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Neue Seite: „Nackte, Nazis, Nervensägen“ – Offener Kanal Berlin – Drei Geschichten

Drei Geschichten über die frühen, wilden Jahre des legendären Senders, der heute erwachsen geworden ist und sich “ALEX” nennt.

“1985 hält die mediale Zukunft Einzug in West-Berlin, ein sogenanntes Kabelpilotprojekt wird gestartet. Das ich, als Profi, Teil davon sein werde, kann ich mir in meinen kühnsten Träumen nicht vorstellen. Ich bin 30 und hatte noch nie eine “richtige” Arbeit, also nie einen Fulltime-Job gehabt und war nie rentenversichert. Ich versuchte es probeweise als Tankwart, Babysitter, Altenpfleger, Werbetexter, Verkäufer und Journalist, ohne das mir dieses “Was bin ich?”-Spiel Spaß machte und ohne überzeugenden Erfolg in einer dieser Professionen. 1986 heirate ich und weil ich keine andere Arbeit finde, beginne ich an der Hochschule der Künste als Pförtner. Daneben mache ich beim OKB Fernsehsendungen, unbezahlt, aber nicht ohne Gewinn. Ich lerne das Handwerk und 1988 habe ich die Möglichkeit die Disposition zu übernehmen und den ungeliebten Pförtnerjob zu kündigen. 18 Jahre werde ich bleiben.”

Teil 1 -„ Achterbahn und heiteres Beruferaten”

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“Es ist schon merkwürdig, aber der Offene Kanal Berlin ist in den Berliner Medien nur selten thematisiert worden. Zumindest bis 2003, also solange ich dort gearbeitet habe. Zu seiner Eröffnung im Jahre 1985* wurde im Zusammenhang mit dem Kabelpilotprojekt über ihn berichtet. Eigentlich wäre der neuartige, emanzipatorische Ansatz, “jeder kann senden”, es Wert gewesen seine Entwicklung zu begleiten, doch die Profis in den Redaktionsstuben vernachlässigten das Thema geradezu sträflich. In den zwei Jahren 1986-87, die ich Nutzer war, sowohl wie in den 15 folgenden, ist nur über den Sender berichtet worden, wenn es “schlechte” Nachrichten gab. Vielleicht ist wirklich der zynische Spruch, “only bad news is good news”, eine Erklärungshilfe dabei. Ich will nicht verschweigen, dass es sehr selten auch einmal positive Resonanz gab, doch diese ging unter gegenüber den Schlagzeilen, die über angebliche Skandale spekulierten. Reißerische Artikel nach dem Muster “Mumien, Monstren, Mutationen” zu schreiben macht eben auch mehr Spaß, als über medienpädagogische Ansätze, experimentelle Sendeformen oder Seniorenredaktionen zu berichten und es bringt Auflage bzw. Quote.”

Teil 2 – „Nackte, Nazis, Nervensägen”

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Meine Freundin und ich haben beschlossen unsere komplizierte Beziehung zu stabilisieren, indem wir heiraten. Wir ziehen endgültig zusammen, aber erst im Sommer 1986 finde ich eine Arbeit.Ich werde Pförtner in der HdK und bin entsetzt einen hartgesottenen Nazi als Kollegen zu bekommen. Der ungekrönte König der Pförtnerloge ist Herr Schulz, er ist Nazi und macht keinen Hehl daraus. Ein “Neo” wäre an ihn verschwendet, nichts ist neu an ihm. Er ist ein alter, eingefleischter Nazi, obwohl er erst Mitte vierzig ist. Täglich erzählt er den Musikstudenten, dass auf deutschen Boden im Dritten Reich nie ein Jude getötet wurde. Schulz war Kranführer, seit er im Suff aus dem Führerhäuschen fiel, kann er nicht mehr richtig laufen und gilt als schwerbehindert. Den Führerschein hat man ihm abgenommen, weil er im Straßenverkehr immer wieder handgreiflich wurde. Mehrfach hat er Autofahrer attackiert, die ihm “Quer” kamen. Er hat sie ausgebremst, ist, trotz Behinderung. an deren Fahrertür gehumpelt, hat den Gegner aus dem Wagen gezogen und verprügelt. Er kann sehr jovial sein, ist hochintelligent und halbwegs gebildet. Und er kann unglaublich nerven. Zu meiner Bestürzung ist niemand hier bereit, etwas dagegen zu tun, dass Schulz regelmäßig die Ausschwitzlüge verbreitet. Es dauert nicht lange bis wir Feinde werden. Hier erzähle ich die ganze Geschichte:

Teil 3 – http://wp.me/p3UMZB-1Ob

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„Schnelle Schuhe – Die Punkjahre “ Die Serie hat jetzt eine eigene Seite

“Schnelle Schuhe” ist eine kleine Sammlung von Texten, in denen sich verschiedene Autoren an die Zeit Ende der 70er und Anfang der 80er in der Mauerstadt erinnern: die Punkjahre. Die Reihe ist gänzlich unrepräsentativ und mehr oder weniger zufällig zusammengekommen.

“I never wanted to go back and relive the glory days; I just want to keep moving forward. That’s what I took from punk. Keep going.” Paul Simonon, The Clash

Wahrscheinlich das Beste an den Punkjahren war die Selbstverständlichkeit mit der wir ans Werk gingen, um unsere eigene Musik, unsere Medien, unsere Mode und auch unsere eigenen Spiele zu erfinden. Was bisher nur Eliten gestattet war, eroberten wir uns, ohne groß nach Legitimation oder Qualifikation zu fragen. Wir machten es einfach. Was wir machten, hatten wir nicht in einer Schule oder Uni gelernt, wir lernten vom Leben und durch das Tun.

Teil 1 – Nun hat meine gute Freundin Cordula das Wort und erinnert sich an das Punk House, jene legendäre erste Punk-Location im West-Berlin der späten 70er Jahre:

„Landei, aufgeschlagen.“ / von Cordula Lippke

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Teil 2 – Damals hatte ja jeder eine Band, eine Kapelle, Combo oder wenigstens ein Musik-Projekt oder zwei. Besonders beliebt mit ungewöhnlichen Geräten zu musizieren. Zum Beispiel Presslufthämmer oder Seitenschneider. Wir benutzten gern Kaffeemaschinen, je verkalkter desto besser, oder Küchengeräte wie die Moulinette, für unsere Aufnahmen als “Cut-Up-Swingers”. Nicht fehlen durften martialische Metallteile als Percussion-Instrumente. Auf dem Schrottplatz machten wir mit Herberts kleinem Audiorekorder Aufnahmen. Wir kletterten also über einen Zaun, suchten uns geeignete Schrottteile und machten damit lauten, rhytmischen Lärm. Cordula hatte sich schon immer gefragt, wie ein Bagger klingt? Nun konnte sie es ausprobieren. Nach zehn oder zwölf Minuten, wir waren so richtig in Fahrt, mischte sich eine fremde Stimme in die Tonaufnahme, live! Sie brüllte:
“Watt soll’n ditte hier?”

„Ach Musik“ / von Marcus Kluge

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Teil 3 – “Die erste Punk-Band, die ich mit meinen damals gut 14 Jahren näher kennen lernte, waren die Ramones, eine New Yorker Band, deren Musik Kultstatus hatte. Ihre bereits 1976 aufgenommene Scheibe Ramones habe ich mir damals wie ein Mantra immer und immer wieder in meinen jugendlichen Schädel reingehämmert. Und warum? An den Texten und an den musikalischen Arrangements wird es wohl nicht gelegen haben, denn die waren ziemlich einfach. Entscheidend war, dass die Musik der Ramones drive hatte. Sie war schnell. Sie war voller Energie. Und genau das war das Faszinierende. Denn mein Leben hatte gewissermaßen keinen drive. Hatte keinen Schwung. Keine Energie.”

„Schwankende Gestalten“ / Erinnerungen eines Spandauer Punks von Olaf Kühl

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Teil 4 – In unserer Reihe über die Jahre des Punk in West-Berlin berichtet der Musiker Sea Wanton von seiner Reise zum Atonal-Festival 1983.  Seine Band Non Toxique Lost war überraschend eingeladen worden. “Wieso uns aber Dimitri Hegemann, der Organisator des “BERLIN ATONAL 2″ Festivals zur Teilnahme eingeladen hatte (außer einem Demo-Tape und einem kurzen, freundlichen Briefwechsel war vorher nichts in Richtung Berlin gegangen), blieb uns rätselhaft. Immerhin waren als top-acts PSYCHIC TV, ZOS KIA und ZE’V angekündigt !!” Die Konzertreise ist für die jungen Mainzer ein Abenteuer gewesen, an das sich Sea Wanton mit gemischten Gefühlen erinnert. Anreise durch die DDR, Auftritt in den Pankehallen, am nächsten Tag Mauer-Sight-Seeing

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Teil 5 -Herbert erinnert sich, dass bei diesem Konzert plötzlich zwei dubios aussehende Herren in Trenchcoats auf ihn zukamen, kurz befürchtete er wir wären “Gema-Agenten”, die sich ihm als Marcus und Andreas vom in Gründung befindlichen Fanzine Assasin vorstellten. Herbert war erleichtert, nicht von der Gema beim Bootleggen erwischt worden zu sein und das Projekt hörte sich spannend für ihn an.
Herbert und ich befreundeten uns, er war 18 und ich 27. Da er bei seiner Oma wohnte und ausziehen wollte, mietete er die Ein-Zimmer-Wohnung unter mir und zog auch in die Rheinstraße 14. Wir arbeiteten zusammen an der Nullnummer, Rainer Jacob entwarf das Assasin-Logo mit dem Fadenkreuz, die typische Schrift in Ausrissform und er gestaltete sehr stimmungsvolle Logos für Rubriken wie “Konzertverriss”, Scheibenwichser” oder “Abschussliste”. Und Rainer war die Ausnahme von der Regel. Er hatte sein Handwerk wirklich an einer Uni und im Job als “Art Director” gelernt. Das erste Heft enthielt so unterschiedliche Themen wie William S. Burroughs, Endorphine, die Beach Boys, “Rauschgifthunde”, sowie einen Bericht vom zweiten Konzert der Ärzte, am 14.10.82, in der Music-Hall.

