Berlinische Räume – “Wohnsinn” / Eine Biografie in Wohnungen von Marcus Kluge / 1972-2014

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Rheinstraße 14, Einzug 1977.

Bevor ich zuhause auszog,  fühlte ich mich geborgen in der elterlichen Wohnung am Volkspark Wilmersdorf. Kaum war ich dort ausgezogen, machte ich zwiespältige Wohnerfahrungen. Nie war ich richtig glücklich mit meinen Wohnsituationen, immer galt es Abstriche zu machen. Mängel wie nervige Mitbewohner, Außenklo, Ofenheizung, fehlendes Badezimmer reihten sich an einer langen Kette auf. Noch in den 90ern hatte das teure City-Apartment, in das ich nach dem Ende meiner Ehe zog, kurzzeitig Besuch von Kakerlaken, was mich in echte Panik versetzte. Das endete glücklicherweise, als das griechische Restaurant schloss und stattdessen die Promi-Disco “First” einzog, die haben wahrscheinlich mehr Gift benutzt, außerdem verkaufte die Disco eher flüssige Nahrung, die Insekten weniger anzog.

1988 hatte ich das Apartment gemietet, weil damals anderthalb Jahre vor dem Mauerfall, den ja niemand für möglich hielt, der West-Berliner Wohnungsmarkt dicht war, besonders bei kleinen Mietwohnungen. Ich nahm einige Schwächen in Kauf, die teure Miete, die laute Lage an der Lietzenburger Straße und die winzigste Küche, die ich je gesehen hatte. Ein paar Vorteile hatte die Wohnung aber auch. Die Gegend gefiel mir sehr, um die Ecke in der Rankestraße hatte meine Mutter ihren Phonoklub betrieben. Wenn ich über den Rankeplatz schaute, sah ich das Joachimsthalsche Gymnasium, wo ich zwei Jahre als Pförtner gejobbt hatte. Nun als gut bezahlter Medienprofi konnte ich meine Vergangenheit triumphierend von oben betrachten. Dutzende von Kinos waren in wenigen Minuten erreichbar, Kneipen und Cafés luden ein und sogar “after hours” konnte man einkaufen, wogegen sonst in Berlin jedes Geschäft spätestens um halb sieben schloss. Der “Späti” war noch nicht erfunden und “an der Tanke” bekam man damals allenfalls Benzin und Bier. Am Anfang war es auch nicht sehr laut, erst als die Mauer fiel, wurde die Gegend vom ruhigen Off-Kudamm-Kiez zum lauten Aufmarschgebiet für Touristen, Landeier, Prostituierte und Kriminelle aus Ost-Europa und dem nahen Osten.

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Lietzenburger Ecke Joachimsthaler Straße

Anfang der 90er Jahre zog dann das “First”, mit seinem Erfinder und Besitzer Jochen Strecker, ein. Neben meinem Hauseingang lockte nun die, im Stil der Katastrophen-Architektur gehaltene, Tür der Edel-Disco, Berlins Promi- und Schicki-Micki-Szene an. Von da an parkten jedes Wochenende Nobelkarossen auf der Feuerwehrfläche unter meinem Balkon, Jaguars, Rolls-Royces, Daimler-Cabrios und Ferraris. Zusätzlich konnte ich witzige Show-Einlagen beobachten. Zum Beispiel den dicken Türsteher bei heimlichen Geschäften, aber es wurde auch gekifft, gestritten und gevögelt in den und zwischen den Autos der High Society. Von meinem Balkon konnte ich die Ratten munter zwischen den Wagen herumlaufen sehen. Nur einmal habe ich erlebt, dass Polizisten Park-Tickets schrieben. Es folgte ein schneller Auftritt von Jochen Strecker, der den Beamten erfolgreich erklärte, wieso Verbote nicht für seine Gäste galten. Strecker hatte wohl wirklich beste Kontakte bis in die Berliner Landes-Politik hinein.

