Archive | May 2016

„Berlin-Lost and Found“ Die Foto-Serie hat jetzt eine eigene Seite

Im März 2016 kaufte ich mir eine einfache Digitalkamera. Ich hatte Lust den Orten meiner Kindheit und Jugend nachzuspüren. Es regnete tagelang, aber endlich am 1. April war Fotowetter. Ich streifte fünf Stunden durch die Nebenstraßen des Kudamms und veröffentlichte das Ergebnis als Strecke hier im Blog. http://wp.me/p3UMZB-1uU Am Steinplatz fiel mir das Polaroid von Ilona ein, auf dem sie vor einer Notrufsäule steht. Ich ahmte das alte Foto nach und so entstand mein erster Vorher/Nachher-Fotovergleich. Die Motive dieser “Lost and Founds” werden meist durch Fotos meines Vaters, Bruders, sowie eigene Bilder vorgegeben. Auch Rainer Jacob und andere Amateur- und Profikollegen haben mir Material anvertraut.
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Das Posting war recht erfolgreich und innerhalb von zwei Tagen wurde es 600mal besucht. Als zweites Projekt besuchte ich Schöneberg. Ich knipste das Café Mitropa, das Slumberland oder das Bowiehaus in der Hauptstraße. In kurzer Zeit sind ein halbes Dutzend dieser Zeitreisen erschienen und hier werde ich alle als Serie verlinken. Manchmal haben sich die Orte kaum verändert und nur im Detail zeigen sich die vergangenen Jahre. Meist ist der Lauf der Zeit gut erkennbar, die freien Sichtachsen der Nachkriegszeit sind durch Neubauten und das frische Grün des Frühlings besetzt. Wie grün Berlin heute ist, fällt positiv auf. Aber andere Entwicklungen sind schade, anstelle der romantischen Plumpe am Marheineckeplatz hocken hässliche Glascontainer, oder der ehemals schicke Gloria-Palast wirkt unansehnlich und ist mit Spanholzplatten vernagelt. Ein halbes Jahrhundert hat sich in das Gesicht meiner Mutterstadt eingeschrieben und mit wechselnden Gefühlen lichte ich es ab.

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Heimstraße Marheineckeplatz 1959. (Der Autor fotografiert von seinem Vater.)

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Gloria-Palast (oben 1958).

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(Café Central Foto: Knut Hoffmeister)

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TEIL 1

Im ersten Teil der Serie besuchen wir die Nebenstraßen des Kudamms. Es war meine Heimat in den 70er Jahre, mit meiner Liebe Ilona wohnte ich in einer WG in der Schlüterstraße und arbeitete als DJ im Tolstefanz.

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Ilona am Steinplatz 1975.

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TEIL 2

1977 zog ich nach Friedenau und Schöneberg wurde meine Heimat. 1981 führt der gewaltsame Tod von Klaus-Jürgen Rattay, unter anderen am Winterfeldtplatz, zu bürgerkriegsähnlichen Verhältnissen. Ich erinnere mich und fotografiere, was heute noch daran erinnert.

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Straßenschlacht Maaßenstraße (oben), ehemalige Hoffmanfiliale (unten).

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TEIL 3

Im dritten Teil besuchen wir die Gegend rund um das Kranzler-Eck. In der Rankestraße hatte meine Mutter in den 60ern ihren Phono-Klub und ich verbrachte dort meine Nachmittage. 1988 bis 98 wohnte ich am Rankeplatz.

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Rankestraße, ca. 1959.

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Teil 4

Im vierten Teil der Reihe besuche ich den Fehrbelliner Platz, den Preußenpark und den Hohenzollerndamm, wo ich bis zum sechsten Lebensjahr wohnte.

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Blick über den Hohenzollernplatz zur, von den Berlinern, “Kraftwerk Jesu” genannten Kirche.

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M.K.


Die Serie wird fortgesetzt.

„Sonntagsspaziergang“ / Berlin – Lost and Found

Die historischen Ausgangsmotive für meine heutige fotografische Spurensammlung sehen aus, als könnten sie an einem Sonntag entstanden sein. Also habe ich mich auf einen Sonntagsspaziergang begeben und nachgeschaut, wie die Orte heute aussehen. Die meisten der alten Fotos hat mein Vater gemacht, das vom Ernst-Reuter-Platz ist einem Programmheft der Tribüne entnommen und die Savigny-Passage hat Cornelia Grosch in den 70er Jahren in Szene gesetzt.

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Wilmersdorfer Ecke Kantstraße (Der Junge mit der Kapuze ist mein Freund Rainer, das Foto hat sein Vater gemacht, ca. 1959).

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Bahnhof Zoo, ca. 1958.

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Ernst-Reuter-Platz (Oben: frühe 60er Jahre).

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Marheinickeplatz Heimstraße, ca. 1959.

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Europa-Center, oben ca. 1965.

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Delphi-Kino (Foto oben: Rainer Jacob 1978).

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M.K.

Schnelle Schuhe – „Landei, aufgeschlagen.“ / von Cordula Lippke – Punk in Berlin Teil 1

Heute beginne ich mit dem Reblog von “Schnelle Schuhe”, einer kleinen Reihe über Punk in der Mauerstadt. Neben den Texten von Cordula und mir werden drei weitere, neue Posts erscheinen. Zwei Artikel schildern die West-Berliner Punkszene aus der Sicht einer Spandauer Punkclique. Aufgeschrieben hat dieses Zeitdokument Olaf Kühl. Entnommen sind die Geschichten seinem, leider vergriffenen, Buch “laut und betrunken”. Außerdem erinnert sich der Musiker Sea Wanton, wie er 1983 mit seiner Band über die Transitstrecke nach West-Berlin kommt, um beim Atonal-Festival aufzutreten. Aber nun hat meine gute Freundin Cordula das Wort und erinnert sich an das Punk House, jene legendäre erste Punk-Location im West-Berlin der späten 70er Jahre. (M.K. Ob wirklich Bands wie “The Talking Heads” im Punk House gespielt haben, ist nicht zu belegen. Andere Zeitzeugen bestreiten es jedenfalls. Möglicherweise hat hier die Phantasie der Autorin einen Streich gespielt. )

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(Für meinen Sohn, der gerade 19 ist und seine Jugend an der XBox verschwendet.)

1977 kam ich nach Berlin um Kunst zu studieren, eigentlich: Visuelle Kommunikation, der eben erst eingerichtete FB 4 der Hochschule der Künste (die seit 2002 Universität der Künste heißt). Meine Eltern hatten es für mich vorbereitet. Ich war schon zur Aufnahmeprüfung nach Berlin gereist, aus Bad Gandersheim, wo ich gerade mein Abitur bestanden und bei der Zeugnisausgabefeier meinen ersten Vollrausch erlebt hatte.

Berlin war mein Sehnsuchtsort aus vielen Gründen. Auch dieses Lied, das ich aus einem alten deutschen Spielfilm kannte, schwingt da mit:
“Du bist verrückt, mein Kind, du musst nach Berlin … Da
gehörst du hin”* [„Der eiserne Gustav“ 1958].
Kurz zuvor war ich noch Bowie Fan gewesen. Bowie hatte mir zuerst meine Schwester im gemeinsamen Kinderzimmer vorgespielt: “There’s a starman waiting in the sky …” Das hatten wir 1972 im Chor gesungen.

1971 besuchten wir als Familie Berlin. Wir waren mit dem Flugzeug in Tempelhof gelandet, im Zoo und in Ost-Berlin gewesen und konnten einem Selbstmörder beim Nichtspringen vom Europa-Center zuschauen.
Ich hatte die Nase voll von den irritierten Blicken der Kleinstädter und Kurgäste, wenn meine roten oder blauschwarzen Haare, meine schrille selbstgeschneiderte Kleidung (eine Hommage an meine Oma Alwine, die immer alles selbst genäht hatte), ihr Weltbild störten. Im Frühjahr hatte ich die Aufnahmeprüfung an der HdK bestanden und war zum Studienbeginn mit Sack und Pack nach Berlin gezogen.

September 1977. In der Hochschule der Künste, im Konzertsaal, spielte Iggy Pop – das war mir wichtig! Er war ein Freund von David Bowie (wie wenig ich davon wusste, dass die Beiden kurz zuvor in Berlin gelebt hatten, wurde mir erst in diesem Jahr, 2014, in der grossen Bowie-Ausstellung bewusst). Ich bin allein zum Konzert gegangen, kannte ja noch Keinen in der großen Stadt, die ja noch eine halbe Stadt war und doch die größte Westdeutschlands, strictly West-Berlin.
Meine erste eigene Wohnung war eine recht teure möblierte Ein-Zimmer-Butze mit Aussenklo und ohne Bad in Neukölln (U-Bahnhof Grenzallee). Das war damals verbreitet in West-Berlin. Ich hatte mich bald daran gewöhnt ins Stadtbad zu gehen, um in einer der Kabinen ein Wannenbad zu nehmen. War auch gar nicht teuer.
Ja, ich war froh, von meiner Familie weg zu sein. “Das Dasein ist okay, aber Wegsein ist okayer!”, singt Funny van Dannen heute in mein Ohr. Die Familie hatte sich bald nach meinem Weggang aufgelöst (hinterrücks).
Bei mir in Berlin war Ausgehen angesagt, das war ja in Bad Gandersheim so gut wie unmöglich gewesen. Ich liess mich hierhin und dorthin treiben, was die Stadtmagazine eben so ankündigten (die taz war noch nicht gegründet, das zitty gerade erst) – ein Landei von 19 Jahren, auf der Suche nach dem Glück – und lernte viele seltsame Menschen kennen. Heute staune ich, dass mir trotz meiner grenzenlosen Naivität und Unerfahrenheit nicht mehr passiert ist als dieser Typ, den ich eigentlich meinen ersten Freund nennen müsste, wenn es nicht so peinlich wäre. Er hieß Harald und war heroin-abhängig, was mich als Fan von “The Velvet Underground” wahrscheinlich eher neugierig als vorsichtig machte, hatte ich doch bisher nur in Songtexten von dieser Droge gehört. Und das war Kunst, oder? Meine Drogen waren (und sind) Kaffee und Zigaretten. Selbst vom Alkohol wurde mir eher noch übel. Dieser Typ also hatte wunderbare lange blonde Locken und einen niedlichen süddeutschen Akzent. Die Hippiediskotheken, in die er mich ausführte, waren nicht ganz mein Geschmack. Ich hatte schon im Radio Punkmusik gehört (Niedersachsen war Einzugsgebiet vom BFBS, British Forces Broadcasting Service, wo auch John Peel sendete).
Eine neue Bekanntschaft empfand mein geringschätziges Naserümpfen über die üblichen Kneipen als Herausforderung und zeigte mir den neuesten Schuppen am Lehniner Platz: das Punk House. Von diesem Tag an war ich dort Stammgast, fuhr jeden Abend (das Nachtleben begann damals noch vor Mitternacht) mit dem 29er Bus vom Hermannplatz den Kudamm rauf. Ich hatte meine neue Heimat und viele Freunde gefunden, die zusammen mit mir das Punk-Sein in Deutschland gerade erst entwickelten. So kam es mir vor. Das war mein Ding. “Don’t know what I want but I know how to get it”. Jeder konnte so sein wie er wollte. Keine Vorschriften, keine Vorurteile. Nur Hippie durfte man nicht sein. Klar, dass ich mich von Harald trennen musste. Zum Abschied klaute er mir die paar Wertgegenstände, die mein möbliertes Zimmer hergab. Schmerzlich vermisste ich nur die Spiegelreflexkamera. Ich hatte meine erste Großstadtlektion gelernt, seitdem war ich Heroin-Usern gegenüber misstrauisch. Eine neue Kamera sollte ich erst drei Jahre später wieder bekommen, als mein irischer Freund mir eine aus einem Fotogeschäft klaute.

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Aber das alles war jetzt nicht wichtig. Genauso wenig wie mein Studium. Das Nachtleben hatte mich voll im Griff und es war absolut erfüllend. “The Talking Heads” und viele andere Bands spielten live im Punk House, wo die Bühne nur ein abgeteiltes Stück Tanzfläche war, Auge in Auge mit den Fans, manche Musiker blieben hinterher noch ein Weilchen da. Wildes Pogo tanzen, sich vor Begeisterung gegenseitig mit Bier überschütten und ab und zu am Flipper austoben, solche Sachen waren jetzt wichtig. Ich lernte dort Nina Hagen kennen und schüttelte Rio Reiser die Hand.
Wie lange gab es das Punk House? Ich weiss es nicht. [Wolfgang Müller in „Subkultur Westberlin 1979-1989“ erzählt davon: „Im Sommer 1977 eröffnet das Funkhouse am Kurfürstendamm. Westberlin – Funky Town? Ein kapitaler Flop. Das Lokal läuft schlecht. Der Inhaber erkennt die Zeichen der Zeit. Eine kleine Buchstabenauswechslung hat große Folgen: Aus dem Funkhouse wird das Punkhouse. Und dieses Punkhouse entwickelt sich nun zum ersten Treffpunkt einer gerade erst im Entstehen begriffenen Westberliner Punkszene.“ ] Wenn ich die Vielfalt der Erlebnisse und der Konzerte dort addiere, komme ich auf gefühlte zehn Jahre. Es war aber wohl nur etwas mehr als ein Jahr.

Das Silvester zum Jahr 1978 erlebte ich schon mit meiner ersten Band, “DinA4”, die Mädchenband ohne Auftritte, aber mit Proberaum, den uns Blixa Bargeld in einem Keller in der Sponholzstrasse, Friedenau, besorgt hatte. Wir hatten uns im Punk House an der Theke kennengelernt und zusammengetan, Birgit, Barbara, Gudrun und ich. Wir entschieden uns für unsere Instrumente nach Gutdünken und Laune, denn Können war kein Kriterium. Silvester feierten wir in Gudruns Schöneberger Wohnung mit vielen Freunden und einem genialen Buffet voller Speisen, die mit Lebensmittelfarbe ihren ursprünglichen Charakter verlieren sollten: grüne Buletten, blauer Vanillepudding, sowas alles. Dazu mein erster LSD-Trip, eher unspektakulär.
Für mich war und ist Silvester allein schon ein Trip und dieses Feuerwerk über dem Wartburgplatz war einfach großartig. Ein paar Hippies waren auch da (aus Flensburg und Köln oder so), sie waren Musiker und hatten uns damit Einiges voraus. Sie waren okay, obwohl wir uns als Punks gern von den Hippies abgrenzten. Sie verhalfen uns später, als “Din A Testbild”, immerhin zum ersten richtigen Auftritt: 13. August 1978, Mauergeburtstag. Süße sechzehn Jahre Mauer wurden mit einer Torte gefeiert, die die
Berliner Punkband “PVC” von der Bühne herunter verteilte. Lecker! Ich glaube, es war schon eine gewisse Dankbarkeit für diesen Schutzwall vorhanden, der uns das besondere, zulagengeförderte, wehrdienstbefreite, West-Berliner Punkleben ermöglichte.

Beim Mauerfestival 1978 lernten wir die Düsseldorfer/Solinger Szene kennen. Musiker übernachteten bei uns und diese neuen Verbindungen brachten schöne Transitreisen mit sich. Wir spielten und tanzten im Ratinger Hof und in Hamburg. Ich erinnere mich heute nicht gut an die Einzelheiten. Liebesdinge spielten eine Rolle, Drogen natürlich und das, was wir definitiv nicht Rock’n’Roll nannten.
Zu der Zeit war ich bereits länger beim Plattenladen Zensor quasi “angestellt” um die Buchhaltung zu machen. Das brachte es mit sich, dass ich in Berlin alle Konzerte, die mich irgendwie interessierten, umsonst besuchen konnte. Ich bin gerade dabei eine Liste zu erstellen und die Länge, die Menge haut mich selbst um. Da wundert es mich nicht mehr, dass ich bald mein Studium geschmisssen habe. Das Leben war doch zu schön. Ich wollte es mir nicht von obskuren Aufgaben verderben lassen, die keinen Spaß machten und deren Sinn ich nicht erkennen konnte. Inzwischen wohnte ich auch in der Wartburgstrasse (Schöneberg), Parterre. Die Küche war schwarz lackiert, das Schlafzimmer bonbonfarben und das Wohnzimmer grün und blau, wie ich es heute noch schön finde. Der Vermieter regte sich fürchterlich auf und schrieb Briefe an meine Eltern und meine Hochschule. Das amüsierte mich. Es gab ein Klo in der Wohnung! Zum Baden ins Stadtbad gehen war kein Problem. Ein Problem war der Kohleofen, der sich meinen Heizkünsten fast immer verweigerte. Als ich, zu Silvester 1978/79, vom Weihnachtsbesuch bei der Familie in Westdeutschland zurückkam, hatte ich Glatteis im Flur. Es war der legendäre Schneewinter, (in Schneewehen steckengebliebene Züge, ausgefallene Heizung, Fahrgäste, die miteinander die letzten Rotweinreserven teilten). Ich kroch mit dicken Wollpullovern unter die Bettdecke. Die Silvesterparty im Übungsraum konnte ich eh nicht mehr erreichen. Am nächsten Tag erfuhr ich, wer alles in welche Ecke gekotzt hatte.

