Archive | March 2016

Prager Platz – “Das Glück der Arbeit” / Architektur aus dem Prager Weinbergsviertel

Diese kleine Auswahl an Bildern von Sakral- und Profanbauten aus dem Prager Vinohrady-Bezirk illustriert das Interesse von Architekten am Thema Freude an der Arbeit. Natürlich dürfte es in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts, als diese Bauten entstanden sind, nicht üblich oder gar selbstverständlich gewesen sein, Glück und Zufriedenheit aus der Profession zu ziehen. Dennoch hat der Versuch dieses Ideal in Architektur zu formen etwas Charmantes. Den hohen Wert der Arbeit im Zeitgeist des frühen 20. Jahrhunderts dürfte auch der Lohnarbeit zum “Broterwerb” gegolten haben. Damals waren den Menschen Hunger und Not näher, als uns Mitteleuropäern 100 Jahre später. Auch die Massenarbeitslosigkeit hatte damals m.E. härtere und existenziellere Folgen, als heute. Arbeit zu haben war Glück, ebenso wie eine menschenwürdige Wohnung zu haben. Des weiteren haben mich “die Dinge des Lebens” interessiert, die Baumeister aus den 1920er und 30er Jahren zum Schmuck ihrer Fassaden inspiriert haben.

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Der Dispatcher kuschelt mit seinem Telefon (ganz oben), der Maurer klopft versonnen den Backstein und der Architekt liebkost das Hausmodell. Dieses Haus in der Laubova-Straße 8 hat es mir besonders angetan. Leider konnte ich zu Architekt, Baujahr und Baugeschichte nichts in Erfahrung bringen. Google-Street-View siehe unten. Dort sieht man auch, dass das Haus nur wenige Meter von der “Art-Deco-Kirche” mit der riesigen Uhr entfernt ist.

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Hier fällt inmitten der Arbeitenden ein muslimisch gekleideter Herr auf, der gelassen eine Zigarette dreht und damit die Pause von der Arbeit zelebriert.

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Auch die Zeit wird thematisiert, von arbeitenden Menschen wird sie oft als Geißel empfunden. An diesem Sakralbau mit “Art Deco”Flair erinnert eine riesige Uhr an die Endlichkeit unserer Existenz. Das Rundfenster mit der Uhr richtet sich wie ein Zyklopenauge in Richtung Veitsdom, der Kathedrale des Erzbistums Prag. Die “Kirche des heiligsten Herzens des Herrn” wurde von 1928 bis 1932 nach Plänen des slovenischen Architekten Jože Plečnik erbaut.

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Ein Fries an diesem ursprünglich als Informationszentrum für Landwirte gedachten Bau thematisiert den Rohstoff des Brotes, das Getreide, während Demeter, oder eine andere Göttin des Ackerbaus im Zentrum, die Unterstützung himmlischer Mächte beschwört.

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Ebenfalls zu meinen Lieblingsgebäuden im Vinohrady-Bezirk gehört dieses “Hussitische Gemeindehaus” in der Dykova-Straße. Hier steht die flüssige Nahrung im Mittelpunkt, ein riesiger Kelch, das Symbol der protestantischen Hussiten, krönt den Turm, der weder ein Glocken- noch ein Kirchturm ist. Der konstruktivistische Bau nach Entwürfen von Pavel Janák entstand zwischen 1930 -35.

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Detail am Eingang zum Saal

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Alle Bilder habe ich zu Beginn der 1990er Jahre aufgenommen.

M.K.

Laubovastraße 8 Street-View:

https://www.google.de/maps/place/praha+laubova+8/@50.079083,14.449933,3a,75y,53.41h,90t/data=!3m7!1e1!3m4!1sv0cbMfrG9X91BAArUMSI3Q!2e0!7i13312!8i6656!4b1!4m2!3m1!1s0x0:0x27baa70e8448a751!6m1!1e1

Kirche des heiligsten Herzens des Herrn”: https://de.wikipedia.org/wiki/Kirche_des_heiligsten_Herzens_des_Herrn_%28Prag-Vinohrady%29

“Hussitisches Gemeindehaus”: https://translate.google.de/translate?hl=de&sl=cs&u=https://cs.wikipedia.org/wiki/Pavel_Jan%25C3%25A1k&prev=search

Werkbund-Siedlung: https://de.wikipedia.org/wiki/Werkbundsiedlung_Prag

Janáks eigenes Wohnhaus in der konstruktivistischen Werkbund-Siedlung in Prag-Device.

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By Jirka Dl (Own work) [CC BY-SA 4.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)%5D

Familienportrait –„Margys und Abschied vom Kudamm“ / 1975-77

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Heute wird Rolf Zacher, der Berliner Schauspieler, 75. Herzlichen Glückwunsch, Rolf! Aus diesem Anlass reblogge ich meine kleine Margys-Geschichte. Rolf Zacher gehörte zu den Stammgästen des Lokals in der Joachimsthaler Straße.

1975 endet meine erste große Liebe. Ich ziehe aus der WG in der Schlüterstraße aus und mir bleibt nichts anderes übrig, als zu meiner Mutter zu ziehen bis ich etwas Neues finde. Mit 20 ist das ein bisschen peinlich, nicht sehr. Tagsüber hänge ich noch viel in der Bleibtreustraße herum und treffe Hartmut, zu dem ich in die Knesebeckstraße ziehe. Abends gehe ich ins Margys in der Joachimsthaler Straße. Heute ist im gleichen Haus das Ku’dorf. Im Ku’dorf bin ich nur ein einziges Mal gewesen. Es war am 27. November 1975, dem Tag der Eröffnung. Mein Freund Robert T. Odeman, ein schwuler Literat, hatte mich dazu eingeladen, er hatte haufenweise Gutscheine für Speise und Trank und meinte, es könne lustig werden. Wurde es aber nicht. Die Berliner Mischung aus Filz und Schickeria der 70er Jahre war mindestens genauso unerträglich, wie besoffene Touristen. Na gut, wahrscheinlich schlimmer. Ich sage nur Lokalpolitiker…

