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Editorial – “You Can’t Hurry Love” / 2 Jahre Blog

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Heute vor zwei Jahren stellte ich dieses Blog online und veröffentlichte drei kleine Geschichten. Eine über meine erste große Liebe und die Bleibtreustraße, eine weitere über die Nacht, in der ich in Paris ankam und in der Jim Morrison starb, nur wenige Straßen weiter. In der dritten Geschichte erzählte ich, wie 1910 meine Oma als 15-jähriges Mädchen nach Berlin ziehen musste, um hier mutterseelenallein in der fremden Großstadt alsHausmädchen zu arbeiten. Ich hatte keine Ahnung, was ich noch schreiben würde, oder ob ich überhaupt weiterschreiben würde, schließlich hatte ich 25 Jahre eine Schreibblockade gehabt. Mir fiel kein Name für mein Web-Logbuch ein. “Familienportrait” schien mir eher eine Rubrik zu sein. Da war ja auch der “Assasin” Aspekt, mein altes Fanzine, was ich irgendwie wiederbeleben wollte. Ich würde eigene Texte und eigene Fotos posten, es würde mein Weblogbuch werden. Also nannte ich es: marcuskluge.wordpress.com Vielleicht war auch ein wenig Eitelkeit dabei.

Kürzlich empfahl ich einem Freund das Crowdfunden. Ehrlich wie er nun mal ist, erwiderte er, dass wäre nichts für ihn, er sei nun mal faul. Merkwürdig, ich bin ja auch faul und trotzdem hatte ich eben eine sechsmonatigeCrowdfunding-Kampagne erfolgreich hinter mich gebracht und zwei Jahre mein Blog betrieben, mit Fleiß und Regelmäßigkeit.

Ich glaube das Alter spielte eine Rolle. Ich fühlte mich mit knapp 60 Jahren, sozusagen mit dem Rücken zur Wand. Wenn es irgend etwas gab, was ich noch sagen wollte, dann musste ich das bald tun, sonst könnte es zu spät sein. Na ja, Ihr wisst ja, ich neige zum Pessimismus und dramatisiere gern. Und ja, der Glauben, ich hätte als Mensch, als Individuum etwas mitzuteilen, spielte ebenfalls eine Rolle. Ich merkte, es gelang mir, Menschen, Szenen oder einen Zeitgeist zu schildern und all das dem Vergessen zu entziehen, in dem ich es aufschriebe. Ja, ich bin eigentlich faul, aber wenn ich das bißchen Talent, was ich für das Erzählen habe, jetzt nicht anwendete, würde ich es später bereuen. Wenn ich jetzt nicht die Geschichten aufschriebe, die meine Mutter mir über “früher” erzählt hatte und die auch meine Stieftochter so liebte, dann wäre ich ein undankbarer Ignorant. Ich wollte die Kraft, die ich noch hatte, in ein Kunstwerk, oder was immer mein spezielles Opus Magnum auch sein mochte, stecken. Bei mir schien es das Erzählen zu sein. Ich glaube jeder Mensch hat etwas mitzuteilen und solange er ehrlich zu sich ist und sich selbst und seinen Mitmenschen keine Unwahrheit oder Beschönigung zumutet, ist es seine Kunst, sein Werk und hat Kraft, die sich anderen Menschen mitteilt. Der “faule” Freund übrigens hat trotz seines Vorbehalts, sein eigenes Opus gefunden. Er macht wieder Musik, tritt auf und arbeitet an einem Hörbuch. Wenn Du Dein Werk noch nicht gefunden hast, habe Geduld. Manche Dinge kann man nicht erzwingen, die Liebe so wenig wie das Schöpferische. Versuche Deine Sinne offen zu halten und beweglich zu bleiben. Und erwarte nicht zu viel auf einmal von Dir. Das Regelmäßige zählt, nicht die Menge.

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Ich will Euch nicht Zahlen langweilen, wie 66666 Klicks oder 301 Beiträge. Es läuft ganz gut! Jetzt habe ich mein erstes Buch veröffentlicht, ein zweites wird Ende dieses Jahres folgen. Die Fanzine-Tradition haben wir mit einem neuem Heft aufleben lassen. Ja, wir. Ohne die Zusammenarbeit mit meinem alten Freund Rainer Jacob wäre vieles nicht möglich gewesen. Aber am wichtigsten ward Ihr, liebe Leserinnen und Leser. Ohne Euer Lob, Euren Zuspruch und auch Eure kritischen Fragen wäre ich irgendwann steckengeblieben in den “Mühen der Ebene”. Danke schön!
M.K.

Die drei Ur-Geschichten:

Erste Liebe:http://wp.me/p3UMZB-17J

Paris zum ersten:http://wp.me/p3UMZB-1bn

1910 kommt meine Oma nach Berlin. Sie ist 15 und muss in der fremden Stadt als Dienstmädchen arbeiten. Sie tröstet sich bei Aschinger, mit Erbsensuppe.:http://wp.me/p3UMZB-1bn

UNDERGROUND WEST-BERLIN schurken, schelme, kebabträume

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Lesung mit Bildern – Die West-Berlin-Trilogie von Marcus Kluge

Buchpremiere “Xanadu ’73” am Sonntag, den 30.8. um 19.30 Uhr
in der Kulturwerkstadt Danckelmannstr.9a


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Kürzlich erschien der erste Band der Roman-Trilogie von Marcus Kluge in der “Edition Assassin” als Buch. Möglich wurde das durch über 100 Förderer, die unsere Crowdfunding-Kampagne unterstützt haben. Das wollen wir mit einer illustrierten Lesung feiern. Alle Unterstützer, Freunde und Neugierige sind herzlich eingeladen. Der Eintritt ist frei.