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Der Zensor war ganz in der Nähe, Belziger Str. 23. Burkhardt freute sich, dass ich mich mit seiner elenden Zettelwirtschaft und den Anforderungen des Steuerberaters beschäftigen wollte. Ich wollte einfach nur ein bisschen Geld verdienen und mochte es, zwischen den Schallplatten (hatte doch selbst schon eine ansehnliche Sammlung zu Hause in den Obstkisten) und ihren Liebhabern zu arbeiten. Die vorderen Ladenräume gehörten dem Blue Moon, einem Rockabilly-Klamottenladen.

– wird fortgesetzt –

*”Du bist verrückt
Mein Kind
Du musst nach Berlin!
Wo die Verrückten sind

Da gehörst du hin!

Du bist verrückt
Mein Kind

Du musst nach Plötzensee.
Wo die Verrückten sind
Am grünen Strand der Spree!”

Berliner Volkslied. Die Melodie ist ein Marsch aus der selten gespielten und ersten abendfüllenden Operette “Fatinitza” (1876) von Franz von Suppé. Der Marsch ist im Libretto nicht textiert, die Worte hat der Berliner Volksmund hinzugefügt.

Die Zeichnung “Obey/Subvert” von Rainer Jacob zeigt den “Zensor” und seine “Buchhalterin” Cordula, rechts in der Subvert-Ecke. Sie ist als Illustration für das Kapitel “Beim Zensor hinter dem Blauen Mond”, aus dem Roman “Helden ’81” von Marcus Kluge, entstanden.

„Sign o’ the Times“ / Europa-Center, Breitscheidplatz, Kinos / Berlin – Lost and Found

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Marmorhaus (Oben ca. 1956).

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Gloria-Palast (Oben ca. 1958).

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Europa-Center Bikini-Haus (Oben ca. 1966). Unten: Europa-Center im Bau, 1965.

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U-Bahnhof Kurfürstendamm (Oben ca. 1978 Foto: Cornelia Grosch).

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Europa-Center Tauentzienstraße (Rainer ca. 1966).

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Bikini-Haus (Rainer ca. 1958)

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M.K.

„EVA-Lichtspiele, Monheim, Karstadt “ / Wilmersdorf Teil 3 / Berlin – Lost and Found

Als Kind in den 60er Jahren in Wilmersdorf aufzuwachsen hatte tatsächlich etwas dörfliches. Der Autoverkehr war kaum zu merken, insbesondere die Jahre nach dem Mauerbau waren still. So still, dass manche Berliner an einer Zukunft von West-Berlin als freier Stadt zweifelten. In der Wilhelmsaue gab es noch einen Viehbauern, bei dem man frisch gemolkene Milch kaufen konnte. Das großstädtische Leben spielte sich, wenn überhaupt, am Kudamm ab. Unsere Verbindung zur großen Welt war das kleine Karstadt-Kaufhaus zwischen der Berliner und der Badenschen Straße. Dort gab es Delikatessen, Spielzeug und billige Exportartikel aus aller Welt, wie Blumenbänkchen aus Bambus oder exotische Fische und Vögel in der Zooabteilung. Nachdem auch meine Eltern einen Fernseher anschafften, erhielten wir Freitags unsere Dosis Krimi. Um 20.15 Uhr guckte die Familie gemeinsam “Seventy-Seven Sunset-Strip” oder die unendliche Geschichte von Dr. Kimble, der “Auf der Flucht” nach dem einarmigen Mörder seiner Frau suchte. Am Sonnabend Nachmittag wurde ich mit einer Schüssel zum Eiscafé Monheim geschickt und immer gab es Rum-Traube, ob der darin enthaltene Alkohol schädlich für Kinder gewesen sei, war nie ein Thema. Nach dem meist etwas zähen Sonntagsbraten ließen sich die Kinder gern in die Jugendvorstellung im “Eva” schicken, während sich die Eltern einer, mehr oder weniger, faulen Siesta hingaben.

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EVA-Lichtspiele, 1938.

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U-Bahnhof Blissestraße, 1960.

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“Land unter” in den 1970er Jahren.

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Eiscafé Monheim.

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Mannheimer Straße am Alten Fenn, 1960.

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Am Alten Fenn liegt auch die Friedrich-Ebert-Oberschule, die ich zwei Jahre besuchte. Dann flog ich vom Gymnasium, wie andere aus meiner, im Jargon der 68er “Kollektiv” genannten Clique, auch. Wir hatten einen Schulstreik angezettelt und waren auch sonst höchst gefährlich. Einige von uns kifften und man befürchtete, wir wären Proselytensuche. Einmal ließ man uns zu acht, in der großen Pause, von der Polizei verhaften. Die Anekdote erzähle ich in meinem Roman “Xanadu ’73″*.

