Familienportrait: „Die Aktentaschen meines Vaters“ / 1954-1982

Eine Marotte, die mein Vater nach seiner Rückkehr aus Kriegsgefangenschaft in Sibirien entwickelte, betraf seine Aktentaschen. Er schleppte stets mindestens zwei oder drei lederne Aktentaschen mit sich. Er hatte wohl das Bedürfnis, gegen alle Unwägbarkeiten des Schicksals gerüstet zu sein. Viele Bücher, dann auch Akten, Hefte, Urkunden, eine Thermoskanne mit Kaffee, Stullen, Medikamente, Werkzeug und ein oder mehrere Fotoapparate sowie Zubehör. Es war erstaunlich, was er da manchmal zutage förderte. Als Kind war ich natürlich höchst neugierig auf den Inhalt und schaute gern selbst nach. Sein Drang alles mögliche, besonders seine Frau und Kinder zu fotografieren, wurde wir manchmal lästig. Heute freue ich mich über die vielen Fotos. Auch im Urlaub und auf Ausflügen durfte sein “Gepäck” nicht fehlen. Solange er ein Auto hatte, befand sich im Kofferraum ein kleiner “Handapparat” von ein oder zwei Dutzend Büchern. Dass ihm der Lesestoff ausgehen könnte, war eine ganz reale Sorge für ihn. Diese Angst scheine ich von ihm geerbt zu haben, wenn ich das Haus verlasse, ist im Rucksack mindestens ein Buch für alle Fälle. Anfang der 80er Jahre, kurz vor seinem Tod, besuchte ich ihn das letzte Mal. Er hatte kein Auto mehr und kam zu Fuß von der Arbeit im Ibero-Amerikanischen Institut. Schon von weitem erkannte ich seine Silhouette, ein kräftiger Mann in Eile, in seinen Händen zwei dicke Aktentaschen.

Image

2014-06-21-17-30-34

Auch auf Reisen durften seine Taschen und Bücherstapel nicht fehlen.

img_20140626_0001

img_20130906_0003

Vater mit seiner geliebten Fototechnik.

img_20131023_0012

M.K.

Advertisements

Tags: , , , , , ,

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s

Berlin Typography

Text and the City // Buchstaben und die Stadt

Der ganz normale Wahnsinn

Das Leben und was uns sonst noch so passiert

500 Wörter die Woche

500 Wörter, jede Woche. (Nur solange der Vorrat reicht)

Licht ist mehr als Farbe.

(Kurt Kluge - "Der Herr Kortüm")

Eddie Two Hawks

Plant the seeds of peace within yourself, watch them grow in the world

Gabryon's Blog

Die Zeit vollendet dich...

bildbetrachten

Bilder sehen und verstehen.

Idiot Joy Showland

This is why I hate intellectuals

The Insatiable Traveler

Inspiration. Adventure. Photography.

Marlies de Wit Fotografie

Zoektocht naar het beeld

Ein Blog von Vielen

ein Ziel - viele Kämpfe_r_innen

erwinphotos

….es ist mir eine Freude - Dir meine Fotos zu zeigen…..

literaturfrey

In der Kunst spielt ja die Zeit, umgekehrt wie in der Industrie, gar keine Rolle, es gibt da keine verlorene Zeit, wenn nur am Ende das Möglichste an Intensität und Vervollkommnung erreicht wird. H. Hesse

blackbirds.TV - Berlin fletscht seine Szene

Anmerkungen zur Berliner Musikszene

finbarsgift

finbars geschenk ist seine seherische fähigkeit

Rainer "rcpffm" Peffm 's mobile blog and diary

Smile! You’re at the best **mobile** made *RWD* WordPress.com site ever

Leselebenszeichen

Buchbesprechungen von Ulrike Sokul©

%d bloggers like this: