Tag Archive | Unter den Linden

Lost and Found-Marathon 9: „Brandenburger Tor & Unter den Linden“ / 1936 – heute

1237122_3260503167599_438497819_n (3)

Oben: Behrenstraße Ecke Unter den Linden beim Mussolini-Besuch 1938. Am Rande der Protokollstrecke besprechen sich Berliner Polizisten mit italienischen Faschisten (Schwarzhemden: Offiziell formierten sich die Schwarzhemden von 1919 bis 1923 als Squadristen (italienisch: squadristi), danach von 1923 bis 1943 als faschistische Miliz. ). Das Volk steht brav hinter einer unsichtbaren Markierung und darf zusehen. Unten: Heute fand ich Radfahrer an dieser Ecke, die brav auf grünes Licht warteten.

DSCN0521 (2)

531ce0dda87652f551201e6455d2ccf5

2016-03-04-0003 (2)

DSCN0526 (2)

In diesem Beitrag habe ich hauptsächlich Fotos von meinem Großonkel Paul Springer als Vor-Bilder für meine Spurensuche verwendet. Paul, ein Amateur-Fotograf und Polizeioffizier, hat in den Jahren 1936 bis 38 die historische Mitte Berlins aufgenommen. Die Bilder zeigen das Brandenburger Tor, unter anderem während des Mussolini-Besuchs im Jahre 1938 und die Straße “Unter den Linden”.. Die tragische Geschichte von Onkel Paul, der sich am 1. Mai 1946 suizidierte, erzähle ich hier:

http://wp.me/p3UMZB-1dl

IMG_20130902_0005 (2)

Am Pariser Platz wurde 1938, zum Mussolini-Besuch, neben den obligatorischen Hakenkreuzfahnen ein Pylon in italienischen Farben aufgestellt. Der Duce sollte sich geehrt fühlen, aber nicht vergessen, wer der “Herr im Haus” war. Heute ist dieser Teil des Platzes (vor dem Palais Beauvryé, Pariser Platz 5, seit 1835 Sitz der Französischen Botschaft) aus Sicherheitsgründen abgesperrt.

DSCN0523 (2)

2015-10-18-0006 (3)

1938 berichtet die Zeitung über den Bau der “Ost-West-Achse”, heute “Straße des 17. Juni”. Die Straße gibt es schon seit 1697, als die “Charlottenburger Chaussee” als Verbindung zwischen Stadtschloss und “Lietzenburg”, heute “Schloss Charlottenburg”, angelegt wurde. Im Zuge des Konzeptes für den von Adolf Hitler und Albert Speer geplanten Umbau Berlins zur “Welthauptstadt Germania” wurde sie auf die heutige Breite von 85 Metern erweitert. Als ich jetzt Fotos machte, demonstrierten Bauern gegen den niedrigen Milchpreis.

2015-10-18-0008 (2)

DSCN0535 (2)

DSCN0537 (2)

2016-05-14-0004 (3)

IMG_20140227_0014

Zu Weihnachten 1938 fotografiert Onkel Paul seinen Kollegen vor dem Tor.

2016-05-30-0001 (2)

52 Jahre später, am Neujahrstag 1990 genießen meine Tochter und ich die, 28 Jahre abwesende, Freiheit am Tor. Heute lauscht eine müde Schülergruppe den Ausführungen ihrer Lehrerin.

DSCN0532 (2)

DSCN0530 (2)

IMG_20130930_0010

Während der Olympischen Spiele 1936 fotografiert Paul meine Mutter, die junge Frau mit dunkler Jacke, die den Fotografen ansieht. Die Hauptstadt des Nazireichs präsentiert sich “weltoffen”. Nichtdestotrotz sind die Linden mit unzähligen Hakenkreuzfahnen ausstaffiert. 2016 ist fast die gesamte Mittelpromenade durch Baustellen besetzt. Touristen suchen hier vergebens Fotomotive.