“An einem Montag im Herbst stehe ich wieder in der Raucherecke und ich drehe mir mit Drum eine filterlose Zigarette. Beaky steht ein paar Meter weg mit einem Mädchen und einem Jungen aus der Oberstufe. Die Drei rauchen eine Purpfeife. Irgendetwas geht vor, ich kann es nur noch nicht einordnen. Im rechten Augenwinkel sehe ich zwei Lehrer, ich blicke nach links, von dort nähern sich auch einige Lehrer. Als die Glocke die Pause beendet, hindern die Pauker mich, Beaky und sechs weitere Schüler, die Raucherecke zu verlassen. Als wir die Pädagogen fragen, was das soll, bekommen wir keine Antwort. Sie haben wohl Funkstille vereinbart. Die anderen Schüler hängen aus den Fenstern und glotzen. Als nach einer knappen Viertelstunde Polizisten den Schulhof betreten, bin ich nicht wirklich erstaunt.

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Wir acht werden also wie Verbrecher abgeführt, die restlichen Zöglinge in den Fenstern johlen und pfeifen. Wofür oder wogegen sich diese Akklamation richtet ist nicht völlig klar. Meiner Einschätzung nach richtet sich der lautstarke Protest gegen unsere polizeiliche Festnahme. Wir, die Delinquenten, finden uns in einer Arrestzelle in der Polizeiwache Rudolstätter Straße wieder. Wir werden erstmal in Ruhe gelassen, man wartet wohl auf Spezialisten aus dem Rauschgiftdezernat. Beaky hat noch die Pfeife und ein klelnes Stück Haschisch dabei. Die Fenster sind zwar vergittert, aber man kann sie öffnen und Beaky kann die Konterbande in einer Regenrinne verstecken, so das niemand von uns etwas Belastendes bei sich trägt.”

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Hildegardstraße 1961.

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Das Karstadt-Kaufhaus (Berliner Straße 150), 1960 von der Gerdauer Straße aus gesehen. Es wurde Ende der 1920er Jahre als “Kepa”-Kaufhaus gebaut.

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Die Inneneinrichtung der 60er Jahre.

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M.K.

*”Xanadu ’73 – der Roman”: http://wp.me/P3UMZB-Rw

Das historische Foto vom Eva stammt von der Website des Kinos: http://www.eva-lichtspiele.de/

Das Wolkenbruch-Foto von der Seite des Eiscafés Monheim: http://www.eiscafe-monheim.de/

Familienportrait „Wir waren dabei“ / Das Nazi-Regime im Spiegel von Zeitungsausschnitten

Meine Großtante Charlotte heiratete Ende der 1920er Jahre den Polizeioffizier Paul Springer. Für die junge Frau aus bescheidenen Verhältnissen war er eine gute Partie, wie man sagte. Paul war konservativ, kein ausgesprochener Nazi. Aber er hielt die Hitler-Partei für das richtige Gegengift gegen die politisch „instabile“ Weimarer Republik und die Massenarbeitslosigkeit. Wie viele andere erlag er dem furchtbaren Irrtum, Rechtsbruch, Antisemitismus und Gesinnungsterror seien „Kinderkrankheiten“ auf dem Weg zu einem neuen, erstarkten Deutschland. Letztlich bezahlt er für seinen Irrtum mit dem Leben, am 1. Mai 1946 legt er sich vor die “Heidekrautbahn” und bringt sich um.

Foto oben: Mussolini besucht Berlin und wird Veteranen begrüßt.

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Seine Frau und er glaubten Zeugen einer „großen Zeit“ zu sein. Lotte sammelte Zeitungsausschnitte und gemeinsam klebten sie sie in ein Album, dem sie den stolzen Titel „Wir waren dabei“ gaben. Aufmärsche, Paraden und Staatsbesuche „Unter den Linden“ sind dokumentiert, denn Paul war für die polizeiliche Sicherung dieser Veranstaltungen zuständig. Andere Themen sind die Polizei, Kriminalfälle, die rege Bautätigkeit dieser Jahre und Feierlichkeiten aller Art, wie Weihnachten, denen die Nazis ebenfalls ihren Stempel aufdrücken. Die Sammlung beginnt 1935 und endet abrupt 1938, kurz vor den Novemberpogromen, was kein Zufall ist. Ob es damals die erste Konfrontation zwischen Paul und seinen Vorgesetzten war, weiß ich nicht, aber diese hatte Folgen.