Ich lese aus “Xanadu ’73 – Liebe, Rausch und Rock’n’Roll”, dem ersten Band und der 1981 spielenden Fortsetzung “Ein Hügel voller Narren”, sowie dem “Xanadu-Fanheft”. Der Illustrator und Buchgestalter Rainer Jacob zeigt dazu seine Zeichnungen und historische Originalfotos. “Xanadu ’73” berichtet vom kurzen und tragischen Leben meines Schulfreundes Beaky, der vom Popfan zum Drogenkonsumenten wurde und schließlich an einer Überdosis starb. Dabei schildert es den West-Berliner Underground der frühen 1970er Jahre. Kiffer, Dealer, DJs, Ärzte und Antiquitätenhändler bildeten damals eine ganz eigene Subkultur in den Nebenstraßen des Kudamms. “Ein Hügel voller Narren” beginnt acht Jahre später am Tag, als der Hausbesetzer Klaus-Jürgen Rattay, während eines Polizeieinsatzes, von einem Doppeldeckerbus überrollt und getötet wird. Roberto kommt nach einem Knastaufenthalt in seine Heimatstadt zurück und findet West-Berlin polarisiert durch Polizeiübergriffe, Hausbesetzungen und die Zeitungshetze gegen die Protestbewegung. “Ein Hügel voller Narren” ist fast fertig und wird 2016 als Buch erscheinen.

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Der Eintritt ist kostenlos und natürlich kann man das Buch erwerben und sowohl vom Autor, als auch vom Illustrator signieren lassen. Gleichzeitig mit dem Buch ist ein Fanheft erschienen. Es knüpft an die Tradition der Assasin-Fanzines aus den frühen 1980er Jahren an. Das neue, von Rainer Jacob gestaltete Heft, vereinigt Texte, Fotos und Materialien, die das Umfeld des Xanadu-Romans beleuchten und von Kindheit und Jugend in der Mauerstadt der 60er Jahre erzählen. Schließlich haben wir noch eine “T-Shirt-Überraschung” in petto.

M.K.

Illus: Rainer Jacob

Bestellen kann man Buch und Heft unter dieser Adresse: blindepassagiere@gmx.de

Berlinische Leben – „Rainer Works Art Marcus Writes“ / Portrait einer Freundschaft / 1973-2014 / von Marcus Kluge

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Es gibt Freundschaften die Bestand haben, auch wenn uns das Leben für viele Jahre von unseren Freunden trennt. Wir treffen uns wieder und sprechen wieder miteinander, als ob es nur Tage oder Stunden der Trennung waren. Sofort finden wir die gemeinsame Sprache und wir verstehen uns.

So geht es mir mit Rainer Jacob, den ich vor über 40 Jahren kennenlernte. Wie genau haben wir beide vergessen. Er wuchs in der West-Berliner Blissestraße und ich einen Katzensprung entfernt am Volkspark Wilmersdorf auf. Es war Freundschaft auf den ersten Blick. Damals waren wir beide knapp 20, politisch links und mit großem Interesse an Film, Literatur und Kunst. Wir verstanden uns auf Anhieb, obwohl wir häufig unterschiedlicher Meinung waren. Ohnehin war Rainer immer besonders vom Bild und ich eher von Sprache begeistert.

Rainer ist sowas wie ein Sonntagskind, obwohl er nicht an einem geboren wurde (12 Minuten zu spät) und er ist mit einem kritischen Geist ausgestattet. Für beides ist er dankbar. Wieso er ein Glückskind wurde, kann er sich erklären. Er hatte eben Glück mit seinen Eltern, die eine 59 Jahre lange, harmonische Ehe bis in den Herbst 2008 führten. Dann starb Martha und Günter folgte ihr im Februar 2009.Kennen lernten sich seine Eltern durch eine Art Lotterie. Während des 2. Weltkriegs bemühte sich die Nazipropaganda jedem unverheirateten Soldaten im „Felde“ ein Mädel an der „Heimatfront“ zu vermitteln. Das klappte wohl ganz gut, auf jeden Fall bei Rainers Eltern, die sich so kennen und lieben lernten. Auch bei der Kriegsgefangenschaft hatte Günter Glück. Er machte kein Kreuz an der Stelle wo dies 80% seiner Kameraden taten, „War Hitler ein guter Mann. Ja oder Nein?”. Er kam auf einen britischen Flughafen, wo er sich frei bewegen konnte, in der Offiziers-Messe bediente und Reifen vulkanisierte. Nebenher bastelte Rainers Vater noch Modelle von Lancaster-Bombern, die begehrt bei den Offizieren waren, zusätzlich Geld brachten und er hatte nicht die prägende traumatische Internierung, wie mein Vater zu erleiden, der nach vier Jahren in Sibirien als gebrochener Mann zurückkam.
10703682_752608828129097_6250639662470188336_nRainers Großeltern

Rainer hat noch Liebesbriefe und ein Kriegstagebuch bis zum Ende der Gefangenschaft, versehen mit Zeichnungen und Fotos und inspiriert durch meine Familiengeschichten spielt er mit dem Gedanken, diese Fundgrube auch einmal in ein Blog zu stellen. Die Eltern heirateten und 1955 wurde Rainer als Wunschkind geboren. Wieso Rainer einen überaus kritischen Verstand entwickelte, kann er nicht genau klären. Voraussetzung um eigene Gedanken entfalten zu können war, dass beide Eltern beschlossen hatten etwas anders zu machen bei der Erziehung. Selbst hatten sie Wilhelminische Strenge kennengelernt, künstlerische Ambitionen mussten sie begraben. Mutter wollte Modezeichnerin werden, doch mit dem Argument, sie heirate ja sowieso, verbrannte die Mutter ihre Zeichnungen. Der Vater fotografierte, zeichnete und baute Schiffs-und Flugzeugmodelle, lernen musste er etwas Praktisches.IMG_20140720_0003Rainer 1973img_20140706_0002Marcus

Mir fallen mir zwei Aspekte auf, die Rainer und mich zu kritischem Denken inspiriert haben könnten. Zunächst war in den 1960er Jahren in Deutschland noch der Nachhall von zwölf Jahren Naziherrschaft, Verbrechen und Kriegsschuld zu spüren. Wir merkten schon im Grundschulalter, dass uns in vielem eine beschönigende Version vermittelt wurde. Rainer erlebte Gechichtslehrer mit Schmissen, die prahlerisch und menschenverachtend von Kriegserlebnissen erzählten, oder die Kinder beim Sport als “Dreibeinige Synagogenzwerge” beschimpften.

Kaum jemand bekannte sich zu seiner Mitschuld, aber wir wussten doch, das eine Mehrheit Hitler gewählt und mitgemacht hatte bei den beispiellosen Verbrechen. Oder man schwieg gänzlich über das 3. Reich, wie in den meisten Schulen. Glücklicherweise war Rainers Vater kein schweigender Despot und in der Familie herrschte eine muntere Streitkultur. Viele in unserer Generation hatten schweigende Väter, fast war es eine vaterlose Generation.

Durch das Leben in Westen Berlins machten wir noch eine weitere augenöffnende Erfahrung. Wir wuchsen mit zwei Versionen der Wahrheit auf, die im Westen und im Osten in den Medien, vor allem im Rundfunk und Fernsehen verbreitet wurde. Zunächst werden wir den Westmedien geglaubt haben, aber spätestens nach dem Besuch des Schah von Persien und dem Tod von Benno Ohnesorg am 2. Juni 1967 merkten wir, das auch die Westmedien logen. Rainer beobachtete als Dreizehnjähriger bei einem Klassenkameraden zu Besuch, wie im Rohbau des Nebenhauses eine wilde Schießerei zwischen der Polizei und dem Attentäter von Rudi Dutschke stattfand. Später gingen wir auf Demos und erlebten Knüppelorgien der Polizei, in den Westmedien waren die Studenten und Gammler schuld und plötzlich stimmte die Version der Ostmedien mit unserer Beobachtung überein. Also wurde klar, was Medien berichten muss nicht wahr sein, alles ist kritisch zu hinterfragen. Langhaarigen wurden auf offener Straße “Mädchen” hinterhergerufen und die Boulevard-Presse hetze so sehr, daß ein “Doppelgänger”, der Dutschke änlich sah, beinahe vom Mob gelyncht worden wäre.

Rainer sah sich verschiedenste linke Gruppierungen an und bei keiner, ausser den Trotzkisten, fand er einen Arbeiter. Überhaupt war alles sehr merkwürdig, wenn linke Gruppierungen (SEW, DKP) von Errungenschaften sprachen, während man den “realen” Sozialismus für 25 Mark Eintrittsgebühr besuchen konnte und das heruntergedimmte Licht in Straßen voller verkommener Altbauten den wirklichen Sozialismus zeigte. Bei uns wiederum wurde Kritik am Westen mit dem einfachen Satz, “Geh doch ‘rüber” plattgebügelt.

Während mich das Scheitern der 68er Revolte ins Abseits schickte. Abitur und Studium war mir verwehrt und ich habe mich wohl auch freiwillig für einige Zeit in den Schmollwinkel zurück gezogen, begann Rainer eine Lehre in einer Siebdruckerei. Aber er wollte doch noch sein bildnerisches Talent zum blühen bringen und bemühte sich um ein Studium an der Hochschule der Künste (heute UdK).

Es war ein Abend im Jahr 1973, als er mir seine Mappe zeigte, er hatte den Tag im Zoo verbracht und Tiere gezeichnet, in Vorbereitung auf seine Aufnahmeprüfung. Zum ersten Mal sah ich sein Talent und war beeindruckt. Er studierte dann mit dem kleinen Matrikel. Er startete mit freier Malerei, wechselte zu experimenteller Grafik, dann zu Grafik Design. Während er sich zuerst ernsthaft mit den realistischen Details von Reflexen auf Wasserhähnen malerisch herumschlug wollen seine Jahrgangskommilitonen, die Jungen Wilden, mit der Attitüde von Frühvollendeten Party feiern. Maler die den Habitus von Rockstars imitierten und sich anschickten das Niveau von Werbung glatt zu unterbieten. Damals, vor der Verschulung des Studiums konnte man noch vielseitig und selbstbestimmt Seminare auswählen und Rainer belegte einige der Film-und Fernseh Akademie und bei den Architekten.

Der Kunsthistoriker Freiherr von Löhneysen, der Schopenhauer textkritisch bearbeitete, beeindruckt Rainer. Er ist Führer bei einer Studienreise durch die norditalienischen Städte, wo man die Entstehung der Perspektive studiert. Gern hätte ich ihn begleitet, wenn meine Reiseunlust mich nicht zurückgehalten hätte. Am liebsten fahre ich dorthin, wo ich schon mal war. Zum Beispiel Bretignolles-sur-mer, wo ich schon öfter war. So verbringen wir 1975 vier Wochen in Frankreich, hören Pink Floyd, kucken auf Kühe und feiern den 14. Juli mit den Dörflern.

Zurück in Berlin macht Rainer Multimedia, ich kann mich noch an einen unendlich schweren portablen U-Matic Videorekorder erinnern, mit dem man schwarz-weiße Bilder aufzeichnen konnte. Wir filmten im Tiergarten in den Ruinen des Diplomatenviertels zur Musik von Django Reinhardt. Vielleicht hat mich diese Erfahrung auf eine Schiene gesetzt, die mich später zu 20 Jahren professioneller TV-Produktion gebracht hat.

In dieser Zeit ziehen wir oft um die Häuser, um am Morgen noch lange Gespräche zu führen. Manchmal zeichnet Rainer, z. B. mich während ich englischsprachige Songtexte schreibe, passend garniert mit USA-Attributen. Deutsch zu singen kann ich mir damals nur schwer vorstellen. Überhaupt prägte uns amerikanische Popkultur, die im West-Berlin der Nachkriegsjahrzehnte omnipräsent war. Wir gehen gemeinsam in die Off-Kudamm-Kinos, schauen uns Orginalfassungen mit und ohne Untertitel an. Schwarze Serie und andere Hollywoodstreifen, aber auch anspruchsvolle europäische Filme. Video gibt es noch nicht für Normalsterbliche und im Fernsehen regiert dröges Mittelmaß, das vom Dritten Programm manchmal durchbrochen wird.

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Zu Beginn der Uni-Zeit lernte Rainer seine erste Partnerin, die elf Jahre ältere Ingeborg kennen, die selbst Grafik studiert hatte und damals im Mediterranea griechische Möbel und Flokatis verkaufte, zu der er in eine WG einzog. Dort hatte er ein kleines Fotolabor im Gästeklo, auch von mir gern genutzt. Während des Studiums arbeitete er in den Semesterferien als Praktikant bei der Werbeagentur Dorland oder macht Illustrationen für den Tip, diese Erfahrungen brachten Rainer nach dem Studium zu einer Karriere als Art Director in der Werbung. Er arbeitete für namhafte Agenturen, wechselnd zwischen Freelancer und fest, wir bleiben im Kontakt. Er arbeitet um zu leben, am Wochenende bin ich häufig bei dem Paar zu Gast. Eine WG direkt über der Galerie Natubs und dem Engel Gabriel im Kiez nah am Olivaer Platz. Unter ihnen wohnten die Architekten, die das Märkische Viertel verbrochen hatten in feinstem Bauhaus-Dekor.

1982 beschließe ich soetwas wie ein Fanzine zu gründen. Es ist die Zeit, als drei Akkorde reichen, um als Band Karriere zu machen und ich denke, mit drei Fingern tippen zu können, müsste reichen, um ein kleines Subkultur-Magazin herauszugeben. Und es reicht tatsächlich… Dieses Lebensgefühl der Punkjahre, der Fotograf Richard Gleim drückte es kürzlich in einem Interview mit dem Satz „Das machen wir jetzt“ aus, dieses Lebensgefühl half mir, mich selbst am Schopf aus meinem selbstgewählten „Tunix-Sumpf“ zu ziehen.

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Mit der Hilfe von einigen Freunden gebe ich den „Assasin“ heraus. Rainer entwirft das Markenzeichen mit dem Fadenkreuz, Logos für Rubriken, er weckt mein Interesse an Typografie und er bringt mir bei, das Layout selbst zu gestalten. Mit Letraset, Fixogum und Skalpell werde ich ziemlich gut. Acht Hefte und drei Musikkassetten wird es geben. Dann stehe ich journalistisch auf eigenen Beinen, schreibe für die Taz und Rock-Publikationen.

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1988 fange ich beim OKB an, dem Lokalsender, der heute ALEX heißt. Erst disponiere ich den Sender, dann leite ich Produktionen und Sendeabwicklung, auch wenn auf meiner Visitenkarte etwas diffus „Beratung und Betreuung“ steht. Rainer hat inzwischen sein Atelier im Hofgarten gegründet, um mit einem kleinen Team feines Design für Hotels der Luxus-Klasse zu gestalten. Bevor ihn auch hier in Rhiemers Hofgarten die Arbeit auffrisst, übernimmt er die Leitung des Ateliers bei einer Netzwerkagentur und nach dem Mauerfall geht Rainer für ein Jahr nach Leipzig um die Messe zu re-launchen und schließlich als freier Kreativer konzipiert er die Gesamtkampagne und den Werbespot für die Einführung von Melitta Kaffee in den polnischen Markt. Deshalb castet er eine bekannte polnische Schauspielerin, Ewa Ziętek.

In Polen kennt sie jeder, seit sie mit 18 Jahren die Braut in Andrzej Wajdas “Hochzeit” spielte. In sie verliebt er sich, wie vom Blitz getroffen, während des Drehs in Hamburg. Sie lebt in Berlin und spielt Theater mit akzentfreiem Deutsch. Die ostdeutschen Schauspieler drängen auf den wiedervereinigten deutschen Markt und da will sie wieder in die Heimat und Rainer entscheidet sich spontan mit nach Warschau zu gehen und findet auch gleich eine Stelle als, Head of Art, bei Ogilvy&Mather eine spannende Aufgabe, wo er aus Dramaturgen Werbetexter und aus Architekten Art Direktoren macht. Einige Jahre sehen wir uns nicht. Das Kunden-Portfolio der amerikanischen Agentur ist international, die Etats sind groß, er kann großes Kino inszenieren für Schokoriegel, Pharmakonzerne und der, dem Spiegelmagazin vergleichbaren Wprost, Mode, Kosmetik, Bier. Nach drei Jahren fasst auch Ewa wieder Fuß und neben Boulevard-Theater spielt sie in der dortigen TV-Spitzensoap, “Goldenes Polen” vergleichbar mit unserer Lindenstraße. Reisen nach Indien und Italien zwischen beruflichen Reisen nach Bulgarien, Rumänien, Prag, Wien und häufig zur Postproduction nach London. Sie heiraten nach acht Jahren “wilder Ehe” 2000, fast eine Jet-Set Hochzeit, mit Strech-Limo und begleitet von der Regenbogen-Presse mit illustren Gästen aus Film, Funk und Fernsehen. Ich kann leider nicht kommen, ich muss arbeiten. Nachdem ich fast 15 Jahre Fernsehen gemacht habe, merke ich das der Job mich immer mehr Kraft kostet. Ich habe kaum noch ein Privatleben, selbst im Urlaub verreise ich nicht, irgendwie ist mir nicht danach. Wahrscheinlich leide ich schon damals an einer nicht diagnostizierten Depression.