DSCN0546 (2)

Ausnahmsweise bietet hier eine Baustelle ein lohnendes Motiv (unten). Die wegen Umbau geschlossene Staatsoper wirbt mit einem Plakat für “DORT.”, das Ausweichquartier der Bühne im Westteil der Stadt, das Schillertheater.

DSCN0553 (2)

2016-01-15-0004 (2)

1938 lichtet Paul meine Mutter und sich selbst mit Selbstauslöser vor der “Friedrich-Wilhelms-Universität” ab. Seit 1949 heißt sie “Humboldt-Universität”.

DSCN0550 (2)

img_20130824_0012 (2)

Paul Springer und seine Frau Charlotte vor dem Berliner Dom 1938.

M.K.

Berlinische Leben – „Cola und Hakenkreuze – Das Nazi-Sommermärchen“ / Die Olympischen Spiele 1936

Foto: Meine Großmutter unterhalb der sogannten “Führerloge” während der Spiele 1936.

„Ein Regime, das sich stützt auf Zwangsarbeit und Massenversklavung; ein Regime, das den Krieg vorbereitet und nur durch verlogene Propaganda existiert, wie soll ein solches Regime den friedlichen Sport und freiheitlichen Sportler respektieren? Glauben Sie mir, diejenigen der internationalen Sportler, die nach Berlin gehen, werden dort nichts anderes sein als Gladiatoren, Gefangene und Spaßmacher eines Diktators, der sich bereits als Herr dieser Welt fühlt.“

– Heinrich Mann: Konferenz zur Verteidigung der Olympischen Idee am 6. und 7. Juni 1936 in Paris

11354985_10153081993932982_1447647445_n

Wie jedes Märchen ist auch die Darstellung der Olympischen Spiele 1936 durch die Nazi-Propaganda eine erfundene Geschichte. Nichts hat die scheinbare Weltoffenheit dieser Tage mit der Realität im Lande zu tun. Terror, Rassismus und Raffgier werden von heiter-sommerlichen Spielen übertönt.

Im Sommer 1936 nutzt das Nazi-Regime die Olympischen Sommerspiele in Berlin erfolgreich als Propaganda-Forum, um sich im Ausland positiv darzustellen. Es funktioniert. Auch meine Mutter Käte, sie ist 13, ist begeistert von der ungewohnt kosmopolitischen Athmosphäre auf den Straßen und den Sportlern aus aller Welt. Besonders beeindruckt sie die Athletik und Schönheit schwarzer Olympioniken wie Jesse Owens. Nie vorher hat sie selbst dunkelhäutige Menschen gesehen. Als Kind von der rassistischen Propaganda beeinflusst, hatte sie sich als primitive Wilde vorgestellt, die im Baströckchen Stammestänze aufführen. Auf dem Kudamm wird Coca-Cola gratis ausgeschenkt, es ist die erste und letzte, die meine Mutter trinkt. Erst nach dem Ende des Krieges bringen die US-Alliierten die Limonade wieder mit. In Nazi-Deutschland gibt es zwar Coca-Cola, doch ist sie noch ein Luxus-Genussmittel, das sich die Familie eines BVG-Schaffners nicht leisten kann.

Kätes Onkel Paul, der Polizei-Offizier und Hobby-Fotograf ist, besorgt Eintrittskarten für die ganze Familie. Ausgerechnet meine Oma, die die Nazis hasst und die sich mehr als einmal durch kritische Äußerungen in Gefahr bringt, fotografiert er direkt unter der „Führer-Loge“ (siehe Foto oben). Käte lichtet er Unter den Linden ab, die 13-jährige wirkt älter, gegen den Strom stehend schaut sie entschlossen in die Kamera. Pauls Frau Charlotte posiert vor einer, von der Propaganda „Altar“ genannten, Feuerschale vor dem Stadtschloss.