Als am 9. November gegen 22Uhr jüdische Geschäfte angegriffen wurden, stellte Paul uniformierte Polizisten als Schutz vor solche Läden in der Friedrichstraße. Um Mitternacht ging auf dem Revier ein Telex der Gestapo ein, nachdem die Polizei jüdische Einrichtungen nicht mehr schützen sollte, bzw. nur Plünderungen verhindern sollte. Paul Springer soll sich noch eine Stunde unsichtbar gemacht haben, doch gegen eins gab er den Befehl dann weiter.
Damit war seine Karriere im Dritten Reich beendet, der Polizeidienst machte ihm auch kaum noch Spaß. Bei Kriegsbeginn wurde er eingezogen, während seine Nazi-Kollegen für unabkömmlich erklärt wurden.

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Schon zwei Jahre vor Kriegsbeginn bereitet sich Berlin auf den Ernstfall vor. Eine ganze Woche übt man Luftangriff, Verdunkelung und Giftgasbedrohung.

Tante Lotte und er überlebten den Krieg und er erhielt eine zweite Chance sich im Polizeidienst zu bewähren, weil er relativ unbelastet war. Schon im Mai 1945 wurde er von den Alliierten als Fachkraft auf dem Revier 2 angestellt. Kurze Zeit danach konnte er als Reviervorsteher den Wiederaufbau des Reviers 12 leiten.

Am 16. März 1946 sicherte Paul mit Kollegen eine Fliegerbombe ab, als es zur Explosion kam. Er wurde schwer am Kopf verletzt, Prellungen, Schnitt- und Platzwunden wurden im Krankenhaus versorgt. Trotz einer Gehirnerschütterung wurde er aus der nach dem Unglück überfüllten Klinik entlassen.
Nach einem Tag ging er wieder arbeiten, gegen ärztlichen und freundschaftlichen Rat glaubte er, preußische Disziplin üben zu müssen. Ständige Kopfschmerzen, Schwindel und eine leichte Verwirrtheit, die er gut überspielte, begleiteten ihn. Am 30. April war seine Krankheit so offensichtlich, dass er sich arbeitsunfähig schreiben lies.
Paul hat sich am 1. Mai 1946 umgebracht, indem er sich vor die Heidekrautbahn legte. Lotte hat nie erfahren, ob sich Paul wegen der Kopfverletzung oder aufgrund von Gewissensbissen infolge seiner Mitwirkung an Naziverbrechen suizidiert hat.
Das „Wir waren dabei-Album“ hat das Kriegsende überstanden, weil es rechtzeitig in Bad Liebenwerda versteckt wurde. Andere Fotoalben und Abzüge auf denen Hakenkreuze oder Nazigrößen zu sehen waren, hat man verbrannt, bevor die Rote Armee Berlin einnahm. Man musste damit rechnen, umgebracht zu werden, wenn „Nazimaterial“ bei einem gefunden wurde. Tante Lotte zog nach Pauls Tod nach Pankow, wo wir sie regelmäßig besuchten, bis der Mauerbau unsere Familie trennte. Aber als Rentnerin konnte Lotte 1965 nach West-Berlin „ausreisen“. Sie wohnte dann mit meiner Oma zusammen in der Prinzregentenstraße. Bevor sie 1980 starb, hat sie mir das Album geschenkt.

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Die sogenannte Ost-West-Achse durch den Tiergarten wird gebaut.

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So sehen Humor und Frohsinn im Nazireich aus.

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Das Programm des gleichgeschalteten Rundfunks auf der Rückseite eines Ausschnitts.

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Blumenkorso zum 700. Geburtstag Berlins. Dominiert wird das großformatig abgedruckte Foto von Hakenkreuzfahnen, der Korso wirkt bescheiden daneben.

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Am Stadtschloss wird gebaut.

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Auch eine Weihnachtsbescherung von Droschkenkutschern ist Mittel der Propaganda, sie wird von der sogenannten “N.S.Volkswohlfahrt” durchgeführt.

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Im April 1937 feiert das Regime die Annexion Österreichs mit einer „Schweigeminute“ und dem „Hitler-Gruß“. Das Foto zeigt das Kranzler-Eck in der Friedrichstraße.

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Auch der Propagandaminister und seine Familie sind in Weihnachtstsimmung.

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US-Navy Matrosen beehren die “Reichshauptstadt”.

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Frontalunterricht und Hightech im Polizeirevier, Pauls Arbeitsplatz.

