„LA BOHÈME WEST-BERLIN schelme schurken kebabträume” – Illustrierte Lesung

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Am 19.12. um 20 Uhr im “Naumann Drei” in der Naumannstraße. Eintritt frei.

Marcus Kluge liest aus seinen Romanen und Bloggeschichten über Bohèmiens, Punks, Künstler und Bösewichter in der Mauerstadt West-Berlin. Der Illustrator und Fotograf Rainer Jacob zeigt dazu Fotos und Orginalzeichnungen mit dem Videobeamer.

tempodrom

– 1977 ziehe ich nach Friedenau und beschließe Schriftsteller zu werden. Bis zum ersten eigenen Buch dauert es dann 38 Jahre, aber die hatten es in sich. Gut das wir heute auf Pixel und Papier schreiben und nicht mehr auf Kuhhäute, denn ich habe viel zu erzählen. –

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Marcus Kluge & Rainer Jacob

– Mein kürzlich als Buch erschienener Roman „Xanadu ’73” berichtet vom kurzen und tragischen Leben meines Schulfreundes Beaky, der vom Popfan zum Drogenkonsumenten wurde und schließlich an einer Überdosis starb. Dabei schildert es die West-Berliner Bohème der frühen 1970er Jahre. Kiffer, Dealer, DJs, Ärzte und Antiquitätenhändler bildeten damals eine ganz eigene Subkultur in den Nebenstraßen des Kudamms. Mein zweiter Roman „Ein Hügel voller Narren” beginnt acht Jahre später am Tag, als der Hausbesetzer Klaus-Jürgen Rattay, während eines Polizeieinsatzes, von einem Doppeldeckerbus überrollt und getötet wird. Roberto kommt nach einem Knastaufenthalt in seine Heimatstadt zurück und findet West-Berlin polarisiert durch Polizeiübergriffe, Hausbesetzungen und die Zeitungshetze gegen die Protestbewegung. „Ein Hügel voller Narren” ist fast fertig und wird 2016 als Buch erscheinen. Außerdem hören wir einen Ausschnitt aus „Schnelle Schuhe – Punk in West-Berlin” Im subkulturell gesättigten Biotop West-Berlin geriet selbst die Punkbewegung zur Bohème. – Marcus Kluge

Es gibt die Möglichkeit signierte Bücher, Fanzines und West-Berlin-T-Shirts zu kaufen.

Textbeispiel aus „Schnelle Schuhe” Punk in West-Berlin:

– Wahrscheinlich das Beste an den Punk-Jahren war die Selbstverständlichkeit mit der wir ans Werk gingen, um unsere eigene Musik, unsere Medien, unsere Mode und auch unsere eigenen Spiele zu erfinden. Was bisher nur Eliten gestattet war, eroberten wir uns, ohne groß nach Legitimation oder Qualifikation zu fragen. Wir machten es einfach. Was wir machten, hatten wir nicht in einer Schule oder Uni gelernt, wir lernten vom Leben und durch das Tun.

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1983. Wir sind zu dritt und haben ein Kunstkopf-Mikrofon und einen tragbaren Audio-Rekorder dabei. Irgendwo am Teltowkanal kennen wir einen Schrottplatz, der am Wochenende unbewacht ist. Herbert und ich sind nicht allein, Cordula ist auch dabei, glaube ich.
Damals hatte ja jeder eine Band, eine Kapelle, Combo oder wenigstens ein Musik-Projekt oder zwei. Besonders beliebt mit ungewöhnlichen Geräten zu musizieren. Zum Beispiel Presslufthämmer oder Seitenschneider. Wir benutzten gern Kaffeemaschinen, je verkalkter desto besser, oder Küchengeräte wie die Moulinette, für unsere Aufnahmen als „Cut-Up-Swingers”. Nicht fehlen durften martialische Metallteile als Percussion-Instrumente. Auf dem Schrottplatz machten wir mit Herberts kleinem Audiorekorder Aufnahmen. Den benutzte er sonst zum Mitschneiden von Konzerten. Wir kletterten also über einen Zaun, suchten uns geeignete Schrottteile und machten damit lauten, rhythmischen Lärm. Cordula hatte sich schon immer gefragt, wie ein Bagger klingt? Nun konnte sie es ausprobieren. Nach zehn oder zwölf Minuten, wir waren so richtig in Fahrt, mischte sich eine fremde Stimme in die Tonaufnahme, live! Sie brüllte:
„Watt soll’n ditte hier?”
Die Aggressivität der männlichen Stimme wurde durch das entgrenzte Kläffen eines Hundes unterstrichen.
„Wir machen Musik!”, brüllte ich zurück. Jetzt sahen wir den „Schrottplatz-Offiziellen” und seinen riesigen Schäferhund-Rotweiler-Mischling. Beide waren fuchsteufelswild und der Mann schrie die folgenden, unsterblichen Sätze:
„Ach Musik! Ach Musik ist ditte! Macht mal ‘n langen Schuh, sonst jipps Keile!”
Wir beschlossen ohne weitere Diskussion der Aufforderung des Schrottwächters nachzukommen. Schnell packten wir Mikro und Rekorder zusammen, kletterten zurück und spätestens als wir auf unseren Fahrrädern saßen, konnten wir kaum noch die Balance halten vor lachen. Den „Ach Musik!” Audio-Clip bauten wir in einen Song ein und benutzten ihn als Jingle bei unseren Veranstaltungen. Er wurde zum Markenzeichen und zum geflügelten Wort für alle Grenzwertigkeiten musikalischer Natur und an solchen waren die 1980er Jahre reich . –

Fotos und Illustrationen: Rainer Jacob

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