11418601_10153081993887982_2093362709_n

Überhaupt legt das Regime viel Wert auf Schmuck, überall wogen riesige Fahnenmeere, zwischen denen die Hakenkreuzflaggen kaum auffallen. Zum ersten Mal gibt es einen Fackellauf, die Idee stammt vom Sportfunktionär Carl Diem. Diem zieht gern Parallelen zwischen sportlichem und kriegerischem Kampf und verwies auf den Nutzen des Sports für die Heranbildung künftiger Soldaten. Die Olympischen Spiele waren außerdem ein willkommener Anlass, die von der NS-Ideologie geforderte körperliche Ertüchtigung, das „heranzüchten kerngesunder Körper“ für einen gesunden „Volkskörper“ im Hinblick auf Wehrertüchtigung und Einsatz im Krieg, auf breiter Basis zu propagieren und auch in die Tat umzusetzen. Daneben schätzt man auch ideelles Pathos, wie die Olmpiahymne zeigt:

„Wie nun alle Herzen schlagen in erhobenem Verein,
soll in Taten und in Sagen Eidestreu das Höchste sein.
Freudvoll sollen Meister siegen, Siegesfest Olympia!
Freude sei noch im Erliegen, Friedensfest: Olympia.
Freudvoll sollen Meister siegen, Siegesfest Olympia!
Olympia! Olympia! Olympia!“

10728615_10153081993942982_1060171122_n

Straßenschmuck Unter den Linden

449px-Bundesarchiv_B_145_Bild-P016311,_Berlin,_OlympiaglockeOlympiaglocke

11422693_10153081993892982_1332758993_nDampferfahrt

11328939_10153081993862982_1826156199_n

Polizei Unter den Linden und unten vor “Altar”.

2016-02-25-0001 (6)

11297642_10153081993817982_543998942_n

Mehr Polizei mit “Grüner Minna”

2016-07-04-0003 (2)

Der Reisepass von Paul und Charlotte.

11420056_10153081993762982_1223139744_nNeptun-Brunnen vor den Stadtschloss

Heinrich Mann ist bei weitem nicht der Einzige, der einen Boykott der Spiele forderte. Besonders in den USA, wo man die Verfolgung der deutschen Juden mit viel Sorge sieht, fällt die Entscheidung, doch nach Berlin zu fahren, nur knapp aus. Schließlich ist die Sowjet-Union das einzige Land, das boykottiert und das Kalkül der braunen Herren geht auf. Sie haben drei weitere Jahre Zeit, vom Ausland unbehelligt,Verbrechen zu begehen und einen beispiellosen Angriffskrieg vorzubereiten.

Noch heute heißt das im Stil des Nationalsozialismus gebaute Stadion, wie selbstverständlich, Olympiastadion. Der Autor und Schauspieler Hanns Zischler macht in seinem 2013 erschienenen Buch “Berlin ist zu groß für Berlin” einen interessanten Vorschlag. Warum sollte man die Sportstätte nicht in “Jesse-Owens-Stadion” umbenennen?*

M.K.

*taz-Artikel zu Hans Zischlers Vorschlag:

http://www.taz.de/1/berlin/tazplan-kultur/artikel/?dig=2013%2F03%2F16%2Fa0246&cHash=e93e807698bd3532ff021214a721193b

Foto Olympiaglocke: Bundesarchiv Koblenz ©Creative Commons

Alle anderen Fotos: Paul Springer ©M.Kluge, Nachdruck mit Quellenangabe.

 

„Zeitsprünge” / Die Splitscreens aus „Lost and Found” / Berlin 1937 bis heute

Die Splitscreen-Collagen entstanden, weil ich Vorschaubilder benötigte, die in einem Rahmen mindestens ein altes und ein neues Foto vom gleichen Motiv zeigten. So konnte ich mein Vorher/Nachher-Konzept für die “Lost and Found”-Serie auf Facebook bewerben, ohne lange Worte machen zu müssen. Ich fand die Bildbearbeitungsseite Fotor und sammelte die Splitscreens in meinem Pinterest-Account. Inzwischen sind ca. 40 Collagen fertig und hier habe die schönsten 22 ausgesucht. Dazu findet Ihr Links für die Fotostrecken, auf denen die Originale gezeigt werden.

bdb1a07d18d9532cd1a412b7a51712d8

Oben und unten ff: „West-Berlin Revisited“ / Wilmersdorf Teil 1: Preußenpark, Fehrbelliner- und Hohenzollern-Platz: http://wp.me/p3UMZB-1Af

5ee8261bf5b3dcdd7aa39abba2a1a88e

c98a953e309617dc58f8ca64483a3244

6b7741212976a7f8363a77b9e7977783

a85878dc24122b5e6b8ac9835eee3a1e

7e0439a3a859929fb45860277b363502

f3f0368cab8844ebad822209dc8c66cd

Oben: Bleibtreustraße, unten: „EVA-Lichtspiele, Monheim, Karstadt “ / Wilmersdorf Teil 3 / Berlin – Lost and Found: http://wp.me/p3UMZB-1Cm

b49386654fa64684a44242ca71132a7f

217b7d9b2ecbf5511e0f138829660ff5

Oben: Wilmersdorfer Ecke Kanststraße, unten: Nassauische Straße, ehemaliges Flöz bzw. Black Korner.

6c92023da7581fc496528caa1a627546

e393c2085129be1a57b3cc528047f2cc

Oben: Steinplatz aus: http://wp.me/p3UMZB-1uU, unten: Joachimsthaler Straße aus: http://wp.me/p3UMZB-1zw

77c374e763f866291f564a68a3b74b42

b4dda749972529eaf7724b045e67f717

Oben und unten 1, 2 aus: http://wp.me/p3UMZB-1CR

fbd67376e8dc9b12f21ade19d926bccc

3bd63bb69d50f785606398fbd19ab9af

4d372cd21c4423f7fcddc1c6bc375d73

Unten: aus: http://wp.me/p3UMZB-1Fx

531ce0dda87652f551201e6455d2ccf5

2096b1e0846f97303fdb67a41626e211

620e039fabd4564396ca22ba03682868

Oben und unten 1, 2 aus: http://wp.me/p3UMZB-1FQ

1da3f36c6efb59b01aec3abfeef5b291

ac19647f7f784fa23ad4234d171ea27e


Fotografen: Rainer Jacob, Helmut Kluge, Günter Jacob, Corneia Grosch und Marcus Kluge.

Lost and Found: „Brandenburger Tor & Unter den Linden“ / 1936 – heute

2016-03-04-0003 (2)

DSCN0526 (2)

In diesem Beitrag habe ich hauptsächlich Fotos von meinem Großonkel Paul Springer als Vor-Bilder für meine Spurensuche verwendet. Paul, ein Amateur-Fotograf und Polizeioffizier, hat in den Jahren 1936 bis 38 die historische Mitte Berlins aufgenommen. Die Bilder zeigen das Brandenburger Tor, unter anderem während des Mussolini-Besuchs im Jahre 1938 und die Straße “Unter den Linden”.. Die tragische Geschichte von Onkel Paul, der sich am 1. Mai 1946 suizidierte, erzähle ich hier:

http://wp.me/p3UMZB-1dl

IMG_20130902_0005 (2)

Am Pariser Platz wurde 1938, zum Mussolini-Besuch, neben den obligatorischen Hakenkreuzfahnen ein Pylon in italienischen Farben aufgestellt. Der Duce sollte sich geehrt fühlen, aber nicht vergessen, wer der “Herr im Haus” war. Heute ist dieser Teil des Platzes (vor dem Palais Beauvryé, Pariser Platz 5, seit 1835 Sitz der Französischen Botschaft) aus Sicherheitsgründen abgesperrt.

DSCN0523 (2)

1237122_3260503167599_438497819_n (3)

Behrenstraße Ecke Unter den Linden. Am Rande der Protokollstrecke besprechen sich Berliner Polizisten mit italienischen Faschisten (Schwarzhemden: Offiziell formierten sich die Schwarzhemden von 1919 bis 1923 als Squadristen (italienisch: squadristi), danach von 1923 bis 1943 als faschistische Miliz. ). Das Volk steht brav hinter einer unsichtbaren Markierung und darf zusehen. Heute fand ich Radfahrer an dieser Ecke, die brav auf grünes Licht warteten.

DSCN0521 (2)

2015-10-18-0006 (3)

1938 berichtet die Zeitung über den Bau der “Ost-West-Achse”, heute “Straße des 17. Juni”. Die Straße gibt es schon seit 1697, als die “Charlottenburger Chaussee” als Verbindung zwischen Stadtschloss und “Lietzenburg”, heute “Schloss Charlottenburg”, angelegt wurde. Im Zuge des Konzeptes für den von Adolf Hitler und Albert Speer geplanten Umbau Berlins zur “Welthauptstadt Germania” wurde sie auf die heutige Breite von 85 Metern erweitert. Als ich jetzt Fotos machte, demonstrierten Bauern gegen den niedrigen Milchpreis.

2015-10-18-0008 (2)

DSCN0535 (2)

DSCN0537 (2)

2016-05-14-0004 (3)

IMG_20140227_0014

Zu Weihnachten 1938 fotografiert Onkel Paul seinen Kollegen vor dem Tor.

2016-05-30-0001 (2)

52 Jahre später, am Neujahrstag 1990 genießen meine Tochter und ich die, 28 Jahre abwesende, Freiheit am Tor. Heute lauscht eine müde Schülergruppe den Ausführungen ihrer Lehrerin.

DSCN0532 (2)

DSCN0530 (2)

IMG_20130930_0010

Während der Olympischen Spiele 1936 fotografiert Paul meine Mutter, die junge Frau mit dunkler Jacke, die den Fotografen ansieht. Die Hauptstadt des Nazireichs präsentiert sich “weltoffen”. Nichtdestotrotz sind die Linden mit unzähligen Hakenkreuzfahnen ausstaffiert. 2016 ist fast die gesamte Mittelpromenade durch Baustellen besetzt. Touristen suchen hier vergebens Fotomotive.

DSCN0546 (2)

Ausnahmsweise bietet hier eine Baustelle ein lohnendes Motiv (unten). Die wegen Umbau geschlossene Staatsoper wirbt mit einem Plakat für “DORT.”, das Ausweichquartier der Bühne im Westteil der Stadt, das Schillertheater.

DSCN0553 (2)

2016-01-15-0004 (2)

1938 lichtet Paul meine Mutter und sich selbst mit Selbstauslöser vor der “Friedrich-Wilhelms-Universität” ab. Seit 1949 heißt sie “Humboldt-Universität”.

DSCN0550 (2)

img_20130824_0012 (2)

Paul Springer und seine Frau Charlotte vor dem Berliner Dom 1938.

M.K.


Wird fortgesetzt.

Die Geschichte von Paul und Charlotte: http://wp.me/p3UMZB-1dl

Familienportrait – “In Germany Before the War – Part 2” / Black and white photographs from the 1930s

Golden wedding of my great-grandparents 1937

All photographs have been taken between 1935 and 1938. They show a country in a state of common mobilisation. Uniforms, parades and marching-tunes seemed to be an everyday occurrence. In private we see people engaged in peaceful doings, when the terror of the nazis was already obvious for everybody.

My great-aunt Lotte was married to the police-officer Paul Springer. He was an amateur fotographer who focused on his fellow policemen, his family, Berlin and the countyside, namely Bad Liebenwerda, a small town on the prussian border to saxony where Tante Lotte was born. I inherited an album of his pictures, the quality and the freshness of the prints is amazing. Many of the small 5 by 10 cm photographs were destroyed by uncle Paul in the last days of the war. The russian troops were notorious for shooting people on which they found pictures of swastikas or the “Führer”.

After the war uncle Paul was chosen to build a new Berlin police-force because he was no outspoken nazi and no member of the NSDAP. On may 1st 1946 he committed suicide by laying himself on the tracks of the Heidekrautbahn near Berlin. It remained unclear whether he did it because of crimes he committed during the Third Reich, or because of his severe head injury after a bomb explosion a few weeks before his death.

2016-01-15-0005 (3)

Japanese marines parading Unter den Linden

2016-01-15-0005 (4)

2016-01-15-0004 (2)

In front of the Humboldt-University

2016-02-25-0013 (2)

Raceground Hoppegarten

img_20130713_0007

Day of school enrollment

2016-02-25-0014 (2)

Collecting money for the nazis

2016-02-25-0016 (2)

Neptun fountain in front of the Stadtschloss

2016-02-25-0010 (4)

The photographer himself

2016-02-25-0015 (4)

Policemen in historic uniforms in front of a Mercedes-Benz “Grüne Minna”, the german equivalent to a “Black Maria” or a “Paddy Wagon”

2016-02-25-0015 (2)

Olympic fire at the Stadtschloss

2016-02-25-0015 (3)

Ladies with dog in the countryside

2016-02-25-0004 (4)

Changing of the guards in front of Schinkels Neue Wache. The Nazis renamed it to “Ehrenmal”, as a memorial for their “martyers”.

img_20141230_00071

Brandenburg Gate on christmas 1937

2016-02-12-0001 (2)

Girls school

All photographs by Paul Springer

In Germany Before the War – Part One:

http://wp.me/p3UMZB-1pK

The Story of Paul Springer in german:

https://marcuskluge.wordpress.com/2013/09/30/familienportrait-tante-lotte-und-onkel-paul-ein-preuse-polizist-fotograf-und-sein-tragisches-ende-1933-46/

Berlinische Leben – „Cola und Hakenkreuze – Das Nazi-Sommermärchen“ / Die Olympischen Spiele 1936

Foto: Meine Großmutter unterhalb der sogannten “Führerloge” während der Spiele 1936.

„Ein Regime, das sich stützt auf Zwangsarbeit und Massenversklavung; ein Regime, das den Krieg vorbereitet und nur durch verlogene Propaganda existiert, wie soll ein solches Regime den friedlichen Sport und freiheitlichen Sportler respektieren? Glauben Sie mir, diejenigen der internationalen Sportler, die nach Berlin gehen, werden dort nichts anderes sein als Gladiatoren, Gefangene und Spaßmacher eines Diktators, der sich bereits als Herr dieser Welt fühlt.“

– Heinrich Mann: Konferenz zur Verteidigung der Olympischen Idee am 6. und 7. Juni 1936 in Paris

11354985_10153081993932982_1447647445_n

Wie jedes Märchen ist auch die Darstellung der Olympischen Spiele 1936 durch die Nazi-Propaganda eine erfundene Geschichte. Nichts hat die scheinbare Weltoffenheit dieser Tage mit der Realität im Lande zu tun. Terror, Rassismus und Raffgier werden von heiter-sommerlichen Spielen übertönt.

Im Sommer 1936 nutzt das Nazi-Regime die Olympischen Sommerspiele in Berlin erfolgreich als Propaganda-Forum, um sich im Ausland positiv darzustellen. Es funktioniert. Auch meine Mutter Käte, sie ist 13, ist begeistert von der ungewohnt kosmopolitischen Athmosphäre auf den Straßen und den Sportlern aus aller Welt. Besonders beeindruckt sie die Athletik und Schönheit schwarzer Olympioniken wie Jesse Owens. Nie vorher hat sie selbst dunkelhäutige Menschen gesehen. Als Kind von der rassistischen Propaganda beeinflusst, hatte sie sich als primitive Wilde vorgestellt, die im Baströckchen Stammestänze aufführen. Auf dem Kudamm wird Coca-Cola gratis ausgeschenkt, es ist die erste und letzte, die meine Mutter trinkt. Erst nach dem Ende des Krieges bringen die US-Alliierten die Limonade wieder mit. In Nazi-Deutschland gibt es zwar Coca-Cola, doch ist sie noch ein Luxus-Genussmittel, das sich die Familie eines BVG-Schaffners nicht leisten kann.

Kätes Onkel Paul, der Polizei-Offizier und Hobby-Fotograf ist, besorgt Eintrittskarten für die ganze Familie. Ausgerechnet meine Oma, die die Nazis hasst und die sich mehr als einmal durch kritische Äußerungen in Gefahr bringt, fotografiert er direkt unter der „Führer-Loge“ (siehe Foto oben). Käte lichtet er Unter den Linden ab, die 13-jährige wirkt älter, gegen den Strom stehend schaut sie entschlossen in die Kamera. Pauls Frau Charlotte posiert vor einer, von der Propaganda „Altar“ genannten, Feuerschale vor dem Stadtschloss.

11418601_10153081993887982_2093362709_n

Überhaupt legt das Regime viel Wert auf Schmuck, überall wogen riesige Fahnenmeere, zwischen denen die Hakenkreuzflaggen kaum auffallen. Zum ersten Mal gibt es einen Fackellauf, die Idee stammt vom Sportfunktionär Carl Diem. Diem zieht gern Parallelen zwischen sportlichem und kriegerischem Kampf und verwies auf den Nutzen des Sports für die Heranbildung künftiger Soldaten. Die Olympischen Spiele waren außerdem ein willkommener Anlass, die von der NS-Ideologie geforderte körperliche Ertüchtigung, das „heranzüchten kerngesunder Körper“ für einen gesunden „Volkskörper“ im Hinblick auf Wehrertüchtigung und Einsatz im Krieg, auf breiter Basis zu propagieren und auch in die Tat umzusetzen. Daneben schätzt man auch ideelles Pathos, wie die Olmpiahymne zeigt:

„Wie nun alle Herzen schlagen in erhobenem Verein,
soll in Taten und in Sagen Eidestreu das Höchste sein.
Freudvoll sollen Meister siegen, Siegesfest Olympia!
Freude sei noch im Erliegen, Friedensfest: Olympia.
Freudvoll sollen Meister siegen, Siegesfest Olympia!
Olympia! Olympia! Olympia!“

10728615_10153081993942982_1060171122_n

Straßenschmuck Unter den Linden

449px-Bundesarchiv_B_145_Bild-P016311,_Berlin,_OlympiaglockeOlympiaglocke

11422693_10153081993892982_1332758993_nDampferfahrt

11328939_10153081993862982_1826156199_nPolizei Unter den Linden

11297642_10153081993817982_543998942_n

Mehr Polizei mit “Grüner Minna”

2016-07-04-0003 (2)

Der Reisepass von Paul und Charlotte.

11420056_10153081993762982_1223139744_nNeptun-Brunnen vor den Stadtschloss

Heinrich Mann ist bei weitem nicht der Einzige, der einen Boykott der Spiele forderte. Besonders in den USA, wo man die Verfolgung der deutschen Juden mit viel Sorge sieht, fällt die Entscheidung, doch nach Berlin zu fahren, nur knapp aus. Schließlich ist die Sowjet-Union das einzige Land, das boykottiert und das Kalkül der braunen Herren geht auf. Sie haben drei weitere Jahre Zeit, vom Ausland unbehelligt,Verbrechen zu begehen und einen beispiellosen Angriffskrieg vorzubereiten.

Noch heute heißt das im Stil des Nationalsozialismus gebaute Stadion, wie selbstverständlich, Olympiastadion. Der Autor und Schauspieler Hanns Zischler macht in seinem 2013 erschienenen Buch “Berlin ist zu groß für Berlin” einen interessanten Vorschlag. Warum sollte man die Sportstätte nicht in “Jesse-Owens-Stadion” umbenennen?*

M.K.

*http://www.taz.de/1/berlin/tazplan-kultur/artikel/?dig=2013%2F03%2F16%2Fa0246&cHash=e93e807698bd3532ff021214a721193b

Foto Olympiaglocke: Bundesarchiv Koblenz ©Creative Commons

Alle anderen Fotos: Paul Springer ©M.Kluge, Nachdruck mit Quellenangabe.

https://de.wikipedia.org/wiki/Tag_des_Gedenkens_an_die_Opfer_des_Nationalsozialismus

Familienportrait – “In Germany Before the War – Part 2” / Black and white photographs from the 1930s

Day of school enrollment

All photographs have been taken between 1935 and 1938. They show a country in a state of common mobilisation. Uniforms, parades and marching-tunes seemed to be an everyday occurrence. In private we see people engaged in peaceful doings, when the terror of the nazis was already obvious for everybody.

