Archive | December 2014

Familienportrait – “Berliner Winter” / Fotos 1930er – 1970er Jahre

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Brandenburger Tor 1937

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Krumme Lanke 1937

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Rankestraße 1959

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Volkspark Wilmersdorf 1959

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Leider auch Berlin, 1975

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Volkspark Wilmersdorf 1962

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Hohenzollerdamm 1955

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2014 im Rückblick

Die WordPress.com-Statistik-Elfen haben einen Jahresbericht 2014 für dieses Blog erstellt.

Hier ist ein Auszug:

Die Konzerthalle im Sydney Opernhaus fasst 2.700 Personen. Dieses Blog wurde in 2014 etwa 29.000 mal besucht. Wenn es ein Konzert im Sydney Opernhaus wäre, würde es etwa 11 ausverkaufte Aufführungen benötigen um so viele Besucher zu haben, wie dieses Blog.

Klicke hier um den vollständigen Bericht zu sehen.

Schnelle Schuhe – „Landei, aufgeschlagen.“ / von Cordula Lippke / aus der Reihe: Punk in West-Berlin Teil 4

Für meinen Sohn, der gerade 19 ist und seine Jugend an der XBox verschwendet.

1977 kam ich nach Berlin um Kunst zu studieren, eigentlich: Visuelle Kommunikation, der eben erst eingerichtete FB 4 der Hochschule der Künste (die seit 2002 Universität der Künste heißt). Meine Eltern hatten es für mich vorbereitet. Ich war schon zur Aufnahmeprüfung nach Berlin gereist, aus Bad Gandersheim, wo ich gerade mein Abitur bestanden und bei der Zeugnisausgabefeier meinen ersten Vollrausch erlebt hatte.

Berlin war mein Sehnsuchtsort aus vielen Gründen. Auch dieses Lied, das ich aus einem alten deutschen Spielfilm kannte, schwingt da mit:
“Du bist verrückt, mein Kind, du musst nach Berlin … Da
gehörst du hin”* [„Der eiserne Gustav“ 1958].
Kurz zuvor war ich noch Bowie Fan gewesen. Bowie hatte mir zuerst meine Schwester im gemeinsamen Kinderzimmer vorgespielt: “There’s a starman waiting in the sky …” Das hatten wir 1972 im Chor gesungen.

1971 besuchten wir als Familie Berlin. Wir waren mit dem Flugzeug in Tempelhof gelandet, im Zoo und in Ost-Berlin gewesen und konnten einem Selbstmörder beim Nichtspringen vom Europa-Center zuschauen.
Ich hatte die Nase voll von den irritierten Blicken der Kleinstädter und Kurgäste, wenn meine roten oder blauschwarzen Haare, meine schrille selbstgeschneiderte Kleidung (eine Hommage an meine Oma Alwine, die immer alles selbst genäht hatte), ihr Weltbild störten. Im Frühjahr hatte ich die Aufnahmeprüfung an der HdK bestanden und war zum Studienbeginn mit Sack und Pack nach Berlin gezogen.