Letztes Jahr hörte ich noch einmal von ihm. Am 5. März 2013 wurde der Disco-Besitzer Strecker erstochen in seiner Badewanne gefunden: ein Raubmord. Da war ich schon seit fünfzehn Jahren ausgezogen, an den schönen Lietzensee, wo ich immer noch wohne und mich endlich wohl fühle. Träume, in denen ich am östlichen Stadtrand herumirre und die S-Bahn nachhause nicht finde, habe ich allerdings noch immer.

 

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Das “First” heißt heute “Cheshire Cat”.

Mein Weg bis zur ersten eigenen Wohnung war weit. 1973, ich bin 19, will ich unbedingt bei meiner Mutter ausziehen. Ich habe zwar ein schönes, großes Zimmer mit Blick auf den Volkspark Wilmersdorf, aber es ist mir peinlich, noch bei der Familie zu wohnen. Da trifft es sich gut, dass meine Freundin mir einen Job als D.J. besorgt hat, mit Ilona ziehe ich in eine 10-Zimmer-Wohnung in der Schlüterstraße. In der WG hausen ein Schlagersänger, ein frustrierter Fotofachverkäufer, zwei Studentinnen und die Ex-Frau von Anwalt Otto Schily mit Tochter Jenny. Der Sänger hatte das schönste Zimmer, einen Saal mit Bühne, die noch aus dem Vorleben der Wohnung als Bordell stammte. Er hatte drei Singles herausgebracht, die alle nicht erfolgreich waren, wovon er lebte haben wir nie herausbekommen. 250 qm groß, kostete die hochherrschaftliche Behausung damals 1500.- D-Mark. Ein Philharmoniker mit Hippiewurzeln hatte sie ursprünglich gemietet, an ihn lieferten wir monatlich die Knete ab.

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Joachimsthaler Straße: “Manchmal landete ich in einer Demo”

Nachdem der Job und die Freundin perdu waren, zog ich zu einer Freundin in die Joachimsthaler Straße, gegenüber von Bilka. Unser Verhältnis zueinander war nicht so ganz geklärt. Wir waren kein richtiges Päarchen, aber auch mehr als platonische Freunde. Im Herbst 75 überredete mein alter Schulfreund Roberto die Freundin, mit ihm für den Winter nach Goa zu gehen. Indien war nicht mein Ding, schon kürzere Reisen unternahm ich nur nach guter Planung. Ohne Bleibe und Job für sechs Monate in ein asiatisches Land zu fliegen, kam mir nicht nur waghalsig sondern schlichtweg verrückt vor.
Das Gute daran war, ich hatte für sechs Monate die Wohnung in der Joachimsthaler für mich allein, ich freute mich. Als es kalt wurde, und ich zum ersten Mal mit einem Kohleofen konfrontiert war, schmälerte das die Freude. Außerdem nervten die steilen Treppen, wenn man im vierten Stock ankam, war man regelmäßig völlig ausgepowert. Umgekehrt betrat man morgens die Joachimsthaler Straße selten ohne mit manischen Einkäufern oder orientierungslosen Touristen zusammen zu stoßen, mehr als einmal landete ich in einer Demo oder einer ausgewachsenen Straßenschlacht.