„Hollywood-Friedenau“ / von Marcus Kluge

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Familienportrait – “Is That All There Is?” oder “Pförtner, Fernsehen, Ehe und ein Nazi” / West-Berlin 1985-88

 

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Ende 1985 beschließe ich mir endlich einen Vollzeitjob zu besorgen, nachdem ich zehn Jahre lang alle möglichen und unmöglichen Aushilfsjobs hatte. Meine Freundin und ich haben beschlossen unsere komplizierte Beziehung zu stabilieren, indem wir heiraten. Wir ziehen endgültig zusammen, aber erst im Sommer 1986 finde ich eine Arbeit.

Das ehemalige Joachimsthalsche Gymnasium am nördlichen Ende der Bundesallee ist ein schöner neoklassizistischer Bau. 1880 wurde er eröffnet, das Gymnasium gibt es aber länger, seit 1607. Der gelbe Backsteinbau im Stil der italienischen Hochrenaissance, mit vorgelagertem Arkadengang und Balkon, ist ein spätes Beispiel der Schinkel-Schule. Von 1910 bis zum Beginn des ersten Weltkriegs lief meine Großmutter sonntags hier vorbei, wenn sie auf dem Weg zu Aschinger war, Erbsensuppe essen. Zur Suppe bekam man Schrippen, soviel man wollte. Nach dem Essen lief Oma wieder zurück nach Steglitz, wo sie sechseinhalb Tage die Woche als Hausmädchen arbeitete. Manchmal weinte sie, sie fühlte sich sehr allein, fern vom heimischen Liebenwerda und sie vermisste ihre Familie.

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Am 2. Juni 1986 betrete ich den Bau zum ersten Mal, ich trete meinen Job als Pförtner an. Die Statue eines Flöte spielenden Pan begrüsst mich, es wird der einzige Freund bleiben, den ich in diesem Haus gewinne. 40 Stunden Dienst in der Woche werde ich hier verbringen, da ich mir nicht vorstellen kann, jemals eine andere bezahlte Arbeit zu finden, wahrscheinlich für den Rest meines Lebens. Der Gedanke hat etwas Niederschmetterndes. Der traurige Song von Peggy Lee fällt mir ein, der mich schon seit meiner Kindheit begleitet: “Is That All There Is?” Das Lied über die Enttäuschungen im Leben, wenn man feststellt, dass es in Wirklichkeit weder so schön noch so schlimm kommt, als man es sich vorgestellt hatte. Ich frage mich: Soll es das schon gewesen sein? Werde ich hier als Pförtner den Rest meines Lebens verbringen, oder wird es mir gelingen, doch noch den einen oder anderen Traum zu verwirklichen, den ich für mein Leben hatte? Zum Beispiel professionell Film oder Fernsehen zu produzieren. Im Frühjahr hatte ich zum ersten Mal ein Video gedreht, doch es war ein Job ohne Bezahlung. Obwohl es auch gesendet wurde beim Offenen Kanal, eher so etwas wie ein Hobby. Trotzdem plane ich das nächste Projekt. Im Juni wollte ich dann für meine erste Fernsehserie Regie führen. Aber der Job, zu dem ich unerwartet kurzfristig die Zusage bekomme, verhindert es. Denn am gleichen Tag, an dem ich als Pförtner anfangen soll, ist Drehbeginn der ersten Staffel von “Bum Bum Peng Peng”, einer No-Budget-Kriminalparodie, die ich geschrieben habe. Regie macht nun mein Freund Frank, sogar für meine eigene Rolle, die des bösen Eierkaisers, muss ich überwiegend gedoubelt werden. Eine andere Lösung gibt es nicht. Mit dem Ergebnis werde ich nie so ganz glücklich sein.

Meine neuen Kollegen in der Pförtnerloge kennenzulernen, hebt meine Stimmung auch nicht. Achim war in den 50ern ein echter Rock’n’Roller, jetzt ist er alt und raucht zuviel. Er sagt, er wählt die Nazis. Als ich fragend gucke, erläutert er: die CDU. Immer wenn er die CDU meint sagt er “die Nazis”, das ist sein “Humor”. Sein gesamter Humor übrigens. Heini ist jung und klein, er riecht immer nach altem Schweiß, weil er weder seine Achselhöhlen noch seine Hemden wäscht. Er hat sich die CD von Whitney Houston gekauft, aber “die Negerin” hat ihn enttäuscht. Außer “I Wanna Dance With Somebody” gefällt ihm kein Lied. Auch er hat ziemlich braune Ansichten. Der dritte Pförtner und ungekrönte König der Pförtnerloge ist Herr Schulz, er ist Nazi und macht keinen Hehl daraus. Ein “Neo” wäre an ihn verschwendet, nichts ist neu an ihm. Er ist ein alter, eingefleischter Nazi, obwohl er erst Mitte vierzig ist. Täglich erzählt er den Musikstudenten, dass auf deutschen Boden im Dritten Reich nie ein Jude getötet wurde. Schulz war Kranführer, seit er im Suff aus dem Führerhäuschen fiel, kann er nicht mehr richtig laufen und gilt als schwerbehindert. Den Führerschein hat man ihm abgenommen, weil er im Straßenverkehr immer wieder handgreiflich wurde. Mehrfach hat er Autofahrer attackiert, die ihm “Quer” kamen. Er hat sie ausgebremst, ist, trotz Behinderung. an deren Fahrertür gehumpelt, hat den Gegner aus dem Wagen gezogen und verprügelt. Er kann sehr jovial sein, ist hochintelligent und halbwegs gebildet. Und er kann unglaublich nerven. Zu meiner Bestürzung ist niemand hier bereit, etwas dagegen zu tun, dass Schulz regelmäßig die Ausschwitzlüge verbreitet.

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Die Pförtnerloge ist zwei mal fünf Meter groß. Neben ein paar Garderobenschränken steht ein Tisch mit Stühlen darin. Ich kann meinen Kollegen unmöglich aus dem Weg gehen. Da es kaum Arbeit gibt sitzen die Pförtner zusammen und quatschen die meiste Zeit. Anfänglich versuche ich die Provokationen und Beleidigungen von Schulz an mir abtropfen zu lassen. Irgendwann funktioniert das nicht mehr, ich gebe Kontra. Jeder Arbeitstag kostet mich ungeheuer viel Kraft. Angenehmer sind die Abende und der Wochenddienst. Dann kann ich lesen und an meinen Fernsehsendungen arbeiten. Ich habe eine exzellente Infrastruktur im Haus. Es gibt zwei Bibliotheken, sowohl eine Stadtbücherei, als auch die Bücherei des Fachbereichs Pädagogik, die solche Schätze wie vollständige Spiegel- und Stern-Jahrgänge verwahrt. Ferner verfüge ich über Telefon, Fotokopierer und einen Videoraum.

Am 10. Juli 1986 heiraten wir, unsere Freunde haben eine rauschende Party im Hof der Rheinstraße 14 organisiert. Höhepunkt ist eine Art “Fernsehquiz”, bei dem wir unsere Hochzeitsgeschenke raten sollen. Wir feiern bis in die Nacht und sind sehr glücklich. Zwei Tage später fährt meine Frau mit ihrer Tochter, die jetzt meine Stieftochter ist, ohne mich auf Hochzeitsreise. Ich bekomme im neuen Job noch keinen Urlaub. Als ich am Sonntag allein bin steigt ein Zweifel in mir auf, habe ich wirklich das richtige getan? Jetzt bin ich verheiratet, aber es fühlt sich nicht so an, wie ich es mir vorgestellt habe. “Is That All There Is?”

Anfang 1987 wollen wir die zweite Staffel von “Bum Bum Peng Peng” drehen. Einige Wochen vorher ruft mich Frank an und fragt, ob wir statt dessen nicht an der Magazinsendung “Filmbaer” zur 37. Berlinale mitarbeiten wollen. Natürlich wollen wir. Eine Akkreditierung hatte ich mir schon mal in den 70ern besorgt, damals hatte ich Wolf Donner in seinem Büro aufgesucht und angeflirtet, um zehn Tage Filme zu gucken, bis die Augen weh taten.

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Filmbaer Moderation mit Kater Dieter und Hut.

Funkvolker (2)Mit Volker Hauptvogel.

Wir haben ein Studio im Huthmacher-Haus, wo die täglichen Sendungen “Live On Tape” aufgezeichnet werden. “Filmbaer” heißt die Sendung weil der “Sony Genlock”, den wir als Schriftgenerator benutzen, keine Umlaute kennt. Zwölf mal 75 Minuten sind geplant und ich drehe ich voraus mit Volker Hauptvogel im Pinguin-Club die “Treatment-Show”, in der ich lustige Filmideen vorstelle, die ich von meinem Brettspiel “Hollywood-Friedenau” in der Schublade habe. Volker serviert mir zu jedem der zwölf Kurz-Treatments einen passenden Cocktail, den ich natürlich nicht trinke. Überhaupt lebe ich zu dieser Zeit sehr gesund. Ich trinke nicht, esse kein Fleisch, noch nicht mal Zucker gönne ich mir. Nach vier Stunden Schlaf dusche ich eiskalt und bin frisch wie neuer Schnee. Tagsüber verdiene ich meine Brötchen als Pförtner, abends und am Wochenende mache ich Fernsehen, eine Gage gibt es beim Offenen Kanal Berlin nicht.