September 1977. In der Hochschule der Künste, im Konzertsaal, spielte Iggy Pop – das war mir wichtig! Er war ein Freund von David Bowie (wie wenig ich davon wusste, dass die Beiden kurz zuvor in Berlin gelebt hatten, wurde mir erst in diesem Jahr, 2014, in der grossen Bowie-Ausstellung bewusst). Ich bin allein zum Konzert gegangen, kannte ja noch Keinen in der großen Stadt, die ja noch eine halbe Stadt war und doch die größte Westdeutschlands, strictly West-Berlin.
Meine erste eigene Wohnung war eine recht teure möblierte Ein-Zimmer-Butze mit Aussenklo und ohne Bad in Neukölln (U-Bahnhof Grenzallee). Das war damals verbreitet in West-Berlin. Ich hatte mich bald daran gewöhnt ins Stadtbad zu gehen, um in einer der Kabinen ein Wannenbad zu nehmen. War auch gar nicht teuer.
Ja, ich war froh, von meiner Familie weg zu sein. “Das Dasein ist okay, aber Wegsein ist okayer!”, singt Funny van Dannen heute in mein Ohr. Die Familie hatte sich bald nach meinem Weggang aufgelöst (hinterrücks).
Bei mir in Berlin war Ausgehen angesagt, das war ja in Bad Gandersheim so gut wie unmöglich gewesen. Ich liess mich hierhin und dorthin treiben, was die Stadtmagazine eben so ankündigten (die taz war noch nicht gegründet, das zitty gerade erst) – ein Landei von 19 Jahren, auf der Suche nach dem Glück – und lernte viele seltsame Menschen kennen. Heute staune ich, dass mir trotz meiner grenzenlosen Naivität und Unerfahrenheit nicht mehr passiert ist als dieser Typ, den ich eigentlich meinen ersten Freund nennen müsste, wenn es nicht so peinlich wäre. Er hieß Harald und war heroin-abhängig, was mich als Fan von “The Velvet Underground” wahrscheinlich eher neugierig als vorsichtig machte, hatte ich doch bisher nur in Songtexten von dieser Droge gehört. Und das war Kunst, oder? Meine Drogen waren (und sind) Kaffee und Zigaretten. Selbst vom Alkohol wurde mir eher noch übel. Dieser Typ also hatte wunderbare lange blonde Locken und einen niedlichen süddeutschen Akzent. Die Hippiediskotheken, in die er mich ausführte, waren nicht ganz mein Geschmack. Ich hatte schon im Radio Punkmusik gehört (Niedersachsen war Einzugsgebiet vom BFBS, British Forces Broadcasting Service, wo auch John Peel sendete).
Eine neue Bekanntschaft empfand mein geringschätziges Naserümpfen über die üblichen Kneipen als Herausforderung und zeigte mir den neuesten Schuppen am Lehniner Platz: das Punk House. Von diesem Tag an war ich dort Stammgast, fuhr jeden Abend (das Nachtleben begann damals noch vor Mitternacht) mit dem 29er Bus vom Hermannplatz den Kudamm rauf. Ich hatte meine neue Heimat und viele Freunde gefunden, die zusammen mit mir das Punk-Sein in Deutschland gerade erst entwickelten. So kam es mir vor. Das war mein Ding. “Don’t know what I want but I know how to get it”. Jeder konnte so sein wie er wollte. Keine Vorschriften, keine Vorurteile. Nur Hippie durfte man nicht sein. Klar, dass ich mich von Harald trennen musste. Zum Abschied klaute er mir die paar Wertgegenstände, die mein möbliertes Zimmer hergab. Schmerzlich vermisste ich nur die Spiegelreflexkamera. Ich hatte meine erste Großstadtlektion gelernt, seitdem war ich Heroin-Usern gegenüber misstrauisch. Eine neue Kamera sollte ich erst drei Jahre später wieder bekommen, als mein irischer Freund mir eine aus einem Fotogeschäft klaute.

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Aber das alles war jetzt nicht wichtig. Genauso wenig wie mein Studium. Das Nachtleben hatte mich voll im Griff und es war absolut erfüllend. “The Talking Heads” und viele andere Bands spielten live im Punk House, wo die Bühne nur ein abgeteiltes Stück Tanzfläche war, Auge in Auge mit den Fans, manche Musiker blieben hinterher noch ein Weilchen da. Wildes Pogo tanzen, sich vor Begeisterung gegenseitig mit Bier überschütten und ab und zu am Flipper austoben, solche Sachen waren jetzt wichtig. Ich lernte dort Nina Hagen kennen und schüttelte Rio Reiser die Hand.
Wie lange gab es das Punk House? Ich weiss es nicht. [Wolfgang Müller in „Subkultur Westberlin 1979-1989“ erzählt davon: „Im Sommer 1977 eröffnet das Funkhouse am Kurfürstendamm. Westberlin – Funky Town? Ein kapitaler Flop. Das Lokal läuft schlecht. Der Inhaber erkennt die Zeichen der Zeit. Eine kleine Buchstabenauswechslung hat große Folgen: Aus dem Funkhouse wird das Punkhouse. Und dieses Punkhouse entwickelt sich nun zum ersten Treffpunkt einer gerade erst im Entstehen begriffenen Westberliner Punkszene.“ ] Wenn ich die Vielfalt der Erlebnisse und der Konzerte dort addiere, komme ich auf gefühlte zehn Jahre. Es war aber wohl nur etwas mehr als ein Jahr.