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Nur einmal besuche ich Rainer in Polen, er bewohnt eine nette Villa in einer bewachten Siedlung bei Warschau, er braust mit einem noblen Citroën durch die Stadt und zeigt mir seine neue Heimat. Dann herrscht Funkstille bis 2004, ich besuche Rainer in einer kleinen Wohnung im Hansaviertel, er ist arbeitslos. Was war passiert?

Nachdem er drei Geschäftsführerwechsel “überlebt” hat, war jemand scharf auf seinen Job und hat ihn herausgeekelt. Doch Rainer scheint Glück zu haben, findet eine neue Agentur. Die Firma schwimmt im Geld, es gibt Kunst an den Wänden eines edlen Jugendstilhauses und mit der Zeit fallen meinem Freund Merkwürdigkeiten auf. Man will nicht wirklich große Etats gewinnen und nur ein großer Kunde kann nicht soviel Profit abwerfen, ihm ist schleierhaft woher das Geld kommt. Dann fällt es ihm wie Schuppen von den Augen, er arbeitet ohne es gemerkt zu haben für den legalen Arm einer Mafia-ähnlichen Organisation. Income gering, Gewinne groß, hier wird Geld gewaschen, bei einer Teilhaberversammlung wird es augenscheinlich. So schnell er kann, kündigt er. Nun wird es prekär für ihn in Warschau, es rächt sich, das er kein Pole ist und auch nicht perfekt polnisch spricht, außerdem ist er mit 42 schon ziemlich alt für eine dem Jugend-Wahn verfallene Branche. Rainer hat eine Depression aus gutem Grund und lässt sich in der Berliner Charite einen kirschgroßen Gallenstein entfernen. In solchen Situationen überdenkt man sein Leben. Der Stress, über den er sich erhaben glaubte, verlangt eine Entschleunigung des Lebens. Er wird in Berlin wieder bei seiner “alten” Agentur stellvertretender Geschäftsführer, nur um sich bei einem der großen Energie-Konzerne von Atomkraftwerken umstellt zu fühlen, während nur noch Praktikanten und Rookies, die nur mit dem Computer umgehen können, als Mitarbeiter zur Verfügung stehen. Sein Job ist moralisch nicht mehr vertretbar für ihn.

Nur Monate später endet die nur zweijährige Ehe. Die weitergehenden unschönen Details vertraut er nur mir und einem anderen langjährigen Freund an. Seltsam, ein paar Jahre vorher hatte ich nach sieben Jahren Beziehung eine Ehe, die nach nur zweieinhalb Jahren auseinander brach. So unterschiedlich unsere Charaktere und Biografien waren, manches ähnelt sich. So auch der Karriere-Knick, der uns beide ereilt.

Auf eine neue Spitzenposition besteht für Rainer keine Aussicht, auch hier ist er zu alt und zu teuer für potentielle Arbeitgeber. Das Praktikanten-Unwesen hat begonnen, er konkurriert genau wie ich in meinem Job mit Twens, die für nichts oder fast nichts schuften. Und die den Begriff Twen wahrscheinlich nicht kennen, das tun nur „Opas“ wie Rainer und ich. Und sicher, „Twen“ war für uns auch ein legendäres Periodikum, das die Magazin-Gestaltung insgesamt bahnbrechend veränderte.

Rainer bekocht mich im Hansaviertel, er hat 1000 Pläne, wieder ist es so, als ob wir uns nie getrennt hätten. Aber dann habe ich eine längere Phase der Krise und Krankheit. 2003 höre ich beim Sender auf, das wurde mir in der Reha geraten. Ich mache eine Umschulung, habe zwei Jahre eine Fernbeziehung, während ich die Wochenende bei meiner Freundin, einer Psychotherapeutin in Thüringen verbringe, kümmert er sich um meine Katzen. 2005 ist erstmal Schluss für mich. Erst scheitert die Partnerschaft, dann bekomme ich eine Depression und muss auch die Umschulung abbrechen. Ende der Nuller-Jahre entscheide ich mich für die Rente, wieder folgt eine Pause in der Rainer und ich keinen Kontakt haben.

2013 überwinde ich endlich meine Schreibblockade, im Juli bekommt Julia, meine Stieftochter aus der Ehe ein Baby und macht mich zum Quasi-Opa. Auch für sie schreibe ich die Geschichte meiner Vorfahren auf. Durch Facebook treffe ich viele alte Frende wieder, so auch Rainer. Er lebt seit sieben Jahren mit Delilah zusammen, in die er sich verliebte, als er nichts hatte ausser seinem lange unterforderten kritischen Verstand. Am Sterbebett seiner Mutter erlebte er wie das Herz seines Vaters fast hörbar brach. Zugleich war er extrem verliebt, da ihn Delilah mit Gesang und unendlicher Fürsorge durch alle Höhen und Tiefen begleitete. Auch inspirierte sie ihn das Malen und Zeichnen wiederaufzunehmen.

Das temperamentvolle Vollblut-Weib ist siebzehn Jahre jünger als er. Sie hat drei fast erwachsene Kindern und eine Enkelin. Er wird Vatervertreter und Nenn-Opa. Eine Lektion hat ihm das Leben überdeutlich vermittelt, eine schwere Lebenskrise hilft um das Wesen eines Menschen tiefgreifend zu erfahren, dann kann man Liebenswürdigkeit und Charakterstärke erkennen. Er tut und denkt nur noch was er wirklich will, Geld ist nicht das Wichtigste im Leben, öfter mal ein Bild verkaufen, wäre trotzdem schön.