Welt am Draht NEU

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Café Bleibtreu

Das Margys war aber gut, es lag im ersten Stock, im Sommer konnte man draußen auf der Terrasse stehen und feiern, es gab keine Anwohner, die sich beschwert hätten. Die Musik war gut und hier gab es eine nette Mischung von Tänzern, erotischen Abenteurern, Jungen, Mittel-Alten, Promis und natürlich gab es auch das gehobene Drogenvolk. Drogen waren nun mal in der 70er Jahren universal vorhanden. Die Schauspieler Y Sa Lo und Rolf Zacher waren Stammgäste, Y Sa am Anfang ihrer Karriere, Rolf war schon länger im Geschäft. In den 50er Jahren verdiente er als Rock’n’Roll-Tänzer in Rolf Edens Lokalen Geld. Von der Gage bei “Lautlose Waffen” (1966) kaufte er sich einen Porsche. Nach einem schweren Unfall wurde er mit Opiaten behandelt, als die nicht mehr gegen die Schmerzen halfen, landete er beim Heroin. Über 70 Entziehungsversuche und mehrere Gefängnisaufenthalte später, gelang es ihm in den 1980er Jahren, seine Sucht zu überwinden. Zachers Karriere brachte ihn weit, bis zur „Zauberberg“ Verfilmung von Geißendörfer, doch auch in die Niederungen der TV-Unterhaltung und in die Schlagzeilen der Boulevardpresse. Y Sa Lo gelangte zu eher kurzfristigem Ruhm in Fassbinder Streifen, dann machte sie Hörspiele und Theater, später unterrichtete sie Filmschauspiel.

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Joachimsthaler Straße

Im Frühjahr 1977 flippt Hartmut plötzlich und unerwartet aus. Nachdem er fünf Tage nicht geschlafen hat, glaubt er die Lösung für die deutsche Teilung zu kennen. Die Wiedervereinigung stehe vor der Tür, meint er. Kurz danach steht er vor der Tür der Nervenheilanstalt Wittenau und bittet um Einlass. Ich muss ausziehen.
Ich arbeite stundenweise in einer Buchhandlung in Friedenau. In der Rheinstraße 14 finde ich eine winzige Wohnung mit Kohleofen und Außenklo. Ich ziehe ein, weg vom Kudamm und seinen Nebenstraßen, und beschließe Schriftsteller zu werden. 

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Einzug Rheinstraße

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Hof Rheinstraße

https://de.wikipedia.org/wiki/Rolf_Zacher

Text: M.K. – Zeichnungen und Fotos: Rainer Jacob (Mit Ausnahme des Bildes von der Joachimsthaler Straße)

Editorial – “Drei Jahre Produktion” / Lesung am 15.4. und neues Buch

Dass ich wieder zu schreiben begann, habe ich dem Zufall zu verdanken. Es war Ostersonntag 2013 und ich hatte vor, mit einer Freundin einen längeren Stadtspaziergang zu unternehmen. Doch das Berliner Wetter präsentierte sich typisch elend für Ende März, es war kalt und es goss in Strömen. Der Spaziergang wurde abgesagt und mich ereilte ein seltener Anfall von Langeweile. Einem spontanen Einfall folgend stieg ich in den Keller hinab und kam mit einer verstaubten Kiste wieder zurück. In ihr fand ich alte Fotos, Briefe und andere Dokumente aus meiner und der Vergangenheit meiner Vorfahren.

Nach dem Tod meiner Mutter hatte ich das alles schnell zusammengepackt, um zu vermeiden, dass es auf dem Müll landete. Ich begann den Inhalt zu sichten und war fasziniert. Erst am späten Abend zwang mich mein knurrender Magen eine Pause einzulegen. Das Wetter blieb schlecht und so setzte ich meine Recherche in den folgenden Tagen fort. Hin und wieder googelte ich nach zusätzlichen Informationen und bald machte ich mir Notizen, um meine Findungen festzuhalten. Dank meiner Frühberentung war ich ja weitgehend Herr meiner Zeit, bis auf die Beschränkung durch meine angeschlagene Gesundheit. Als ich Rentner wurde, hatte ich gehofft, nun auch wieder Zeit und Muße zu haben, um zu schreiben. Hin und wieder machte ich Versuche, doch es wollte mir nichts Lesenswertes gelingen. Doch nun war es anders, seitdem ich die familiären Fundstücke sichtete, gingen mir so viele Anekdoten und Geschichtchen durch den Kopf, dass aus dem “Notizen machen” schließlich ein “Texte verfassen” wurde, ohne das ich darüber nachdachte. Drei Jahre später sind zwei Romane entstanden und eine große Sammlung von “Familienportraits”, die ich z.Z. für eine Buchausgabe bearbeite.

Danke für Eure Genesungswünsche. Ja, es ist besser, aber wird mich noch eine ganze Weile beschäftigen. Vor fünf Jahren hatte ich schon mal eine OP am Gaumen, diesmal ist auch der Rachen betroffen und ohne OP wird es wieder nicht abgehen. Die Lesung am 15. April mache ich auf jeden Fall, auch wenn ich jetzt Tom Waits ähnle, stimmlich. Hier noch einmal die Details der Veranstaltung:

Illustrierte Lesung: „Passbilder“

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Im Periplaneta Literaturcafé* am 15. April um 20 Uhr, der Eintritt ist frei.

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  • Der Autor und Blogger Marcus Kluge liest aus seinen autobiografischen Romanen und Familiengeschichten. Er schlägt einen Bogen zwischen dem Jahr 1910, in dem seine Großmutter nach Berlin kam, um als Hausmädchen zu arbeiten, und der heutigen Hauptstadt der Berliner Republik. Ihn interessiert das Leben der einfachen Leute und wie die große Politik Einfluss auf sie nimmt.

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 – Im seinem ersten Roman, „Xanadu ’73 – Liebe, Rausch und Rock’n’Roll“, schildert er den West-Berliner Underground der 70er Jahre. Der zweite Roman, „Ein Hügel voller Narren“, führt den Leser ins von Hausbesetzungen polarisierte Berlin des Jahres 1981.

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Der Illustrator und Artdirector Rainer Jacob zeigt zur Lesung historische Fotos und eigene Zeichnungen. –

* Periplaneta Literaturcafé, Bornholmer Straße 81a, 10439 Berlin
Tel.: 03044673433  Internet: http://www.periplaneta.com/about/cafe/

Meinen geschätzten Leserinnen und Lesern danke ich für das wohlwollende Interesse und die schönen Rückmeldungen. Ich hoffe, wir werden zusammen noch viele Geschichten entdecken, Geheimnisse lüften und Bilder bestaunen können.

M.K.

Berlinische Räume – „Lost in Lankwitz“ / von Bong Boeldicke / 1984-heute

„I’m too hardcore to be bourgeois“

Sensational* (WordSound Recordings, N.Y.)