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Das Silvester zum Jahr 1978 erlebte ich schon mit meiner ersten Band, “DinA4”, die Mädchenband ohne Auftritte, aber mit Proberaum, den uns Blixa Bargeld in einem Keller in der Sponholzstrasse, Friedenau, besorgt hatte. Wir hatten uns im Punk House an der Theke kennengelernt und zusammengetan, Birgit, Barbara, Gudrun und ich. Wir entschieden uns für unsere Instrumente nach Gutdünken und Laune, denn Können war kein Kriterium. Silvester feierten wir in Gudruns Schöneberger Wohnung mit vielen Freunden und einem genialen Buffet voller Speisen, die mit Lebensmittelfarbe ihren ursprünglichen Charakter verlieren sollten: grüne Buletten, blauer Vanillepudding, sowas alles. Dazu mein erster LSD-Trip, eher unspektakulär.
Für mich war und ist Silvester allein schon ein Trip und dieses Feuerwerk über dem Wartburgplatz war einfach großartig. Ein paar Hippies waren auch da (aus Flensburg und Köln oder so), sie waren Musiker und hatten uns damit Einiges voraus. Sie waren okay, obwohl wir uns als Punks gern von den Hippies abgrenzten. Sie verhalfen uns später, als “Din A Testbild”, immerhin zum ersten richtigen Auftritt: 13. August 1978, Mauergeburtstag. Süße sechzehn Jahre Mauer wurden mit einer Torte gefeiert, die die
Berliner Punkband “PVC” von der Bühne herunter verteilte. Lecker! Ich glaube, es war schon eine gewisse Dankbarkeit für diesen Schutzwall vorhanden, der uns das besondere, zulagengeförderte, wehrdienstbefreite, West-Berliner Punkleben ermöglichte.

Beim Mauerfestival 1978 lernten wir die Düsseldorfer/Solinger Szene kennen. Musiker übernachteten bei uns und diese neuen Verbindungen brachten schöne Transitreisen mit sich. Wir spielten und tanzten im Ratinger Hof und in Hamburg. Ich erinnere mich heute nicht gut an die Einzelheiten. Liebesdinge spielten eine Rolle, Drogen natürlich und das, was wir definitiv nicht Rock’n’Roll nannten.
Zu der Zeit war ich bereits länger beim Plattenladen Zensor quasi “angestellt” um die Buchhaltung zu machen. Das brachte es mit sich, dass ich in Berlin alle Konzerte, die mich irgendwie interessierten, umsonst besuchen konnte. Ich bin gerade dabei eine Liste zu erstellen und die Länge, die Menge haut mich selbst um. Da wundert es mich nicht mehr, dass ich bald mein Studium geschmisssen habe. Das Leben war doch zu schön. Ich wollte es mir nicht von obskuren Aufgaben verderben lassen, die keinen Spaß machten und deren Sinn ich nicht erkennen konnte. Inzwischen wohnte ich auch in der Wartburgstrasse (Schöneberg), Parterre. Die Küche war schwarz lackiert, das Schlafzimmer bonbonfarben und das Wohnzimmer grün und blau, wie ich es heute noch schön finde. Der Vermieter regte sich fürchterlich auf und schrieb Briefe an meine Eltern und meine Hochschule. Das amüsierte mich. Es gab ein Klo in der Wohnung! Zum Baden ins Stadtbad gehen war kein Problem. Ein Problem war der Kohleofen, der sich meinen Heizkünsten fast immer verweigerte. Als ich, zu Silvester 1978/79, vom Weihnachtsbesuch bei der Familie in Westdeutschland zurückkam, hatte ich Glatteis im Flur. Es war der legendäre Schneewinter, (in Schneewehen steckengebliebene Züge, ausgefallene Heizung, Fahrgäste, die miteinander die letzten Rotweinreserven teilten). Ich kroch mit dicken Wollpullovern unter die Bettdecke. Die Silvesterparty im Übungsraum konnte ich eh nicht mehr erreichen. Am nächsten Tag erfuhr ich, wer alles in welche Ecke gekotzt hatte.

