Archive | October 2015

Familienportrait Teil 21 – “Pseudo-Schule, ein Pferd ohne Namen und innere Emigration” / Nach der Revolte 1970-77

Die 68er Revolte endet für mich am 21.3.1970. Die Friedrich-Ebert-Oberschule wirft mich hinaus, die Formulierung “verläßt das Gymnasium, um auf einen anderen Zweig der Oberschule zu wechseln” bedeutet für mich, Abi kann ich vergessen. Auch ein Gespräch mit dem Schulrat ändert nichts. Der CDU-Mann wird später im Bauskandal um Stadtrat Antes eine unrühmliche Rolle spielen. Mir vertraut er an, “Mit ihren politischen Aktionen haben sie eine Menge Leute verprellt, da gibt es keinen Weg zurück.”

Danach gehe ich auf eine Privatschule. Schnell wird mir klar, dass von dort eine Hochschulreife auch nicht zu erreichen ist. Eigentlich spielt man nur Schule, alle tun so als ob und die Eltern zahlen Schulgeld. Das im Grunewald gelegene, nach Immanuel Kant benannte Institut ist ein Sammelbecken für gescheiterte Existenzen. Die Lehrer mussten aus unterschiedlichen Gründen die staatlichen Schulen verlassen. Wir Schüler können uns denken wieso. Der Deutschlehrer ist ein unberechenbarer Choleriker, der Mathelehrer hat schon morgens eine Schnapsfahne und der Biolehrer versucht krampfhaft zu verbergen, dass er eine erotische Neigung zu kleinen Jungs hat, was ihm leider überhaupt nicht gelingt.

Auch die Schüler sind in staatlichen Schulen unliebsam aufgefallen, die meist betuchten Eltern hatten irgendwann keine Lust mehr, sich von verbeamteten pädagogischen Besserwissern einbestellen zu lassen und zahlen nun dafür, dass sie von ihren missratenen Sprößlingen nichts mehr hören. Also tun Lehrer und Schüler so als ob, es ist für beide Seiten von Vorteil. Die Lehrer werden fast fürs Nichtstun bezahlt und die Schüler werden in Frieden gelassen, solange sie halbwegs regelmäßig vorbei schauen.

BildWir amüsieren uns

So etwas wie Klassendisziplin gibt es nicht, es wird gequatscht, gegessen, getrunken und es ist ein ständiges Kommen und Gehen. Lehrer die sich nicht durchsetzen können, werden gnadenlos vorgeführt. Besonders der schwule, stark effeminiert wirkende Biologie-Lehrer Hauser wird zum Gespött der Klasse. Ein Mitschüler ist der damals schon hochkreative, spätere Comiczeichner Bernd Pohlenz. Dieser erfindet ein witzig-satirisches Epos über die Abenteuer des Lehrers Hauser und die von ihm angehimmelten Mitschüler in zahllosen Fortsetzungen. Wir amüsieren uns köstlich.

Ein anderer Zögling, der mein Interesse erregt ist der smarte, gutaussehende Conrad, genannt Connie, dessen Lieblingswort “cool” ist. Connie kennt Gott und die Welt, er selbst nennt seine Bekanntschaften “Connections”. Ich muss zugeben, ich fand Connie eine Zeit lang wirklich sehr cool.

BildAbwege

Zu seinen Bekanntschaften gehören einige G.I.s, die am payday halbe Gallonen Jim Beam und stangenweise Zigaretten anbringen, die sie im PX steuerfrei gekauft haben. Connie gibt ihnen D-Mark und ich glaube auch Grass im Tausch dafür. Ab und zu ließen sich Musiker auch die ein oder andere Fender-Gitarre besorgen, die kosteten im PX ein Bruchteil dessen, was Berliner Musikaliengeschäfte verlangten. Der Army rationiert irgendwann Alkohol und Zigaretten, es wird auch schwierig die schönen Telecasters und Strats zu erwerben, so das Connies Handel einschläft.

In den Sommerferien wohnen wir in der Wohnung von Connies verreister Mutter. In einer Nacht im SOUND, der berühmt-berüchtigten Disco in der Genthiner Straße 26, lernen wir die junge Su kennen. Sie kommt mit uns und wir erleben eine kurze, aber intensive Ménage à trois. Leider geht Su in die USA, ich mochte sie gern. Einmal, kurz nach dem Mauerfall, telefonierten wir noch einmal, sie lebte damals in Boston und arbeitete für eine Bank.