Filmquiz (2) Filmquiz vor “City Music”.

In der Mittagspause werde ich mit dem Auto abgeholt, um auf dem Kudamm ein Filmmusik-Quiz mit Passanten zu drehen, dass ich mir ausgedacht habe. Bei richtiger Antwort gewinnen die Kandidaten Platten mit Soundtracks, die ein Plattengeschäft, City Music, zur Verfügung gestellt hat. Außerdem produzieren wir täglich noch einen Fünf- bis Zehn-Minüter, ich interviewe witzige Filmleute, mache Überraschungsbesuche und ähnliches.

FilmNase (4)Filmma1 (2)Filmnasja (2)FilmMarcClose (2)Anja Franke Interview.

Viel Spaß macht es, Anja Franke zu interviewen. Sie hat mit ihrem Freund Dani Levy den Film “Du mich auch” im Wettbewerb. Nicht immer sind meine Beiträge toll, aber ich werde angesprochen und gelobt, auch von Kollegen wie Barry Graves und in der Hochschule von Studenten und Profs.

Meine Pförtnerkollegen und der großtuerische Hausmeister sind nicht so begeistert. Sie wissen nicht, wie sie mit mir umgehen sollen und fühlen sich irgendwie verarscht. “Wieso sitze ich hier in der Pforte, wenn ich doch beim Fernsehen arbeite?” Ich versuche zu erklären, dass ich beim Offenen Kanal Berlin keinen Pfennig verdienen kann, es ist dort sogar verboten. Aber solche Details interessieren nicht, die sind abstrakt und was sie auf dem Fernsehschirm sehen ist konkret.

Ins Kino komme ich nur ein einziges Mal, im Zoo-Palast sehe ich “Platoon” , der mir überhaupt nicht gefällt, nach “Apocalypse Now” finde ich ihn überflüssig. Eine der Sendungen moderiere ich auch, hinter mir die Gedächtniskirche. Die ARD hat denselben Hintergrund gewählt, sie sendet aus dem chinesischen Restaurant gegenüber. Auch als Moderator bewähre ich mich, keine Haspler, keine Hänger, der Sprechtechnikunterricht meines Vaters war doch zu etwas gut. Viele tolle Menschen lerne ich kennen, Frank und Anette, die damals den OKB leitet und die Produktion neben ihrem Job in der Voltastraße quasi in der Freizeit betreut, werden im Lauf der Berlinale ein Paar. Beide werden mir bei vielen Projekten helfen und mich beraten. Frau und Tochter sehen mich nur selten in dieser Zeit. Natürlich mache ich weiter mit neuen Projekten. Ich habe das Gefühl, mir bietet sich eine Chance, die vielleicht meine einzige im Leben ist.

12654215_10153561472262982_3892196464954072360_nNazi Schulz, wie ihn Rainer Jacob als Illu für meinen Roman “Helden ’81” gezeichnet hat.

Am 10. Mai 1941 fliegt Rudolf Heß mit einer Messerschmidt Bf 110 in Richtung Schottland, um in Dungavel Castle mit Douglas Douglas-Hamilton, 14. Duke of Hamilton, den er für den Anführer der britischen Friedensbewegung und Gegner von Premierminister Winston Churchill hielt, über Frieden zu verhandeln. Aber die Briten nehmen ihn fest, er wird als letzter einer Reihe prominenter Häftlinge im 900 Jahre alten Tower interniert. Nach Kriegsende steht er vor dem Nürnberger Tribunal und wird zu lebenslanger Haft verurteilt. 1987 ist Heß auch hier der letzte von sechs Gefangenen im Kriegsverbrechergefängnis Spandau. Obwohl Heß Flug nach Schottland von Historikern inzwischen weniger als Großtat, sondern eher als naive Impulshandlung eines unreifen Traumtänzers gewertet wird, ist Heß bei deutschen Neo-Nazis beliebt. Nachdem Rudolf Heß sich am 17. August 1987 mit einem Kabel erhängt, versammeln sich neu und alte Gesinnungsgenossen vor Spandauer Gefängnis zu einer Art “Ehrenwache”. Mein Kollege Schulz nimmt Urlaub und wird mehrfach von Kamerateams gefilmt. Ein Fotograf portraitiert ihn, sein fanatischer Blick genügt, er braucht kein Plakat und keinen Hitlergruß um seine Gesinnung zu demonstrieren. Das Bild wird erst in der taz gedruckt und geht dann um die Welt.

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Ende August produziere ich “Funkbär”, eine Magazinsendung mit Sketchen und Parodien auf der Internationalen Funkausstellung. Der Offene Kanal hat ein professionelles Studio aufgebaut und viele Freunde helfen mir. Meine Frau bedient den Schriftgenerator, Anette macht Bildschnitt und Tim Luna spielt einen Zuschauer, der von mir erschossen wird. Der Boden ist mit Plastikfolie ausgelegt, damit unser Kunstblut nicht den Teppich ruiniert.

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Bong Boeldicke schlüpft in die Rolle des Senatsbeauftragten für eine fiktive “1000-Jahrfeier” der Mauerstadt. “Funkbär” wird Live On Tape produziert, zum ersten Mal moderiere ich mit Publikum, unter Livebedingungen. Unter dem Abspann läuft Peggy Lees Hymne der typisch menschlichen Unfähigkeit, richtig glücklich zu sein: “Is That All There Is?”

Im Spätsommer 1987 beginnt, was man später als Barschel-Affäre bezeichnen wird. Ein CDU-Ministerpräsident wollte seinen Gegner durch eine Schmutzkampagne zu Fall zu bringen. Der Spiegel bringt den Fall ins Rollen, gegen den Watergate eine Kinderei war. Mir ist schnell klar, dass die Barschel-Affäre zum größten politischen Skandal der BRD werden wird. Ich verfolge jedes Detail, dass er bei seinem berühmten “Ehrenwort” lügt, sieht selbst ein Laie wie ich. Wochenlang lese ich jede Zeile und spreche über wenig anderes. Meiner Frau gehe ich gehörig auf die Nerven.

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Aus der Barschel-Affäre mache ich eine Kabarettnummer und erfinde die Kunstfigur “Reverend Preiswert”. Einen Prediger mit Hitlerbärtchen, der im Stil amerikanischer Fernseh-Evangelisten, Barschel nach seinem ungeklärten Tod einen Persilschein ausstellt. Leider entsteht die Verschwörungstheorie, die Barschels Tod als Ermordung eines der über illegale Waffendeals auspacken wollte und somit andere prominente Politiker mit in den Abgrund gezogen hätte, erst später. Aber ich habe auch so genug Material für einen 18-minütigen Monolog. Ich nehme “Er tat nur seine Pflicht” im kleinen Fernseh-Studio der Pilotgesellschaft für Kabelkommunikation vor einer riesigen deutschen Fahne auf. Gleich am Wochenende danach wird die Sendung im Berliner Kabelfernsehen ausgestrahlt. Zufällig findet gerade eine CDU-Veranstaltung in Berlin statt. Viele Parteimitglieder sehen das Stück in ihren Hotels, die alle schon verkabelt saind. Es gibt heftige Beschwerden im Sender und auch bei der Medienanstalt. Ich selbst werde ein paarmal beschimpft. Heute würde ich über eine eben Verstorbenen, und sei er noch so ein Schuft gewesen, keine derartig grenzwertige Satire machen, aber damals freue ich mich über das Feedback.

Seit dem Tod von Heß ist Schulz radikaler geworden. Seine Äußerungen werden immer drastischer, auch mir gegenüber. In der HdK wird meine Position nach der Barschelsendung immer prekärer. Ich versuche eine Front gegen den Nazi aufzubauen, doch zu meinem Erstaunen finde ich kaum Mitstreiter. Die linken Professoren erklären mir, als Beamte könnten sie sich nicht einmischen, wenn es um einen “Lohnempfänger” gehe, so werden die Arbeiter im Unijargon genannt. Der linke, langhaarige Personalratsvorsitzende gibt mir auch einen Korb. Nazi Schulz ist durch seine Schwerbehinderung vor Kündigung geschützt. Ich verstehe die Uni-Welt nicht.

Ich werfe ein I Ging, es rät mir “das große Wasser” zu überqueren. In der Sprache des mehrere tausend Jahre alten “Buchs der Wandlungen” bedeutet das weitreichende Massnahmen zu ergreifen, einen großangelegten Plan zu verwirklichen. Also plane ich, zunächst besorge ich mir eine Ton-EB vom OKB. EB steht für elektronische Berichterstattung habe ich gelernt. Ich platziere sie in meinem Garderobenschrank in der Pförtnerloge, durch einen Schlitz müsste das Mikrofon Gespräche aufnehmen können. Ich verlasse die Loge, “um einen Kontrollgang durchs Haus” zu machen und Schulz tut mir den Gefallen, er macht seine üblichen heftigen Nazisprüche. Nun habe ich ihn “Live On Tape”. Ebenfalls in der Tasche habe ich einen Musik-Professor, der auch braune Ansichten hat, aber als Beamter eine gewisse Zurückhaltung üben müsste. Außerdem rechne ich damit, dass Schulz Choleriker ist.