Im Frühjahr kam die Freundin zurück aus Indien, wir hatten uns auseinander gelebt, gingen uns in der kleinen Bude auf die Nerven und wieder begab ich mich auf Wohnungssuche. Nach wie vor hing ich viel im Café Bleibtreu rum und lernte dort Norbert kennen. Norbert war ein netter, etwas älterer Typ und er hatte eine schöne Altbauwohnung in der Knesebeckstraße. Ein Zimmer stand leer und im Frühjahr 1976 zog ich ein, es gab sogar Zentralheizung, was ich nach dem Winter mit Kohleofen sehr zu schätzen wusste. Er spielte Gitarre, ich brachte meinen Bass mit und wir musizierten und hörten viel Musik. Er stand auf Steely Dan, Grand Funk Railroad und die Doobie Brothers, nun ja, es gibt Schlimmeres. Er arbeitete nicht, seine Mutter unterstützte ihn wohl, es kann auch sein, das er Sozialhilfe bekam, ich bin mir nicht sicher. Ich jobbte 20 Stunden die Woche in einem Buchladen. Norbert hatte sogar ein Auto, was damals unter meinen Freunden selten war. Zum einkaufen war es prakisch und manchmal fuhren wir zum Schlachtensee, aber mehr konnte man mit dem Wagen nicht machen. West-Berlin war rundherum eingemauert und auf den Stress über die Transitstrecken nach Westdeutschland zu fahren, hatten wir keinen Bock. Wir hatten viele Projekte, nur eines haben wir durchgezogen, wie bauten ein riesiges Schlaf- und Wohn-Podest in seinem Zimmer. Es war die Zeit der Podeste und Hochbetten, die dann in den 90er jahren viel Arbeit beim Abbau machten. Nach einem dreiviertel Jahr begann Norbert sich zu verändern. Er wurde seltsam, entwickelte fixe Ideen und fühlte sich verfolgt. Dann hörte er auf zu schlafen, nach ein paar Tagen war er der Meinung, er könne die deutsche Teilung beenden und er kommunizierte diesen Gedanken auch großräumig. Diese Episode fand ein vorläufiges Ende, als er an einem frühen Sonntagmorgen mit dem Wagen zu Bonnys Ranch fuhr, so nannte man die Wittenauer Nervenklinik, und solange an das Tor pochte, bis man ihn ein- und dann nicht so schnell wieder heraus-ließ.

Norberts Mutter schmiss mich dann raus. Sie befürchtete, ich würde mit der Wohnung Unfug treiben, was ich für ziemlich unverschämt hielt. Im Grunde traute sie mir allein Schlimmeres zu, als ihrem Sohn, der wie ich nun erfuhr bereits öfter Langzeitgast in der Psychiatrie war. Aber so sind Mütter wohl.

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Nun war ich die Wohngemeinschaften leid und wollte unbedingt eine Wohnung für mich allein finden. Doch das war damals ungewöhnlich schwierig. Wenn man keine Beziehungen hatte, war auf das ausgewogene Spiel der Kräfte, also Angebot und Nachfrage, angewiesen. Es war ein absoluter Verkäufermarkt und das nicht so freie Spiel der Kräfte fand am Wochenende statt. Es begann am Sonnabend kurz nach 18 Uhr. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich am Bahnhof Zoo schon eine riesige Schlange gebildet, die auf die Sonntagsausgabe der Berliner Morgenpost wartete. Wenn dann die Zeitungen geliefert wurden, hetzten auch schon die ersten los, die ein Exemplar erwerben konnten, um am nächsten Telefon potentielle Vermieter anzurufen. Es war garnicht so einfach eine funktionierende Telefonzelle zu finden, weil manche Zellen in der Gegend von unfairen Wohnungssuchenden zerstört waren, die sich daraus einen Vorteil erhofften, weil sie eine alternative Möglichkeit zum Anrufen hatten.
Dazu kam, dass ich mit einem Einkommen von 500 D-Mark im Monat nicht als solventer Mieter galt, meine Chancen waren miserabel.
Der Laden, in dem ich jobbte war neben einer Leiser-Schuh-Filiale und das ganze Haus gehörte Leiser. Irgendwann als ich Müll rausbrachte, fiel mir auf, dass es einen Seitenflügel gab, in dem drei Einzimmer-Wohnungen untergebracht waren. Der Seitenflügel machte einen irgendwie prekären Eindruck, man hatte ihn nachträglich an die Brandmauer geklatscht, um etwas billigen Wohnraum zu schaffen, wahrscheinlich in der ersten Hälfte des 20sten Jahrhunderts. Ich guckte mir auch den Hof genauer an, um den herum Leiser seine Lagerräume hatte. Der Hof, den offensichtlich niemand nutzte, war etwas 6 mal 30 Meter groß, den Abschluss bildete eine Terrasse, die von einem Mäuerchen zum Nebengrundstück begrenzt wurde. Eine Kastanie spendete Schatten gab dem Hof einen grünen Tupfer. Im Sommer könnte man hier bestimmt schöne Wochenenden verbringen.
Mir war klar, das die Wohnungen keinerlei Komfort boten, vielleicht war es sogar das Prekäre, das mir zusagte, mir förmlich zuflüsterte, hier wäre ein absolut passender Ort zum Leben für mich. Innerhalb von 48 Stunden mietete ich eine der Wohnungen, meine Chefin legte ein gutes Wort für mich ein, und ich zog mit meinen wenigen Sachen von der Knesebeckstraße in die Rheinstraße um. Am Anfang zahlte ich für 28qm weniger als 40 D-Mark Miete. Es war geradezu eine Einladung mich kreativ auszutoben, ohne auf die Lukrativität meiner Projekte zu achten.