Connie nimmt mich in einen kleinen Club in Halensee mit, in dem ich Natascha kennenlerne. Natascha ist Stripteasetänzerin, sie arbeitet in der Dorett-Bar, einem Animierschuppen in der Fasanenstraße. Mit Natascha habe ich eine kurze Affäre. Sie sieht wie Marylin Monroe aus und hat immer gute Laune. Ihr Nackttanzen stört mich nicht, doch bald bekomme ich mit, dass sie auch anschaffen geht, damit habe ich ein Problem. Zusätzlich merke ich, dass sie Heroin schnupft. Ich beende die Beziehung.

BildKudamm 1971

Als ich wieder in den Club gehe, wird mir plötzlich klar was dort läuft. Jeder zweite hat Stecknadelpupillen und wenn der DJ “A Horse with No Name” von America spielt, nickt eine Mehrheit wissend im Takt, Horse ist ein gebräuchlicher Szenename für Heroin und das Lied handelt von einem Entzug. Glücklichweise bin ich für das Zeug nicht anfällig.

Anfang der 70er Jahre gilt West-Berlin als Welthauptstadt des Heroins. Ich habe keine Ahnung, wie es dazu kam. Es gibt Verschwörungstheorien, manche haben die Stasi im Verdacht, andere die CIA. Tatsächlich kannte ich nicht wenige Menschen, die Ende der 60er politisch aktiv waren und dann in den 70ern zu Drogen greifen. Viele landen bei harten Sachen, fangen an zu spritzen und einige sterben daran. Andere radikalisieren sich und gehen in den Untergrund. Some go to Goa.

BildVerweigerung

BildExile on Main Street

Obwohl die 68er Revolte nicht total gescheitert ist, denn die Gesellschaft hat sich tatsächlich verändert, ist die Niederlage doch bei allen Teilnehmern spürbar und jeder hat eine eigene Art, damit umzugehen. Ich verweigere mich, gehe für mehrere Jahre in eine Art innere Emigration. Beruf oder Karriere spielen keinerlei Rolle für mich. Ich schreibe nicht, musiziere nicht, fotografiere nur etwas, arbeite ein paar Stunden in einem Buchladen oder als DJ und ich lese viel. Spät aber doch irgendwann begreife ich, dass ich mit meiner Verweigerung nur mir selbst schade. Zum ersten Mal im Leben wird es mir langweilig und ich beende mein “Exile on Main Street” und breche auf, zu neuen Ufern.

Update Halloween 2015: Connie habe ich nur einmal wiedergetroffen, Ende der 80er Jahre in den Thermen am Europa-Center. Aus ihm ist ein Kunstsammler und Händler geworden. In den letzten Tagen habe ich an diese Zeit und besonders Su denken müssen. Gestern habe ich sie auf Facebook gefunden. Wir freuen uns über unser Wiedertreffen. Ich werde ihr meinen Xanadu-Roman schicken, der die Zeit in der 70er Jahren beschreibt, in der wir uns kennenlernten. Su lebt heute in Florida, studiert wieder und macht ihren Bachelor in Fotografie.

BildAufbruch

M.K.

Alle bisher veröffentlichten Familienportraits sind auf der Serien-Seite verlinkt:

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Der Xanadu Roman:

http://wp.me/P3UMZB-Rw

Familienportrait Teil 19 – “Phonoklub im Agrippina-Haus″ / 1960-70

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Europäischer Buch- und Phono-Klub in der Rankestrasse

Meine Mutter hat hier von 1960-70 Bücher und Schallplatten an Klubmitglieder verkauft. Der Laden befand sich im 1955 fertiggestellten “Agrippina-Haus” in der Rankestraße 5-6, das einer Versicherung gehörte.

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Die Inneneinrichtung im Stil der späten 50er Jahre wurde zum großen Teil extra angefertigt. Z.B. die Regale und Tresen aus Teakholz mit Intarsien. Besonders schön war der 7m lange Phonotresen mit Bakelithörern. Als wir den Laden aufgeben mussten, weil Bertelsmann den Franchisegeber aufgekauft hatte, haben wir leider die Tresen und andere Möbel wegwerfen müssen. Niemand interessierte sich für die Nifty-Fifties. Zwei Lampen habe ich noch.