Ich schreibe einen Brief an den Kanzler der Uni. Drei Seiten lang schildere ich, wer Schulz ist und was er verbreitet. Ich bin nicht gern Denunziant, aber hier geht es um Notwehr und die Änderung eines unerträglichen Zustandes. Ganz dezent winke ich meiner Vergangenheit bei der taz und der Möglichkeit einer Anzeige wegen Volksverhetzung. Als ich nach einem langen Wochenende zurück zum Dienst komme ist Schulz weg. Man hat ihn einbestellt, er ist beleidigend geworden und hat versucht den Personalchef zu ohrfeigen. Außerdem hat sich der braune Musikprofessor im Zweifel für seine Beamtenpension entschieden und gegen Schulz ausgesagt, ich hatte ihn als Zeugen genannt. Ich habe mich durchgesetzt, den Nazi im Alleingang abgesägt, trotzdem bin ich nicht wirklich zufrieden mit der Situation. “Is That All There Is?”

Am nächsten Morgen kann ich meine linke Gesichtshälfte nicht mehr bewegen. Glücklicherweise ist es kein Schlaganfall. Gegen die Lähmung muss ich hochdosiertes Kortison nehmen. Nach drei Tagen kommt das Gefühl langsam zurück, ich atme auf. Aber plötzlich länger daheim, stelle ich fest, dass meine Ehe die Beziehung nicht konsolidiert hat, wir streiten uns weiter wie früher und ich fühle mich überflüssig und unwillkommen. Und noch etwas wird mir klar in den zehn Tagen, die ich krankgeschrieben bin. Ich werde den Pförtnerjob nicht ewig machen können. Aber wie soll ich, ohne Ausbildung und ohne weitere Berufserfahrung, eine andere Arbeit finden? Zurück in der Pförtnerloge gelte ich als “Kollegenverräter”. Schulz ist zwar weg, aber wohl fühle ich mich nicht in diesem Umfeld. Da kommt mir der Zufall zu Hilfe. Im Offenen Kanal ist der Job als Disponent frei, niemand will sich den Stress antun und er wird mir angeboten. Zu meiner eigenen Verblüffung bekomme den Fulltimejob im Sender. Es ist mir ein Vergnügen, den großtuerischen Hausmeister, der jahrelang den Nazi gewähren ließ, davon in Kenntnis zu setzen, dass er kurzfristig auf meine Dienste verzichten muss. Meinen Auflösungsvertrag hatte ich bereits mit der Hochschulleitung ausgemacht. Man ist mir dankbar, dass ich das peinliche Nazi-Problem gelöst habe.

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Nun arbeite ich als Vollprofi beim Fernsehen. Allerdings kaum noch kreativ, eigene Sendungen darf ich als Mitarbeiter nicht mehr produzieren. Aber ich bin stolz darauf bald den gesamten Sender, das Programm und die Produktionen zu organisieren. Ein Lebenstraum ist in Erfüllung gegangen, ein anderer, meine Ehe, scheitert in dieser Zeit. Wie so viele Paare machen wir die Erfahrung, dass die Ehe die komplizierte Beziehung nicht stabilisiert. Im Gegenteil, sie beschleunigt den Verfall. In der Folge brauche ich eine Wohnung, auch 1988 war das schon schwierig. Der Zufall will es, dass meine Wohnungssuche in der Lietzenburger Straße endet. Von meinem Balkon sehe ich in der Entfernung auf das Gebäude, in dem ich ein Pförtner war. Is That All There Is?

Marcus Kluge


Videos aus den erwähnten Sendungen schneide ich in nächster Zeit zurecht. Die böse Barschel-Satire:  https://www.youtube.com/watch?v=Ol1jnPe3c94

Meine Oma und die Kaiserallee: http://wp.me/p3UMZB-1rw

Über meine 20 Jahre beim Offenen Kanal Berlin habe ich zwei Geschichten geschrieben:

http://wp.me/p3UMZB-1hR

http://wp.me/p3UMZB-1ls

Das Lied:

I remember when I was a very little girl, our house caught on fire.
I’ll never forget the look on my father’s face as he gathered me up
In his arms and raced through the burning building out to the pavement.
I stood there shivering in my pajamas and watched the whole world go up in flames.
And when it was all over I said to myself,
“Is that all there is to a fire?”

Is that all there is?
Is that all there is?
If that’s all there is my friends
Then let’s keep dancing
Let’s break out the booze and have a ball
If that’s all there is

And when I was 12 years old, my daddy took me to a circus.
“The Greatest Show On Earth.”
There were clowns and elephants and dancing bears.
And a beautiful lady in pink tights flew high above our heads.
And as I sat there watching, I had the feeling that something was missing.
I don’t know what, but when it was over,
I said to myself,
“Is that all there is to a circus?”

Is that all there is?
Is that all there is?
If that’s all there is my friends
Then let’s keep dancing
Let’s break out the booze and have a ball
If that’s all there is

And then I fell in love, with the most wonderful boy in the world.
We would take long walks by the river
Or just sit for hours gazing into each other’s eyes.
We were so very much in love.
Then one day, he went away and I thought I’d die.
But I didn’t.
And when I didn’t I said to myself,
“Is that all there is to love?”

Is that all there is?
Is that all there is?
If that’s all there is my friends, then let’s keep-

I know what you must be saying to yourselves.
“If that’s the way she feels about it why doesn’t she just end it all?”
Oh, no, not me.
I’m in no hurry for that final disappointment.
‘Cause I know just as well as I’m standing here talking to you,
That when that final moment comes and I’m breathing my last breath
I’ll be saying to myself-

Is that all there is?
Is that all there is?
If that’s all there is my friends
Then let’s keep dancing
Let’s break out the booze and have a ball
If that’s all there is.

Written by Jerry Leiber, Mike Stoller • Copyright © Sony/ATV Music Publishing LLC, Warner/Chappell Music, Inc.

Schnelle Schuhe – „Hollywood-Friedenau“ / von Marcus Kluge – Die Punkjahre Teil 5

“Schnelle Schuhe” ist eine kleine Sammlung von Texten, in denen sich verschiedene Autoren an die Zeit Ende der 70er und Anfang der 80er in der Mauerstadt erinnern: die Punkjahre. Die Reihe ist gänzlich unrepräsentativ und mehr oder weniger zufällig zusammengekommen.

(Das Foto oben enstand 1983 bei der Assasin-Party “Kanniball in Berlin” in unserem Hauptquartier in der Friedenauer Rheinstraße. Eigentlich hatten Herbert und ich nur drei winzige Einzimmer-Wohnungen gemietet, trotzdem veranstalteten wir Konzerte, Filmabende, Spielturniere, Selbstversuche und andere obskure Events. Das Bild zeigt Gockel Schnockel beim Auftritt von “Dreidimensional” in Herberts Wohn- und Schlafzimmer.)

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(V.r. Marcus, Herbert, Rainer, Cordula, Boeldicke)

“I never wanted to go back and relive the glory days; I just want to keep moving forward. That’s what I took from punk. Keep going.” Paul Simonon, The Clash

Wahrscheinlich das Beste an den Punkjahren war die Selbstverständlichkeit mit der wir ans Werk gingen, um unsere eigene Musik, unsere Medien, unsere Mode und auch unsere eigenen Spiele zu erfinden. Was bisher nur Eliten gestattet war, eroberten wir uns, ohne groß nach Legitimation oder Qualifikation zu fragen. Wir machten es einfach. Was wir machten, hatten wir nicht in einer Schule oder Uni gelernt, wir lernten vom Leben und durch das Tun. Insofern waren auch wir “Leute vom Fach”.

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Herbert und ich 1984 beim Selbstversuch “Dauerfernsehen”.

Im Sommer 1982 lernte ich bei einem Zatopek-Konzert in Tempodrom Herbert Piechot kennen. Ich hatte ihn schon bei vielen Konzerten gesehen, durch seine langen Haare und die Strickpullover optisch recht auffällig, stand er, das Mikrofon hochhaltend inmitten des Publikums und schnitt mit. Weil meine Musikkenntnisse doch etwas lückenhaft waren, hoffte ich ihn zur Mitarbeit an meinem geplanten Fanzine zu gewinnen. Andreas B., ein Freund der in Konstanz Mitherausgeber eines Stadtmagazins war, hatte mir bereits seine Unterstützung zugesichert, denn meine verlegerischen Erfahrungen erschöpften sich darin, eine Schreibmaschine zu bedienen und ich wollte schon etwas Größeres auf die Beine stellen, als ein paar fotokopierte Seiten.

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Herbert erinnert sich, dass bei diesem Konzert plötzlich zwei dubios aussehende Herren in Trenchcoats auf ihn zukamen, kurz befürchtete er wir wären “Gema-Agenten”, die sich ihm als Marcus und Andreas vom in Gründung befindlichen Fanzine Assasin vorstellten. Herbert war erleichtert, nicht von der Gema beim Bootleggen erwischt worden zu sein und das Projekt hörte sich spannend für ihn an.
Herbert und ich befreundeten uns, er war 18 und ich 27. Da er bei seiner Oma wohnte und ausziehen wollte, mietete er die Ein-Zimmer-Wohnung unter mir und zog auch in die Rheinstraße 14. Wir arbeiteten zusammen an der Nullnummer, Rainer Jacob entwarf das Assasin-Logo mit dem Fadenkreuz, die typische Schrift in Ausrissform und er gestaltete sehr stimmungsvolle Logos für Rubriken wie “Konzertverriss”, Scheibenwichser” oder “Abschussliste”. Und Rainer war die Ausnahme von der Regel. Er hatte sein Handwerk wirklich an einer Uni und im Job als “Art Director” gelernt. Das erste Heft enthielt so unterschiedliche Themen wie William S. Burroughs, Endorphine, die Beach Boys, “Rauschgifthunde”, sowie einen Bericht vom zweiten Konzert der Ärzte, am 14.10.82, in der Music-Hall.