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Rheinstraße Idylle

Die Wohnungen über und unter mir waren bewohnt. Oben hauste ein Kohlentrimmer mit Frau und Baby. Das Geld das er beim Kohlen schleppen verdiente, steckte er hauptsächlich in einem Maserati, an dem er ständig herumschraubte. Da es nur ein Außenklo, einen Ausguss mit Kaltwasserhahn in der Küche gab und ein Allesbrenner die einzige Heizmöglichkeit darstellte, muss das Leben mit einem Säugling schwierig gewesen sein. Die unterste Butze beherbergte einen ziemlich finsteren Rocker, der wilde Parties mit seinen Rockerfreunden feierte, er lud mich ein, aber mir gefiel diese Mischung von Testosteron und hochprozentigem Alkohol nicht. Es gab regelmäßig blutige Schlägereien und Polizeieinsätze. Nach einer dieser Parties blieb mein Nachbar verschwunden, ich habe keine Ahnung, was aus ihm wurde. Irgendwann räumte man die Wohnung und sie stand dann leer.

Im Jahr 1982 arbeitete ich als Praktikant bei meinem alten Schulfreund Burkhardt, der in der Belziger Straße den Zensor-Plattenladen und das gleichnamige Label betrieb. Er redete mir zu, meine Idee, ein etwas anspruchsvolleres Fanzine herauszugeben, zu verwirklichen. Allerdings verfestigte sich bei ihm die Vorstellung, das es sich dabei um ein reines “Zensor” Produkt handeln sollte. Ich wollte aber unbedingt unabhängig bleiben, es war die Ära der “Independents”. Um einen Mitstreiter zu gewinnen, der sich in der Musikszene bestens auskannte, sprach ich Herbert an, der damals jedes Konzert mitschnitt. Mit seinen langen Haaren und dem Norwegerpullover, das Mikrofon in die Luft haltend, bildete er eine starke Dissonanz zu den Punks um ihn herum.

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Rheinstraße: Interview mit Michael Gira

Herbert wohnte noch bei seiner Oma und ich schlug ihm vor, in die leere “Rocker”-Wohnung einzuziehen. Wir hatten eine sehr produktive Zeit in der Rheinstraße, wir gaben acht Assasin-Hefte und drei Tapes heraus. Neben Hörspielen, Herbert war und ist ja Hörspielfan und Betreiber der “HörDat”* Website, produzierten wir als Halb-Phantomband “Cut-Up-Swingers” sowas wie Musik. Im Sommer nutzten wir den Hof und die Terrasse, bei der “Kanniball in Berlin”-Party auch die Flachdächer, was uns beinahe die Kündigung eingebracht hat. In den 80er Jahren gab es die Orte, Brachen und nicht mehr ökonomisch nutzbare Gebäude, die von kreativen Menschen in Wunderwelten verwandelt wurden. Auch nach dem Mauerfall setzte eine ähnliche Bewegung im Osten ein, doch leider irgendwann um die Jahrtausendwende hatten Geld und Business sich weitgehend durchgesetzt. Inzwischen verlassen manche Freunde und Bekannte Berlin, weil sie sich hier nicht mehr heimisch fühlen. Ich fühle mich zu alt um nochmal neu zu beginnen, außerdem liebe ich die Idylle am Lietzensee, wo ich jetzt wohne. Ich habe mir ohnehin nie vorstellen können in einer anderen Stadt als Berlin zu leben. Nach dem Ende des Warschauer Pakts und des Realsozialsmus spielte ich mit dem Gedanken in Prag zu leben. Allerdings musste ich akzeptieren, das meine Sprachbegabung nicht reichte, um richtig gut tschechisch zu lernen. Das wäre eine conditio sine qua non gewesen. Also blieb es bei rund zwei Dutzend Besuchen bei meiner freundlichen Wirtin Frau Friedrichova in der Zitna Ulice, der Prager Korngasse.