Mitte der 60er kam ich oft am Nachmittag, nach der Schule, mit einem Freund in die Rankestraße. Auf dem Parkplatz, heute ist dort der Los-Angeles-Platz, zeigten wir den Autofahrern Parkplätze und bekamen Trinkgeld dafür. Das gaben wir dann im Europa-Center für Softeis aus. Gern fuhren wir mit dem Fahrstuhl bis zum Dach des Hochhauses. Dort guckten wir durch die Ferngläser, manchmal drehten wir uns solange bis wir schwindlig wurden. Am frühen Abend holten wir Mädchen vom Eislaufen ab, es gab ja noch eine Eisbahn inmitten des Europa-Centers.
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Neben den Klubauflagen von Büchern und Platten, gab es noch die sogenannten Industrie-Schallplatten, damit wurden die normalen LPs und Singles gemeint, wie es sie auch in jedem Plattenladen gab. Das bedeutete für mich, wenn ein neues Beatles- oder Rolling Stones-Album erschien, konnte ich es am Erscheinungstag hören und manchmal auch nachhause mitnehmen. Ich erinnere mich an “Their Satanic Majesties Request” von den Stones, “Ogdens’ Nut Gone Flake” von den Small Faces mit dem runden Cover und “Sgt. Pepper’s”, das ich behalten durfte. Es war ein Ausschneidebogen aus Pappe dabei. Zum Karneval schnitt ich dann die Epauletten, einen Orden etc, aus und bastelte mir eine Sgt. Pepper’s Uniform.
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Im Geschäft wurden auch Lesungen und kleine Konzerte veranstaltet. Der Staatsschauspieler (Ja, so hieß das damals) Wilhelm Borchert war ein Freund meiner Mutter. Im ersten deutschen Nachkriegsfilm, “Die Mörder sind unter uns”, spielte er 1946 die Hauptrolle als desillusionierter Kriegsheimkehrer unter der Regie von Wolfgang Staudte. Die weibliche Hauptrolle spielte Hildegard Knef. Hier liest er aus Franz Kafkas Schriften.
http://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Wilhelm_Borchert
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Details mit Noten-Linien, -Schlüsseln und pfeifenden Spatzen
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Gegenüber vom Klub, wo heute das Steigenberger Hotel und ein Park liegen, war damals eine Freifläche. Nachdem sie den Klub 1970 aufgeben musste, führte sie noch 15 Jahre einen Laden in Friedenau, als Angestellte. In den Klub-Räumen in der Rankestraße sind heute Versicherungsbüros, nichts erinnert mehr an die 60er Jahre, selbst die Wandmosaiken sind beseitigt worden.

M.K.

Alle bisher veröffentlichten Folgen sind hier verlinkt:

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Familienportrait – “A Day in the Life 1978” / West-Berlin in Schwarz-Weiß

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Zahnschmerzen führen nicht zu kreativen Einfällen, doch es scheint Ausnahmen zu geben. Gestern morgen merkte ich schnell, dass die Konzentration nicht zum Schreiben reichte. Also begann ich, meinem “Das Beste in Schwarz-Weiß-Woche” Motto folgend, mit den Kontaktbögen aus den späten 70er und frühen 80er Jahren zu spielen, die Rainer kürzlich mitbrachte. Als man noch mit Negativfilm arbeitete, legte man die Filmstreifen auf ein DIN A4 Fotopapier und belichtete sie dann. Somit hatte man ca. 30 Positivbilder im Format 24×36 Millimeter und konnte auswählen, was sich zu vergrößern lohnte. Ein Bogen gefiel mir besonders gut, Rainer hatte offensichtlich einen Sommertag mit der Kamera dokumentiert. Rainer streifte durch die Stadt, ging mit Freunden essen und abends schaut man sich Fassbinders “Despair” im Delphi an. Gute Unterhaltung bei der Rekonstrution eines West-Berliner Tages, 38 Jahre danach.

