Prager Platz – “Das Glück der Arbeit” / Architektur aus dem Prager Weinbergsviertel

Diese kleine Auswahl an Bildern von Sakral- und Profanbauten aus dem Prager Vinohrady-Bezirk illustriert das Interesse von Architekten am Thema Freude an der Arbeit. Natürlich dürfte es in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts, als diese Bauten entstanden sind, nicht üblich oder gar selbstverständlich gewesen sein, Glück und Zufriedenheit aus der Profession zu ziehen. Dennoch hat der Versuch dieses Ideal in Architektur zu formen etwas Charmantes. Den hohen Wert der Arbeit im Zeitgeist des frühen 20. Jahrhunderts dürfte auch der Lohnarbeit zum “Broterwerb” gegolten haben. Damals waren den Menschen Hunger und Not näher, als uns Mitteleuropäern 100 Jahre später. Auch die Massenarbeitslosigkeit hatte damals m.E. härtere und existenziellere Folgen, als heute. Arbeit zu haben war Glück, ebenso wie eine menschenwürdige Wohnung zu haben. Des weiteren haben mich “die Dinge des Lebens” interessiert, die Baumeister aus den 1920er und 30er Jahren zum Schmuck ihrer Fassaden inspiriert haben.

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Der Dispatcher kuschelt mit seinem Telefon (ganz oben), der Maurer klopft versonnen den Backstein und der Architekt liebkost das Hausmodell. Dieses Haus in der Laubova-Straße 8 hat es mir besonders angetan. Leider konnte ich zu Architekt, Baujahr und Baugeschichte nichts in Erfahrung bringen. Google-Street-View siehe unten. Dort sieht man auch, dass das Haus nur wenige Meter von der “Art-Deco-Kirche” mit der riesigen Uhr entfernt ist.

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Hier fällt inmitten der Arbeitenden ein muslimisch gekleideter Herr auf, der gelassen eine Zigarette dreht und damit die Pause von der Arbeit zelebriert.

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Auch die Zeit wird thematisiert, von arbeitenden Menschen wird sie oft als Geißel empfunden. An diesem Sakralbau mit “Art Deco”Flair erinnert eine riesige Uhr an die Endlichkeit unserer Existenz. Das Rundfenster mit der Uhr richtet sich wie ein Zyklopenauge in Richtung Veitsdom, der Kathedrale des Erzbistums Prag. Die “Kirche des heiligsten Herzens des Herrn” wurde von 1928 bis 1932 nach Plänen des slovenischen Architekten Jože Plečnik erbaut.

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Ein Fries an diesem ursprünglich als Informationszentrum für Landwirte gedachten Bau thematisiert den Rohstoff des Brotes, das Getreide, während Demeter, oder eine andere Göttin des Ackerbaus im Zentrum, die Unterstützung himmlischer Mächte beschwört.

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Ebenfalls zu meinen Lieblingsgebäuden im Vinohrady-Bezirk gehört dieses “Hussitische Gemeindehaus” in der Dykova-Straße. Hier steht die flüssige Nahrung im Mittelpunkt, ein riesiger Kelch, das Symbol der protestantischen Hussiten, krönt den Turm, der weder ein Glocken- noch ein Kirchturm ist. Der konstruktivistische Bau nach Entwürfen von Pavel Janák entstand zwischen 1930 -35.

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Detail am Eingang zum Saal

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Alle Bilder habe ich zu Beginn der 1990er Jahre aufgenommen.

M.K.

Laubovastraße 8 Street-View:

https://www.google.de/maps/place/praha+laubova+8/@50.079083,14.449933,3a,75y,53.41h,90t/data=!3m7!1e1!3m4!1sv0cbMfrG9X91BAArUMSI3Q!2e0!7i13312!8i6656!4b1!4m2!3m1!1s0x0:0x27baa70e8448a751!6m1!1e1

Kirche des heiligsten Herzens des Herrn”: https://de.wikipedia.org/wiki/Kirche_des_heiligsten_Herzens_des_Herrn_%28Prag-Vinohrady%29

“Hussitisches Gemeindehaus”: https://translate.google.de/translate?hl=de&sl=cs&u=https://cs.wikipedia.org/wiki/Pavel_Jan%25C3%25A1k&prev=search

Werkbund-Siedlung: https://de.wikipedia.org/wiki/Werkbundsiedlung_Prag

Janáks eigenes Wohnhaus in der konstruktivistischen Werkbund-Siedlung in Prag-Device.

File:Baba Janák 01.jpg

By Jirka Dl (Own work) [CC BY-SA 4.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)%5D

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