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“Kanniball in Berlin”

Die kleine Wohnung in der Rheinstraße behielt ich noch lange, obwohl ich schon bei meiner Freundin und ihrer Tochter wohnte. Es war keine einfache Beziehung, manchmal stritten wir und ich blieb eine Zeitlang in der Rheinstraße. Auch wenn ich an Veröffentlichungen arbeitete oder Drucktermine hatte, zog ich es vor, in meiner Klause in Friedenau ohne Ablenkung zu werkeln .Zusammen mit Herbert feierten wir auch manche Parties oder machten Veranstaltungen wie den “Kanniball in Berlin”. Dort traten diverse Bands in Herberts 20qm großem Wohnzimmer auf, wir projezierten Filme auf Hauswände und nutzten auch das Flachdach vor Herberts Wohnung, was uns fast die Kündigung eingebracht hätte. Da sieht man wieder, jeder Versuch den Karneval in Berlin heimisch zu machen, wird von einer engstirnigen Bürokratie sabotiert. Nach sieben Jahren “wilder Ehe” heirateten meine Freundin und ich 1986. In der Rheinstraße 14 feierten wir ein großes Hoffest. Hcl, Herbert und andere Freunde hatten sich ein Art Quiz-Show ausgedacht, bei der meine Frau und ich mehr oder weniger ernst gemeinte Hochzeitsgeschenke gewinnen konnte. Einige Monate später wurde das nicht mehr rentable Haus in der Rheinstraße abgerissen, ich vermisse es. Heute steht da ein seelenloser Neubau mit einer Kaisers-Filiale.

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Lietzensee: Blick vom Balkon

Nach der Hochzeit suchten wir uns eine Wohnung in meinem Lieblingskiez in Schöneberg. Wir fanden eine 3-Zimmer-Wohnung, Eisenacher Ecke Belziger Straße, um den Pudding befand sich der Pinguin-Club. Er befindet sich natürlich noch heute dort, aber ich musste leider zwei Jahre später ausziehen. Nach der Trennung behielt meine Ex-Frau das Schöneberger Domizil und ich zog in das besagte City-Apartment an der Lietzenburger Straße. 1998 hatte ich genug vom Kudamm-nahen Kiez, letztlich machte mir das Schicksal die Entscheidung leichter. Im Frühjahr hatte ich einen Bandscheibenvorfall und ließ mich operieren, danach hörten die Schmerzen nicht auf, trotz langer Reha. Ich bekam einen Vorgeschmack auf Alter und Verfall und entschloss mich eine ruhigere Wohnung in grünerer Umgebung zu suchen. In der Lietzenburger Straße kündigte ich mit achtmonatiger Frist und fand tasächlich eine Eineinhalb-Zimmer-Wohnung am Lietzensee in einer parkähnlichen Siedlung aus den 1920er Jahren. Auch diese war natürlich nicht perfekt, man hatte sie nach Bombenschäden 1951 schnell wieder zusammengezimmert und dabei ein Waschbecken im Badezimmer vergessen. Seit 1951 war sie auch nie modernisiert worden, was mir zugute kam, weil die Miete noch heute bezahlbar ist. 2013 interviewte mich die taz für ihre Reihe “Hausbesuch”**.
Auch ohne Waschbecken im Badezimmer bin ich nun sehr glücklich mit meinen Wohnverhältnissen am Lietzensee, trotzdem suchen mich hin und wieder meine “wohnungslosen Albträume” heim. Manche Dinge ändern sich wohl nie. Wobei mir einfällt, man soll ja nie nie sagen.

*HörDat:

http://de.wikipedia.org/wiki/H%C3%B6rDat

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