Update: Rainer Jacob kommentiert: “Das war so eine Zeit wo ich Negativ-Film vom Meter auf Filmrollen zog und ein Foto-Tagebuch führte. Ich habe dann auch die 18×24 Abzüge mit Negativrahmen und eineinhalb Bildern in die Mittelformat-Bühne des Vergößerungsapparats gelegt. Daraus ist dann mein Stil entstanden, fast filmisch, Lebensssituationen miteinander zu verbinden, hast Du gut interpretiert, Marcus.”

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Photographer: Rainer Jacob

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Arranged an edited by Marcus Kluge

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Familienportrait – “West-Berlin in Black & White” / 1960 Part 2

Bild  Kudamm

Bild  Volkspark

Bild  Playground

Bild  Klepper, Tauentzienstraße

Bild Visitors from the “Sowjet-Zone”

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Sick Bed Visit

Bild  Livländische Straße

Bild  BAK

Bild  “Stadtautobahn”

Bild  Preußenpark

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Karstadt Department Store (Badensche Straße/Berliner Straße)

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Polar Bear at the Zoo

Familienportrait – Die Serie: http://wp.me/P3UMZB-1

Familienportrait – “West-Berlin in Black & White” / 1960 Part 1

Bild  Weinhandlung Bundesallee Ecke Am Volkspark

Bild  Verkehrskanzel Kranzlereck

Bild  Fehrbelliner Platz

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Bild   Stadtautobahnbauschild

Bild  Brandenburgische Straße

Bild  Volkspark Wilmersdorf

Bild  Blisse Ecke Brandenburgische

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Mannheimer Straße

Familienportrait Teil 20 / “Mao, Kollektiv und Schulverweis” / 1968-70

Image  Der Autor 1969 (Augsburger Straße vor C&A)

 

 1968 lernte ich Burkhardt Seiler, der später als der Zensor bekannt werden sollte, in der Schule kennen. Burkhardt sprach mich auf meinen Mao-Badge an: “Ob ich denn überhaupt schon mal was von organisiertem Klassenkampf gehört hätte?” Hatte ich natürlich nicht. Ich trug das Ding nur, um zu provozieren.

Ich war 14 und schlug mich in Diskussionen meistens ganz ordentlich. Er war ein Jahr älter, seine Haare waren noch deutlich länger als meine und auch rethorisch hatte er mich bald übertrumpft. “Wer a sage, müsse auch b sagen”, war seine Argumentation und ein paar Tage später schleppte er mich mit zur Roten Garde, einer maoistischen Gruppe. Wir hatten damals keine Ahnung, was in China wirklich passierte, sonst hätten wir wohl Abstand gehalten.

Image  Kollektivmitglied

Ich ging eine Zeit lang zu einem Zirkel, der das Marxsche Manifest las, ich fand es ziemlich langweilig. Zwischenzeitlich war Burkhardt aus der Roten Garde geflogen, wegen anarchistischer Umtriebe, wie er mir etwas stolz berichtete. Wir hingen zusammen rum, ich habe sehr von seinem Wissen profitiert. Er kannte sich überall aus, auch über Underground-Kunst und -Musik, keine Ahnung, wo er sein enzyklopädisches Wissen her hatte. Er spielte mir MC5 vor, berichtete von Tuli Kupferberg und den Fugs, dozierte über französische Philosophen und rezitierte Allen Ginsberg.

Immer hatte er was vor, wusste von obskuren Konzerten und Vorträgen. Er nahm mich mit zur Kommune 1 in der Stephanstraße. An diesem Tag war S.F.Sorrow von den Pretty Things in Deutschland herausgekommen. Das Album lief laut, mehrere Fernseher liefen stumm und die Kommunarden lümmelten auf Matrazen rum. Ein oder zwei Frauen hatten obenrum nichts an, ich bemühte mich nicht hinzusehen. Mir war etwas peinlich, dass ich keine Jeans anhatte, sondern eine hellgraue Stoffhose, hier hatten alle Levis an, das galt tatsächlich noch als Zeichen der Rebellion.(sic)

An einem anderen Abend zeigte er mir das Zodiac Free Arts Lab. Der Klub befand sich im Haus der Schaubühne, die ja damals noch am Halleschen Ufer residierte. Ein Raum war weiß, der andere schwarz gestrichen, überall standen verschiedenste Instrumente, Verstärker und Boxen herum, die von den Gästen überwiegend frei genutzt werden konnten. Burkhardt wies mich auf eine Gestalt hin, einen unscheinbar aussehenden Mann mit einer alten Arzttasche. Diese Szenepersönlichkeit war unter dem Namen “Doktor” bekannt. 44 Jahre später wurde aus dem “Doktor” ein Charakter in meinem Roman “Xanadu ’73”.