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Sogar John Peel schrieb uns

Am 27.11.1982 druckte ich bei Monika Dörings Stamm-Druckerei in der Kantstraße den Erstling. Monika lies dort alle ihre Plakate drucken, sie legte ein gutes Wort für mich ein, ich half beim drucken, dadurch blieben die Kosten überschaubar. Ich zahlte nur das Papier und die Druckvorlagen, der Drucker bekam wohl einen Fünfziger auf die Hand. Am Tag danach, einem Sonntag, legten wir die Hefte zusammen, falzten sie und verpackten sie in Plastiktüten. Abends gingen wir auf ein Konzert und begannen den Vertrieb. Zufällig traf ich dort Qpferdach, der am Freitag danach in der taz, als erster Journalist über uns schrieb.

Wir bekamen sehr viel guten Zuspruch, sogar von John Peel bekamen wir eine Postkarte. Kurz vor Weihnachten waren wir noch so euphorisch, dass wir beschlossen alle unsere Freunde zum Heiligabend einzuladen. Ich erinnerte mich an das stimmungsvolle Weihnachten 1974 in der WG in der Schlüterstraße und besorgte alles Nötige für eine Feuerzangenbowle. Damit begründeten Herbert und ich eine Tradition, die bis in die 90er Jahre halten sollte. Jedes Jahr am 24.12., so gegen 21-22 Uhr, wenn die Familienfeste vorbei waren, versammelten sich unsere Freunde. Nach den ersten Gläsern des gefährlichen und hypnotischen Gesöffs wurden dann Spiele gespielt. 1982 ist es, glaube ich, Karriere gewesen ein Brettspiel aus den 60ern, das damals schon kultig war. In den Jahren danach erfanden Herbert und ich neue Spiele, einmal entwickelte Hcl das Klubspiel, in dem man das Risiko, den Dschungel und andere legendäre Orte besuchen konnte oder wir arbeiteten alle zusammen an einer Riesenversion von Outburst.

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Oben: Drehbücher, Cast-Kärtchen, Spielgeld aus Hollywood-Friedenau und Kiste zum aufbewahren.

Unten: Hcls Clubspiel Spielbrett 60×60 cm.

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Meine Katze schnuppert wie’s im Dschungel riecht.

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 1983 gründeten wir zusätzlich eine wöchentliche Kartenrunde. Einmal in der Woche trafen sich der harte Kern der Assasin-Redaktion im Café Mitropa, ich glaube es war am Mittwoch. Wir spielten “Binokel”, ein altes Kartenspiel, das ich wiederentdeckt hatte und tranken dazu Weizenbier. Beides war für die coolen Mitropa-Gäste geradezu ein Affront. Es war die Provokation in der, zum Alltag gewordenen, Provokation der späten Punkjahre.
Aber das aufwendigste und komplexeste aller unserer Spiele sollte “Hollywood-Friedenau” werden. Der riesige Spielplan hatte die Form einer Acht mit 64 Feldern und diversen Nebenschauplätzen. Thema war das Filmgeschäft und Sieger wurde, wem es gelang, drei Spielfilme in unterschiedlichen Genres zu produzieren. Dazu gab es hunderte von Kärtchen mit Schauspielern, Regisseuren und Drehbüchern. Auf den Drehbuchkarten stand jeweils ein Kurztreatment in 3-4 Sätzen. Bei den Titeln hielten wir uns an Klassiker, die wir verballhornten, z.B. “Über den Löchern der Pizza” oder ” Dial M for Mini-Pizza”. Entsprechend hießen die Regisseure Sergio Mälone, Luis Bühnjuwel oder Alfred Kitschkoch. Man konnte Schauspieler wie Robert Mischrum oder Natassja Kunstschie engagieren oder sich von Klaus Dildonger einen Soundtrack schreiben lassen. Ein eigenes Zahlungsmittel hatten wir natürlich auch entwickelt, die MMMs, Meyers Movie Mäuse. Eine Runde dauerte mindestens drei Stunden, meist haben wir zwei oder drei Runden gespielt und bis in den Morgen zusammengesessen.

In einem anderen Jahr erfand unser Freund Hcl ein “Clubspiel”. Man konnte die legendären Clubs der frühen 80er Jahre, wie das Risiko, den Dschungel oder die MusicHall besuchen, danach in der “Futterkrippe” Currywurst essen und wenn man Pech musste man dann am Bahnhof Zoo lange auf den Bus warten. Andererseits, vielleicht lernte man beim Warten jemand kennen, den man mit ins Bett nehmen konnte. Für das Bett galten, wie für alles komplizierteRegeln. Ziel war möglichst viele Glückspunkte zu bekommen. Natürlich wurden die Regeln durch lange Diskussionen modifiziert.

Screenshot 2014-02-09 09.03.51Filmbär im Pinguin
Als ich 1987 den “Filmbär” machte, ein Berlinale-TV-Journal, fielen mir die Drehbücher von “Hollywood-Friedenau” wieder ein. Es war zwar zu aufwändig, die Scripts tatsächlich zu verfilmen, aber wir drehten eine Reihe von Kurz-Videos in denen ich die Stories vorstelle. Kulisse bildete der Pinguin-Club und der großartige Volker Hauptvogel mixte mir zu jedem Treatment einen passenden Cocktail und servierte in mit viel Applomb.ImageGeheimnisse der T-Shirtherstellung in den 1980er Jahren

Leider habe ich nur zwei Jahre direkt um die Ecke vom Pinguin-Klub gewohnt, das war verdammt praktisch. Ich habe mich dort immer sehr wohl gefühlt und mir fällt eine kleine Anekdote ein, um das zu illustrieren.Am 18. Mai 1991 war ich dort und gegen Mitternacht kam Herbert Grönemeyer mit zwei oder drei Begleitern herein. Die Begleiter waren offensichtlich Stammgäste, der Sänger wohl nicht. Also stand Grönemeyer, an einem Becks nuckelnd in der Mitte des Ladens und “guckte ob jemand guckt”. Kurz vorher war er von 100000 Menschen auf einem Open-Air-Konzert bei Ahrensfelde gefeiert worden, er hält wohl immer noch irgendeinen deutschen Rekord dafür. Auf jeden Fall drehte sich niemand zu ihm um, keiner guckte und seine Versuche mit irgendjemand ins Gespräch zu kommen scheiterten kläglich. Nach 20 Minuten sah er ziemlich frustriert aus und versuchte seine Begleiter zum gehen zu bewegen. Kurz danach stürzte er hinaus und ward nicht mehr gesehen. Als ich 1988 aus Schöneberg weg, in die Kudammnähe zog, verlor ich den engen Kontakt mit vielen Freunden und Mitstreitern. Aber die 80er waren sowieso durch, der Mauerfall mischte alle Karten neu. Hin und wieder fuhr ich noch nach Schöneberg, ins Café Mitropa oder zum Pinguin. Was noch blieb war die Feuerzangenbowle zu Weihnachten, die wir bei mir in der Lietzenburger Straße oder bei Herbert in der Beusselstraße begingen, bis dann Ende der 90er auch damit Schluss war. 2013 habe ich die Tradition wieder aufgenommen, es gibt wieder eine Feuerzangenbowle, aber nicht mehr am Heiligen Abend und nur noch im kleinen Kreise. Überhaupt erinnert mich die Arbeit am Blog an die Zeiten in der Rheinstraße. Nur ist heute alles schneller, allein wenn man Drucken mit Posten im Internet vergleicht. Damals waren nur die Musik und vor allem die Schuhe schneller.

“Keep going”.

Lost and Found-Marathon 2: „Schöneberg Revisited“ / Eine Spurensuche

In Teil 2 unseres Fotomarathons erinnern wir uns an die frühen 80er Jahre in Schöneberg und schauen nach, wie sich der Szene-Bezirk seitdem verändert hat. (Solange ich noch nicht wieder auf Fototour gehen kann, werde ich bis Ende Juli alle Lost and Found-Geschichten in einem Sommermarathon rebloggen. In Planung sind: Mehr Schöneberg, Kreuzberg, Mitte/Lustgarten/Schloss und Pankow.)

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Der Zensor-Plattenladen neben der Blue Moon-Boutique 1983 und 2016. Unten: Heute befindet sich ein Architekturbüro in den Räumen in der Belziger Straße.

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Café Mitropa

 

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Metropol

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Vinylkultstätte

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Das ehemalige Café Central (Foto oben: Knut Sehrgut) und Café Swing ist heute eine Apotheke und sieht ziemlich trist aus.

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22.9. 1981: “In der Nähe vom Café Berio hatte Getränke Hoffmann eine Filiale, die Schaufensterscheibe war bis auf wenige kleine Splitter, die noch im Rahmen steckten, am Boden verteilt und ein ständiger Strom von plündernden Menschen passierte das nun offene Schaufenster. Ich blieb fasziniert stehen und beobachtete das Geschehen. Obwohl ich nicht vorhatte zu klauen, betrat ich den Laden, nur um zu wissen, wie sich das anfühlte.” http://wp.me/p3UMZB-1ii

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Café Berio

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Slumberland

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Winterfeldtmarkt

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Rani

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1983 kamen wir auf die Idee, jeden Dienstag im Mitropa Karten zu spielen. Das Spiel hieß Binokel und wir wurden ziemlich schief angeguckt. Gesellschaftsspiele waren sowas von uncool und dann auch noch Karten! Dazu tranken wir Weizenbier, was auch verpönt war. Heute ist “kiffen” untersagt.

Unten: Mitropa-Anzeige aus Assasin, 1983.