Der Zensor war ganz in der Nähe, Belziger Str. 23. Burkhardt freute sich, dass ich mich mit seiner elenden Zettelwirtschaft und den Anforderungen des Steuerberaters beschäftigen wollte. Ich wollte einfach nur ein bisschen Geld verdienen und mochte es, zwischen den Schallplatten (hatte doch selbst schon eine ansehnliche Sammlung zu Hause in den Obstkisten) und ihren Liebhabern zu arbeiten. Die vorderen Ladenräume gehörten dem Blue Moon, einem Rockabilly-Klamottenladen.

– wird fortgesetzt –

*”Du bist verrückt
Mein Kind
Du musst nach Berlin!
Wo die Verrückten sind

Da gehörst du hin!

Du bist verrückt
Mein Kind

Du musst nach Plötzensee.
Wo die Verrückten sind
Am grünen Strand der Spree!”

Berliner Volkslied. Die Melodie ist ein Marsch aus der selten gespielten und ersten abendfüllenden Operette “Fatinitza” (1876) von Franz von Suppé. Der Marsch ist im Libretto nicht textiert, die Worte hat der Berliner Volksmund hinzugefügt.

Feuerzangenbowlenrätsel / “Punks, Rebellen und unabhängige Geister”

Gesucht werden 6 Persönlichkeiten, 2 davon waren Berliner. Sie waren Vorläufer der Punks, Punks oder einfach Rebellen und starke Individuen, denen ihre Freiheit wichtig war. Sie kümmerten sich nicht um Karriere, sie taten was sie mussten und hatten meistens keine Ausbildung für das was sie taten. Sie hatten Erfolg, aber waren umstritten, oder ihre Werke blieben zu Lebzeiten unbekannt, weil sie das “falsche” Geschlecht oder die falsche Herkunft hatten.
Wer alle Persönlichkeiten richtig ermittelt und mir bis zum 31.12. um Mitternacht eine Mail mit dem Ergebnis schickt, nimmt an einer Auslosung teil. Als Gewinne gibt es ein wertvolles Punk-Mini-Album und eine Doppel-LP der Band “Mutter”, die unter den richtigen Einsendern verlost wird.

Da ich ohnehin für meine jährliche Feuerzangenbowle ein Rätsel vorbereiten wollte, kam ich auf die Idee, das auch für die Leser meines Blogs zu tun. Also viel Spaß beim lösen. Einsendungen bitte an diese Mail-Adresse:
blindepassagiere@gmx.de

Gesucht werden:

1.) Dieses Berliner Original hat es wirklich gegeben, aber manches was wir mit ihm verbinden, ist ihm nur angedichtet worden. Er soll mit seinem schnoddrigen Humor das Tagesgeschehen kommentiert haben. Wie die Punks war er dem Alkohol zugetan, sein Frühstück soll aus Butterstulle und einem Schluck Kümmel aus der Pulle bestanden haben. Er übte einen eher proletarischen Beruf auf den Berliner Straßen aus. Sein Kiez war in Mitte, die Ecke Neue Friedrichstraße/Königstraße Zentrum seines Wirkens, dort war auch seine Stammkneipe.
Er war mit seinen Leben zufrieden, folgende Zeilen wurden ihm in den Mund gelegt:
“Det beste Leben hab ick doch,
ick kann mir nich beklagen.”
Seinen Leben bereitete er jedoch selbst ein Ende, dass er mit üblicher Schnoddrigkeit angekündigt haben soll:
„Im Tiergarten, oh wie schaurig,
hing sich der xxx auf.
Im Tiergarten, oh wie traurig,
da endete sein Lebenslauf.
Schendarmen un Polizisten,
mit de Rettungsmedaille jeziert,
und andre jute Christen,
die kamen anmarschiert.
Sie schnitten ihn vom Baume,
er schlug die Oojen auf
und kam aus seinem Traume
und sprach voll Schrecken drauf:
‚Alljütijer, hab Erbarmen,
mein Jott, wat seh ick hier?
Inn Himmel sind ooch Schendarmen?
Nu is et aus mit mir.”
Wer war der schlagfertige Berliner?