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Parade im April 1937.

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Opernball 1937. Das Foto stammt von Heinrich Hoffmann, der als “Hitler-Fotograf” bekannt wurde.
http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_Hoffmann_%28Fotograf%29

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1937 wurde der schöne Rundbau des Zirkus Busch wegen Straßenbegradigung der Burgstraße und Erweiterung des Blocks „Börse“ für den Bau von Reichszentralen verschiedener Wirtschaftsverbände abgerissen. Paula Busch hatte vergeblich versucht, durch Verhandlungen mit der Berliner Stadtverwaltung und Reichsstellen den Abriss zu verhindern.

Redaktion: Marcus Kluge

Die Dokumentation wird fortgesetzt.

„Volkspark und Schramm-Block” / Wilmersdorf Teil 2 / Berlin – Lost and Found

1960 zogen wir in den Schramm-Block direkt am Volkspark Wilmersdorf. Der etwas düstere, expressionistisch angehauchte Bau, aus den 1920er Jahren, hatte mir schon als Kind gut gefallen. Im gleichen Jahr wurde ich eingeschult. Auf dem Schulweg zur Prinzregentenstraße sollte ich die Bundesallee an der Ampel überqueren. Natürlich ersparte ich mir den Umweg und rannte über die Bundesallee, wenn keine Autos in Sicht waren. Der “Volksparksteg” wurde erst 1971 gebaut. Seit den 1920ern steht hier, am Beginn des östlichen Parkteils, der Speerwerfer”, eine Bronzeplastik von Karl Möbius. 1944 wurde das Standbild eingeschmolzen und 1954 neu gegossen.

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Bis zum Jahr 1915 gab es noch einen See (unten) im mittleren Teil des Parks. Es war ein beliebtes Ausflugsziel der Berliner, Schramms Tanzpalast war legendär. “Komm, Karlineken wat meenste, morjen jehn wa bei Schramm, een danzen?“, hieß es dann. Aber nicht nur die Gastronomie brachte Geld ins “Seebad Wilmersdorf”, auch die Spekulation mit Bauland machte manche Bauern zu Millionären. Der See begann zu versanden und um den Verkehr nach Berlin zu erleichtern, wurde er 1915-20 zugeschüttet. Als ich klein war bildete sich oft am Ende des Winters ein kleiner Tümpel aus Schmelzwasser auf der Wiese und ich hoffte stets, dass wieder ein See entstehen würde. Heute gibt es an dieser Stelle ein kleines Feuchtbiotop.

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Der Block im Zustand nach dem Bau ca. 1930 (oben).

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In den Nuller-Jahren wurde der Schramm-Block neu gestaltet und dabei oberhalb der 1. Etage heller verputzt (oben), wobei er etwas von seinem morbiden Charme eingebüßt hat. Wir wohnten im Eckhaus in der 2. Etage. Das Foto unten zeigt meine Großmutter vor dem Block 1960. Aus den 1960er Jahren stammen auch die meisten der älteren Fotos.

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Gleich im ersten Winter 1960/61 gab es reichlich Schnee und mein Bruder und ich bekamen Skier.

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Heute befindet sich in unserem ehemaligen Wohnhaus ein Café. In den 70er und 80er Jahren war in den Räumen ein Geschäft von “Lautsprecher Teufel”.

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Straße Am Volkspark.

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Die mittlere Parkanlage zwischen Bundesallee und Blissestraße wurde in den Jahren 1933 bis 36 angelegt. In den 60er Jahren wirkte sie noch recht streng, Rasen betreten und freilaufende Hunde waren verboten. Heute wirkt der Park freundlicher.

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Oben: Sicht in Richtung Schoeler-Park.

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Der Fußballplatz im Bereich des früheren Sees mit Blick auf die Auenkirche (oben 1960)

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Meine Mutter konnte sich ihren Wunsch erfüllen, bis zu ihrem Tod im Jahre 2005, in der Wohnung am Park zu leben. Wenn meiner Tochter und mir nostalgisch zu Mute ist, besuchen wir mit der Enkelin Neala das Café im Haus Livländische Straße 2.

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M.K.

Der nächste Teil der Serie beschäftigt sich unter anderem mit dem Eva-Kino und der Eisdiele Monheim.

Volkspark: https://de.wikipedia.org/wiki/Volkspark_Wilmersdorf

Wilmersdorfer See: https://de.wikipedia.org/wiki/Wilmersdorfer_See

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