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Deko Behrendt

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Bowie-Haus

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Stadtbad

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Als in der Nacht zum 5. April 1986 im La Belle in der Hauptstraße 78 eine Bombe explodierte und drei Menschen tötete, schlief ich 500 Meter weiter in meiner Ein-Zimmer-Wohnung in der Rheinstraße 14. Obwohl man als Berliner immer einer theoretischen Gefahr ausgesetzt war, ist der Terror selten so nahe gekommen. Die Visitenkarte drückte mir, Wochen vorher, eine hübsche junge Dame vor dem Forum Steglitz in die Hand.

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Von unserem alten Domizil (oben) mit dem idyllischen Hof hinter der Leiserfiliale, Rheinstraße 14, ist nichts mehr zu finden. Nur ein seelenloser Neubau steht an seiner Stelle.

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Von 1977 bis 1986 wohnte oder arbeitete ich dort. Anfang der 80er zog Herbert ein und das Gebäude wurde Redaktionssitz des Assasin. Am 10. Juli 1986 feierten wir noch meine Hochzeit auf dem Hof, wenig später wurde alles abgerissen.

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So begann es: – Der Laden, in dem ich jobbte war neben einer Leiser-Schuh-Filiale und das ganze Haus gehörte Leiser. Irgendwann als ich Müll rausbrachte, fiel mir auf, dass es einen Seitenflügel gab, in dem drei Einzimmer-Wohnungen untergebracht waren. Der Seitenflügel machte einen irgendwie prekären Eindruck, man hatte ihn nachträglich an die Brandmauer geklatscht, um etwas billigen Wohnraum zu schaffen, wahrscheinlich in der ersten Hälfte des 20sten Jahrhunderts. Ich guckte mir auch den Hof genauer an, um den herum Leiser seine Lagerräume hatte. Der Hof, den offensichtlich niemand nutzte, war etwas 6 mal 30 Meter groß, den Abschluss bildete eine Terrasse, die von einem Mäuerchen zum Nebengrundstück begrenzt wurde. Eine Kastanie spendete Schatten gab dem Hof einen grünen Tupfer. Im Sommer könnte man hier bestimmt schöne Wochenenden verbringen.

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Mir war klar, das die Wohnungen keinerlei Komfort boten, vielleicht war es sogar das Prekäre, das mir zusagte, mir förmlich zuflüsterte, hier wäre ein absolut passender Ort zum Leben für mich. Innerhalb von 48 Stunden mietete ich eine der Wohnungen, meine Chefin legte ein gutes Wort für mich ein, und ich zog mit meinen wenigen Sachen von der Knesebeckstraße in die Rheinstraße um. Am Anfang zahlte ich für 28qm weniger als 40 D-Mark Miete. Es war geradezu eine Einladung mich kreativ auszutoben, ohne auf die Lukrativität meiner Projekte zu achten. –

2015-11-16-0001 (3) Der Maler Stefan Hoenerloh beim Klettern.

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Das Shizzo heute und damals. Das Foto unten stammt von dieser schönen Website: http://shizzo-berlin1980.de/

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Kaisereiche.

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Sparkassen-Kunst

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MusicHall

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“Die Goldenen Vampire” in der Hall.

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Bewegungsmelder Kluge.

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Schnelle Schuhe – „Ach Musik“ / von Marcus Kluge – Punk in Berlin Teil 2

“Schnelle Schuhe” ist eine kleine Sammlung von Texten, in denen sich verschiedene Autoren an die Zeit Ende der 70er und Anfang der 80er in der Mauerstadt erinnern. Die Reihe ist gänzlich unrepräsentativ und mehr oder weniger zufällig zusammengekommen. Und sie ist ein Fragment. Ursprünglich gab es einen ersten Teil, indem eine Autorin erzählte, wie 1977 für sie, Punk nach Berlin kam. Wie sie als 13-jährige “ihre ersten Punks” in der U-Bahn sah und sich fast unmittelbar anschloss. Leider hat die Autorin den wunderschönen Text zurückgezogen und all meine Leidenschaft und Eloquenz konnten sie nicht davon abhalten. Es gab auch eine persönliche Ebene der Angelegenheit, aber die soll privat bleiben. Es war eine neue und unerfreuliche Erfahrung für mich Herausgeber und Freund. Lange Zeit hatte ich keine Lust an dem Serien-Fragment weiterzuarbeiten. Jetzt habe ich begonnen die Sammlung neu zu fassen und durch zusätzliche Texte zu ergänzen. Am 21. 5. erschien der erste Teil und heute folgen meine Erinnerungen. Apropos Erinnerungen, die Autoren beschreiben ihre eigenen Erinnerungen, die möglicherweise nicht mit denen anderer Zeitzeugen übereinstimmen. Diese Texte haben nicht den Anspruch Musikgeschichte zu schreiben, sondern den, persönliche Erinnerungen vor dem Vergessen zu bewahren. (Das Foto oben zeigt den Autor Ende der 70er Jahre.)

“Schnarräng!! – Da tönt ihm in das Ohr
Ein Bettelmusikantenchor.
Musik wird oft nicht schön gefunden,
Weil sie stets mit Geräusch verbunden.”
Wilhelm Busch: Der Maulwurf

1983. Wir sind zu dritt und haben ein Kunstkopf-Mikrofon und einen tragbaren Audio-Rekorder dabei. Irgendwo am Teltowkanal kennen wir einen Schrottplatz, der am Wochenende unbewacht ist. Herbert und ich sind nicht allein, Cordula ist auch dabei, glaube ich.
Damals hatte ja jeder eine Band, eine Kapelle, Combo oder wenigstens ein Musik-Projekt oder zwei. Besonders beliebt mit ungewöhnlichen Geräten zu musizieren. Zum Beispiel Presslufthämmer oder Seitenschneider. Wir benutzten gern Kaffeemaschinen, je verkalkter desto besser, oder Küchengeräte wie die Moulinette, für unsere Aufnahmen als “Cut-Up-Swingers”. Nicht fehlen durften martialische Metallteile als Percussion-Instrumente. Auf dem Schrottplatz machten wir mit Herberts kleinem Audiorekorder Aufnahmen. Den benutzte er sonst zum Mitschneiden von Konzerten. Wir kletterten also über einen Zaun, suchten uns geeignete Schrottteile und machten damit lauten, rhytmischen Lärm. Cordula hatte sich schon immer gefragt, wie ein Bagger klingt? Nun konnte sie es ausprobieren. Nach zehn oder zwölf Minuten, wir waren so richtig in Fahrt, mischte sich eine fremde Stimme in die Tonaufnahme, live! Sie brüllte:
“Watt soll’n ditte hier?”
Die Aggressivität der männlichen Stimme wurde durch das entgrenzte Kläffen eines Hundes unterstrichen.
“Wir machen Musik!”, brüllte ich zurück. Jetzt sahen wir den “Schrottplatz-Offiziellen” und einen riesigen Schäferhund-Rotti-Mischling. Beide waren fuchsteufelswild und der Mann schrie die folgenden, unsterblichen Sätze:
“Ach Musik! Ach Musik ist ditte! Macht mal ‘n langen Schuh, sonst jipps Keile!”
Wir beschlossen ohne weitere Diskussion der Aufforderung des Schrott-Wächters nachzukommen. Schnell packten wir Mikro und Rekorder zusammen, kletterten zurück und spätestens als wir auf unseren Fahrrädern saßen, konnten wir kaum noch die Balance halten vor lachen. Aus “lange Schuhe” wurde in der Erinnerung “schnelle Schuhe” und den “Ach Musik!” Audio-Clip bauten wir in einen Song ein. Wir benutzten ihn schließlich als Jingle bei unseren Veranstaltungen. Er wurde zum Markenzeichen und zum geflügelten Wort für alle Grenzwertigkeiten musikalischer Natur und an solchen waren die 1980er Jahre reich.

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Anfang 1979 sollten die “Sex-Pistols” in der Neuen Welt in der Hasenheide spielen. Neben “The Saints”, deren Stranded-Album ich ’78 als Cut-Corner kaufte, sind die Sex Pistols zwischen dem ganzen weichgespülten Chart- und und behämmerten Hard-Rock, ein Lichtblick. Leider fiel das Konzert aus, meine Karte gab ich zurück, denn inzwischen war Syd Vicious an einer Überdosis Heroin gestorben. Im Chelsea-Hotel in New York, in dem Apartment, in dem er nach Vermutung der Polizei seine Freundin Nancy Spungen erstach. Der Punk kam trotzdem nach West-Berlin und beendete kraftvoll die 70er Jahre, die ich, wenn zu ich einer royalen Familie gehören würde, als mein “Dezennium Horribilis” bezeichnen würde. Es war wirklich ein blödes Jahrzehnt, es baute sich auf der Asche der genialen 60er auf und bestand aus schlechter Musik, hässlicher Mode, dem “Deutschen Herbst” und Stillstand, sowie einem Strukturumbau, der die Grundlagen für den heutigen Turbo-Kapitalismus legte, aber das ahnte ich nur, damals. Umso bunter die Äußerlichkeiten wurden, desto grauer und gefühlskälter wurde die Gesellschaft innerlich. Die “Sexuelle Revolution” entpuppte sich als Erlaubnis Pornografie zu verkaufen und kaufen. Punk war der benötigte grobe Keil, um den 70er-Klotz zu zerhacken. Punk befriedigte den Wunsch der Jungen nach Authentizität, Lebensfreude und Gefühl. Endlich schaffte auch ich es aus meiner selbstgewählten “Splendid Isolation” und meinem Schweigen auszubrechen. Die Latte hing plötzlich so niedrig, dass in Grunde jeder sie überspringen konnte. Drei Akkorde reichten Musik zu machen und das Drei-Finger-Suchsystem reichte, um Autor zu werden. Ich war wieder im Geschäft, ohne Punk hätte man mich wahrscheinlich weitere zehn Jahre später vom Fußboden meiner Außenklo-Wohnung gekratzt.
Vor ein paar Jahren hatte mein alter Freund und Mitstreiter Hcl mal kommentiert, wir wären damals irgendwie alle Punks gewesen. Ich hatte mich distanziert, weil ich mich damals nie als Punk gefühlt habe. Ich war schon Mitte 20, für mich waren richtige Punks 15 oder allenfalls 17. Ich bewegte mich in der Punkszene, sie hat mich sehr beeinflusst, befreit und mir Perspektive gegeben, jenseits traditioneller politischer und künstlerischer Festgelegtheiten. Insofern war auch ich ein Punk.