Image   Andi 1969

Als wir dort waren, spielte eine Band psychedelischen Rock, das Licht bestand aus weißen Neonröhren und die Zuhörer bewegten sich in drogeninduzierter Trance zu den wilden Klängen. Burkhardt zeigte mir Konrad Schnitzler, einen der Gründer des Klubs, später sollte dieser mit Tangerine Dream deren erstes Album aufnehmen.

Image   Richard 1969

Wir fingen an eine größere Clique zu bilden, die wir nach Burkhardts Vorschlag “Kollektiv” nannten. Richard, Céline, Andi plus 2-3 weitere Mitglieder bildeten die Stammbesetzung. Wir trafen uns fast täglich meist bei Burkhardt, dessen Eltern in der Pfalzburger Straße wohnten oder bei Richard, dessen Vater in der Pariser Straße einen kleinen Uhrmacherladen hatte. Danach zogen wir durch Straßen und Parks, als eine Art Hippie-Schwadron und spielten Bürgerschreck. Wir experimentierten mit allem, was uns einfiel, unter anderem mit der Aufhebung des Privateigentums. Seitdem weiß ich, dass sowas nicht funktioniert.

Regelmäßig fielen wir im Republikanischen Klub ein, einem Verein den prominente Mitglieder der außerparlamentarischen Opposition, u.a.Wolfgang Neuss, Ossip. K. Flechtheim, Manfred Rexin und Hans Magnus Enzensberger, gegründet hatten. Wir diskutierten mit den APO-Mitgliedern, schnorrten Geld und Zigaretten. Wir testeten auch deren libertäre Attitüde aus, z.B. wenn wir uns einen Teller Spaghetti mit Tomatensoße teilten, veranstalteten wir jedesmal eine riesige Sauerei. Es war infantil, machte aber einen Heidenspaß. Meist wurden wir dann rausgeschmissen, aber am nächsten Tag durften wir wieder rein. Man war tolerant, oder gab sich wenigstens so.

In der Schule gerieten wir zunehmend ins Abseits.    Image   Bürgerschreck

Man muss bedenken, dass wir noch echte alte Nazis unter den Lehrern hatten und wir nahmen kein Blatt vor den Mund. Die Fronten waren irgendwann verhärtet, dazu kam noch ein Schülerstreik zu dem wir aufriefen. Wir protestierten gegen den Senat, der die Gelder für die Schule gekürzt hatte. Zehn Jahre später wären die Lehrer mit uns auf die Straße gegangen. Weil der Direktor den Haupteingang der Schule abschließen lies, holten wir die Mitschüler über einen Zaun, gingen demonstrieren und schwänzten den Unterricht.

Burkhardt, Richard, ich und andere wurden der Schule verwiesen. Mein Zeugnis hatte einen Vermerk, nachdem ich kein anderes Gymnasium in Berlin besuchen durfte. Ich wechselte notgedrungen auf eine Realschule. Nicht nur in der DDR wurde damals aus politischen Gründen die hochgepriesene Chancengleichheit verletzt.

 

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 Rauswurf

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Burkhardt 1983

Die Kollektivmitglieder zerstreuten sich, nur mit Andi und Richard blieb ich befreundet, wir hatten gemeinsam eine Band. Mit Andi blieb ich in losem Kontakt, bis zu dessen viel zu frühem Tod Ende der 90er Jahre. Dieser Link führt zu Andis Geschichte:

