hat auch Käte Helmut nicht vergessen. Obwohl sie fast drei Jahre nichts von ihm gehört hat. Vielleicht ist er bei den Kämpfen um die Marienburg gefallen? Er könnte aber auch in russischer Gefangenschaft sein. Sie weiß, als deutscher Kriegsgefangener in der Sowjetunion, könnte er dennoch tot sein, ohne das sie es erfährt. Mindestens ein Drittel der deutschen Gefangenen überleben die Gefangenschaft nicht. Es ist fast hoffnungslos, aber ein Gefühl hindert sie, Helmut ganz abzuschreiben.

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Käte arbeitet täglich 10 Stunden bei der Polizei

Das Leben geht weiter. Im Herbst 1947 lernt sie einen Mann kennen, er umwirbt sie, eine Liebschaft beginnt. Anfang 1948 ist sie schwanger, genau weiß sie nur, sie will dieses Kind. Bei dem Mann ist sie sich nicht so sicher. Sie bleibt bei ihren Eltern wohnen, inzwischen arbeitet sie im Polizeirevier 12 in Mitte, täglich zehn Stunden. Der Dienst hindert sie allzuviel zu grübeln. Onkel Paul* hat ihr im Dezember 1945 die Arbeit besorgt. Am 1. Mai 1946 hat er sich dann vor die Heidekrautbahn gelegt. Seine Witwe, meine Großtante Lotte wird nie erfahren, wieso. War es wegen einer Gehirnverletzung, seit der sein Bewußtsein getrübt war, oder weil er im Dritten Reich, als Polizist schlimme Dinge tat, mit denen er nicht leben konnte? Vielleicht kam auch beides zusammen?

Bild Kriegsgefangene in Sibirien

Der Sommer 1948 ist heiß. An einem Sonntagmittag klingelt es bei Käte und ihren Eltern, vor der Tür steht ein deutscher Soldat. Er ist nicht mehr jung, sehr dünn und bleich, trotz der Sonne draußen. Der zerschlissene Soldatenmantel schlottert ihm um die Hüften. Erst nachdem er angefangen zu sprechen, und auch dann erst nach einer Weile, erkennt ihn Käte. Helmut ist aus dem Krieg zurückgekehrt, sie umarmen sich, beide schluchzen, weinen. Es dauert bis sie ihre Fassung wiederfinden.

Die Wochen die folgen werden schwierig. Schwierig für Käte, die hochschwanger eine Entscheidung treffen muss. Schwierig für Helmut, der es übelnimmt, dass sie das Kind eines Anderen unterm Herzen trägt. Bei allen Entbehrungen der Gefangenschaft in Sibirien, der Kälte, dem Hunger, dem Verlust jeglicher Menschenwürde, hat er nie die Hoffnung verloren, dass Käte auf ihn warten wird.

Obwohl sie nicht weit auseinander wohnen, sie in der Kaiser-(heute Bundes-)Allee, nahe der Berliner Straße, er in der Brandenburgischen Straße, schreiben sie sich wieder Briefe. Nun freiwillig, nachdem es so lange vom Krieg erzwungen war, hilft es ihnen, ihre Situation zu klären.

Seit 24. Juni ist West-Berlin von den Sowjets blockiert. Seitdem wird die Stadt von US-amerikanischen Flugzeugen versorgt, die Luftbrücke nennt man die beispiellose Unternehmung. Auch die anderen westlichen Allierten beteiligen sich. Britische Maschinen landen in Gatow, die Franzosen richten extra für die Luftversorgung den Flughafen Tegel ein. Die Westberliner leben hauptsächlich von Trockenkartoffeln und Brot. Ein “kartenfreies” Stück Kuchen kostet acht Mark, ein Tageslohn. Der “Otto-Normalverbraucher” wird sprichwörtlich, ein spindeldürrer Gert Fröbe spielt ihn in dem Film “Berliner Ballade”.

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Helmut mit meinem Halbbruder Thomas in der Bundesallee

Käte und Helmut einigen sich, Käte gibt dem “Anderen” den Laufpass, sie wird ihn nicht wiedersehen. Das Ungeborene werden sie aufziehen, als ob Helmut sein Vater wäre. Am 2. September 1948 wird mein Bruder Thomas geboren. Käte hat Glück, es gibt gerade Strom im Kreissaal, das ist nicht die Regel. Am 16. März 1949 feiert die kleine Familie Verlobung, Abendgarderobe wird erbeten.