Wenn man Lankwitz verlassen will, nimmt man am besten den Bus. Einstieg direkt an der Kirche, in unmittelbarer Nähe des „Pressezentrums Lankwitz–City“; schräg gegenüber der Kirchenvorplatz, ein stadtbekannter Kriminalitätsschwerpunkt. Hier treffen sich Alkoholiker, konkurrierende Jugendbanden und erholungsbedürftige Rentner. Man bleibt gern unter sich, jede Szene ein Subsystem, eine ausdifferenzierte, psychogeographisch bedeutsame Welt.
Lankwitz war früher ein Ort der Ruhe. Beschauliche Reihenhäuschen und um die Ecke Sommermeyer, der abendschaukompatible Eisenwarenhändler. Dann natürlich Boeldicke, das berühmte, streng bürgerliche Bettlakenfachgeschäft. Ein Hort des Guten, leider längst insolvent. Dafür gibts jetzt auf engstem Raum drei Billigfriseure mit Kaffee zum Gehen und immer ohne Voranmeldung. Türkische Geldwaschanlagen, Tristesse normal.
Woran es Lankwitz nicht mangelt, sind Persönlichkeiten, ausdrucksstarke Charaktere. Zum Beispiel der kiffende Rollstuhlfahrer, den sie ständig durch die Gegend schieben. Meine russische Nachbarin hat Angst vor ihm, weil man ihr letztens mit einem Schneeball die Fensterscheibe eingeworfen hat. Seitdem verbarrikadiert sie sich in ihrer Wohnung. Zumindest lassen die verschlossenen Fensterläden darauf schließen.
Mich kann das nicht mehr schrecken, seit ich eines Nachts, zusammen mit meinem Bankerkumpel, von drei Migrationshintergrundsschwachköpfen auf offener Sraße überfallen wurde. Plötzlich Blut, Schmerzen, ein gebrochenes Nasenbein – und das alles auf dem Thaliaweg, gegenüber vom Beethoven-Gymnasium, eigentlich ein Ort der Hochkultur. Krankwitz, sinnlos brutal. Man muss immer auf der Hut sein. Sobald ich meine Behausung verlasse, denke ich an „Draußen ist feindlich“. Blixa Bargeld wusste schon, was er tat, als er das große Ambientstück der ersten Neubautenplatte derartig betitelte.

Wer Augen hat, der sehe, der wird sie entziffern, die Zeichen des dunklen, gefährlichen Lankwitz. Die friedlich-verpeilte Rentneratmosphäre trügt. Ich weiß, wovon ich rede. Ich kenne die roughe Lankwitzer Hood seit mehr als 20 Jahren.. Ich weiß, was sich wo abspielt. Vor und hinter den Kulissen.
Wenn man also den Bus nimmt, um Lankwitz zu verlassen, geht die Fahrt zunächst die Leonorenstraße entlang. Linker Hand der S-Bahnhof, unser Tor zur Welt. Die dazugehörige Brücke ziert in großen Lettern das Wort HODEN: der letzte Gruß eines einsamen Sprayers, jedes Schriftzeichen eine liebevoll gestaltete, silbrige Fläche auf schwarzem Grund. Eine Botschaft an alle Pendler, merkwürdig verschlüsselt. In Lankwitz ist „alles besudelt“, wie es an der Mauer gegenüber von Woolworth heißt. Beliebte Treffpunkte sind das Cafe Sammeltasse und die Seniorenfreizeitstätte „Club Lankwitz“ in der Gallwitzallee. Der Laden ist gerade wieder in aller Munde, weil die NPD dort zum wiederholten Male ihren Parteitag durchzuführen gedenkt. Die wahre Geschichte des „Club Lankwitz“ ist allerdings eine andere: Aus gut unterrichteten Kreisen hörte ich von wüsten Gelagen, die dem Ex Kreuz Club und dem frühen Kitti in nichts nachstanden – eine Mischung aus frischer Fisch-Fotze, Stehpiepe und zwischenmenschlicher Begegnungsstätte. Der Laden existierte laut Zitty nur zwei Wochen, die allerdings sollen einzigartig gewesen sein..
Lankwitz hat einen großen Vorteil: Das ländliche Flair bewirkt sofortige Entspannung. Die Lankwitzer Landluft umschmeichelt dich, gibt dir Kraft, wenn du zurückkehrst aus der großen, bösen Stadt. Zurück aus dem Getöse, dem Gestank, der Scheinwelt. Außerdem: Lankwitz gilt als bieder und brav. Ein idealer Ort für Menschen mit einer nicht immer geradlinig verlaufenden Patchworkbiographie. Hier können sich Obsessionen herausbilden und gedeihlich entwickeln. Hier lässt es sich gefährlich leben, ohne dass andere etwas davon wissen. Alles ist möglich: Die Begeisterung für Industrial Culture und das Mitwirken in der Lankwitzer Lärmband „Frustrierte Konsumenten“. Das Leben als Hausbesetzer in London. Später das Absolvieren ausgedehnter Orientierungspraktika bei der Scientologykirche und der Staatssicherheit – alles Unternehmungen, die ohne eine entsprechende, psychogeographische Prägung, ohne Lankwitzer Roots, so schlicht nicht möglich gewesen wären. Das gilt natürlich auch für die Tätigkeit als Besserwessi in der Nachwendezeit und den unheimlichen Zwischenstopp im jamaikanischen Drogenknast, quasi die Schattenseite des gefährlichen Lankwitzer Lebens.

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Man verliert die Kontrolle und blickt in den Abgrund. Nicht nur den eigenen, wie es bei Büchner heißt, sondern den ganz konkreten, den, der einen tatsächlich umgibt. Jetzt bloß nicht abstürzen, sich wieder hochrappeln, weitermachen. Und das wird dann redlich belohnt, lankwitztypisch mit einer Verbeamtung auf Lebenszeit, Ab jetzt geht es einem gold. Nun lässt es sich ungestört spielen. Man ist Teil des Systems, wird zum subventionierten Remixer, zu einem staatstragenden King Tubby. Dread at the controls. Dubwise. Different style, seen?
Ein zusätzlicher Vorteil: Hier bleibst du unentdeckt, führst ein geheimes Leben, genau so, wie es von Marc Almond im gleichnamigen Song der ersten Soft Cell Platte „Non-Stop Erotic Cabaret“ besungen wird. Das nach Epikur erstrebenswerte Leben im Verborgenen praktiziert sicherlich auch Harzer, eine Lankwitzer Legende, ein früherer Gabelstaplerfahrer, der mich ständig mit großartigen Knistersounds versorgt und alles über menschenverachtende Schlitzerfilme weiß. „Man sieht sich“, ist einer seiner Schlüsselsätze. Und es stimmt: Wir laufen uns ständig über den Weg, obwohl er gerade nach Steglitz gezogen ist. Seltsam? Aber pure Realität.