http://wp.me/p3UMZB-1cj

Burkhardt Seiler sah ich tatsächlich erst Anfang der 80er Jahre wieder, als er bereits der Zensor war. Richard traf ich bis in die 90er Jahre regelmäßig fast jeden Sommer, die Winter verbrachte er meist in Goa. Schon in den 80er Jahren sprachen wir von einem Buch, dass ich über ihn schreiben wollte. Damals ein chancenloses Projekt, denn mir fehlte fast alles, was man braucht um einen Roman zu verfassen. Dann verloren wir uns aus den Augen. 2014 begann ich meinen zweiten Roman “Ein Hügel voller Narren” zu schreiben. Als Vorbild für den Helden Roberto diente mir mein alter Freund Richard. Sein Aussehen und Aspekte seiner Biografie flossen in die fiktive Figur Roberto, die im Roman eine fiktive Geschichte erlebt. Trotzdem musste ich Richard um sein Einverständnis bitten. Das Internet half mir und Richard freute sich über meinen Text und wir beide freuen uns, unsere Freundschaft erneuern zu können. Leider musste ich wegen der Crowdfunding-Kampagne für “Xanadu ’73” die Arbeit am Narrenhügel unterbrechen. Nun sind 14 Kapitel fertig (siehe unten), drei müssen noch geschrieben werden. Bis zum Jahresende hoffe ich “ENDE” in die Tastatur tippen zu können.

M.K.

Ein Hügel voller Narren: http://wp.me/P3UMZB-Sx

Berlinische Räume: “A Visit To Zensor” / Photographs from the famous record store taken in 1983

39874_1412566270603_4870059_n Early Zensor concert poster 1979 ( Thomas Pargmann Collection)
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I met Burkhardt Seiler in school in 1968, we became friends and had our share in the late 60s student revolt. Subsequently we were thrown out of school and I lost sight of Burkhardt.

I didn’t meet him again till June 1981, when I spotted him at the Venus Weltklang Festival at the Tempodrom. His formerly long hair was cropped short, it looked like he had done it himself without a mirror. He was wearing a dark-blue trenchcoat that gave him the looks of a young mormon missionary on his european tour.

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The store in backroom of the Blue Moon boutique

IMG_20130829_0005The Zensor

I visited him at his record store in Belziger Straße, which was already a wellknown institution, not only in West-Berlin. From there he also ran the Zensor Label. In 1982 I became his “student apprentice”, not really beeing a student and neither being much of an apprentice to him.

I told him about the fanzine I was planning to issue. He gave me advise and proposed to edit “Assasin” together with me. But then I realised a collaboration with Burkhardt would mean doing a Zensor fanzine and that wasn’t what I had in mind. I wanted to have control on my fanzine and do it my way although I expected I would fail. But I wanted to fail my way!

IMG_20130509_0001 Assasin “pilot issue”

I quit working for Zensor, found a job at a bookstore where I worked 16 hours a week making 500 Marks a month. I lived in a small flat which had no toilet, no warm water and a coalfired furnace. It became the editorial office und some friends became the staff. With the helps of Rainer Jacob, Cordula Lippke, Herbert Piechot and Andreas B. we realised a pilot issue in late 1982. Until 1985 we issued eight magazines and four audio-cassettes.

When I heard the Zensor was about to close his shop in autumn 1983 I went there with a photographer to do some last shots.

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On September 19th 1983 there was a bye-bye-concert for the beloved store at the LOFT organised by Monika Döring. But the legend lived on…

Two years ago Cordula met Burkhardt and she told me he’s happy in a relationship.

September 2013 I started a blog. Again Rainer Jacob became my art director. In july 2015 I issued my first novel “Xanadu ’73” with 13 illustrations by Rainer. Together with the book we released a new Assasin fanzine. We’re already planning a special “Punk In West-Berlin” issue. You can order book and zine by writing a mail to marcusklugeberlin@yahoo.de

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Above: the novel

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Above: cover and some pages from the new fanzine.

The book costs 13€ the fanzine is 5€. Order here: marcusklugeberlin@yahoo.de

Berlin Typography

Text and the City // Buchstaben und die Stadt

Der ganz normale Wahnsinn

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500 Wörter die Woche

500 Wörter, jede Woche. (Nur solange der Vorrat reicht)

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(Kurt Kluge - "Der Herr Kortüm")

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In der Kunst spielt ja die Zeit, umgekehrt wie in der Industrie, gar keine Rolle, es gibt da keine verlorene Zeit, wenn nur am Ende das Möglichste an Intensität und Vervollkommnung erreicht wird. H. Hesse

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