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Nachdem wir uns im Frühjahr 2013 wiedertreffen nehmen wir unseren Dialog wieder auf. Wir diskutieren über Philosophie, Politik, Psychologie und Science-Fiction. Im Sommer ist er begeistert, dass ich eine Neuauflage von Assasin starten will.

Doch es gelingt mir nicht, mich in den punkmäßigen, abgebrühten Assasin-Modus zu versetzen. Na klar über die NSA-Affäre kann man herrlich lästern. Aber das tun Andere ohnehin schon, vielleicht sogar besser. In 30 Jahren ist der Gonzo-Stil des alten Assasin Mainstream geworden und ich habe mich weiterentwickelt. Vielleicht ist der alte flapsige Stil des Assasin ohnehin zu locker für die doch sehr bedrohliche Entwicklung hin zu einem totalitären Staat in den USA und folglich auch bei uns. Natürlich stellt einen die Politik vor viele Fragen. Die geleakten NSA Papiere drängen mir einen bösen Vergleich auf. Stellen sie nicht der Öffentlichkeit die Frage. „Wollt ihr die totale Überwachung?“ Und ist das Desinteresse einer Mehrheit nicht ein klammheimliches „Ja“, oder zumindest „Ist mir egal“. Doch mehr als mich zu informieren und meine Meinung zu sagen, gelingt mir nicht.

Erstaunlicherweise gefällt einigen Leuten, was ich über meine Familie und aus meinem Leben erzähle. Im September starte ich ein Blog, neben den Texten poste ich viele Fotos, auch welche die mein Freund Rainer gemacht hat. Als ich zum ersten Mal einen Gastautor veröffentliche, bitte ich Rainer Illustrationen zu zeichnen und damit beginnt eine neue, fruchtbare Zusammenarbeit mit ihm.

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Im Frühjahr 2014 beginne ich eine vierteilige Erzählung über einen Schulfreund, aber es wird ein kleiner Roman daraus, zu jedem der zwölf Kapitel macht Rainer stimmungsvolle Bleistiftzeichnungen. Nun da ich mit „Die Legende von Xanadu“ fast fertig bin, sprechen wir über einen weiteren Roman, den ich gern in West-Berliner Punkszene Anfang der 80er Jahre ansiedeln möchte. Es gibt viel zu schreiben und zu zeichnen: „Das machen wir jetzt“.

Nachtrag, 6. Juni 2015:

Morgen um Mitternacht endet unser erstes Crowdfunding. Wir werden in ein paar Wochen “Xanadu” als Buch veröffentlichen. 2000 Euro haben unsere Unterstützer gegeben, um Dankeschöns wie Bücher, T-Shirts und Illustrationen zu bekommen. Rainer und ich sind höchst erfreut und dankbar für tolle Resonanz. Besonders schön finde ich, dass Rainers T-Shirt-Entwürfe und die Drucke seiner Zeichnungen so gut angekommen sind. Ende dieses Jahres werden wir aus den “Familienportraits” ein Buch machen. Nächstes Jahr folgt die Fortsetzung von “Xanadu” und weitere Projekte, unter anderem eine Graphic Novel über ein fiktives Berlin, in dem die Wiedervereinigung nicht stattgefunden hat: “Lux Phosphor – Der Himmel unter Berlin”.

-Vorläufiges Ende-

Editorial – “Blitz, Buch, WeBeMaKis und Lesung”

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Vor zwei Wochen hat ein Blitz meinen alten PC gekillt. Ein paar neue Texte waren weg, selbst die externen Back-Ups waren unvollständig. Das Xanadu-Buchprojekt dümpelte bei 46%, ohne dass etwas dazukam. Dann haben Rainer und ich uns, zusammen mit der geschätzten Prinzipalin der WeBeMaKis, Jeanette, T-Shirts für Mauerkinder ausgedacht. Rainer hat schöne Entwürfe gemacht und Gruppenmitglieder haben zwei Entwürfe ausgesucht. Eine Woche später waren ca. 50 Hemden bestellt und wir haben unser Funding-Ziel erreicht. Wir sind begeistert und sagen allen Unterstützern und Jeanette vielen, lieben Dank! Mein Traum wird wahr, im Juni wird mein erster Roman gedruckt.

https://www.startnext.com/xanadu-west-berlin-buch

Wer möchte kann sich am 28. Mai im Pinguin-Club von mir vorlesen lassen. Als Gast beim Stammtisch “Plastics, Punks & Pussys” lese ich, um 21 Uhr, kurze Texte über Liebe, Punk und Rock’n’Roll in der Mauerstadt. Die Lesung wird ca. 35-40 Minuten dauern. Mein Freund und Illustrator Rainer Jacob zeigt Zeichnungen und Originalfotos dazu. Der Eintritt ist frei!

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“Rainer und ich waren in der T-Shörterei und haben Neuigkeiten. Girlie-Shirts, also tailliert und mit Rund- oder V-Kragen sind machbar in den Motiven, die wir als T-Shirts anbieten. (Siehe 1a und 6a) Auch Hoodies wären machbar (siehe 4c mit einem neuen Motiv). Ich persönlich könnte mich auch noch für die Variante Grill- und Koch-Schürze erwärmen. Der Haken ist i.M. der Listenpreis der Textilien, wir werden nächste Woche mit dem Chef dort reden und versuchen günstigere Preise aushandeln. Immerhin bestellen wir insgesamt eine größere Menge. 4a ist ein schönes, neues Design, da wäre die Frage, ob wir 10 Besteller finden?