Abends kann man in Lankwitz nirgendwo hingehen. Selbst der „Geiz-dich-satt –Stand“ vor Plus macht um acht zu. Früher gab es in der Kaiser Wilhelm Straße die schmierige Rockerkneipe „Quintessenz“. Dort habe ich nach der Wende meinen Stasicousin hingelockt, damit er auch mal was anderes sieht als die verwanzten Hochglanzräume im Hotel Stadt Berlin. Ein heilsamer Schock! So hatte er sich den Westen nicht vorgestellt. Was noch? Mein Freund Laba Labielle, ein zugezogener, manisch depressiver Großkünstler und Selbstdarsteller, empfiehlt abends die Stehkneipe Essbahn, da dort die lustigsten Speisekarten der Stadt darauf warten, gelesen und verstanden zu werden. Oder es geht gleich in eine der zahlreichen Selbsthilfegruppen, von deren Wirken die vielen Stadteilzeitungen kunden, die überall die Briefkasten verstopfen.
Die einzige Alternative: Man macht selbst etwas. Eine Party zum Beispiel, am besten eine Bong & Ilse Party, um an vergangene Großereignisse zu erinnern. Damals gab es ein Fest in der Moabiter Beusselstraße, wo sich der längst verstorbene Rob Philo Mantel-Schirm mit einer Goebbelsrede einführte und die Gäste das Fürchten lehrte. Zu fürchten brauchte sich diesmal niemand, dafür gab es herrliche Kontrollverluste, aber der Reihe nach.

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Das Konzept war einfach: Als Grundlage mein Lieblingsessen, eine türkische Linsensuppe mit Migrationshintergrundswurst, Kein Schnaps, dafür reichlich Wein und Bier, außerdem psychoaktive Substanzen, um sich, mit Huxley, chemische Ferien vom eigenen Selbst zu gönnen. Natürlich nur mithilfe des Guten und des ganz besonders Tollen, wo man sofort auf Toilette muss, sonst bringt diese Art Betriebsausflug nichts.
Die erste, krisenhafte Zuspitzung ließ dann nicht lange auf sich warten. Sie ereignete sich bereits Stunden vor der eigentlichen Festivität. Die blonde Ilse, nur nach außen Mitveranstalterin, im Innenverhältnis war ich allein für alles zuständig, Ilse half beim Getränkeeinkauf, besser, sie überwachte die Effizienz der durchzuführenden Arbeitsteilschritte – und jeder Fehler, jede sich einschleichende Unachtsamkeit, wurde sofort registriert und führte zu lautstarkem Getöse. Nein, es geht wirklich nicht, unnötig viele Servietten an der Kasse von Reichelt zu kaufen, die könne man im Großmarkt viel günstiger erwerben. Oder das Entladen des Autos: Da dürfe man nicht einfach in der Wohnung bleiben und die Flaschen auf den Balkon tragen, da müsse man mehr Verantwortung übernehmen und zum Auto zurückkehren, da dieses halb auf dem Bürgersteig stehe und somit Lankwitzer Bürger beim abendlichen Spaziergang behindere. Was ist der Kessel von Stalingrad, was Guantanamo gegen die verbalen Attacken meiner liebsten Partygauleiterin? Ich musste unwillkürlich an Ilse Koch denken, deren Name in den 80igern auf dem Cover einer wichtigen Lärmplatte prangte. Die nämlich, wo eine Mädchenstimme verängstigt flüstert: „Nein, Papa, ich will nicht, Papa …“ Darauf der Vater: „Komm, mein Täubchen, ich hab dich doch so lieb.“ Im Hintergrund verstörende Soundscapes von Nurse With Wound, der Gruppe von Steven Stapleton. Passt gut zu Lankwitzer Psychogesprächen, als Partybeschallung allerdings denkbar ungeeignet.

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Die Veranstaltung selbst lief dann komplett nach Plan. Ein gepflegter Kollektivabsturz, veredelt durch die Vorführung ausgewählter Videopreziosen, wobei der Tuntenindustrial von Throbbing Gristle bei einigen Gästen zu überschwänglichen Glückszuständen führte. Gleiches galt für die Wiedergeburt der Grace Jones. Morgens um sieben dann das Ende, zumindest scheinbar. Übrig blieb nur noch mein eingangs erwähnter Bankerkumpel, früher bei der IKB, jetzt Opfer der Finanzkrise, ein Lebemann und Womanizer. Beide sind wir ein eingespieltes Team, wenn es um krass-konkrete Kontrollverluste geht: allerdings immer nach festem Drehbuch, der Zufall hat hier keine Chance. Wo ist egal, ob nun auf Kuba, in New York oder innerhalb der eigenen vier Wände. Grenzüberschreitung geht immer, solange der Nachschub gewährleistet ist.

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Endlich alleine, von allen Gästen verlassen, entwickelte sich auch diesmal die bekannte Eigendynamik. Der verstärkte Einsatz noch vorrätiger Hilfsmittel beflügelte die Sehnsucht nach Rio – Karneval –Videos, dem Besten von Buttman und dem „Aufbruch ins hedonistische Zeitalter“, der Selbstdarstellung des Kit Kat Clubs auf der Love Parade anno 1999. Da geht wirklich was. Ich muss mich dann immer sofort aus- bzw. umziehen, und, nur mit zerfetzten Jeansresten und einem halbdurchsichtigen Glitzerhemd bewandet, durch die verdreckten Räume gleiten, ständig auf der Suche nach Spiegeln, in denen das wunderbare Outfit lustvoll-brutal dokumentiert wird. Ja, schreit es mir entgegen, du hast es geschafft, es ist wieder soweit, endlich verloren in Lankwitz. Und jetzt genieße!
Dazu mein seriöser Bankerfreund mit offener Hose vorm Fernseher sitzend, auffällige Bildsequenzen kommentierend, man tauscht sich aus, dann wieder das Gute, bis nichts mehr da ist, vollkommen egal; jetzt gibt es eh kein Zurück mehr, der nächste Tag wird gestrichen.
Am Montag dann Staatsexamensprüfung in Wittenau. Noch komplett euphorisiert von den Ereignissen der Nacht und mit beträchtlichem Schlafdefizit kämpfend, bejuble ich als Prüfer eine eher mittelmäßige Lehrprobe zu Goethes „Leiden des jungen Werther.“ Ich werde von der Kommission höflich zur Rede gestellt und man erkundigt sich, ob alle wirklich dieselbe Stunde gesehen hätten. Ein kurzes verbales Scharmützel, der Versuch, sich den endlosen Exzess nicht anmerken zu lassen – am Ende allgemeines Wohlgefallen, die Prüfungskandidatin hat bestanden, und zwar nicht schlecht.
Ein Hoch auf den Kontrollverlust, auf die Entgrenzung. Nie waren beide so wertvoll wie heute.