2.) Sie kam aus einer armen Familie und musste mit 11 anfangen zu arbeiten. Mit 15 begann sie als Modell für Maler zu posieren. Sie wird von Zeitgenossen als verführerisch, provokant und kapriziös beschrieben. Ebenso schreibt man ihr zu ambitioniert, rebellisch, selbstbewusst und leidenschaftlich gewesen zu sein. Sie brachte sich selbst das Malen bei und konnte schließlich gut von ihrer Arbeit leben. Nicht zuletzt weil sie es verstand, sich selbst zu vermarkten. Auch ihr Sohn wurde ein berühmter Maler, den sie ebenso bekannt gemacht hat. Viele ihrer Bilder haben erotische Inhalte, als eine der ersten Frauen stellt sie den Mann als Objekt der weiblichen Begierde dar. Als sie im Alter von 72 stirbt, hinterlässt sie 300 Zeichnungen und 450 Gemälde. Sie wurde als erste Frau in die Akademie der schönen Künste ihres Heimatlandes aufgenommen. Wer war die begabte Malerin?

3.) Er hasste die Enge seiner Heimatstadt und lehnte sich früh gegen die Mutter auf. Der Vater war als Berufsoffizier kaum zuhause. Schon als Kind begann er zu schreiben, seine Begabung wurde anerkannt, auf dem Gymnasium erhielt er regelmäßig Preise für seine Texte. Ein Lehrer förderte ihn, auch als der 16-jährige in die Hauptstadt ausbüchste und dort ins Gefängnis kam, löste der Lehrer ihn aus. Bald veröffentlichte der junge Mann Texte und hatte einen begrenzten Erfolg. Die Mutter wollte, dass er einen ordentlichen Beruf ergreife, unser Gesuchter weigerte sich. Der junge Mann entwickelte eine radikale Theorie über das Schreiben, er forderte Ekstase und eine “Entfesselung der Sinne”. Mit 18 war er ein anerkannter Autor, mit 19 hörte er auf zu schreiben, für immer.
Auf der Suche nach einer neuen Identität reiste er durch Europa, aber nirgendwo kann er Fuß fassen. Schließlich wurde er Kaufmann auf einen anderen Kontinent. Als er krank wurde, kehrte er in seine Heimat zurück, wo er nur 37-jährig starb. Wer war das getriebene Talent?