Grundsätzlich denken wir, die Hemden sollten etwas besonderes bleiben, das es nicht immer gibt. Wir werden ein paar Shirts mehr bestellen, z.B. für Mauerkinder, die sich mit der Größe unsicher sind. Eine Kommerzialisierung streben wir nicht an, es soll ja auch nicht “Jedermann” damit rumlaufen. Wenn wir ein neues Projekt starten, würden wir gern in diesem Rahmen neue Shirts vorstellen. Im Herbst möchten wir aus den “Familienportraits” ein Buch machen, so dass zu Weihnachten das Buch und vielleicht ein T-Shirt unterm Weihnachtsbaum liegen.

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Editorial – “Das Fanheft” / Ein besonderes Dankeschön

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Rainer und ich haben beschlossen schon mal das Fanheft zu erstellen, dessen Erstauflage ausschließlich für Unterstützer unseres Xanadu-Projektes zu erhalten ist. Inhaltlich wird es Stories vereinen, die mit dem Xanadu-Roman und dem Mauerstadt-Mythos in Verbindung stehen. Natürlich gibt es die LSD-Geschichte “A Saucerful Of Löschpapier”, in der Beaky, noch unter seinem bürgerlichen Namen Frieder, erstmals in meinen Texten auftaucht. Sie war es ja, die mich an Beaky erinnert hat und dazu geführt hat, den Xanadu-Roman über meinen ehemaligen Schulfreund zu schreiben. Sie erzählt, wie wir auf einem Pink Floyd-Konzert 1970 LSD geschenkt bekommen und Beaky auf einen Horrortrip kommt.

Auf jeden Fall möchte ich außerdem die “Easy Andi-” und die Mauerfall- Geschichte “Halber Mensch” in diesem Rahmen erstmals drucken lassen. Ein Impressum schildert, wie der Roman und die Idee für die ganze Trilogie entstanden sind. Auf Seite 3 stelle ich meinen Illustrator und Freund Rainer Jacob und mich, in biografischen Texten, vor.

Ein besonderer Leckerbissen ist für die Mittelseiten geplant, wir setzen unseren, in den 1980er Jahren im Assasin erschienen, Comic “Lux Phosphor” fort. Etwas Heiteres schwebt mir noch vor, nachdem die Traumsequenz über den toten Vampir Lummer auf der Lesung so gut angekommen ist.

Rainer plant ein Lay-Out, dass sich am alten Assasin orientiert, aber durchgehend gut lesbar ist und typografisch “neomodern” wird. Viele Fotos und Faksimiles, für die im Buch kein Platz war, werden das Fanheft illustrieren.

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Heft 5 – 1983

Das Heft hat 24 Seiten, es wird handkoloriert, nummeriert und signiert erscheinen. Auf Wunsch können wir die Exemplare auch dem Unterstützer, oder einer von ihm bestimmten Person widmen. Die Erstauflage ist auf 40 Hefte beschränkt, 20 sind über das Crowdfunding-Projekt zu erwerben. Der Rest der Auflage wird von uns zu Zwecken der Öffenlichkeitsarbeit verwendet. Natürlich können wir, wenn die Nachfrage besteht, später eine Neuauflage produzieren.

Fanheft Kultur

Entwurf Cover Fanheft

Die Finanzierungsphase beginnt erst, wenn Startnext meine Bandident-Unterlagen hat, und da liegt das Problem: Es gibt leider Verzögerungen, sowohl Startnext, als auch die Postbank, bei der ich Kunde bin, sind nicht bereit beim Bankident-Verfahren zusammenzuarbeiten. Startnext hat mich sogar auf Facebook blockiert, weil ich mich beschwert habe. Ich muss also morgen bei fremden Banken betteln gehen, bis ein netter Mitarbeiter bereit ist mir zu helfen. Erst dann kann das Projekt von Startnext ein weiteres Mal geprüft werden und dann in die Finanzierungsphase gehen. Ich hoffe nächste Woche ist es endlich soweit.

M.K.

Abb. oben: “Lux Phosphor” 1983, Art: Rainer Jacob, Text: Marcus Kluge.

Unser Crowdfunding-Projekt:

https://www.startnext.com/xanadu-west-berlin-buch

Editorial – Lesen eins / Illustrierte Lesung 19. März 2015

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Eine Woche hatte ich am Skript für die Lesung gearbeitet. Ich wollte erzählen wie der Xanadu-Roman zustande kam, ohne von mir geplant gewesen zu sein. Moderationen und Textausschnitte über meine Oma, meine verstorbenen Freunde Andi und Frieder, den Xanadu-Helden, sowie Roberto, den Protagonisten des zweiten Romans, füllten 22 Seiten. Alles aufzuschreiben war auch nötig, damit Rainer jeweils im richtigen Moment das passende Bild projezieren konnte.

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Am Tag vor der Lesung hatten wir eine Probe, alles funktionierte. Auch ins Mikro zu sprechen fiel mir leicht. Trotzdem hatte ich heftiges Lampenfieber. Um 20 Uhr sollte Beginn sein, aber kurz vor acht waren eben ein halbes Dutzend Gäste eingetrudelt, also warteten wir. 20 nach acht fing ich an, das Saallicht wurde ausgeschaltet, ich sah nichts mehr vom Publikum. Aber ich hörte es, da war Reaktion, sogar Lacher. Nach sieben Seiten hatte ich eine erste Pause geplant, ich entschied spontan weiterzulesen. Rainer lies sich davon nicht irritieren. Nach Bleistreustraße las ich “A Saucerful of Löschpapier” und ich erklärte wie ich dadurch inspiriert wurde über Frieder zu schreiben und wie daraus, zu meiner Überraschung ein Roman wurde. Nach den ersten Ausschnitten aus Xanadu entlies ich das Publikum in eine kurze Pause. 16 oder 17 Gäste waren insgesamt erschienen. Thomas, Susanna, Sea Wanton, Neda, Gerlinde und auch mein alter Schulfreund, der die Vorlage für den Helden meines zweiten Romans, Roberto, geworden war. Wie so viele andere hatte ich ihn auf Facebook wiedergefunden. Zufällig wohnt er nur einige Häuser von der Kulturwerkstadt entfernt. Auch Cornelia Grosch war gekommen und machte dankenswerterweise Fotos. Daran hatte ich nicht gedacht.