Die Fotos zeigen Bong Boeldicke zusammen mit dem, leider schon 2002 verstorbenen Künstler Hapunkt Fliegenstrumpf, bei einer musikalischen Performance Anfang der 1980er Jahre.

Hapunkt Fliegenstrumpf Fix:
http://433rpm.blogspot.de/2010/02/hapunkt-fix-fix-it-tape-bloedvlag.html

*http://www.wordsound.com/sensational.html

Familienportrait – “Schick siehste aus!” / Der Berlin-Look der 50er Jahre

Modenschau im Hilton-Hotel

Die Berliner waren nie dafür bekannt, sehr modebewusst zu sein. Die Hamburger kleideten sich gediegener, die Düsseldorfer modischer und die Münchner gaben mehr Geld für ihre Kleidung aus. Trotzdem gab es so etwas wie den Berliner Chic der 50er Jahre, klar, geradlinig, manchmal ein wenig gewagt und mit sehr viel Selbstbewusstsein getragen. Kopftuch trug die Damenwelt in Wirklichkeit, weil sie ihrer Frisur nicht sicher war. Sie tat aber so, als ob es ein gewolltes Accessoire wäre. Die kleinen Berliner wurden nur sonntags modisch aufgehübscht, normalerweise ließ man ihnen die Freiheit, in Shorts und Sandalen herumzuturnen. Da trotz Wirtschaftwunders bei vielen das Geld nicht locker saß, wurde viel improvisiert. Besonders die Berlinerin nähte, oder ließ nähen. In den Kaufhäusern gab es noch große Abteilungen, die neben Stoffen eine reiche Auswahl an Schnitten anboten. Ich habe spontan in die Fotokiste gegriffen und versucht dem “Berliner Look der 50er”, mit 15 Schwarzweiß-Fotos, ein Gesicht zu geben.

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“Kraftwerk Jesu”

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Wie heißt denn die Kleine?

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Schönes Hemd, praktische Shorts

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Zwerge im Grunewald

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Ball-Besucherinnen

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Wohl behütet

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Recherchen im Parkcafé

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Dame im Taftkleid

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Kopftuch im Duett

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Schick gemacht

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Ladenfrolleins in Herrenbegleitung

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Weißwand-Reifen

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Dame mit Koffergrammofon

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“Kudamm chic”

Die Bilder 1, 5, 11 und 15 stammen aus Rainer Jacobs Familienalben, die anderen aus meinen. M.K.

Familienportrait Teil 16 – “Drei Bücher über die Pflichten meines Sohnes Marcus” / Vater und ich 1954-82

44 vor Christus flieht Marcus Tullius Cicero, der berühmte Philosoph, aufs Land. Wegen seiner Kritik nach der Ermordung Caesars fürchtet er Repressalien. Er beginnt “De officiis” zu schreiben, das sind drei Bücher über die Pflichten, die er in Briefform an seinen Sohn Marcus addressiert. Marcus studiert zu dieser Zeit in Athen Philosophie. Im Gegensatz zu seinem Vater soll er nicht sehr fleißig gewesen sein, sondern das Leben genossen haben. Ciceros Ziel war es deshalb, seinem Sohn praktische Anweisungen anhand zahlreicher Beispiele zu geben und ihm seinen Hedonismus auszutreiben.

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Als ich geboren werde, kann mein Vater sich nicht entscheiden, ob er mich nach sich selbst “Helmut”, oder nach seinem großen, antiken Vorbild Cicero “Marcus” nennen soll. Deshalb steht in meiner Geburtsurkunde “Helmut-Marcus”. Mein Vater schenkt mir die “Drei Bücher über die Pflichten meines Sohns Marcus” meines Namenspaten Marcus Tullius Cicero zu meinem sechsten Geburtstag. Ich erinnere mich, dass ich mich über das unnütze Geschenk geärgert habe. Trotzdem versuche ich darin zu lesen, muss aber feststellen, dass die Sprache und der Inhalt sich selbst einem sehr frühreifen Sechsjährigen nicht erschließen. Ich kann mich nicht erinnern, was genau ich dabei dachte, auf jeden Fall werfe ich das dicke Reclam-Heft in den Hausmüll. Es muss aber eine demonstrative Geste gewesen sein, denn mir war bewusst, dass meine Eltern es dort finden. Ich rechne auch mit einer “Gardinenpredigt”, doch diese bleibt aus. Lediglich ein beiläufiges, “Bücher wirft man nicht weg”, bekomme ich zu hören. Daran habe ich mich auch gehalten, bis zum Tode meines Vaters, danach verstoße ich ein zweites Mal gegen das Gebot.

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Große Erwartungen

Vielleicht ahnt er nun, dass die hochgesteckten Ziele, die ich für ihn erreichen soll, zu anspruchsvoll sind? Schon bei der Einschulung hatte ich darauf bestanden, die erste Hälfte meines Doppelnamens zu streichen. Statt des mir peinlichen “Helmut-Marcus” beschloss ich, als “Marcus” durchs Leben zu gehen. Das ich mich gegen seinen Vornamen entschieden habe, wird ihn gewurmt haben. Er war in solchen Dingen eitel und empfindlich.

Mit Beginn der fünften Klasse soll ich aufs humanistische Gymnasium gehen und Latein als erste Fremdsprache lernen. Mein Vater besteht darauf, dass ich auf seine alte Schule gehe, das Goethe-Gymnasium, wo er sein Abi 1937 mit einem Schnitt von 1,0 abgelegt hat.

Am 1. März 1965 ist Rosenmontag, ausnahmsweise sendet das Fernsehen schon am frühen Nachmittag und überträgt die Karnevalsumzüge. Motto der Kölner ist in diesem Jahr die “Olympiade der Freude”. Karneval interessiert mich überhaupt nicht, die Live-Sendung schon. Ich zähle die Kameras und freue mich über Unschärfen und Schnittfehler. Währenddessen turne ich auf dem Sofa, rutsche ab und lande auf dem Boden. Ein heftiger Schmerz im rechten Oberarm ist die unmittelbare Folge. Eine Röntgenaufnahme zeigt einen Bruch und im Humerus etwas, das wie ein weißes Wollknäuel aussieht. Zwei Wochen später begebe ich in die Hände von Professor Maatz im Auguste-Viktoria-Krankenhaus. Er operiert die Zysten und füllt das fehlende Gewebe mit Knochensplittern vom Lamm. Den “Kieler Span” hat Maatz, der auch an der Uni-Klinik in Kiel tätig ist entwickelt. Nach zehn Tagen in der Klinik bekomme ich ein Gipshemd. Erst nach sechs Wochen endet die Tortur und der Gips kommt endlich ab. Zwischenzeitlich hat das Schuljahr im Goethe-Gymnasium begonnen. Als ich, Monate zu spät, zum Unterricht darf, habe ich die Grundlagen für Latein verpasst. Auch in Mathe und anderen Fächern ist das Versäumte kaum nachzuholen. Meine Eltern sind der Meinung, mit meiner “großen” Intelligenz müsse ich das schaffen. Natürlich bestehe ich das Probehalbjahr nicht, das Versagen fühlt sich schmerzhaft an. Mein Vater unterstellt mir Boykott. Sein ohnehin nicht sehr herzlicher Umgang mit mir kühlt sich weiter ab, auch ich gehe auf Abstand zu ihm.