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Die Einladung schreiben sie auf Ausweisformulare, Papier oder Pappe gibt es nicht im blockierten Berlin.

Helmut hat ein Programm vorbereitet, er rezitiert Hauptmann, Goethe, Tucholsky und Shakespeare. Es wird getanzt. Das kalte Buffet wird schlicht ausgefallen sein. Die Blockade endet erst am 12. Mai 1949.

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Entfernung einer Blockade Friedrichstraße Ecke Zimmerstraße (Co: Walter Heilig/Creative Commons)

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“Die kleine Hütte”, Helmut mit Heli Finkenzeller in der Tribüne, Premiere am 8. September 1948.

Am 8. September hat Helmut in der Tribüne Premiere, endlich kann er wieder auf der Bühne stehen. Er spielt mit Heli Finkenzeller in “Die kleine Hütte” von André Roussin. Es ist ein kalter 8. September, die Premierengäste werden gebeten Kohlen mitzubringen, damit man das Theater heizen kann. Es wird ein großer Erfolg. 1957 wird das Stück mit David Niven und Ava Gardner verfilmt. Am Tag nach der Premiere heiraten meine Eltern.

Helmut wird mit der Inszenierung von den Amerikanern auf ein Festival eingeladen. Helmut schreibt auf Briefpapier von American Airways: ” Nach jedem Bild Applaus. Zum Schluss doller Beifall. Gustaf (Gründgens) lehnte sich zurück und klatschte bis alles raus war. Nach der Vorstellung kam Gründgens zu uns und lobte meine Darstellung und Regie.” Leider kann mein Vater später nicht an diesen Erfolg anknüpfen.

Bild Maijachen nannte er Käte in Briefen

In den Jahren danach bauen meine Eltern ein Geschäft auf. Mein Vater wirbt Mitglieder, meine Mutter verkauft ihnen Bücher und Platten. Es ist ein Buchklub, doch meilenweit entfernt vom “Bertelsmann Käsering”, wie sie die Konkurrenz taufen. Die Deutschen sind hungrig auf Schriftsteller, die in der Nazidiktatur nicht den Weg nach Deutschland fanden. Sartre, Camus, Hemingway und die vielen Deutschen, die nur im Exil oder heimlich schreiben konnten. In der Musik gilt ähnliches, Swing, Hot und Cool Jazz, aber auch moderne Klassik findet viel Interesse.

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Viele gute Jahre, ein Ball in den 50ern

Ein befreundeter Leser schrieb kürzlich, ich würde meinen Eltern ein Denkmal setzen. Dieses Kompliment muss ich leider zurückweisen. Denkmäler werden aus edlen Stoffen, wie Bronze oder Marmor modelliert. Sie sind stilisiert und fast immer idealisiert. Mein Werkstoff ist jedoch das Leben und dieses ist eben fast nie ideal. Und so wird diese Geschichte nicht wie ein Märchen mit den Worten “Sie lebten glücklich und zufrieden bis ans Ende ihrer Tage.”, enden. Viele gute Jahre haben meine Eltern. 1954 werde ich, als Wunschkind, nur mit dem falschen Geschlecht geboren. 1960 promoviert Helmut in Philosophie, im gleichen Jahr eröffnet meine Mutter einen großen, schicken Laden in der Rankestraße. Doch Mitte der 60er Jahre holen das Paar die Schatten der Vergangenheit ein. Neun Jahre Krieg und Gefangenschaft haben meinen Vater nicht nur körperlich gezeichnet, auch seelisch hat er tiefe Narben zurückbehalten. Die Details sollen privat bleiben, jedenfalls hat meine Mutter viele Gründe 1967 die Reißleine zu ziehen und die Scheidung einzureichen.

Mein Vater findet erneut eine Ehefrau, als er krank wird pflegt sie ihn, bis er kurz nach seinem 63. Geburtstag an den Spätfolgen von Krieg und Gefangenschaft stirbt. Meine Mutter findet noch eine Liebe, die in den 70er unglücklich endet. Trotzdem blickt sie auf ein erfülltes, zufriedenes Leben zurück, als sie 2005 in ihrem 83. Lebensjahr stirbt.

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— von Marcus Kluge

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