4.) Seine Eltern hatten nie eine Hochschule besucht, er selbst schloss die Oberschule mit der höchst möglichen Punktzahl ab und studierte anschließend Literatur, Musik, Architektur und wollte Dichter werden. Auf einer Europareise hatte er eine Art Schlüsselerlebnis: “An einer Straßenecke in Sevilla bemerkte ich die Vielfalt simultaner visueller und hörbarer Ereignisse, die im eigenen Erleben alle zusammenliefen und Lust und Freude hervorriefen.” Auch die Avantgarde der Zeit studierte er auf dieser Reise: Arp, Duchamps, Schwitters, ebenso interessierte ihn der Bauhaus-Gedanke. Seinen Begleiter und Lebensgefährten ließ er zurück in seiner Heimat, als er sich in eine Frau verliebte, die er schließlich heiratete.
Er entwickelte eine Kunstform, in der er Oskar Fischingers Idee “einer allen Dingen innewohnenden Seele, die befreit werden kann, indem man den Gegenstand zum Klingen bringt”, verwirklichen wollte. Er präparierte seine “Werkzeuge” auf höchst unkonventionelle Weise, arbeitete mit Zufall und serieller Wiederholung. 1942 zog er nach New York und lernte dort viele bedeutende bildende Künstler und Musiker kennen. Nach dem 2. Weltkrieg wurde er geehrt, aber auch abgelehnt. Sein Vortrag über Beethoven und Satie wurde 1948 zu einem Skandal. In den 1950er Jahren schrieb er viel und wirkte als Lehrer, eine seiner Studentinnen war die junge Yoko Ono.
1984 reflektierte er das Orwell-Jahr, später wirkte er auch in Deutschland, z.B. in Köln und Kassel. Kurz vor seinem 80sten Geburtstag stirbt er in New York. Wer war der innovative Künstler?

5.) Sie wurde als Tochter einer wohlhabenden Berliner Familie geboren. Ab dem 7. Lebensjahr bekam sie künstlerischen Unterricht. In ihrer Kunst war sie exzentrisch und wurde bald zum, allerdings nicht unumstrittenem Star. Sie scheute auch vor Sujets wie Prostitution oder Orgasmus nicht zurück, die damals als sehr ungehörig galten, zumal wenn eine Frau sie behandelte. Auch arbeitete sie mit Mitteln, die dem Film entnommen waren. 1931 schrieb sie ein Buch, in dem sie sich radikale, neue Techniken wie Geräuschmusik und Cut-Up-Verfahren einsetzte.
Während des Dritten Reichs emigrierte sie, in den USA arbeitete sie als Tellerwäscherin, aber auch als Gastronomin.
Auch nach dem Krieg war sie immer wieder künstlerisch tätig, aber sie war nicht mehr ein berühmter Star, wie im Berlin der Weimarer Republik.
Sie starb in den 1970er Jahren auf Sylt, neben Berlin ihrem zweiten Wohnsitz. Sie wurde 86. Ihre Wünsche, ihre eigene Beisetzung betreffend, konnten wohl nicht ganz erfüllt werden, man musste improvisieren, ein Wunsch war zu exzentrisch. Wer war die radikale Neuschöpferin?

6.) Sie gilt als eine Stifterin der Punkbewegung, aber sie grenzte sich nicht von Hippies ab, wie die meisten Punks es taten. Sie sah Hippies und Punks als zum gleichen Lager gehörend, weil beide das Establishment ablehnten. Ihre Mutter war Zeugin Jehovas, aber schon als Teenagerin sagte sie sich von jeder organisierten Religion los. Als 21-jährige zog sie in die bedeutendste Stadt ihres Landes, was Kunst und Kultur angeht. Sie traf einen Fotografen, mit dem sie eine Liebesbeziehung hatte und den sie als “den” Künstler in ihrem Leben bezeichnet. Mit 23 ging sie nach Paris, wo sie Straßentheater machte. Zurück in ihrem Heimatland arbeitete sie weiter in Bereich Darstellende Kunst. Dann fand sie zu der Kunstform, die sie berühmt gemacht hat. In der ersten Veröffentlichung in dieser Kunstform beschäftigte sie sich mit so unterschiedlichen Themen, wie der Erfahrung am Fließband einer Fabrik zu arbeiten und der Erleichterung, die sie beim Lesen eines geklauten Buches von einem anderen unserer Proto-Punks, empfunden hatte. Dieser Vorfahre des Punk war schon wie ein fester Freund für die, als sie noch Teenagerin war. Mit Mitte 30 heiratete sie einen Mann, der den gleichen Nachnamen, wie sie hatte. Ihr Mann starb 14 Jahre später an einen Herzinfakt. Wer ist die gefragte Galionsfigur des Punk?