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Meine Kindheit ist in einigen hundert Farb- und schwarz/weiß-Aufnahmen festgehalten. Als ich Fotos suche, die mich gemeinsam mit meinem Vater zeigen, werde ich lange nicht fündig. Zwei gefundene Bilder zeigen mich als Vorschulkind, ein einziges später. Helmut mustert mich ernst, während ich wohl Faxen mache. Schließlich ist Sylvester. Dabei hatte ich als Kind viel Kontakt mit meinem Vater, auch wenn ich mich nicht erinnern kann, dass er mit mir “kindgerecht” gespielt hat oder mit mir herumgetollt ist. Er tat, was er ohnehin gern tat, oder was er tun musste und ich durfte daran teilhaben. Er spielte sehr gern Karten und so brachte er mir Canasta und Rommé bei. Im Gegensatz zu Schach machte mir das auch Spaß, weil ich nicht jedes Mal verlor. Bei Schach unterlag ich grundsätzlich und zwar nach kürzester Zeit. Nie kam es meinem Vater in den Sinn, mir vielleicht einen kleinen Vorsprung einzuräumen oder mich gar zur Motivation einmal gewinnen zu lassen. Seitdem habe ich eine Abneigung gegen das Schachspiel.

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Helmut mustert mich ernst

Während meine Mutter tagsüber in ihrem Buch und Phonoklub wirkte, hatte mein Vater meist keine Arbeitsstelle. Er arbeitete an seiner Dissertation, gab Schauspielunterricht und er fuhr mit dem Auto durch Berlin um allerlei Einkäufe zu machen, abends war er Dozent in der Volkshochschule. Diese Einkaufstouren quer durch West-Berlin mochte ich sehr gern. Mein Vater schleppte immer drei bis vier Aktentaschen mit sich herum. Gern mochte ich die “Heftetausch-Läden”, dort bekam ich Fix & Foxi Hefte oder die Micky Maus, die ich später vorzog. Mein Vater kaufte sich Science-Fiction Schmöker und in Hinterzimmern Magazine für Freunde der weiblichen Anatomie, die damals noch verboten waren. Zwischendurch machten wir Rast in einer “Arweiterkneipe”, Papa trank ein kleines Pils und ich bekam für’n Groschen Erdnüsse aus dem Automaten auf dem Tresen. Auch am Heiligabend, während meine Mutter die Bescherung vorbereitete, ging er mit mir in die Kneipe. Wenn es dann dunkel draußen war, machten wir noch einen langen Spaziergang und zählten die Weihnachtsbäume in den Fenstern. Ich glaube, diese Erinnerung ist die schönste, die ich an ihn habe. Später habe ich mit meiner Stieftochter das Gleiche getan.

Mitte der 60er Jahre holten meinen Vater die Dämonen von zehn Jahren Krieg und Gefangenschaft in Sibirien ein. Meine Mutter stand ihm bei, bis sie selbst krank wurde. Helmut flüchtete sich in einen pausenlosen Rausch, den er mit Hilfe von Alkohol und außerehelichen Affären aufrecht erhielt. Selbst mich zu beaufsichtigen war ihm nicht mehr möglich. Er lies mich meist allein, tagsüber durfte ich literweise Cola trinken, abends wenn ich nicht schlafen konnte, gab er eine süße, scharfe, blaue Flüssigkeit auf das Langnese-Eis oder meinen Pudding. Der blaue Curacao funktionierte zwar als Schlafmittel, war aber eher ungut für einen Zwölfjährigen. Um mich vor der Verwahrlosung zu bewahren, wohnte ich bei Wolfgang Kluge und seiner Frau Notburga in Lichtenrade bis meine Mutter aus dem Krankenhaus zurückkam.

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Meine Mutter hatte eine enge Beziehung zu einem anderen Mann, doch diese war platonisch, soviel ich weiß. Als Backfisch Ende der 30er Jahre schwärmte sie für den jungen Schauspieler Wilhelm Borchert, der im Schauspielhaus mit Gründgens spielte. Nach dem Krieg wurde Borchert durch die Hauptrolle in “Die Mörder sind unter uns” zeitweise zum Filmstar. An der Seite von Hildegard Knef spielte er in dem Wolfgang Staudte-Film einen vom Krieg traumatisierten Arzt. Als mein totgeglaubter Vater überraschend 1948 aus der Gefangenschaft zurück kam, blieb Mutter lebenslang, aber auf Distanz mit Borchert befreundet. Der Schauspieler ist wohl eine Art idealisiertes alter ego meines Vaters für sie gewesen. Da sie Borchert immer wieder in Heldenrollen auf der Bühne und im Fernsehen bewundern konnte, mag viel dazu beigetragen haben, ihn zu glorifizieren. Dass Helmut ein problematischer Mensch war, schon vor dem Trauma von Krieg und Haft, wusste sie. Helmut hatte schon früh darauf hingewiesen und als Käte ihn 1948 heiratete, wusste sie dass die Ehe nicht einfach werden würde, aber meine Mutter war nicht die Frau, die sich durch Schwierigkeiten aufhalten lies. Mein Vater konnte Borchert nicht ausstehen. Er war grundlos eifersüchtig und er neidete dem “Staatsschauspieler” seinen großen Erfolg als Darsteller, der ihm selbst versagt blieb.

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1966 gab meine Mutter die Hilfsversuche auf. Sie begriff, dass sie ihrem Mann nicht mehr helfen konnte und reichte die Scheidung ein. Damals gab es die einvernehmliche Scheidung noch nicht, es galt das Schuldprinzip. Es wurde eine schmutzige, lange und teure Angelegenheit, die meine Mutter zu hundert Prozent bezahlte. Danach sprachen wir zuhause nicht mehr von “Papa”, er wurde zu “Helmut”. Und “Helmut” wollte nichts mehr von mir wissen. Ich weiß nicht, was er von mir erwartet hatte, vielleicht das ich ihm folgte oder für ihn eintrat. Ich war zwölf und mir war klar, dass er keine Verantwortung für mich übernehmen konnte. Auf jeden Fall hat er sich nach der Scheidung, nie wieder um mich gekümmert. Ich bekam keine Geburtstagsgrüße oder Geschenke von ihm, keine Briefe, keine Anrufe und er hat mich nie besucht. Es war, als ob ich, zu existieren aufgehört hätte.