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Performance zum Beginn des Orwell-Jahres am 1. Januar 1984.

Eigentlich hatte ich 1971 das Musizieren aufgegeben, mein Bass lehnte an der Wand und wurde nicht gespielt. Ich hatte als Kind und Jugendlicher viel ausprobiert und und immer wieder versucht den Traum zu verwirklichen, als Musiker auf der Bühne zu stehen und Erfolg zu haben. Mit 16 gab ich auf, ich hatte einfach nicht genügend Talent, fand ich. Aber zehn Jahre später glaubte ich an das Versprechen der Punkbewegung, jeder könne mit drei Akkorden erfolgreich sein. Im “Rock City Berlin” Handbuch 83/84 stehen hunderte Bands, die fantasievolle Namen wie Pille Palle und die Ötterpötter, Mekanik Destrüktiw Komandöh, Leningrad Sandwich oder Flucht nach vorn haben. Es war eine Gründerzeit. Also gründeten Herbert und ich, sofort, nachdem wir uns 1982 kennengelernt hatten, eine Band, die wir “Cut-Up-Swingers” nannten. Zum einen, weil wir mit der Cut-Up-Methode des Schriftstellers William S. Bouroughs arbeiteten, zum anderen spielte der Name auf die Feministin Valerie Solanas an, die S.C.U.M. gründete, die “Society for cutting up men”. Zunächst machten wir Klangkollagen, ich las gefundene Texte, zum Beispiel aus Pornoheften und wir mischten Geräusche und rhythmisches Kling Klong dazu. Es war ziemlich schrecklich, fand ich. Aber ich fand auch schrecklich, was Industrial Bands wie Throbbing Gristle oder SPK machten. Mein Musikgeschmack war im Grunde bescheiden, mit Bass und Schlagzeug, die richtig rockten, war ich meist zufrieden.

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Attraktiv&Preiswert ’84

“Split”, der Maler und Sänger der Band “La Loora”, charakterisierte Herbert und mich mit dem Satz:
“Der Eine sieht aus wie ein Hippie, ist aber keiner und der Andere sieht überhaupt nicht wie ein Hippie aus, war aber wahrscheinlich mal einer.”

In Wirklichkeit hatte der “Ach Musik”-Rufer auf dem Schrottplatz mit seinen Zweifeln nicht unrecht. Man konnte darüber streiten, ob wir wirklich Musik produzierten. In den Weiten des Internets gibt es Seiten, die jede noch so obskure Band aus den 80er Jahren in Schubladen einordnen. Kürzlich las ich für uns die Kategorie “Avantgarde/Junk Punk”, was gar nicht mal verkehrt ist. Tatsächlich machten die Cut-Up-Swingers eher Lärm als Musik, kunstvollen Lärm und schlichtesten Punk. Unsere Musik gemahnte mehr an David Peel, weniger an John Peel.

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War kein Hippie

Dann gründeten wir das Fanzine “Assasin” und Herbert zog in die Wohnung unter mir in der Rheinstraße. Von nun an war Herbert “Dr.Dr.Dr. Beinhardt Attraktiv” und ich war “Sherlock Preiswert” und langsam schufen wir einen fiktiven Kosmos um uns herum. Dazu gehörten Salzstangen und Pfefferminztee, sowie ein fiktives Detektivbüro, über das wir Hörspiele und später sogar Filme machten. Wir hatten Fans, Leser und Freunde, die Mitarbeiter wurden, als auch Mitarbeiter, die Freunde wurden. Cordula, Hcl, Calli, Bong Boeldicke und Andreas B. gehörten zum harten Kern. Mein Freund Rainer Jacob, der schon ein gefragter Art Director war, machte die Gestaltung und veredelte den Punkstil mit Art Deco und Anspielungen auf den deutschen, expressionistischen Film. Wir kollaborierten mit Bands wie Dreidimensional oder MDK und Künstlern wie Hapunkt Fix. Viele Fotostrecken entstanden, zum einen Bandfotos, zum anderen Street-Fashion-Aufnahmen. Wir hatten Kontakte ins In- und Ausland, tauschten Tapes und Fanzines und das alles ohne Computer und Internet. Unsere beiden kleinen Wohnungen in der Rheinstraße 14 wurden zu Redaktion, Studio, Konzerthalle und Treffpunkt der Subkultur.

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Assasin N°5

Als ich für diesen Text recherchierte, um die Lücken zu füllen, die runde 30 Jahre in mein Gedächtnis gerissen haben, stellte ich fest, wie unterschiedlich man sich erinnert.
Hcl glaubte sich dunkel zu erinnern, “Ach Musik” stamme von einem Prollnachbarn in der Rheinstraße. Dazu fiel mir nichts ein, erst als Herbert das Stichwort “Maserati” ins Spiel brachte, stieg das Bild dieses Nachbarn in mir hoch. Dünn, 1,90 groß, mit Vokuhila, war er wohl der Prototyp eines “Prollnachbarn”. In der Wohnung über mir, – ebenfalls 28 qm, zu heizen nur mit einem Allesbrenner, versehen mit Außenklo und einem Kaltwasserhahn in der Küche – hauste er mit Frau und einem Baby, sowie einem Yorkshire-Terrier. Das Geld, das er als Kohlentrimmer verdiente, steckte er wohl hauptsächlich in einen Maserati, den er liebevoll pflegte und an dem er jedes Wochenende unermüdlich herumschraubte. Abends widmete er sich seiner illegalen CB-Funkanlage, deren Booster so stark waren, dass ich ihn ständig in meiner Stereo-Anlage hörte.

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Rheinstraße 14 mit Leiser-Filiale und Maserati.

Ja, der Maserati-Mann war ein echtes West-Berliner Original, auch wenn einem seine Familie leid tun konnte, aber der Urheber von “Ach Musik” war er nicht. Wie Herbert konnte sich Cordula an unsere Aufnahmesession auf dem Schrottplatz am Teltowkanal erinnern.
Cordula: “Ich war dabei! Das ist wieder so’n Ding, wo dein Text mir zeigt, dass es wahr war, woran ich mich erinnere – kennst du das: manchmal sind solch ferne Erinnerungen irgendwie unwirklich, bis jemand auftaucht, der auch dabei war. Hab seitdem sogar selbst ein paar feine rostige Teile zu Hause, weil sie gut klingen und denke dabei auch manchmal an dieses erste Mal. Und ich warte bis heute vergebens auf das Konzert für 23 Kaffeemaschinen, war immer überzeugt, dass das ein Erfolg werden würde und dass das der eigentliche Zweck dieser Blubbergeräte ist!”

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Cut-Up-Swingers Bandfoto

Herbert und ich versuchten die Cut-Up-Swingers in Richtung Band zu entwickeln, aber ein Bandfoto mit Mirkotz von Dreidimensional und dem DJ RichArt blieb der einzige Abzug dieses Vorhabens. Allerdings spielte Mirko als einziger “richtiger Musiker” bei einigen unserer Aufnahmen.
Mehr als Rock’n’Roll lagen uns kopflastige Performances. Auch gern mit Kaffeemaschinen, ihr Sound war besser, je verkalkter sie waren. Am 1. Januar 1984 machten wir eine Performance in einer Galerie in der Körnerstraße, um den Beginn des Orwell-Jahrs zu feiern. Ich las Beunruhigendes aus der Springer-Presse vor, Herbert demonstrierte mit Styropor, wie man Abhörspezialisten fertigmacht und ein paar Kaffeemaschinen blubberten. Das Konzert für 23 dieser Warmgetränkeerzeuger wartet aber in der Tat noch auf seine Aufführung.
Wir veröffentlichten drei Tapes, Cover, Texte und natürlich Herberts schöne Klangkollagen lockten einige Käufer. Noch heute werden diese Tonträger im Internet gehandelt. Regelmäßig plünderten wir die Altpapierstapel der Nachbarschaft um stets genug Lesestoff und Anregungen für ünsere Veröffentlichungen zu haben. Einmal im Monat holten wir Altpapier vor dem Wohnhaus von Barry Graves ab. Graves war damals als Radio-D.J. und Rockjournalist eine feste Größe und lebte zeitweise in New York. TimeOut, New Yorker und Billboard erweiterten unseren Horizont. Auch die Idee für unser Tape “Sex By Phone” stammte aus dieser Quelle. Bevor Graves 1994 an HIV starb, war er der Erste, der in seinen Sendungen eine neue Musik, namens Tekkno präsentierte.

