Berlinische Räume : „Der Lenz ist nah“ / A Day in the Life 1979

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Im Winter 1978-79 erlebt Norddeutschland ungewöhnlich starken Schneefall. Am 28.12. 1978 strömt von Osten extreme Kaltluft ins Land, in kürzester Zeit sinken die Temperaturen um bis zu 20 Grad in den zweistelligen Minusbereich. Es kommt zu meterhohen Schneeverwehungen. Auch in Berlin führt der Schneefall zu chaotischen Situationen. Die Autos in den Parkhäfen sind komplett mit Schnee bedeckt, wie man das heute von der US-Ostküste kennt. Ich gehe nur im Notfall aus dem Haus und bemühe mich den Allesbrenner auch nicht ausgehen zu lassen. Rainer hat es nicht so gut, er muss ausgehen. Er soll eine mündliche Prüfung für sein Diplom an der Hochschule der Künste (Heute Universität der Künste) bestehen. Mit Mappe, Super-8-Projektor und Leinwand lässt er sich mit dem Taxi zur Uni fahren. Auch der Taxifahrer ist vom Schnee überfordert. Er baut einen Auffahrunfall, exakt an der Stelle der Potsdamerstraße, wo zwei Jahre später Klaus-Jürgen Rattay sterben wird. Rainer schafft es trotzdem die Prüfung in Visueller Kommunikation erfolgreich abzulegen. Das Diplom hat er nicht wirklich gebraucht, bei seinen Bewerbungen kam es nur auf die echten kommerziellen Arbeiten in der Mappe an.

Im März 1979 schmilzt der Schnee und die hässliche Seite des Berliner Winters zeigt sich, aber es ist endlich wärmer und man kann den Frühling ahnen. Rainer und ich gehen auf Fototour. Wir besuchen die Wilmersdorfer Straße, den Flughafen Tegel und das ICC, dass offiziell erst ein paar Tage später eröffnet wird.

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“Das 320 Meter lange, 80 Meter breite und 40 Meter hohe Gebäude wurde nach Plänen der Berliner Architekten Ralf Schüler und Ursulina Schüler-Witte erbaut und nach nur vier Jahren Bauzeit am 2. April 1979 eröffnet. Ein auffälliges Merkmal ist die silbergraue Aluminium-Außenhaut des Gebäudes.

Es zählt zu den bedeutendsten Bauwerken der deutschen Nachkriegszeit und kostete über 924 Millionen Mark (kaufkraftbereinigt in heutiger Währung: rund 1 Milliarde Euro) und war der teuerste Bau in West-Berlin. Das Bauwerk gilt inzwischen als „technisch verschlissen.” WiKi

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Irgendwo auf dem Weg begegnet uns auch das Erbe der deutschen Geschichte. Ein Plakat stuft einen gewissen “Hitler, Adolf” als Mitläufer ein. Da ist der Rat hilfreicher, “Vergesst nicht zu leben!”. Heute im Rückblick, 37 Jahre später, stelle ich fest, da können wir uns nichts vorwerfen.

Fotos: Rainer Jacob / Text: Marcus Kluge
(Alle Bilder stammen von einem Bogen mit Kontaktabzügen eines s/w-Negativfilms.)

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