Editorial – “You Can’t Hurry Love” / 2 Jahre Blog

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Heute vor zwei Jahren stellte ich dieses Blog online und veröffentlichte drei kleine Geschichten. Eine über meine erste große Liebe und die Bleibtreustraße, eine weitere über die Nacht, in der ich in Paris ankam und in der Jim Morrison starb, nur wenige Straßen weiter. In der dritten Geschichte erzählte ich, wie 1910 meine Oma als 15-jähriges Mädchen nach Berlin ziehen musste, um hier mutterseelenallein in der fremden Großstadt alsHausmädchen zu arbeiten. Ich hatte keine Ahnung, was ich noch schreiben würde, oder ob ich überhaupt weiterschreiben würde, schließlich hatte ich 25 Jahre eine Schreibblockade gehabt. Mir fiel kein Name für mein Web-Logbuch ein. “Familienportrait” schien mir eher eine Rubrik zu sein. Da war ja auch der “Assasin” Aspekt, mein altes Fanzine, was ich irgendwie wiederbeleben wollte. Ich würde eigene Texte und eigene Fotos posten, es würde mein Weblogbuch werden. Also nannte ich es: marcuskluge.wordpress.com Vielleicht war auch ein wenig Eitelkeit dabei.

Kürzlich empfahl ich einem Freund das Crowdfunden. Ehrlich wie er nun mal ist, erwiderte er, dass wäre nichts für ihn, er sei nun mal faul. Merkwürdig, ich bin ja auch faul und trotzdem hatte ich eben eine sechsmonatigeCrowdfunding-Kampagne erfolgreich hinter mich gebracht und zwei Jahre mein Blog betrieben, mit Fleiß und Regelmäßigkeit.

Ich glaube das Alter spielte eine Rolle. Ich fühlte mich mit knapp 60 Jahren, sozusagen mit dem Rücken zur Wand. Wenn es irgend etwas gab, was ich noch sagen wollte, dann musste ich das bald tun, sonst könnte es zu spät sein. Na ja, Ihr wisst ja, ich neige zum Pessimismus und dramatisiere gern. Und ja, der Glauben, ich hätte als Mensch, als Individuum etwas mitzuteilen, spielte ebenfalls eine Rolle. Ich merkte, es gelang mir, Menschen, Szenen oder einen Zeitgeist zu schildern und all das dem Vergessen zu entziehen, in dem ich es aufschriebe. Ja, ich bin eigentlich faul, aber wenn ich das bißchen Talent, was ich für das Erzählen habe, jetzt nicht anwendete, würde ich es später bereuen. Wenn ich jetzt nicht die Geschichten aufschriebe, die meine Mutter mir über “früher” erzählt hatte und die auch meine Stieftochter so liebte, dann wäre ich ein undankbarer Ignorant. Ich wollte die Kraft, die ich noch hatte, in ein Kunstwerk, oder was immer mein spezielles Opus Magnum auch sein mochte, stecken. Bei mir schien es das Erzählen zu sein. Ich glaube jeder Mensch hat etwas mitzuteilen und solange er ehrlich zu sich ist und sich selbst und seinen Mitmenschen keine Unwahrheit oder Beschönigung zumutet, ist es seine Kunst, sein Werk und hat Kraft, die sich anderen Menschen mitteilt. Der “faule” Freund übrigens hat trotz seines Vorbehalts, sein eigenes Opus gefunden. Er macht wieder Musik, tritt auf und arbeitet an einem Hörbuch. Wenn Du Dein Werk noch nicht gefunden hast, habe Geduld. Manche Dinge kann man nicht erzwingen, die Liebe so wenig wie das Schöpferische. Versuche Deine Sinne offen zu halten und beweglich zu bleiben. Und erwarte nicht zu viel auf einmal von Dir. Das Regelmäßige zählt, nicht die Menge.

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Ich will Euch nicht Zahlen langweilen, wie 66666 Klicks oder 301 Beiträge. Es läuft ganz gut! Jetzt habe ich mein erstes Buch veröffentlicht, ein zweites wird Ende dieses Jahres folgen. Die Fanzine-Tradition haben wir mit einem neuem Heft aufleben lassen. Ja, wir. Ohne die Zusammenarbeit mit meinem alten Freund Rainer Jacob wäre vieles nicht möglich gewesen. Aber am wichtigsten ward Ihr, liebe Leserinnen und Leser. Ohne Euer Lob, Euren Zuspruch und auch Eure kritischen Fragen wäre ich irgendwann steckengeblieben in den “Mühen der Ebene”. Danke schön!
M.K.

Die drei Ur-Geschichten:

Erste Liebe:http://wp.me/p3UMZB-17J

Paris zum ersten:http://wp.me/p3UMZB-1bn

1910 kommt meine Oma nach Berlin. Sie ist 15 und muss in der fremden Stadt als Dienstmädchen arbeiten. Sie tröstet sich bei Aschinger, mit Erbsensuppe.:http://wp.me/p3UMZB-1bn

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