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Kannibal mit Graf Haufen

1984 veranstalteten Herbert und ich “Kannibal in Berlin”, eine Art Anti-Karneval in unseren beschränkten Räumlichkeiten in der Rheinstraße. Dazu nutzten wir auch die Flachdächer vor Herberts Wohnung. Es wurde eine ziemlich rauschende Party, in der Woche danach drohte uns der Vermieter mit Kündigung. Die blieb uns erspart, wahrscheinlich weil kein Nachmieter zu finden gewesen wäre und wir zahlten unsere Miete immerhin pünktlich. Danach sprach uns Gudrun Gut an, die mit “Sleep” eine unvollständige Bestandsaufnahme der Berliner Punk- und Industrial-Szene plante. Wir beteiligten uns mit “Üxxan Kcüruk”, eine Art “Neubauten-Parodie” und persönliche Verarschung von Blixa Bargeld. Eigentlich mochten ich die Neubauten ganz gern, Herbert war sogar ein echter Fan, aber ich hatte mich über Blixa geärgert. Seit fast zwei Jahren rannte ich ihm hinterher und bat ihn um ein Exklusiv-Interview. Diverse Male sprach ich ihn an und wurde vertröstet, während er zum gefragten Interviewpartner von Mainstream-Medien wurde. Ich schrieb eine böse Glosse über ihn im Assasin und erfand dafür eigens eine neue Rubrik, die “Denu”, eine Abkürzung von Denunziation, ganz im Stil unserer “Abschusslisten”-Satire. Nicht zufällig gehörte Christian Y. Schmidt, der damals das geniale Dreck-Magazin machte und später acht Jahre bei “Titanic” Endzeitsatire betrieb, zu den größten Assasin-Fans. Unter anderem veröffentlichten wir Blixas bürgerlichen Namen, Christian Emmerich, worüber der Sänger “not amused” war, wie wir hörten.
Das Stück für Gudruns Sleepsampler hieß ursprünglich “Zurück Christian”, aber wir verschlüsselten es, in dem wir den Titel rückwärts schrieben: “Naitsirhc Kcüruz”. Aber “Naitsirhc” schien uns zuwenig kommerzielles Potential zuhaben, so machten wir “Üxxan Kcüruz” daraus. (Nait Sir H.C. wäre auch nicht schlecht gewesen) In den Independent-Charts des Musikexpress erschien der Kassettensampler auf Platz 8, wir waren stolz auf unseren, eigentlich mehr symbolischen Erfolg. Durch ein redaktionelles Missgeschick gibt keine neuen Indie-Charts für den folgenden Monat, deshalb wurde die alte Statistik noch einmal abgedruckt: Wir waren sogar zwei Monate auf Platz acht der deutschen Indie-Charts. Kicher.

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Street-Fashion.

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La Loora mit Sänger Split (li.)

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Der früh verstorbene Künstler Hapunkt Fix 1983. http://www.tagesspiegel.de/berlin/geb-1964/374662.html

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Attraktiv&Preiswert ’94

Mitte der 80er Jahre konnten wir uns das Verlustgeschäft von Fanzine und Band nicht mehr leisten. Außerdem wurde die Szene langweilig und wir wollten nicht auch anfangen, uns selbst zu kopieren, wie soviele Andere. Ich suchte mir einen richtigen Job, gründete eine Familie und Herbert machte das Abi nach. ’86 und ’87 machten wir noch eine Reihe Videos/Fernsehsendungen nebenbei, es war toll dieses für uns völlig neue Medium auszuprobieren, dann reichte die Zeit auch für dafür nicht mehr. Über meinen Lebensweg habe genug geschrieben, Herbert studierte, wurde Diplom-Dokumentar. Er hatte ja seine Leidenschaft für Hörspiel schon lange gepflegt und eine Datei aller deutschsprachigen Hörspiele aufgebaut: “Hördat”*. Seine Diplomarbeit behandelte den Aufbau des digitalen Foto-Archivs zur Stalinallee. Inzwischen arbeitet er seit vielen Jahren in Bereich der Gesundheitsforschung. Als ich im Sommer 2014 nach ihm googelte, stellte ich überrascht fest, dass er schon 2011 für den Aufbau der Hörspiel-Webseite die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland überreicht bekam. Überreicht wurde ihm das “Bundesverdienstkreuz” von André Schmitz, die Urkunde unterschrieb der “Präsi-Punk” Christian Wulff. Herbert hat es mir nichts von seinem Orden erzählt, wahrscheinlich hat er es niemandem erzählt und er wird auch nicht begeistert sein, das ich darüber schreibe. Es ist ihm peinlich, er ist ein sehr bescheidener Mensch.
Seine Soziophobie ist nicht besser geworden, meine eigene doch etwas, wir sehen ein paarmal im Jahr und haben uns vorgenommen, bei Gelegenheit mal einen Remix von “Ach Musik” zu machen und vielleicht ein Hörspiel. Im Endeffekt zählt das, was du als nächstes machst. Das habe ich auch aus der Punkzeit mitgenommen.

In Anhang gibt es einen Link zu “Üxxan Kcüruz”, wer davon noch nicht abgeschreckt ist, findet mehr Töne von den Cut-Up-Swingers auf der Tape-Attack Seite.

*Hördat:

http://www.hördat.de/
http://de.wikipedia.org/wiki/H%C3%B6rDat

Barry Graves: http://de.wikipedia.org/wiki/Barry_Graves

Cut-Up-Swingers:

 

Berlinische Räume – „Schöneberg Revisited“ / Eine Spurensuche

Café Mitropa

 

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Metropol

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Vinylkultstätte

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Das ehemalige Café Central (Foto oben: Knut Sehrgut) und Café Swing ist heute eine Apotheke und sieht ziemlich trist aus.

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22.9. 1981: “In der Nähe vom Café Berio hatte Getränke Hoffmann eine Filiale, die Schaufensterscheibe war bis auf wenige kleine Splitter, die noch im Rahmen steckten, am Boden verteilt und ein ständiger Strom von plündernden Menschen passierte das nun offene Schaufenster. Ich blieb fasziniert stehen und beobachtete das Geschehen. Obwohl ich nicht vorhatte zu klauen, betrat ich den Laden, nur um zu wissen, wie sich das anfühlte.” http://wp.me/p3UMZB-1ii

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Café Berio

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Slumberland

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Winterfeldtmarkt

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Rani

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1983 kamen wir auf die Idee, jeden Dienstag im Mitropa Karten zu spielen. Das Spiel hieß Binokel und wir wurden ziemlich schief angeguckt. Gesellschaftsspiele waren sowas von uncool und dann auch noch Karten! Dazu tranken wir Weizenbier, was auch verpönt war. Heute ist “kiffen” untersagt.

Unten: Mitropa-Anzeige aus Assasin, 1983.

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Deko Behrendt

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Bowie-Haus

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Stadtbad

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Als in der Nacht zum 5. April 1986 im La Belle in der Hauptstraße 78 eine Bombe explodierte und drei Menschen tötete, schlief ich 500 Meter weiter in meiner Ein-Zimmer-Wohnung in der Rheinstraße 14. Obwohl man als Berliner immer einer theoretischen Gefahr ausgesetzt war, ist der Terror selten so nahe gekommen. Die Visitenkarte drückte mir, Wochen vorher, eine hübsche junge Dame vor dem Forum Steglitz in die Hand.

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Von unserem alten Domizil (oben) mit dem idyllischen Hof hinter der Leiserfiliale, Rheinstraße 14, ist nichts mehr zu finden. Nur ein seelenloser Neubau steht an seiner Stelle.

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Von 1977 bis 1986 wohnte oder arbeitete ich dort. Anfang der 80er zog Herbert ein und das Gebäude wurde Redaktionssitz des Assasin. Am 10. Juli 1986 feierten wir noch meine Hochzeit auf dem Hof, wenig später wurde alles abgerissen.

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So begann es: – Der Laden, in dem ich jobbte war neben einer Leiser-Schuh-Filiale und das ganze Haus gehörte Leiser. Irgendwann als ich Müll rausbrachte, fiel mir auf, dass es einen Seitenflügel gab, in dem drei Einzimmer-Wohnungen untergebracht waren. Der Seitenflügel machte einen irgendwie prekären Eindruck, man hatte ihn nachträglich an die Brandmauer geklatscht, um etwas billigen Wohnraum zu schaffen, wahrscheinlich in der ersten Hälfte des 20sten Jahrhunderts. Ich guckte mir auch den Hof genauer an, um den herum Leiser seine Lagerräume hatte. Der Hof, den offensichtlich niemand nutzte, war etwas 6 mal 30 Meter groß, den Abschluss bildete eine Terrasse, die von einem Mäuerchen zum Nebengrundstück begrenzt wurde. Eine Kastanie spendete Schatten gab dem Hof einen grünen Tupfer. Im Sommer könnte man hier bestimmt schöne Wochenenden verbringen.

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Mir war klar, das die Wohnungen keinerlei Komfort boten, vielleicht war es sogar das Prekäre, das mir zusagte, mir förmlich zuflüsterte, hier wäre ein absolut passender Ort zum Leben für mich. Innerhalb von 48 Stunden mietete ich eine der Wohnungen, meine Chefin legte ein gutes Wort für mich ein, und ich zog mit meinen wenigen Sachen von der Knesebeckstraße in die Rheinstraße um. Am Anfang zahlte ich für 28qm weniger als 40 D-Mark Miete. Es war geradezu eine Einladung mich kreativ auszutoben, ohne auf die Lukrativität meiner Projekte zu achten. –

2015-11-16-0001 (3) Der Maler Stefan Hoenerloh beim Klettern.

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Das Shizzo heute und damals. Das Foto unten stammt von dieser schönen Website: http://shizzo-berlin1980.de/

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Kaisereiche.

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Sparkassen-Kunst

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MusicHall

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“Die Goldenen Vampire” in der Hall.

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Bewegungsmelder Kluge.

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Berlin Typography

Text and the City // Buchstaben und die Stadt

Der ganz normale Wahnsinn

Das Leben und was uns sonst noch so passiert

500 Wörter die Woche

500 Wörter, jede Woche. (Nur solange der Vorrat reicht)

Licht ist mehr als Farbe.

(Kurt Kluge - "Der Herr Kortüm")

Eddie Two Hawks

Plant the seeds of peace within yourself, watch them grow in the world

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