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Nach der Pause stellte ich das Crowdfunding-Projekt vor, das Xanadu-West-Berlin-Buch. Im zweiten Teil las ich weiter aus Xanadu und danach aus dem zweiten Roman “Ein Hügel voller Narren”. Blöderweise hatte ich mein Wasserglas irgendwo stehen lassen, ich lutschte ein Bonbon, um die Stimme zu ölen. Nur bei besonders emotionalen Stellen, blieb mir die Luft weg. Richtige Hänger hatte ich nur einmal, da musste ich mehrmals ansetzen, weil mir ein Satz nicht einleuchtete. Nach dem offiziellen Text las ich als Zugabe den Detektiv-Traum, indem ich den Mord an Vampir Heinrich Lummer aufkläre. Diverse Lacher. Ich hätte zwar noch Material gehabt, aber nach zweimal 40 Minuten war ich so fertig, dass ich Schluss machte. Ich bekam ein Bier und sehr viel Lob. Ich danke allen, die geholfen haben und allen, die den Weg nach Charlottenburg gefunden haben.

Es war eine tolle, aber enorm anstrengende Erfahrung. Und ja, ich mache es wieder. Schon am 30. April um 21 Uhr kann man mir im Pinguin-Club in der Wartburgstraße lauschen. Dieses Mal ohne Bilder und kürzer, aber dafür ohne Eintritt. Das Programm werde ich wieder maßschneidern, Punk, Mauerstadt West-Berlin und Pinguin-Club werden Themen sein.

M.K.

Fotos: Cornelia Grosch

Aktualisiert! “Im Westen nichts Neues?” / Lesungen und Crowdfunding

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Xanadu fertig

Hier nun die definitiven Termine für beide Lesungen. 

Am 19.3. lese ich dann im Kulturladen hier im Kiez in der Kulturwerkstatt Danckelmannstraße 9a. Beginn ist 20 Uhr. Das wird eine längere, illustrierte Vorstellung des Xanadu-Romans. Daneben bleibt aber noch Platz für Klassiker wie “Erste Liebe – Bleistreustraße” und “Ach Musik”, der Text über die Punkjahre, der sich zum beliebtesten überhaupt im Blog entwickelt hat. Die Bilder wirft ein Videobeamer an die Wand. Rainer Jacob, der ja auch die großartigen Illustrationen zeichnet, fungiert als Operateur. Beginn ist 20 Uhr, ich lese drei Sets, dazwischen ist Zeit für ein Gläschen und einen Plausch.

In der Kulturwerkstatt werde ich auch das Crowdfunding für das Xanadu-Buch vorstellen. Vorab einige Details: Noch im März werden wir in die Bewerbungsphase gehen, da muss man mindestens 25 Fans nachweisen, das wird kein Problem. Dann loben wir Präsente aus für alle, die uns unterstützen. Z.B. jemand der 12 Euro dazugibt bekommt ein signiertes Buch, für 20 ein schönes T-Shirt, oder auch ein Button für drei Euro. Alles natürlich im Stil der 1970er Jahre. Besonders freue ich mich auf ein “Fan-Heft”, das werden wir als Reminiszenz an das alte Assasin gestalten. Wenn das Geld zusammenkommt, wird gedruckt, die anderen Dankeschöns werden hergestellt und anschließend an die Unterstützer versandt.

Am 30.4. lese ich im Pinguin-Klub in der Wartburgstraße in Schöneberg unter dem Motto “Schnelle Schuhe”. Das wird eine kompakte, kleine Veranstaltung im Ramones-Stil: kurze, wilde Stücke, ohne Pause, aber mit Zugabe. Am Tag danach ist 1. Mai, Ausreden gelten also nicht.

Um 21 Uhr im Pinguin erwarten den geneigten Zuhörer kürzere Stücke aus: “Erste Liebe/Blei-Streu-Straße”, dem Punk-Text “Ach Musik!”, der Mauerhommage “Halber Mensch” und eine Erinnerung an die frühen Jahre des Pinguin-Clubs.

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Ausschnitt aus “Ach Musik”:

“Der Punk kam nach West-Berlin und beendete kraftvoll die 70er Jahre, die ich, wenn zu ich einer royalen Familie gehören würde, als mein “Dezennium Horribilis” bezeichnen würde. Es war wirklich ein blödes Jahrzehnt, es baute sich auf der Asche der genialen 60er auf und bestand aus schlechter Musik, hässlicher Mode, dem “Deutschen Herbst” und Stillstand, sowie einem Strukturumbau, der die Grundlagen für den heutigen Turbo-Kapitalismus legte, aber das ahnte ich nur, damals. Umso bunter die Äußerlichkeiten wurden, desto grauer und gefühlskälter wurde die Gesellschaft innerlich. Die “Sexuelle Revolution” entpuppte sich als Erlaubnis Pornografie zu verkaufen und kaufen. Punk war der benötigte grobe Keil, um den 70er-Klotz zu zerhacken. Punk befriedigte den Wunsch der Jungen nach Authentizität, Lebensfreude und Gefühl. Endlich schaffte auch ich es aus meiner selbstgewählten “Splendid Isolation” und meinem Schweigen auszubrechen. Die Latte hing plötzlich so niedrig, dass in Grunde jeder sie überspringen konnte. Drei Akkorde reichten Musik zu machen und das Drei-Finger-Suchsystem reichte, um Autor zu werden.”

M.K.

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