 

Familienportrait – “Bauchpinseln am Boxing Day” / 1922-1968

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Käte, meine Mutter, hatte das Pech, denn als solches empfand sie es, am zweiten Weihnachtsfeiertag geboren worden zu sein. Die englischsprechenden Menschen nennen diesen Tag häufig noch Boxing Day. Denn früher beschenkten die Reichen ihre armen Nachbarn und die “Herrschaften” ihre Dienerschaft am 26.12. Man gab Essen, Kleidung, Spielzeug für die Kinder oder einfach Geld. Da man die Gaben verpacken musste und auch nicht jeder Unbeteiligte sehen sollte, was geschenkt wurde, tat man sie in Schachteln.

Als Kind bekam meine Mutter nie irgendwelche Schachteln zum Geburtstag. Meine Oma legte einfach alle Geschenke unter den Weihnachtsbaum, sie dachte praktisch. Doch meine Mutter hatte das Gefühl, anderen Kindern gegenüber im Nachteil zu sein. Nicht nur bekam Käte keine Geschenke an ihrem Ehrentag, auch die Gratulation in der Schule verpasste sie, den es waren ja immer Ferien. Am schlimmsten war es aber für sie, dass sie keine Blumen bekam. Wenn sie reklamierte, antwortete die nüchtern denkende Oma: “Kind, du hast einen Weihnachtsbaum”, worauf meine Mutter regelmäßig in Tränen ausbrach. Obwohl Käte, wie man auf dem Kinderfoto sieht, reich beschenkt wurde, entwickelte sie ein kleines Geburtstagstrauma.

Ich kann mich gut daran erinnern, dass mein Vater Anfang der 1960er Jahre, an jedem 25.12. mit dem Auto quer durch die Stadt fuhr, um irgendwo einen schönen Blumenstrauß zu erstehen. Damals konnte man ja noch nicht an jeder Tanke Blumen kaufen. Meistens nahm er mich mit, wenn er sich auf diese Expeditionen aufmachte. Wir fuhren zum Bahnhof Zoo, da hatten immer alle Geschäfte zu, wir klapperten die großen Krankenhäuser ab, dort hatte manchmal ein Florist offen, wenn garnichts funktionierte, probierten wir es am Flughafen Tempelhof. Zwischendurch machten wir Rast in einer “Arweiterkneipe”, wie es mein Vater nannte. Papa trank ein kleines Bier und einen Schnaps und ich bekam Limo oder Eis. Mir machten diese Akquisitionstouren Spaß, meinem Vater auch. Er hätte natürlich am Vormittag des Heiligen Abends Blumen kaufen und sie verstecken können, aber das hätte jeder Dramatik und einer großen Geste entbehrt. Und mein Vater war schließlich ein Schauspieler mit ausgeprägten dramaturgischen Ambitionen.

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Mama, gebauchpinselt

Meine Mutter war auch glücklich, sie fühlte sich “gewertschätzt”, würden wir heute sagen, sie hätte wahrscheinlich “gebauchpinselt” gesagt. Ihr ganzes Leben achteten wir immer darauf, ihr mehrere Geschenke zu besorgen, am besten 3 oder 4 und sie sorgsam in Weihnachts- und Geburtstagsgeschenke aufzuteilen und Blumen durften auch nie fehlen, bis sie zu Weihnachten und ihrem Geburtstag 2004 ein letztes Mal gebauchpinselt wurde.

Allen Freunden, Lesern und Bilderguckern ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch in ein hoffentlich gutes Jahr 2015.

Familienportrait – “Erste Liebe – Bleistreustraße” / Videolesung

“Erste Liebe – Bleistreustraße” aus der Reihe Familienportrait. Die kleine Geschichte aus den frühen 1970er Jahren wird vom Autor, Marcus Kluge, gelesen.

Video: Rainer Jacob

Berlinische Leben – “Schnelle Schuhe – Punk in West-Berlin” jetzt mit eigener Seite.