Nach ein paar Jahren rief ich ihn an, wohl auch um meiner Mutter einen Gefallen zu tun. Einige Male besuchte ich ihn, obwohl mir diese Besuche schwerfielen. Nach mir und meinem Leben fragte er nie, er klagte eigentlich immer nur sein Leid, trank dabei und wenn er einen bestimmten Pegel erreicht hatte, begann er den Monolog aus Zuckmayers “Hauptmann von Köpenick” zu rezitieren. Er tat das auf eine pathetische, weinerliche Art, ein Schauspielstil, den er eigentlich ablehnte. “…und dann stehste vor Jott dem Vater, der alles jeweckt hat, vor dem stehste denn, un der fragt dir ins Jesichte: Schuster Willem Voigt, wat haste jemacht mit dein’ Leben, un dann muß ick sagen: Fußmatte…Fußmatte, muß ick sagen, die hab ick jeflochen in Gefängnis, un da sind se alle drauf rumjetrampelt.”

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Die Besuche fallen mir schwer.

Helmut hatte das Glück noch einmal zu heiraten. Seine Frau Eleonore stammte aus einer wohlhabenden Familie, die sich gern mit seinem Doktortitel schmückte. Eleonore mochte mich nicht, ich habe keine Ahnung wieso. Kurz vor seinem 63sten Geburtstag wollte ich meinen Vater noch einmal besuchen, aber nachdem ich über eine Stunde gewartet hatte, musste ich unverrichteter Dinge wieder gehen. Eleonore meinte, er wäre wohl auf der Arbeit aufgehalten worden. Doch ich ließ ihm “Die Sirenen des Titan”, den weisen und heiteren Science-Fiction-Roman von Kurt Vonnegut mit einer versöhnlichen Widmung, als Geschenk da. Während ich die Stufen des Hauses in der Goethestraße gegenüber der Post hinunterstieg, registrierte ich, dass mich die Wartezeit in Gegenwart der unfreundlichen Eleonore sehr viel Kraft gekostet hatte. Ich fühlte mich müde, verbraucht, am liebsten hätte ich mich auf die Stufen gesetzt. Beim Verlassen des Hauses erblickte ich weit entfernt die Silhouette meines Vaters am Steinplatz, der wie immer mehrere Aktentaschen in den Händen haltend, der Goethestraße entgegenhetzte. Wer weiß, wenn ich ein besserer Sohn, oder er ein besserer Vater gewesen wäre, vielleicht hätte ich auf ihn gewartet. Doch ich sah mich einfach nicht in der Lage, ihm ein weiteres Mal zuzusehen, wie er sich mit Wodka-Lemon betrank, um dann dem weinerlichen Vortrag der Lebensbeichte des Schusters Voigt zu lauschen. Ich beschloss es auf einen weiteren Termin zu verschieben, der hoffentlich unter besseren Sternen stehen würde.
Kurz nach seinem 63. Geburtstag, am 26. Juli 1982 starb Helmut. Eleonore lud mich und meine Mutter zum Begräbnis ein. 1982 lebte ich von der Hand in den Mund, außer abgetragenen Turnschuhe besaß ich nur ein einziges Paar elegantes Schuhwerk. Es waren violette Schlangenlederschuhe. Als Eleonore diese bemerkte, fiel sie beinahe in Ohnmacht, sie wirkte auf mich wie eine schlechte Parodie der Pawlowa, den sterbenden Schwan markierend. Und noch ein weiteres Mal empfand sie mein Verhalten als degoutant, weil ich vorzog bei meiner Mutter sitzen zu bleiben. Die ganze Feier muss ein ziemliches Desaster gewesen sein, das mein sonst so zuverlässiges Gedächtnis weitgehend gelöscht hat.
Zwei Wochen später bekam ich ein Paket von Eleonore. Es sollte mein einziges Erbe bleiben. Es enthielt einen mehrere Meter langen Schal, der dem Schal ähnelte, den Alec Guiness als Professor Marcus in “Ladykillers” trägt. Neben zwei Bänden Goethe und einem Kilo Walnüsse fand ich “Die Sirenen des Titan” und irgendetwas sagte mir, dass mein Vater mein Geschenk nie in den Händen gehalten hatte. Als letztes Erbstück hatte Eleonore eine Broschüre mit dem Titel “Über die Kriegsschuld Polens” beigefügt, was ich als besonders niederträchtig empfand. Sollte diese doch vermutlich nahelegen, Helmut wäre auf seine letzten Tage noch zum Neo-Nazi geworden. Am liebsten hätte ich die trauernde Witwe mit dem Schal erwürgt und anschließend mit den Walnüssen im Takt des “Ladykillers-Menuett” von Boccherini beworfen, die sie mir so sinnfrei beigefügt hatte. Ein zweites Mal in meinem Leben warf ich ein Buch fort, das rechtsradikale Pamphlet.
Erst nach dem Tod von Helmut, kam mir zu Bewusstsein, wie ungeheuerlich sein väterliches Gebaren eigentlich war. Als Kind und auch später habe ich es einfach so hingenommen, es hatte die normative Kraft des faktischen. Ich glaube Therapeuten sprechen da von einem Introjekt. Noch länger hat es gedauert, bis ich begriff, dass sich bei mir ein Verhaltensmuster entwickelt hatte, nachdem ich Menschen in mein Leben ließ, die mich nicht gut behandelten und die mich verließen, wenn sie meiner nicht mehr bedurften. Vielleicht gehe ich mit Helmut zu scharf ins Gericht, weil ich meine Kritik erst so spät entwickelt habe. Andererseits kann ich nichts an meinen Empfindungen ändern. Sie sind wie sie sind.
Ich weiß nicht ob es etwas geändert hätte, wenn ich mich mit meinem Vater “ausgesprochen” hätte. Ich fürchte, wir hätten aneinander vorbei geredet. Ich halte meinem Vater zugute, dass ihn zehn Jahre Krieg und Gefangenschaft seelisch und körperlich beschädigt haben. Trotzdem konnte ich nie begreifen, wieso er ein derartiger Rabenvater wurde. Ich habe ihn nie gehasst, lieben konnte ich ihn aber auch nicht.

Bei den Theaterfotos handelt es sich um Szenen aus Inszenierungen mit Wilhelm Borchert, die meine Mutter gesammelt hat.