My great-aunt Lotte was married to the police-officer Paul Springer. He was an amateur fotographer who focused on his fellow policemen, his family, Berlin and the countyside, namely Bad Liebenwerda, a small town on the prussian border to saxony where Tante Lotte was born. I inherited an album of his pictures, the quality and the freshness of the prints is amazing. Many of the small 5 by 10 cm photographs were destroyed by uncle Paul in the last days of the war. The russian troops were notorious for shooting people on which they found pictures of swastikas or the “Führer”.

After the war uncle Paul was chosen to build a new Berlin police-force because he was no outspoken nazi and no member of the NSDAP. On may 1st 1946 he committed suicide by laying himself on the tracks of the Heidekrautbahn near Berlin. It remained unclear whether he did it because of crimes he committed during the Third Reich, or because of his severe head injury after a bomb explosion a few weeks before his death.

2016-01-15-0005 (3)

Japanese marines parading Unter den Linden

2016-01-15-0005 (4)

2016-01-15-0004 (2)

In front of the Humboldt-University

2016-02-25-0013 (2)

Raceground Hoppegarten

2016-02-25-0014 (2)

Collecting money for the nazis

2016-02-25-0016 (2)

Neptun fountain in front of the Stadtschloss

2016-02-25-0015 (2)

Olympic fire at the Stadtschloss

2016-02-25-0015 (3)

Ladies with dog in the countryside

2016-02-25-0003 (3)

Golden wedding of my great-grandparents 1937

2016-02-25-0004 (4)

Changing of the guard in front of Schinkels Neue Wache. The Nazis renamed it to “Ehrenmal”, as a memorial for their “martyers”.

img_20141230_00071

Brandenburg Gate on christmas 1937

2016-02-12-0001 (2)

Girls school

All photographs by Paul Springer

In Germany Before the War – Part One:

http://wp.me/p3UMZB-1pK

The Story of Paul Springer in german:

https://marcuskluge.wordpress.com/2013/09/30/familienportrait-tante-lotte-und-onkel-paul-ein-preuse-polizist-fotograf-und-sein-tragisches-ende-1933-46/

Berlin Typography

Text and the City // Buchstaben und die Stadt

Der ganz normale Wahnsinn

Das Leben und was uns sonst noch so passiert

500 Wörter die Woche

500 Wörter, jede Woche. (Nur solange der Vorrat reicht)

Licht ist mehr als Farbe.

(Kurt Kluge - "Der Herr Kortüm")

Eddie Two Hawks

Plant the seeds of peace within yourself, watch them grow in the world

Gabryon's Blog

Die Zeit vollendet dich...

bildbetrachten

Bilder sehen und verstehen.

Idiot Joy Showland

This is why I hate intellectuals

The Insatiable Traveler

World Travel | Award-winning Photography| Inspiration | Tips

Marlies de Wit Fotografie

Zoektocht naar het beeld

Ein Blog von Vielen

ein Ziel - viele Kämpfe_r_innen

erwinphotos

….es ist mir eine Freude - Dir meine Fotos zu zeigen…..

literaturfrey

In der Kunst spielt ja die Zeit, umgekehrt wie in der Industrie, gar keine Rolle, es gibt da keine verlorene Zeit, wenn nur am Ende das Möglichste an Intensität und Vervollkommnung erreicht wird. H. Hesse

blackbirds.TV - Berlin fletscht seine Szene

Anmerkungen zur Berliner Musikszene

finbarsgift

finbars geschenk ist seine seherische fähigkeit

Rainer "rcpffm" Peffm 's mobile blog and diary

Smile! You’re at the best **mobile** made *RWD* WordPress.com site ever

Leselebenszeichen

Buchbesprechungen von Ulrike Sokul©