Am 23. November 2014 begann ich eine kleine Reihe zu veröffentlichen, in der sich, unregelmäßig, unterschiedliche Autoren an die Blütezeit des Punk in Berlin erinnern.

Wahrscheinlich das Beste an den Punk-Jahren war die Selbstverständlichkeit mit der wir ans Werk gingen, um unsere eigene Musik, unsere Medien, unsere Mode und auch unsere eigenen Spiele zu erfinden. Was bisher nur Eliten gestattet war, eroberten wir uns, ohne groß nach Legitimation oder Qualifikation zu fragen. Wir machten es einfach. Was wir machten, hatten wir nicht in einer Schule oder Uni gelernt, wir lernten vom Leben und durch das Tun.

Der Punk kam nach West-Berlin und beendete kraftvoll die 70er Jahre, die ich, wenn zu ich einer royalen Familie gehören würde, als mein “Dezennium Horribilis” bezeichnen würde. Es war wirklich ein blödes Jahrzehnt, es baute sich auf der Asche der genialen 60er auf und bestand aus schlechter Musik, hässlicher Mode, dem “Deutschen Herbst” und Stillstand, sowie einem Strukturumbau, der die Grundlagen für den heutigen Turbo-Kapitalismus legte, aber das ahnte ich nur, damals. Umso bunter die Äußerlichkeiten wurden, desto grauer und gefühlskälter wurde die Gesellschaft innerlich. Die “Sexuelle Revolution” entpuppte sich als Erlaubnis Pornografie zu verkaufen und kaufen. Punk war der benötigte grobe Keil, um den 70er-Klotz zu zerhacken. Punk befriedigte den Wunsch der Jungen nach Authentizität, Lebensfreude und Gefühl. Endlich schaffte auch ich es aus meiner selbstgewählten “Splendid Isolation” und meinem Schweigen auszubrechen. Die Latte hing plötzlich so niedrig, dass in Grunde jeder sie überspringen konnte. Drei Akkorde reichten Musik zu machen und das Drei-Finger-Suchsystem reichte, um Autor zu werden.

Die Reihe “Schnelle Schuhe – Punk in West-Berlin” hat jetzt eine eigene Seite in meinem Blog und kann über eine Schaltfläche oben links im Lay-Out angeklickt werden.

Teil 1. Die Autorin hat den Beitrag zurückgezogen. (Als erstes erinnert sich Annemarie, wie sie atemlos durch die Berliner Nächte zieht, vom Café Mitropa ins Shizzo und von dort in die Music-Hall und wieder zurück ins Shizzo. Sie lernt angenehme Menschen kennen, wie Wolfgang und Nikolaus von “Die Tödliche Doris”, aber welche, die ihr höchst unangenehm sind, wie die Herren Pop und Bowie:)

Teil 2. Anfang ’79 sollen die “Sex Pistols” in der Neuen Welt spielen. Es kommt nicht dazu, Syd Vicious hat sich im Chelsea Hotel eine Überdosis Heroin gespritzt. Der Rest ist Geschichte. Punk kommt trotzdem nach West-Berlin und er beendet die öden 70er Jahre. Er gibt der Jugend Lebensfreude und Gefühl zurück. Vieles wird möglich, auch eigentlich Unmögliches, wie unser kleiner Hit “Üxxan Kcüruk” und das einer von uns mal das Bundesverdienstkreuz bekommen wird, war natürlich unverstellbar.

http://wp.me/p3UMZB-Wc

Teil 3. Herbert erinnert sich, dass bei diesem Konzert plötzlich zwei dubios aussehende Herren in Trenchcoats auf ihn zukamen, kurz befürchtete er wir wären “Gema-Agenten”, die sich ihm als Marcus und Andreas vom in Gründung befindlichen Fanzine Assasin vorstellten. Herbert war erleichtert, nicht von der Gema beim Bootleggen erwischt worden zu sein und das Projekt hörte sich spannend für ihn an.

http://wp.me/p3UMZB-X4

Die Seite “Schnelle Schuhe”:

http://wp.me/P3UMZB-Ye

 

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