M.K.

Alle bisher veröffentlichten Folgen sind hier verlinkt:

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Familienportrait – “Ariernachweis” / Die Bürokratie des Rassismus / 1936

Der Zufall wollte es, dass ich mich am letzten Wahlsonntag, dem 13. März, bei der Arbeit am “Familienportrait-Buch”, mit der Rassismus-Bürokratie des Dritten Reichs auseinandersetzen musste. Die rechtsextreme AfD kam mit zweistelligen Ergebnissen in drei Bundesländern in die Parlamente. Was eine rechtsextreme Partei tun kann, wenn sie an die Macht kommt, zeigte mir ein sogenannter “Ariernachweis”, den ich bei den Papieren meines Vaters fand.

1936 hatte mein Vater einen Nachweis erbringen müssen, dass er “arisch” war, sonst hätte er kein Abitur machen können. So wollte es die NSDAP, die schon im April 1933, wenige Monate nach der Machtergreifung, Rassismus und Ausgrenzung zum Gesetz erhob. Erst mussten Beamte und öffentlich Bedienstete diesen Nachweis führen, bald danach wurde er für viele weitere Berufe Pflicht. Nach den “Nürnberger Gesetzen” wurde der Nachweis 1935 für alle Bürger obligatorisch. Und schließlich wurden sogenannte “Nichtarier” auf Basis dieses Dokuments in “Konzentrationslager” verschleppt und ermordet. Dabei war das Verfahren äußerst widersprüchlich. Es gab keine objektivierbaren Merkmale für den Rassenwahn der Nazis, die Physische Anthropologie, die sich mit Rassemerkmalen beschäftigt, kennt keine “arische Rasse”. Also war letztlich die Religionszugehörigkeit entscheidend. Wenn der Urgroßvater jüdischer Herkunft war, aber zum Christentum konvertierte, hatte man Glück, man galt als Arier. Doch wenn der Ur-Opa stattdessen dem Christentum abgeschworen und den jüdischen Glauben angenommen hatte, war man “unreinen Blutes”, mit schlimmen Konsequenzen.

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Den Antrags-Bogen hat ein deutscher Bürokrat sehr effizient gestaltet. Es gibt drei Abschnitte und alles findet auf einem DIN A4-Blatt Platz. Zunächst ist ein Lebenslauf gefordert, handschriftlich und äußerst ausführlich. Manche Details sind verwunderlich, so wird nach “Flugsport” gefragt. Es wird bereits an den Krieg und die Verwendung der “Arier” in ihm gedacht. Piloten werden erfasst und die Luftwaffe wird sie später zu Kampfpiloten machen. So widmet sich der zweite Abschnitt der Verwendungsfähigkeit der Antragsteller beim Militär. Ob man sich freiwillig gemeldet hat und ob man gemustert wurde, ist anzugeben.

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Auf der Rückseite folgt der eigentliche “Nachweis”. Da für alle Angaben beglaubigte Dokumente vorzulegen waren, musste mein Vater wie andere auch, sieben Geburts- oder Taufurkunden, sowie drei Heiratsurkunden besorgen. Er war der erste Abiturient in der Familie, seine Vorfahren waren Arbeiter, Lohnknechte und Mägde, allesamt protestantisch.  Eine Diskriminierung als “Nichtarier” musste er nicht befürchten.

Neben der diskriminierenden Wirkung, nach der weite Teile des Volks stigmatisiert wurden, gab es auch eine qualifizierende Wirkung. Menschen, die noch nie etwas im Leben erreicht hatten, auf das sie stolz sein konnten, fühlten sich nun als Mitglieder einer “Herrenrasse”. Wegen des Interesses an Stammbäumen wuchs die Zahl der “Sippenforscher” enorm an. Eigens für Ahnenangelegenheiten wurde die ‘Reichsstelle für Sippenforschung’ (ab 1940 ‘Reichssippenamt’) gegründet, welche die Abstammungsnachweise auf Grund der Urkunden ausstellte.

Mein Vater bestand 1937 sein Abi mit 1,0. Er begann zu studieren, doch schon 1938 wurde sein Jahrgang gemustert. Er war tauglich und rechnete sich aus, nach zweieinhalb Jahren wieder ins Zivilleben zurückzukehren, und sein Studium wieder aufzunehmen. Der Wehrdienst war eben auf zwei Jahre verlängert worden und ein halbes Jahr Arbeitsdienst kam hinzu. Als Einser-Abiturient hätte er Offizier werden können, aber er entschied sich dagegen. Helmut war zu diesem Zeitpunkt Buddhist, was er natürlich geheim hielt und das Töten, hoffte er, auf diese Weise vermeiden zu können. Seine Überlegung war vielleicht etwas naiv, aber im Grunde nachvollziehbar. Als einfacher Soldat glaubte er, daneben schießen zu können, doch als Offizier hätte er das Töten befehlen müssen.

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Ob ihm bewusst war, dass sein Wehrdienst länger werden würde, weiß ich nicht. Er wird sich darüber klar gewesen sein, dass die Nazis auf einen Krieg zusteuerten. Jedem halbwegs realistisch denkenden Deutschen musste dieser Gedanke gekommen sein. Hitler hatte sein Vorhaben schon in “Mein Kampf” niedergeschrieben. Außerdem war bei aller deutschen “Friedensrethorik” im Vorfeld des 2. Weltkriegs, die gigantische Aufrüstung unübersehbar. Wahrscheinlich hatte mein Vater gehofft, ein Krieg würde nicht lange dauern und er würde ihn überleben. Das Letztere gelang ihm, er überlebte den Krieg. 35% der Männer seines Jahrgangs kamen nicht aus Krieg und Gefangenschaft zurück. Was dem Regime das Leben eines Soldaten wert war, illustriert ein Hitler-Zitat, das perfiderweise auf den Feldpostkarten abgedruckt war: “Es ist gänzlich unwichtig, ob wir leben, aber notwendig ist, daß unser Volk lebt, daß Deutschland lebt.”

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Sein Wehrdienst sollte länger dauern. Ganze zehn Jahre war er Soldat gewesen, als er im Sommer 1948, abgemagert und traumatisiert, vor der Tür meiner Mutter stand, die ihn für tot gehalten hatte. Schon der Krieg war ihm als eine Art Hölle erschienen, doch die danach folgenden drei Jahre Kriegsgefangenschaft in Sibirien, waren wohl schlimmer. Wie die meisten Männer redete er nie über seine Erfahrungen. Er starb mit Anfang 60 an den Spätfolgen von Krieg und Gefangenschaft.

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Anfang der 1950er Jahre

M.K.

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